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Bild (1/1): Saab Sonett V4 (1968) - ein äusserst seltener Wagen in den Sechzigerjahren (© Archiv Automobil Revue)
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    Saab Sonett - der Strassenjäger aus dem Flugzeugwerk

    Erstellt am 25. Januar 2013
    Text:
    Bruno von Rotz
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    Das Unternehmen Saab wurde 1937 als Flugzeugwerk gegründet. Die Saab-Flugzeuge wurden berühmt, aber bereits 1945 entwarfen Saab-Techniker den ersten Personenwagen. Die Linien konnten nicht verleugnen, dass die Zeichner gewöhnt waren, Flugzeuge zu konstruieren. Nach einem Entwurf von Sixten Sason wurde ein Holzmodell für aerodynamische Tests gebaut. 1946 fuhren die ersten Prototypen.

    Am 10. Juni 1947 wurde der Presse der erste Saab vorgestellt, aber erst im Dezember 1949 war der Wagen lieferbar. Er hatte einen quer eingebauten 25 PS-Zweizylinder-Zweitakt-Motor, der die Vorderräder antrieb. Während den ersten zwölf Produktionsmonaten wurden 1’246 Stück des Saab 92 abgeliefert. Alle wurden einheitlich grün lackiert. Am 6. Mai 1954 verliess der 10’000. Saab 92 die Fabrik, seit Mitte 1952 war er sogar in anderen Farben erhältlich.

    Ende 1955 wurde der neue Saab 93 präsentiert. Er verfügte über einen Dreizylinder-Zweitakt-Motor und eine etwas abgeänderte Karosserie. Der Wagen eignete sich besonders gut für Rallyes. Diese sportlichen Aktivitäten wurden vom Werk unterstützt. Die Rennsport-Erfolge machten Saab schliesslich auch ausserhalb Schwedens bekannt.

    Nur sechs Sonett-Prototypen in den Fünfzigerjahren

    1956 fand eine der seltenen schwedischen Autoausstellungen in Stockholm statt. Saab hatte eine Überraschung auf Lager: Den Sonett Super Sport, offiziell Saab 94 genannt. Entwickelt hatten ihn Rolf Mellde, Lars Olov Olsson, Olle Linkdvist und Gotta Svensson mit dem Ziel, damit Rennerfolge zu erringen.

    Gedacht für eine Serie von rund 2’000 Fahrzeugen, wurden von diesem Wagen schliesslich nur sechs Stück als Prototypen hergestellt. Sie hatten alle eine leichte Kunststoffkarosserie und wiesen die mechanischen Teile des Typs 93 auf.

    Saab Sonett Super Sport von 1956

    Der Zweitakt-Motor war auf bis zu 57,5 SAE-PS leistungsgesteigert, was genügte, um den nur gerade ca. 500 Kilogramm schweren Sportwagen auf die beträchtliche Höchstgeschwindigkeit von rund 160 km/h zu beschleunigen, wie Erik Carlsson im Jahr 1996 mit einem restaurierten Prototyp bewies, als er 159,4 km/h erreichte.

    Die zweite Generation

    Dann wurde es wieder ruhig um den Sportwagen, die Leute vergassen den Sonett . Am 4. Februar 1965 lud Saab die Presse ein, um den Nachfolger des 56er-Sonetts zu präsentieren.

    Saab Sonett II Prototyp Nr. 1 von 1965

    Auch hier handelte es sich um einen Prototyp, der neu aus Stahlblech hergestellt war. Der 3-Zylinder-Zweitakter leistete 60 PS und brachte das 650 Kilogramm schwere Coupé auf 160 km/h. Verantwortlich für die Gestaltung des ersten Prototyps war Björn Karlström gewesen. 650 kg Gewicht und 160 km/h Spitzengeschwindigkeit waren die einzigen technischen Daten, über die Saab Auskunft gab. Über eine mögliche Produktion konnte nur gemutmasst werden. Bereits klar aber war, dass ein Serienfabrikat mit Kunststoff-Karosserie (GFK) versehen werden würde.

    Saab Sonett II Prototyp Nr. 2 von 1965

    Ein zweiter Prototyp, gegen Ende 1965 konstruiert hatte eine etwas längere Karosse, diesmal wieder aus Kunststoff, aufgeschraubt auf einen Stahlrahmen mit Überrollbügel. Erneut war Sixten Sason bei der Gestaltung der Karosserie involviert.

    Der endgültige Sonett II aber entsprach weder dem ersten noch dem zweiten Prototypen, sondern übernahm Elemente von beiden, wie Saab im Januar 1966 verkündete, als mit dem Bau der Probeserie von 25 Wageneinheiten begonnen wurde. Definitiv festgelegt war der Wagen zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht. Angekündigt wurde aber die internationale Demonstration am Genfer Salon im März 1966, sowie später im April an der Coliseum-Ausstellung in New York. Die Serienfertigung wurde für Herbst 1966 in Aussicht gestellt.

    Saab Sonett II Serienfahrzeug 1966

    Der Serien-Sonett II basierte wiederum auf Standardkomponenten aus dem Saab-Portfolio. Motor, Kraftübertragung, Lenkung, Bremsen, Aufhängungen usw. sollten vom Saab Monte Carlo 850 übernommen werden. Auch das Stahlgerüst des Chassis bestand aus Serienelementen, musste aber den neuen Bedingungen erheblich angepasst werden.

    Die Karosserie aus GFK bestand, wenn man von Türen und Gepäckraumluke absieht, nur aus zwei Teilen. Die gesamte Fronthaube konnte mit Kotflügeln aufgeklappt werden und erlaubte so einen sehr bequemen Zugang zum Motor. Das Prunkstück der in Grau- und Schwarztönen gehaltenen Innenausstattung war ein Instrumentenbrett aus Mahagoni-Sperrholz mit Nussbaumfournier.

    170 km/h Höchstgeschwindigkeit wurden versprochen, 12,5 Sekunden solten für den Sprint von 0 auf 100 km/h nötig sein. Als Länge wurde 377 cm, als Breite 149 cm angegeben. Nur 116 cm mass der Wagen in der Höhe. Als Gewicht nannte Saab 660 kg, wovon 60% auf den angetriebenen Vorderrädern ruhte.

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    Produktionsbeginn für den Sonett II

    Wegen des späten Produktionsbeginns im Jahr 1966 konnte Saab im Jahr 1966 nur noch rund 60 Sonett II produzieren, während insgesamt 37’069 Autos gebaut werden konnten.

    “This is Sweden’s idea of an expensive toy” (dies ist Schwedens Idee für ein teures Spielzeug) war der Werbeslogan Saabs für den kleinen Sportwagen, die Verkaufsunterlagen priesen die sportlichen Eigenschaften an und verwiesen auch auf motorsportliche Einsätze. Tatsächlich war es bereits 1967 teuer, einen besonderen Geschmack zu haben, denn für den Preis eines Zweitakt-Sonetts (14’850 Franken) konnte man auch (beinahe) einen Austin-Healey 3000 Mk III kaufen und selbst ein Alfa Romeo 1600 Sprint GT Veloce (16’900 Franken) war in Reichweite.

    Ende der Sechzigerjahre war das Zweitakt-Prinzip jedoch nicht mehr gefragt, und obwohl Saab seine Dreizylinder-Motoren noch nicht ganz aus seinem Programm genommen hatte, konnte man die Fahrzeuge ab 1967 auch mit 4-Zylinder-Ford-Taunus-Motoren haben.

    Übergang zum Viertakt-Motor

    Die Saab Sonett II mit dem 850-ccm-2-Takt-Motor waren in ihrer Hubraumklasse konkurrenzfähig gewesen. Mit dem 1,5-Liter-Ford-Motor mussten sie - nun Saab Sonett V4 genannt - jedoch in einer anderen Klasse fahren und waren dort unterlegen. Zudem war die Höchstgeschwindigkeit mit dem grösseren, aber nicht leistungsstärkeren Motor nicht gestiegen, sondern betrug weiterhin rund 160km/h. Auch die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 12,5 Sekunden war für beide Typen gleich. 1968 war das letzte Jahr, in dem man einen Saab mit einem Zweitakt-Motor kaufen konnte.

    Im Sommer 1968 unterzog die Automobil Revue den Saab Sonett V4 einem Kurztest  und rühmte insbesondere die ausgezeichnete Strassenlage. Weniger glücklich waren die Tester über die durchschnittlichen Fahrleistungen und die Geräusche des “Kölner Motors”. Auch die Lenkradschaltung des Frontantriebswagen wurde als “ungewöhnlich” empfunden. Volle Zustimmung aber fanden die Sicherheitsvorkehrungen.

    Die Testerfahrungen wurden im Schlussabsatz zusammengefasst:
    “Der Saab Sonett V4 gehört zu den seltenen sportlichen Coupés mit Frontantrieb. Luxus, Komfort und Leistung sind nicht seine Haupttrümpfe, vielmehr die Originalität seiner Linie, die Strassenlage und der beachtliche Grad an innerer Sicherheit.”

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    Kunststoffkarosserie aus Italien für den Sonett III

    Vorgestellt wurde der neue Sonett III 1970 auf dem New Yorker Autosalon. Die technischen Komponenten stammten nun vom Saab 93, aber die Kunststoffkarosserie entwarf der italienische Spezialist Sergio Coggiola, später modifiziert durch Gunnar Sjögren.

    Der Radstand von 215 cm war beibehalten worden, aber die totale Länge wurde um 10 cm auf 390 cm vergrössert. Aus Sicherheitsgründen montierte man einen starken Überrollbügel und versah die Kunststofftüren mit einem Stahlrahmen. So stieg das Leergewicht auf 760 Kilogramm.

    Saab Sonett III von 1971

    Um auf dem wichtigen amerikanischen Markt konkurrenzfähig zu sein, verfügte der Sonett III über einen Mittelschalthebel (statt der Lenkradschaltung bei früheren Modellen) und zudem über eine Klimaanlage. Die Klappscheinwerfer wurden mit Muskelkraft angehoben.

    1970 verkaufte Saab 940 Stück des Sonett III, was in Anbetracht zur gesamten Jahresproduktion von fast 74’000 Autos ein Klacks war.

    1971 konnte man den Sonett III mit einem 1.7-Liter-V-4 Ford-Motor kaufen und 1972 erhielt der Wagen einen neuen Kühlergrill. Das Heckblech wurde schwarzmatt lackiert, und die Aluminiumräder waren breiter geworden. Die Nachfrage stieg, und 1972 wurden nicht weniger als 2’080 Sonetts verkauft, 1973 waren es sogar 1595. Im Herbst 1974 stellte Saab die Produktion ein, nachdem total 10’236 Sonetts in verschiedenen Variationen verkauft worden waren.

    Heute eine Rarität

    Die Wahrscheinlichkeit, in unseren Breitengraden einem Saab Sonett auf der Strasse zu begegnen ist gering. Schon zu seiner Bauzeit war der Wagen selten, denn die Preise verhinderten eine grosse Verbreitung. Im Jahr 1971 kostete ein Saab Sonett III in der Schweiz 18’500 Franken und war damit der teuerste Saab. Er war aber auch kostspieliger als beispielsweise ein Triumph TR 6 und ein nur unwesentlich langsamerer Spitfire konnte für knapp die Hälfte erstanden werden.

    Trotzdem sind tauchen von Zeit zu Zeit Fahrzeuge im Handel auf, oftmals aus den USA stammend. Rund 13’000 Euro beträgt der aktuelle Marktpreis gemäss Classic Data für einen Sonett III, die noch selteneren Sonett II mit Zweitakt-Motor sind gut und gerne noch 50% teurer, wenn man denn einen findet.

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