Renault Alpine V6 GT und A 610 - Abgang auf dem Leistungshöhepunkt

Erstellt am 16. Juni 2013
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Archiv 
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Als der Konzern Renault sein neues Alpine-Modell im Jahr 1985 vorstellte, wollte man offensichtlich nicht mehr so viel von der Tradition der Marke Alpine wissen. Jedenfalls hiess der neue Wagen nicht A 410 oder A 510 wie man es nach seinen Vorgängern A 110 und A 310 hätte erwarten können. Er hiess schlicht V6 GT und erbte trotz dem Abstand, den man mit der neuen Bezeichnung suchte, viel von seinen Vorgängern.

Vom Rallye-Seriensieger Berlinette zum luxuriöseren A310

Bekannt war die Alpine vor allem mit der bis 1977 gebauten Berlinette geworden, wie man den A 110 auch nannte. In der Hand talentierter Quer-Fahrer gewann sie die Rallye Monte Carlo gleich mehrfach und brachte es zum Rallye-Weltmeistertitel.


Alpine-Renault A 310 (1977) - die Modelle für 1977 - A110 und A310
Archiv Automobil Revue

Mit der A 310 wollte man ab 1971 neue Käufersegmente anziehen, die mehr Wert auf Kofferraum und Kindersitze legten. Technisch allerdings beschritt man wenig Neuland, die Chassis-Konstruktion und der 1,6-Liter-Motor wurden mit geringen Änderungen vom Vorgänger übernommen. Wie seine Vorgänger besass auch der A310 eine Kunststoff-Karosserie.

Nach kurzer Zeit ersetzte der sogenannte PRV-Motor mit sechs Zylindern in V-Form den 1,6-Liter-Vierzylinder, brachte mehr Komfort, Leistung aber auch Gewicht zur Alpine. Der PRV-Motor war eine Gemeinschaftsentwicklung zwischen Peugeot, Renault und Volvo und wies durchaus moderne Charakteristiken auf. Mit 150 PS stand er zudem durchaus gut im Futter.

Bis 1985 wurde der A 310 in stetig verbesserter Form produziert, musste sich aber immer Kritiken wegen seines etwas heiklen Fahrverhaltens und der beschränkten Platzverhältnisse nachsagen lassen.

Mehr Platz, mehr Sicherheit und mehr Komfort

Bereits im November 1984 wurden erste Eckpunkte des Nachfolgers des A 310 bekannt gegeben, im Februar 1985 präsentierte die Régie Renault dann den neuen V6 GT am Automobilsalon von Amsterdam.


Renault-Alpine V6 GT (1985) - Silhouette
Archiv Automobil Revue

Der neue Sportwagen erwies sich tatsächlich in allen Aspekten grösser als sein Vorgänger. Er war 8 cm länger, 10 cm breiter und 4,5 cm höher. Der Radstand wuchs um 7 cm und der Hubraum des Saugmotors betrug nun 2849 cm3, was für 160 PS reichte.

Alternativ gab es den Motor aber auch kleiner, dafür mit Garret-Turboaufladung, die in ECE-Konfiguration 200 PS aus 2458 cm3 schöpfte. Während der Saugmotor über eine Vergaser-Kombo verfügte, nutzte der Turbo eine Bosch-K-Jetronic-Einspritzung.

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Weltrekordmässige Aerodynamik

Viel Gewicht hatte man bei der Entwicklung auf eine gute Aerodynamik gelegt. Mit einem cw-Wert von 0,28 hatte man eine gute Ausgangslage geschaffen, aber erst die kompakten Ausmasse und damit die geringen Ausmasse der Stirnfläche ermöglichten den weltrekordmässigen Luftwiderstand von 0,48.


Renault-Alpine V6 GT (1984) - Windkanalstudie - Abbildung aus einem Verkaufsprospekt
Archiv Automobil Revue

Echte 250 km/h und der Standardsprint von 0 auf 100 km/h in rund 7 Sekunden wurden für das schnellere Modell versprochen. Damit konnte man durchaus zufrieden sein.

Weitgehend voll ausgestattet konnte der frankophile Kunden den Sportwagen für rund DM 40’000 oder knapp 45’000 Franken kaufen.
Schon nach zwei Jahren konnte man den jetzt Renault Alpine V6 Turbo genannten Sportwagen auch mit Katalysator kaufen, welcher allerdings die Leistung um 15 PS senkte.

Schnell und angenehm zu fahren

Die Automobil Revue testete eines der ersten Katalysatormodelle und war von den sehr guten Fahrleistungen, die sogar mit besseren Werten als vom Werk angegeben gemessen wurden, überrascht. Nach nur 6,6 Sekunden standen 100 km/h auf dem Tacho, die Spitze lag bei 242 km/h. Damit war die inzwischen fast 50’000 Franken teure Flunder deutlich schneller als der Konkurrent aus Zuffenhausen, der 4000 Franken teurere Porsche 944 S. Man musste schon zum Porsche 944 Turbo greifen, um der Alpine Paroli bieten zu können, wenn man denn die zusätzlichen fast 20’000 Franken aufbringen konnte.


Renault-Alpine V6 GT (1984) - Interieur - die Sitze lassen sich mehrfach versteleln und versprechen viel Seitenhalt
Archiv Automobil Revue

Aber der Renault Alpine V6 Turbo brillierte nicht nur im Messprotokoll, auch das Fahrverhalten hatte sich gegenüber der A310 massgeblich verbessert. Und mit 310 Liter Kofferraumvolumen und den zwei durchaus auch von Erwachsenen auf kurzen Strecken nutzbaren Sitzen hinten hatte sich der Kunststoffsportwagen zum veritablen Allrounder gemausert.

“Der Sprung nach oben ist Alpine geglückt”, resümierte die AR und fand auch den Testbrauch von durchschnittlich 12,6 Litern pro 100 km akzeptabel, zumal mit dem 73-Liter-Tank eine Reichweite von rund 600 km möglich war.

Mit dem A 610 ein Rückbesinnen auf die Wurzeln

Im Jahr 1991 war der nächste Modellwechsel fällig, der sich allerdings weniger drastisch zeigte, als der Übergang von A310 zu V6 GT. Klappscheinwerfer lösten das Problem der Scheinwerferhöhe in einzelnen Ländern und auch am Interieur wurden kosmetische Änderungen vorgenommen.


Renault-Alpine A 610 (1991) - die Klappscheinwerfer waren wegen der Zulassungsvorschriften nötig
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Dabei stieg der Luftwiderstandsbeiwert zwar auf 0,30, doch dies war ein Rückschritt auf hohem Niveau, denn an der geringen Stirnfläche hatte sich nichts geändert.

Im Grossen und Ganzen aber war der A 610 das Ergebnis einer evolutionären Weiterentwicklung des V6 GT.

Beim Motor allerdings wurde nicht geknausert. Imposante 250 PS entwickelte der weiterhin mit einem Turbolader beatmete V6-PRV-Motor nun und schuf damit die Basis für weiterhin mehr als konkurrenzfähige Fahrleistungen.

Komplett ausgestattet

Für den Fahrer wurde der A 610 gegenüber dem Vorgänger vor allem durch Mehrausstattung aufgewertet, so gehörte nun ABS, Klimaanlage, Radio-Tonband-CD-Radio mit 4x25 Watt und Fernbedienung am Lenkrad genauso zur Serienausstattung wie die elektrischen Fensterheber und die getönten Scheiben.


Renault-Alpine A 610 (1991) - sportliches Interieur mit griffigem Lenkrad
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Für immer der Herausforderer

Mit den von der Zeitschrift Auto Motor und Sport gemessenen 6,2 Sekunden für den Spurt von 0 bis 100 km/h jedenfalls durfte man zufrieden sein, genauso wie mit den 263 km/h, denn das konnte auch ein damaliger Porsche 911 (964) Carrera RS nicht viel besser und der kostete schliesslich in Deutschland fast 50’000 DM mehr als der für 96’000 DM verkaufte A 610.

“Der Grenzbereich ist um eine Pufferzone vergrössert worden”, schrieb die Zeitschrift in ihrem Test und relativierte damit die bei Lastwechsel und im Grenzbereich ausgeprägte Übersteuertendenz. Dem Alpine-Käufer wurde damals ein gründliches Studium der Betriebsanleitung empfohlen, weil sonst die Türen von innen nicht zu öffnen seien und die Musikanlage stumm bleibe.

Einstellung ohne direkten Nachfolger

Zwischen 1991 und 1995 wurde der A 610 in 762 Exemplaren produziert. Damit war und ist sie auf den Strassen seltener als mancher italienische Exote. Noch rarer sind die limitierten Sonderversionen, z.B. das Modell “Magny-Cours oder die Variante “Albertville”.

Und sogar zu Rennsportehren brachte es die sportliche Flunder. 1994 startete ein Wagen in der Kategorie GT2 bei den 24 Stunden von Le Mans und kam (hinter drei Porsche 911 Carrera RSR und einem Ferrari 348 GTC-LM) auf dem fünften Platz in seiner Kategorie als Gesamt-Dreizehnter ins Ziel, notabene vor den Venturi und Honda NSX.


Renault-Alpine A 610 (1991) - mit Klappscheinwerfern anstelle der konventionellen Lampen des V6 GT
Archiv Automobil Revue

Trotz diesen Motorsportehren liess man das Modell A 610 im Jahr 1995 auslaufen, einen direkten Nachfolger gab es nicht, obschon eigentlich dem Renault Spider ein Alpine-Markenzeichen gut angestanden hätte.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von re******
29.05.2015 (05:56)
Antworten
Am Sonntag 16. August 2015 findet das
16. Internationales RENAULT und ALPINE Treffen
in Winterthur in der Reithalle statt.

Info: www.rcwinterthur.ch
von al******
10.11.2013 (08:23)
Antworten
Gibt es hier auch Fahrzeug- Bilder von Mitgliedern ?
Antwort von al******
18.12.2013 (11:15)
Geh aufg Facebook und gib Alpine-micha ein,hab da eine riesige Auswahl eingestellt fahr das Ding ( A610) schließlich seit 21 Jahren.
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