Standard Eight (1954) – Schlichtheit als oberstes Prinzip

Erstellt im Jahr 2015
, Leselänge 4min
Text:
Jeroen Booij / Tamara Tanner
Fotos:
Archiv Jeroen Booij 
15
Bruno von Rotz 
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Archiv Reinhard / Max Pichler 
1
Archiv 
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Der Name Standard wurde gerne von Fahrzeugherstellern aus aller Welt genutzt. Insgesamt gab es 14 Unternehmen mit diesem Namen, darunter mehrere aus den USA, aber auch aus Italien, Deutschland und Indien.

Einer von Vielen aus Grossbritannien

Am Bekanntesten ist wohl die British Standard Motor Company, welche von 1903 bis 1963 Fahrzeuge produzierte. Während dieser Zeit war der Standard Eight, bezogen auf seine Produktionszahlen, das erfolgreichste Modell.


Standard Eight (1954) - schlicht aber dennoch schön
Copyright / Fotograf: Archiv Jeroen Booij

Gegründet worden war das englische Unternehmen im Jahr 1903 von Reginald Walter Maudsley, dessen Vater ein Pionier in der Dampfkraft war. Er wählte den Namen Standard mit folgender Begründung: Seine Wagen sollten aus stabilen Bauteilen bestehen, die ihre Belastbarkeit bewiesen haben, die die härtesten Test bestehen können und als der zuverlässige Standard gesehen werden.

Schlicht und einfach soll er sein

Und so war Schlichtheit eines der Hauptziele bei der Entwicklung und Herstellung der Fahrzeuge. Dieses Ziel der Einfachheit wurde nach dem Krieg umso wichtiger. Nach dem Krieg lag die Leitung des Unternehmens in den Händen von Sir John Black, ebenfalls Leiter von Triumph zu dieser Zeit.


Standard Eight (1954) - der Standard Eight besitzt eine sehr schlichte Karosserie
Copyright / Fotograf: Archiv Jeroen Booij

In den frühen 50er Jahren entschied Black, einen neuen Kompaktwagen herauszubringen welcher Austin (A30) und Morris (Minor) konkurrieren sollte. Und so entstand 1953 der Standard Eight, welcher damals an der London Motor Show in Earls Court zu einem Verkaufspreis von lediglich 482 Pfund angeboten wurde.


Standard Eight (1954) - aufgenommen am Earls Court Autosalon in London
Archiv Automobil Revue

Und simpel war er. Der erste Standard besass eine sehr schlichten viertürige Aufbau mit einem einfachen Vierzylindermotor mit 803 ccm Hubraum. Dieser leistete 26 PS bei 4500 U/min und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von rund 100 km/h. Er verfügte über ein Vierganggetriebe, ohne Synchrongetriebe im ersten Gang, und Trommelbremsen an allen vier Rädern.

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Es fehlte so einiges...

Eines der Besonderheiten des Wagens war, dass er ohne Kofferraumdeckel auskommen musste. Der Kofferraum konnte nur vom Inneren des Wagens erreicht werden, indem die Sitze heruntergeklappt wurden. Bei den frühen Modellen fehlten ausserdem Radabdeckungen sowie versenkbare Fensterscheiben und sie kamen mit nur einen Scheibenwischer aus dem Werk. Diese Mankos wurden jedoch später mit Zusatzaustattungen bei der De Luxe-Version ab 1954 behoben, sowie bei allen Modellen ab 1955 generlel eingeführt.


Standard Eight (1954) - bei den frühen Modellen konnte der Kofferraum nur aus dem Innenraum benutzt werden, ein Kofferraumdeckel von aussen fehlte
Copyright / Fotograf: Archiv Jeroen Booij

Die Zeitschrift The Autocar mochte den Eight und lobte seine Einfachheit, sogar seinen Innenraum: "Auch wenn sein Interieur etwas karg und nüchtern daherkommen mag, haben sich die Hersteller auf das Notwendigste konzentriert.".


Standard Eight Saloon (1957) - der richtige Wagen für den Golfspieler?
Archiv Automobil Revue

Der Neue ist ausgereifter

Im Jahr 1955 wurde sein Schwestermodell vorgestellt: der Standard Ten. Dieser besass einen stärkeren Motor mit 948 ccm Hubraum, mehr Chrom und hatte jetzt sogar einen richtigen Kofferraumdeckel. Die ultimative Version war der Standard Pennant: ein Ten mit Zweifarben-Lackierung, einem neuen Kühlergrill und einer überarbeiteten Karosserie mit kleinen Heckflossen.

Der Eight und der Ten wurden beide bis 1960 hergestellt, der Pennant war zu diesem Zeitpunkt schon über ein Jahr aus dem Produktionsprogramm von Standard verschwunden.


Standard Ten (1955) - soll in grösseren Mengen in die Schweiz gelangen - Genfer Automobilsalon 1955
Archiv Automobil Revue

Verkauf mit Folgen

Weil das Geschäft immer schlechter lief, entschied die Geschäftsleitung von Standard im Jahr 1961, dass ein Verkauf an die Leyland Motors Group die einzige Lösung war. Das neue Management entschied daraufhin, den Namen Standard zu verbannen, da er ihnen zu normal und langweilig klang. Und so nannte man ab sofort alle neuen Modelle Triumph. Der Nachfolger des Standard Eight wurde der Triumph Herald.


Triumph Herald (1961) - auch in Zweifarbenlackierung erhältlich
Copyright / Fotograf: Archiv Reinhard / Max Pichler

In Indien wurde der Name Standard jedoch noch lange beibehalten; bis 1980 wurden dort Triumph Herald unter dem Namen Standard Gazel gebaut.


Standard Gazel (1982)
Copyright / Fotograf: 

Kein wirklicher Glückskauf

Der hier portraitierte Wagen gehört dem Niederländer Bobe Heijnes, welcher den Eight von Klein auf kannte und jahrelang davon träumte selbst einen zu besitzen. Eines Tages sah er während der Ferien einen Eight im Inserateteil eines Autoheftchens und rief sofort den Eigentümer und Verkäufer des Autos an. Dieser wollte das Fahrzeug aber nicht für Heijnes zurückhalten bis dieser aus dem dreiwöchigen Urlaub zurück kam und so wurde vorerst nichts aus dem Kauf.

Wieder zu Hause, war der Standard Eight noch nicht verkauft und so ging Heijnes gleich am nächsten Tag beim Verkäufer vorbei, um sich den Wagen anzuschauen. Dieser war in einem ziemlich traurigen Zustand, doch der Niederländer kaufte ihn trotzdem und entschied, den Wagen zu restaurieren und ihm seinen alten Glanz zurück zu geben.

Originalgetreue Restauration

In weniger als einem Jahr restaurierte er den Wagen vollständig. Gemäss seiner Aussage waren mehr Dreck und Schmutz am Chassis und an der Karosserie dieses Autos als es auf den meisten Strassen gibt! Alle Teile die nicht mehr gerettet werden konnten, wurden sofern möglich erneuert. Das einzige was Heijnes nicht selbst machte, war die Karosserie - für diese Aufgabe beauftragte er einen Profi.


Standard Eight (1954) - schlicht und einfach war er
Copyright / Fotograf: Archiv Jeroen Booij

Das Resultat sieht hervorragend aus. Heijnes Standard Eight mit Jahrgang 1954 gilt heute als ein sehr sauberes Exemplar. Das Einzige, was nicht original ist, sind die Gürteilreifen (in der Regel waren es Diagonalreifen), die modernere Batterie und der Kontaktschalter (ursprünglich war ein Anlasserknopf eingebaut). Im Übrigen verbaute Heijnes noch eine Heizung, welche damals bei den frühen Modellen eine Option aber nicht fest eingebaut war.

Ein Auto, das Freude macht

Einmal fertig, begann Heijnes, den Wagen für Ausfahrten und Reisen im In- und Ausland zu benutzen. Er führte den Eight mehrmals nach Belgien, Deutschland und Grossbritannien aus.

Am meisten schätzt er an seinem Auto, dass sich so viele Menschen in England noch an den Standard Eight erinnern und er liebt es, die Geschichten dieser Menschen zu hören!

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