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Bild (1/16): Simca Aronde Plein Ciel (1960) - Eigenständiges Gesicht (© Daniel Reinhard, 2011)
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    Simca Aronde Plein Ciel - Thunderbird à la française

    25. September 2011
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
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    Bruno von Rotz 
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    Es braucht nicht viel Phantasie, sich Jeanne Moreau im Simca Aronde Plein Ciel vorzustellen, wie sie vor einem Café am Boulevard St. Germain wartend eine Zigarette raucht, bis sie sich entscheidet auszusteigen, dabei ihr Knie sorgfältig an der weit in die Türöffnung hereinragenden Panorama-Frontscheibe vorbeischiebt und schliesslich die Wagentür schliesst und in das Lokal hineinschlendert, die Blicke aller Männer auf sich ziehend.

    Simca Aronde Plein Ciel (1960) - Die Panorama-Windschutzscheibe prägt die Form
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Dabei hätte Marilyn Monroe vielleicht besser in das Auto gepasst als die französische Schauspielerin, denn das Design des attraktiven Simca-Coupés war mehr als nur ein bisschen amerikanisch angehaucht.

    Ich verkaufe meine Autos den schönsten Frauen von Paris

    Henri Pigozzi (eine seiner Aussagen war “ich verkaufe meine Autos den schönsten Frauen von Paris”) stand der französischen Marke Simca (für Société Industrielle de Mecanique et Carosserie Automobile) von 1954 bis 1963 vor. Er war in vieler Hinsicht ein Marketing-Pionier. Er hatte erkannt, dass seine Kunden hübsche Autos kaufen wollten, dass die Technik aber dabei nicht zu kurz kommen durfte und vor allem zuverlässig sein musste.

    Simca Aronde Plein Ciel (1960) - die Coupé-Version basierend auf der P60-Baureihe
    © Zwischengas Archiv

    In diesem Geiste entstand Mitte der Fünfzigerjahre das Coupé Simca Aronde Plein Ciel, vorgestellt im Herbst 1956. Gebaut wurde die hübsche Karosserie weitgehend in Handarbeit bei der Firma Facel, genauso wie diejenige des Schwestermodelles Océane, einem Cabriolet mit weitgehend identischer Formgebung.

    Grosserientechnik und amerikanisch-italienisch beeinflusste Haute-Couture

    Formlich orientierte sich das rund 4,3 Meter lange und 1,6 Meter breite Coupé am gängigen amerikanisch angehauchten Geschmack. Die auffällige Panoramafrontscheibe und die Front des Autos erinnerte an den Ford Thunderbird, aber an vielen Stellen fanden sich auch italienische Züge am ausserordentlich gefälligen Coupé.

    Simca Aronde Plein Ciel (1962) - hübsche Strandaufnahme mit dem Simca Coupé
    © Zwischengas Archiv

    Technisch lehnte sich der Plein Ciel, was frei übersetzt freier/weiter Himmel bedeutet, an den Grosserienlimousinen Simca Aronde an, von welchen das Coupé Motor, Getriebe, Aufhängungen und viele weitere Komponenten übernahm.

    Die Aronde-Modellreihe war Simca’s erste Eigenentwicklung nach vielen Fiat-Lizenzbauten gewesen.

    Zu Beginn wurde der “Flash SpécialMotor, der aus 1’290 cm3 57 PS bei 5’200 U/min holte, in das Cabriolet Océane und das Coupé Plein Ciel eingebaut. Mit den gut 900 kg der kleinen Sportwagen hatte dieser Motor keine Probleme, über 130 km/h Höchstgeschwindigkeit und ein Benzinverbrauch von 8 bis 11 Litern pro 100 km waren mehr als akzeptabel, speziell in einer Zeit, als ein VW Käfer gerade mal 110 km/h erreichte und trotzdem über 10 Liter Benzin pro 100 km brauchte.

    Kein Sonderangebot im Vergleich zur Konkurrenz

    Handarbeit und exklusives Design kosteten Geld (998’000 F oder 12’850 CHF), der Simca Aronde Plein Ciel war im Vergleich zu Konkurrenten wie dem Renault Floride spürbar teurer und auch seine Limousinengeschwister (z.B. Simca Aronde Deluxe) waren wesentlich günstiger zu haben. Zum Vergleich: Ein VW Käfer De Luxe kostete 1957 in der Schweiz 6’425 CHF. Der relative hohe Preis garantierte eine je nach Standpunkt durchaus erwünschte Exklusivität, höchstens 6’000 Exemplare wurden in sechs Jahren gebaut.

    Modellpflege über sechs Jahre

    Das Coupé Plein Ciel wurde zwischen 1956 und 1962 gebaut und technisch ständig den Limousinen-Schwestern angepasst. Die Leistung des Flash Spécial” Motors stieg auf 60 PS. 1960 kam der “Rush Super” Vierzylinder mit fünffach gelagerter Kurbelwelle und 62 PS zum Einbau. 1961 stieg die Leistung mit dem “Rush Super M” sogar auf 70 PS.

    Auch an der Karosserie wurde ständig gefeilt, ein erstes grosses Facelift im Oktober 1958 brachte im Zusammenhang mit der P60-Gesamterneuerung der Aronde-Baureihe unter anderem neue Scheinwerfer und Rücklichter, geänderte Stossstangen, Zierstäbe hier und da, sowie weitere stilistische Eingriffe. Im Interieur wurde die Instrumenteneinheit “Simcascope” mit Bandtacho eingebaut, die Aschenbecher wanderten nach aussen. Dank dem grossen Handarbeitsanteil konnten Details immer wieder geändert werden.

    Langstreckenqualitäten

    Um die Langlebigkeit seiner Produkte zu beweisen, hatte Henri Pigozzi sich etwas ganz besonderes ausgedacht. Am 9. April 1957 wurde zufällig eine Aronde-Limousine (der 538’080. produzierte Aronde) vom Band genommen und zur Rennstrecke von Monthléry gefahren. Dort legte das Auto innerhalb von 38 Tagen 100’000 km mit einem Schnitt von 113.1 km/h zurück. Man kann sich vorstellen, dass Pigozzi diesen Weltrekord tüchtig ausschlachtete und auch die Plein-Ciel-Coupés trugen ein Emailschild, das auf diesen Rekord hinwies.

    Robust, sparsam und schnell

    DIe Zeitschrift Auto Motor und Sport hatte im Frühling 1961 die Gelegenheit, den Simca Aronde Monthléry, also die Limousinen-Schwester des Plein Ciel, zu testen und kam zu durchaus positiven Schlussfolgerungen. Besonders angetan war man von den klassensprengenden Fahrleistungen (0 bis 100 km/h in 23 Sekunden, Spitze 133 km/h), den vertrauenserweckenden Bremsen und der guten Strassenlage.

    Weniger begeistert zeigte sich Reinhard Seifert vom brummigen Motorlauf, von diversen Klappergeräuschen und einige unüblichen Bedienungselementen.

    Sein Schlusskommentar “deswegen wird sie in Deutschland hauptsächlich für Leute interessant sein, die Leistung, Robustheit und gute Fahreigenschaften zu schätzen wissen; die auf den Sportwagen wertlegen, der in der Aronde Montlhéry versteckt ist ...” fasst die Eindrücke gut zusammen.

    Blaue Versuchung

    Nähert man sich heute dem Simca Aronde Plein Ciel, dann fallen die elegante Linienführung, die kompakten Dimensionen und der hohe Glasanteil bei der Fahrerkabine sofort auf. Viel Chrom und Weisswandreifen stehen dem blauen Fotomodell dieses Berichtes hervorragend. Das Interieur ist aufgeräumt, die Blinkerbetätigung oben am Lenkrad, der Lichtschalter links und für manchem wohl auch die Lenkradschaltung (normales H) mit nicht synchronisiertem ersten Gang verlangen nach Angewöhnung.

    Simca Aronde Plein Ciel (1960) - Aufpassen auf die untere Ecke der Panoramascheibe beim Einsteigen
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Beim Ein- und Aussteigen muss man sich in Acht nehmen, sein Knie nicht schmerzhaft an der weit in den Türausschnitt ragenden Panoramawindschutzscheibe zu stossen. Die Sitze sind weich, französisch halt. Der Plein Ciel startet bereitwillig und der Motorlauf wird überhaupt nicht (mehr) als laut oder brummig vernommen (man beachte die Geräuschmuster unter Multimedia links), eher als passende und unterhaltsame Begleitmelodie für sportliche Ausfahrten.

    Also den ersten Gang (nach oben) einlegen und los geht’s. Gang 2, 3 und 4 folgen auf Geheiss und problemlos. Man fühlt sich, zumindest auf Landstrassen, nicht untermotorisiert. Die Federung dämpft gröbste Strassenunebenheiten, die Bremsen tun, was man von ihnen erwartet.

    Es fehlt jetzt eigentlich nur noch die junge Annie Girardot auf dem Beifahrersitz, aber die wäre wohl sowieso lieber selber gefahren, der Frauenanteil unter Plein-Ciel-Eignern war überdurchschnittlich gross. An Brigitte Bardot denkt man in diesem Zusammenhang nicht, denn sie hatte sich damals werbewirksam für den Konkurrenten Renault Floride/Caravelle entschieden.

    Es geht also alleine weiter. Schade, dass das Benzin nicht bis Paris reicht, auf der Avenue des Champs-Élysées würde das blaue Coupé sicher zur Hochform auflaufen.

    Simca Aronde Plein Ciel (1960) - Kein einziger Simca-Schriftzug auf dem Plein Ciel
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Selten und gern gesehen

    Nur wenige Simca Aronde sind in unsere Breitengrade gelangt, von den wenigen produzierten Coupés haben es wohl nur ein paar Handvoll geschafft, und nicht alle haben die letzten 50 Jahre überlebt. Mit dem hübschen Plein Ciel ist man bei Oldtimer-Veranstaltungen auf jeden Fall gerne gesehen, ob beim Concours d’Elegance, beim gemütlichen Markentreffen, einer Gleichmässigkeits-Rallye oder einer Sternfahrt. Die Wahrscheinlichkeit, irgendwann auf der Strasse einem identischen Modell zu begegnen, ist wohl geringer, als vom Blitz getroffen zu werden.

    Gesucht und hoch bewertet

    20’000 bis 30’000 Franken, respektive 12’000 bis 18’000 Euro, 20% weniger als für das Cabriolet Océane notieren Branchenexperten als Preis für gute bis sehr gute Exemplare. Doch das ist beinahe irrelevant, denn zuerst muss man eines finden. Die meisten der vermutlich an zwei Händen abzählbaren Fahrzeuge im deutschsprachigen Raum sind wohl seit vielen Jahren in festen Händen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

    Unterhaltstechnisch stellen die inzwischen über 50 Jahre alten Coupés keine enormen Herausforderungen, Restaurationsarbeiten können aber wie bei allen handgefertigten Oldtimern schnell ein grosses Loch in die Geldbörse reissen und auch typen- und jahrgangsspezifische Teile sind nur noch schwer zu bekommen.

    Weitere Informationen

    Das von Zwischengas gefahrene und abgebildete Fahrzeug wurde uns von der Touring Garage in Oberweningen zur Verfügung gestellt und steht dort zum Verkauf.

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