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Porsche Carrera 4 - zehn Gründe, den ersten 4x4-911-er zu lieben

Erstellt am 13. Juli 2016
, Leselänge 7min
Text:
Lucio Pompeo / Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
3
Bruno von Rotz 
51
Archiv Porsche AG 
4
Porsche AG 
2

Er kam als Überraschung, denn während über 15 Jahren hatte man bei Porsche am 911 (G-Modell) optisch und fahrwerkstechnisch kaum etwas verändert.

Porsche 964 C4 (1991) - zum Klassiker geboren
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Doch mit dem Mitte 1988 zum ersten Mal gezeigten 964 (interne Projektnummer) wurde nicht nur die Optik stärker als sonst üblich überarbeitet, sondern die Veränderungen fanden vor allem unter dem Blech statt (87% der Teile waren neu!). Der 964 C4 hatte Allradantrieb, Servolenkung und ABS, und wurde damit deutlich fahrsicherer als seine Vorgänger.

Ein Schock für die Gusseisernen

Der 964 erhielt komplett neue Stossfängerverkleidungen, auch der zuvor (und in einigen Ländern auf Wunsch, in anderen obligatorisch) fix montierte Heckspoiler war einer ausfahrbaren Lösung gewichen.

Porsche 964 C4 (1991) - der Heckspoiler schwenkt automatisch bei 60 km/h oder manuell betätigt aus
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Bis auf Höhe Türöffner (von oben gesehen) allerdings hatte sich kaum etwas geändert und auch im Interieur blieb sich Porsche treu, wenn man einmal vom mit zahlreichen Kontrollleuchten durchsetzten Rundinstrument neben dem Drehzahlmesser absieht.

Porsche 964 C4 (1991) - unverfälsche 911-er-Linie
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Aber es waren vor allem die umfassende technische Veränderungen, die einen Teil der Porsche-Fangemeinde schockierte. Und die Probleme mit Ölundichtigkeiten am Motor in den ersten Modelljahren halfen der Akzeptanz sicherlich nicht.

Aus heutiger Sicht aber ist der 4x4-964 ein durchaus liebenswerter Kamerad, und zwar aus zehn guten Gründen:

1) Youngtimer am Übergang zum Oldtimer

Heute gehört der 964 zu den Youngtimern, bald aber wird er zum veritablen Oldtimer mit all den verbundenen Steuer- und Halterprivilegien. Die lange Bauzeit hat ihn sehr zuverlässig gemacht, was die Unterhaltskosten senkt. Der Elektronik-Einsatz ist im Vergleich zu den Nachfolgern noch überschaubar. Die Verfügbarkeit von Ersatzteilen ist weitgehend problemlos. Zahlreiche Werkstätten kennen sich mit der 964-Mechanik und –Elektrik (noch) gut aus.

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2) Modell des Aufbruchs

Während über 25 Jahre kaum revolutionäre Änderungen am Heckmotor-Porsche vorgenommen wurden, repräsentierte der 964 neue Ideen und eine zukunftsweisende Technik. Neue Vorderradaufhängungen (Dreieckslenker und McPherson-Federbeine) wurden mit der bewährten Hinterachse mit Schräglenkern und (neu) Schraubenfedern kombiniert.

Porsche 964 C2 (1988) - mit Tiptronic - Durchsichtszeichnung
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Wegen des Allradantriebs hatte der 911 nun einen richtigen Kardantunnel, der Schalthebel war kürzer geworden, die Schaltung exakter.

3) Letzter 911 im Originaldesign

Beim 993 stimmt zwar noch die Silhouette weitgehend mit dem Ur-Elfer überein, insgesamt aber war der 964 der letzte 911, der noch fast genauso aussah wie der 901, der 1963 in Frankfurt an der IAA vorgestellt wurde.

Porsche 964 C4 (1991) - der Spoiler zeigt sich nur, wenn er muss
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Dieser Traditionsbezug bietet handfeste Vorteile, wie etwa die hohe Sitzposition mit hervorragender Rundumsicht. Auch die Emotionen spricht der 964 stärker an als die Nachfolgemodelle.

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4) Kompakt geblieben

Vor allem aber bedeutete das Beibehalten der Grundform, dass auch der Carrera 4 von den Dimensionen her ein kompaktes Auto geblieben war. 4,25 Meter lang und 1,652 Meter breit war der 964 C4, ein Ferrari 348 etwa brachte es auf fast 1,9 Meter Breite, etwas was sich rächte, sobald die Strassen schmäler wurden. 

Porsche 964 - im Vergleich zu anderen 911-er-Modellen - 50 Jahre Porsche 911 im Porsche-Museum
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

5) Dezente, aber effiziente Optik

Wenn man einmal von den Stossfängern hinten und vorne absieht, fielen die äusseren Anpassungen kaum auf. Doch mithilfe vieler kleinen Optimierungen hatte man es geschafft, den cw-Wert von 0.38 auf 0.32 zu verbessern.

Porsche 964 C4 (1991) - am grundsätzlichen Layout wurde nichts geändert
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Eine glattflächig eingeklebte Frontscheibe, veränderten Regenrinnen, aber vor allem ein fast komplett planer Unterboden waren wichtige Faktoren dabei. Damit wurde der 964 zum 911 mit dem bis heute geringsten Luftwiderstand. Spätere Modelle unterboten zwar seinen cw-Wert, legten aber an Querschnittsfläche zu und der Luftwiderstand resultiert bekanntlich aus der Multiplikation dieser beiden Grössen. Und durch den ausfahrbaren Heckflügel liess sich zum ersten Mal die klassische 911-Linie mit einer auftriebsfreien Hinterachse kombinieren.

6) Komplett neuer Motor mit mehr Leistung und Drehmoment

Zwar stimme der Motor des 964 in seiner Grundkonzeption noch mit seinen Vorgängern überein, doch im Prinzip hatte man ihn fast komplett neu entwickelt. Der Hubraum war durch Vergrösserung von Bohrung und Hub auf 3,6 Liter angewachsen, die Kurbelwelle konnte dank exakten Computerberechnungen um rund 15% leichter gebaut werden.

Porsche 964 C4 (1991) - 3,6-Liter-Motor mit Doppelzündung
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Mit zwei Kerzen pro Zylinder, optimierten Brennräumen und gezielter Kühlung konnte die Verdichtung auf 11,3:1 angehoben werden, aber auch sonst wurde mit einer sequentiellen Einspritzung, einer Zweistufen-Resonanz-Ansauganlage, Keramik-Portlinern als Auskleidung der Auslasskanäle, einer optimierten Auspuffanlage und einem widerstandsarmem Metallträger-Katalysator tief in die Ingenieur-Trickkiste gegriffen. 250 PS Leistung bei 6100 Umdrehungen und 310 Nm Drehmoment bei 4800 U/min zeigten aber auf, dass man es mit dem für 95-ROZ-Benzin ausgerichteten Leichtmetall-Motor nicht übertrieben hatte.

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7) Zukunftsweisendes neues Antriebskonzept mit Mehrwert

Bereits 1981 hatte Porsche an der Frankfurter IAA eine vierradangetriebene Porsche-911-Studie gezeigt, allerdings als Cabriolet. Die offene Variante kam dann schneller auf den Markt als der Vierradantrieb, der zunächst im Porsche 959 als Gruppe-B-Varianten 1983 erstmals gezeigt und dann ab 1986 in kleiner Serie gebaut wurde. Bereits im März 1984 aber fiel bei Porsche der Entscheid für eine Serienfertigung des vierradangetriebenen 911. Nach viereinhalb Jahren Entwicklungszeit lief die Produktion im Werk Zuffenhausen dann an. Natürlich konnte man nicht einfach die Lösungen des 959 übernehmen. Die Automobil Revue berichtete damals:

“Der permanente Allradantrieb des Carrera 4 ist etwas einfacher ausgefallen als beim Ideenträger und Prestigeobjekt 959, er soll diesem aber punkto Effizienz kaum nachstehen. Das mittlere Differential ist von konventioneller Bauart und verteilt die Antriebskraft zu 31 %nach vorn und zu 69 % auf die Hinterachse, damit die sportliche Grundabstimmung erhalten bleibt. Schlupf an den einzelnen Rädern wird von Sensoren fest- gestellt, und eine «intelligente» Elektronik sorgt in Sekundenbruchteilen dafür, dass hydraulisch gesteuerte Mehrscheibenkupplungen im hinteren Achsdifferential und im zentralen Ausgleichsgetriebe eingreifen.”

Porsche 964 C4 (1991) - zum Klassiker gereift
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Viel Hightech also, was aber auch am Gewicht nicht ganz spurlos vorüberging. 1438 kg wog ein fahrfertiger 964 C4. Doch dieser Nachteil wurde von der verbesserten Traktion, aber vor allem von der gewonnen Fahrsicherheit problemlos kompensiert.

8) Komfortabel schnell fahren

Man fühlt sich sofort zurecht im 964 C4. Der kurze Schalthebel liegt gut zur Hand, die Servolenkung (eine Neuheit damals im 911) macht den Wagen handlich, vor allem im Stand. Obschon die Reifen auch beim 964 noch vergleichsweise schmal waren (vorne: 205, hinten: 225), hätte eine Lenkung ohne Unterstützung die Muskeln wohl zu sehr gefordert.

Porsche 964 C4 (1991) - gewöhnungsbedürftige, aber "kultige" Farbe im Interieur
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der Abrollkomfort ist dank der hohen Reifenschultern (vorne 55er-, hinten 50er-Reifen) besser als der vieler Konkurrenten und der Motor ist zwar akustisch präsent, aber sehr wohltönend und nie überlaut (bei 200 km/h wurden damals 84 dB(A) gemessen). Der Boxermotor agiert sehr elastisch, der häufige Griff zum Schalthebel ist nicht nötig, macht aber trotzdem Freude.

Die direkte Lenkung mit dem gegenüber früheren Modellen etwas höher montiertem Lederlenkrad flösst sofort Vertrauen ein, Pedalerie und Schaltung sind leichtgängig. Langstrecken sind im 964 ein Vergnügen, die sportliche Fahrt auf die Passhöhe genauso.

9) Noch heute ein schnelles Auto

Damals wurde der 964 C4 als Sensation beschrieben. Die Zeitschrift Auto Motor und Sport notierte: „Er beschleunigt kaum schlechter und ist genauso schnell wie der stärkere 911 Turbo“ und das sonst zurückhaltende britische Magazin "Car" setzte als Titel für ihren Bericht „The best supercar money can buy“.

Auch objektiv betrachtet ist der 964 über 25 Jahre nach seiner Vorstellung immer noch ein schnelles Auto. Mit 5,5 Sekunden für den Spurt von 0 bis 100 km/h und 260 km/h ist man mehr als ausreichend motorisiert. Dank ABS und sehr viel Traktion muss man sich auch im Regen oder im Schnee nicht fürchten.

Porsche 964 C4 (1991) - deutlich komfortabler als seine Vorgänger
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Das früher gefürchtete Übersteuern und heikle Lastwechselreaktionen gehören der Vergangenheit an, das damit einhergehende leichte Untersteuern nimmt man dafür gerne in Kauf. Man findet schnell einen guten Rhythmus mit diesem Wagen und umrundet Kurven aller Art mit zunehmendem Selbstvertrauen.

10) Noch ein richtiger 911er

Wer sich eine optimale Mischung aus purem 911-Design und moderner, aber nicht zu stark dominierender Technik wünscht, liegt beim 964 C4 richtig.

Gegenüber seinen Vorgängern hat er an Alltagstauglichkeit, Fahrsicherheit und Fahrleistungen gewonnen, ohne dafür seine analoge Natur  modernen Errungenschaften wie PDK, PASM, “Torque Vectoring” oder ESP zu opfern.

Doch selbst fast 30 Jahre nach seiner Vorstellung hat der 964, gleich ob in Carrera 4 oder Carrera 2 Varianten, noch nicht zu echten Preissprüngen angesetzt. Ausgenommen sind seltene RS- und Turbo-Modelle, die inzwischen ein schwindelerregendes Preis-Niveau erreicht haben.

Porsche 964 C4 (1991) - weiterhin vergleichsweise hoch für die Breite
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Viele 911-Käufer greifen entweder lieber gleich zum Nachfolger 993 oder zum Vorgänger, gemeinhin unter dem Begriff “G-Modell” subsummiert. Mit 13’353 zwischen 1989 und 1993 gebauten Coupés ist der C4 zwar nicht wirklich selten, aber naturgemäss werden gute, unverbastelte Exemplare immer seltener. Und die Preise für gute Carrera 4 haben bereits deutlich angezogen, denn offenbar erkennen immer mehr 911-Freunde, dass der 964 C4 doch viel Auto für das Geld bietet.

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