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Bild (1/19): Singer Nine Le Mans (1935) - der hübsche Roadster inspirierte viele andere Fahrzeuge (© Bruno von Rotz, 2011)
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    Singer Nine Le Mans - Vorreiter mit Le-Mans-Renngeschichte

    10. Mai 2011
    Text:
    Bruno von Rotz
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    Für viele, wenn nicht die meisten, wird ein Singer Nine Le Mans wie ein Zwilling der MG-Sportwagen TA/TB/TC aussehen, dabei prägte der Singer-Sportwagen die Konkurrenz und nicht umgekehrt. Den Singer nämlich galt es in Wettkämpfen zu schlagen. Technisch waren die Singer mit obenliegender Nockenwelle und hydraulischen Bremsen die Vorreiter. Doch blättern wir zuerst einmal zurück.

    Von den Anfängen der Autoherstellung bei Singer

    1875 gründete der begnadete Ingenieur George Singer seine eigene Firma und begann mit der Herstellung von Fahrrädern. In wenigen Jahren wurde er zum weltgrössten Fahrradhersteller, aber George strebte nach anderem und er begann Motoren zu bauen. Er baute ein Motorfahrrad mit drei Rädern, das bereits Aluminiumfelgen hatte, wie sie später Ettore Bugatti an seinen Rennwagen einsetzte. Die Entwicklungen gingen ständig weiter.

    1905 bot Singer das erste benzingetriebene Automobil an, zunächst noch mit Motoren aus fremder Fertigung. 1912 kam der grosse Durchbruch mit dem Singer Ten, dem ersten leichtgewichtigen richtigen Auto. Bis dahin waren Autos entweder schwerfällige, überkonstruierte Fahrzeuge oder sogenannte Cycle-Cars gewesen, also Fahrzeuge mit Fahrrad-/Motorrad-Technologie. Der Singer Ten aber wurde der “Rolls Royce of Cyclecars” genannt.

    1926 als der Singer Ten langsam veraltet war, führte Singer mit dem Junior wieder ein neues Leichtgewichts-Fahrzeug ein, positioniert als Konkurrent zum Austin 7. Der Junior war kompakt und gleichzeitig komfortabel, beeindruckend war aber insbesondere der 8-HP-Motor. Bereits mit einer obenliegenden Nockenwelle ausgerüstet sollte er die Basis für die Erfolge der nächsten fast dreissig Jahre sein. Einige Tausend Singer Junior wurden verkauft, das war bereits ein grosser Erfolg. Der Nachfolger, der Singer Nine mit einem grösseren Motor aber war noch viel erfolgreicher.

    Der Erfolg von Le Mans 1933

    Der Singer Nine nahm als Viersitzer 1933 in Le Mans teil und wurde überraschender 13. im Gesamtklassement. Das war ein hervorragendes Resultat, aber noch wichtiger war, dass er als erster britischer Wagen ohne Kompressor in der Klasse 1100 cm3 den Rudge Whitworth Cup gewann.

    Im Jahre 1934 fuhr der kleine Singer Nine Sportwagen beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2’203 Kilometer weit, auch das eine beeindruckende Leistung.
    Den Erfolgen von Le Mans folgten Siege in Brooklands und in vielen anderen Rennen. Auch für die Privatiers waren die Singer Nine Le Mans ideale Wettbewerbsgeräte.

    Die Ableitung für die Strasse

    Der Erfolg in Le Mans wurde sofort ausgeschlachtet und der Zweisitzer Singer Nine Le Mans wurde 1934 lanciert. Dieser kleine Sportwagen wurde sozusagen zum Archetyp des englischen Vorkriegs-Roadster, Attribute wie der stehende Tank hinter den Sitzen oder die herunterklappbare Frontscheibe wurden breit kopiert. 34 PS stark und gut 110 km/h schnell war das neue Modell.

    Die Bezeichnung “Nine” kommt übrigens von der britischen Gesetzgebung und der steuertechnischen Umrechnung von Zylinderdurchmesser und Zylinderanzahl, die eben neun (Steuer)-PS ergab.

    Mehr Leistung und weitere Verbesserungen

    1935 gestellte sich zum “normalen” Nine Le Mans das Modell “Nine Le Mans Special Speed”, das mit höherer Kompression und zwei SU-Flachstrom-Vergasern 38 PS locker machte. Die Zündung kam von der Schweizer Firma Scintilla. In den Jahren 1936 und 1937 war dieses Modell im Markt erfolgreicher als die Normalversion.

    Begeisterte Kommentare der Presse

    Regelrecht begeistert zeigte sich der Korrespondent der Zeitschriften “Moto-Revue” und “l’Actualité Automobile” nach seiner Testfahrt mit Ausgangspunkt Wembley. Er beschreibt den Singer Nine Le Mans als ein Auto, mit dem man locker den ganzen Tag 80 bis 100 km/h fahren könne ohne zu ermüden. Der Motor werde dabei nicht ausgelaugt. Der Wagen sei gut gerüstet für einfache Wartungsarbeiten. 11 Sekunden benötigte er für die Beschleunigung von 15 auf 50 km/h, in 10 Metern bremste der “Frenchman” den Wagen von 50 km/h auf 0 und als Verbrauch vermeldete er 8 Liter pro 100 km.

    Die Kollegen von “The Autocar” berichteten am 5. Juli 1935 über ihre Erfahrungen mit dem Singer Nine Le Mans Special Speed Model. Für den Sprint von 0 auf 96 km/h notierten sie 34.5 Sekunden, als Höchstgeschwindigkeit massen sie 75.63 mph, entsprechend 121.7 km/h, wohlgemerkt bei heruntergeklappter Frontscheibe. Bei steiler Stellung der Scheibe reduzierte sich die Spitzengeschwindigkeit um 12-15 km/h. Der Verbrauch wurde mit 9,4 bis 10,1 Liter pro 100 km errechnet. Beeindruckend fanden sie, dass man aufgrund der Fahrleistungen und des Fahrgefühls nie auf die Idee käme, einen Motor mit weniger als 1’000 ccm vor sich zu haben. Der Motor, gut für 5’500 U/min, strahle besonders auch am Berg und gegenüber dem Normalmodell überzeugte der ruhigere Motorlauf. Weiter lobten sie das Handling und den Komfort der individuell anpassbaren Sitze.

    Starten, fahren, geniessen

    Vor uns steht nun ein Singer Nine Le Mans, der 1935 gebaut wurde. Richtig niedlich schaut er aus, mit seinen 3,6 Metern Länge und 1,4 Metern Breite.
    Die Platzverhältnisse in der engen Kabine sind nicht generös, aber selbst mit 1,83 Meter Körperlänge findet man eine vernünftige Sitzposition hinter dem grossen Lenkrad. Der Motor wird nach Einschalten der Zündung mit Knopfzug vor dem Schalthebel gestartet und beginnt, sein knurriges und wohlklingendes Vierzylinderlied zu singen.

    Kupplung und Schaltung sind leichtgängig, los geht die Fahrt. Sicherheitshalber schalten wir grundsätzlich mit Zwischenkuppeln hoch und mit Zwischengas herunter, dann sind auch keine unliebsamen Geräusche zu hören.

    Rennwagenmässige Fahrleistungen kann man nicht erwarten, jeder Smart fährt schneller. Aber bereits die 80 km/h, die das kleine Wägelchen locker auf der Landstrasse hält, fühlen sich bereits ziemlich sportlich an. Bodenunebenenheiten lassen das Fahrzeug unerwartet die Richtung wechseln und die Bremsen lassen sich mit modernen Stoppern natürlich nicht vergleichen. Deshalb, Abstand nach vorne, Umsicht nach hinten walten lassen!

    Der Spass wird aber von den fehlenden PS nicht begrenzt, im Gegenteil. Selten bereiten 80 km/h so viel Spass wie in einem Vorkriegs-Roadster. Mit unbeschränkter Offenheit, die Motorhaube vor sich, die geschwungenen Kotflügel im Blick, geniesst man jeden Landstrassen-Kilometer. Geht’s bergauf, will zeitig zurückgeschaltet werden, denn Schaltvorgänge dauern, da der Motor bei Zwischengas-Stössen nur gemächlich hochdreht. Man ist aber schnell mit den Eigenheiten vertraut und will gar nicht mehr aussteigen.

    Selten, vor allem hierzulande

    182 noch existierende Singer Nine Le Mans zählte das “Millenium Project” des Singer Clubs rund um die Erde, der Grossteil davon mit 120 Exemplaren in England, 3 in den USA, 15 in Frankreich, 8 in Deutschland. Neben diesen “registrierten” Fahrzeugen wird es wohl noch eine beträchtliche Dunkelziffer geben, aber selbst unter generösen Annahmen dürften weniger als 400 Fahrzeuge noch fahrbar sein.

    Es soll noch mehrere Singer Le Mans geben in der Schweiz, sogar eines der seltenen 6-Zylinder-Modelle wurde schon gesichtet und auch in Deutschland gibt es ein geschätztes Dutzend dieser Autos. Aber im Vergleich zu MGs oder Austin 7 sind die Singer Le Mans eine Rarität und entsprechend gerne gesehen an Veranstaltungen. Sammler trennen sich nur selten von ihren liebgewordenen Schätzchen, somit kann das abgebildete Fahrzeug, das aktuell bei der Oldtimer Galerie in Toffen angeboten wird, als absolute Ausnahme gelten.

    Technische Daten

    • Motor: 4 Zylinder, 60 mm x 86 mm, 972 cm3, zweifach gelagerte Kurbelwelle (Special Speed Model mit dreifach gelagerter Kurbelwelle), obenliegende Nockenwelle, angetrieben durch Kette. Aluminium-Kolben, Doppelvergaser von SU, Kühlgebläse, Leistung 34 PS / 38 PS bei einer Verdichtung von 7:1 respektive 7,4:1 (hintere Zahlen für Special Speed Model)
    • Getriebe/Kraftübertragung: Viergang-Getriebe 5.57:1, 7.5:1, 12.4:1 und 24,4:1, 33.6:1 für den Rückwärtsgang, “geräuschloser” zweiter und dritter Gang, Trockenkupplung
    • Räder und Bremsen: 18 Zoll Rudge-Whitworth-Räder mit Zentralverschluss, 4,5x18 Zoll Reifen, hydraulische Bremsanlage, 10 Zoll grosse Trommelbremsen an allen vier Rädern, Wendekreis 35 ft (10.7 m)
    • Elektrik: 12 Volt für Licht und Starter
    • Dimensionen: Radstand 7 ft 8 ins (233,7 cm), Bodenfreiheit 8 inch (20,3 cm), Länge 11 ft 9 ins (358,1 cm), Breite 4 ft 7 ins (139,7 cm), Gewicht 15 cwt (762 kg)
    • Preis: £ 215 für das Le Mans Modell, £ 225 für das Special Speed Model

    Weitere Informationen

    • The Autocar, 5. Juli 1935: The Autocar Road Test No 957 - 9 h.p. Singer Le Mans Special Speed Model

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