Porsche Boxster - vom Stylingmeisterwerk zum Alltagssportler

Erstellt am 4. Oktober 2016
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
32
Porsche AG 
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Bruno von Rotz 
1
Archiv 
4

Was sofort auffällt, wenn man mit einem Porsche Boxster unterwegs ist: man fällt nicht auf! Tatsächlich wird kaum ein Passant den Mittelmotorsportwagen als Rarität oder gar historisches Fahrzeug interpretieren, dafür sind einfach noch zuviele alltäglich auf der Strasse unterwegs.


Porsche Boxster (1997) - erstmals seit dem 914 sitzt bei Porsche der Motor eines Seriensportwagens wieder vor der Hinterachse
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Dabei sind die ältesten Boxster schon über 20 Jahre alt und veritable Youngtimer. Und die erste Vorstellung des Einsteigersportwagens liegt gar bald 25 Jahre zurück.

Die Sensation von Detroit

Porsche ging es, speziell in den USA, im Jahre 1993 nicht besonders gut. Die Verkäufe waren rückläufig, Wendelin Wiedeking wollte daher eine optimistische und kämpferische Botschaft aussenden und dafür wurde der 986 an die Detroit Auto Show gebracht, auf dem Heck deutlich mit “Boxster” beschriftet.


Porsche Boxster Prototyp (1993) - wie er in Detroit präsentiert wurde
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Als “zukunftsweisende Sportwagen-Studie” wurde der silberne Prototyp präsentiert und die Begeisterung für den Designwurf von Harm Lagaay war gross. Die Planung für den Prototypen hatte bereits 1992 angefangen, erst ein halbes Jahr vor Detroit aber wurde mit der Formgestaltung begonnen. “Die Form folgt der Emotion”, liess Lagaay verlauten und tatsächlich wirkte die Kombination aus Boxer und Speedster (oder Roadster?) unglaublich knackig, wie Auto Motor und Sport zu berichten wusste. Als Länge wurden 4,115 Meter angegeben und vor der Hinterachse solle ein Boxermotor für Leistung sorgen, unsicher war, ob er aus vier oder sechs Zylindern schöpfen würde. Als Verkaufspreis wurden 1993 70’000 deutsche Mark angepeilt.

Das war im Januar 1993. Und die Presse war des Lobes voll, “Porsche comes out swinging”, schrieb z.B. AutoWeek.

Vom Prototypen zur Produktionsvariante

Rund 15 Monate später befand sich Porsche mitten in der Entwicklung der Serienvariante des Porsche Boxster. Als Preis wurde inzwischen DM 75’000 angestrebt, Premiere sollte der kleine Porsche an der IAA 1995 feiern. Pro Jahr wollte man 15’000 Exemplare herstellen. Die Fertigentwicklung sollte Hand in Hand mit der Fertigstellung des grossen Bruders 996 erfolgen, eine Vielzahl gemeinsamer Bauelemente sollte Entwicklungs- und Produktionskosten sparen. Ein Sechszylinder mit zwei bis drei Litern Hubraum sollten den Mittelmotorsportwagen antreiben, ein Vierzylinder wurde zwar entwickelt, aber nicht zur Marktreife gebracht. Wie bei den Rennwagen und beim 959 wurde die Wasserkühlung der traditionellen Luftkühlung vorgezogen. Und sogar ein Boxster-Diesel kam auf den Prüfstand!


Porsche Boxster (1996) - so zeigte ihn die Zeitschrift Auto Motor und Sport in den Jahren 1993 (Detroit), 1994 und 1995
Zwischengas Archiv

Grant Larson war im Designzentrum verantwortlich für den Serienschliff des Boxsters und er war sich der Notwendigkeit der Nähe zum 996 schmerzlich bewusst.

Auf ein elektrisches Verdeckt wollte man genauso verzichten wie auf das futuristische Interieur der Serienstudie, als Leergewicht wurden 1000 bis 1100 kg angestrebt. Dies wollte man durch die Beschränkung auf die Freude am Fahren erreichen und halt auf ein wenig Komfort verzichten.

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Gemeinsame Entwicklung mit dem 996

Wiederum 15 Monate später zeigte Auto Motor und Sport erste deutlich nachbearbeitete Fotos des seriennahen Boxsters. Von einer Präsentation an der IAA 1995 wollte man nun nichts mehr wissen, aber dass er kommen würde, wurde als sicher genommen. Schliesslich verfügte Porsche nach der Aufgabe des 968 und des 928 über ungenutzte Produktionskapazitäten, die Zwischenaufträge wie Mercedes-Benz 500E oder Audi RS2 nun temporär füllen konnten.

Der seriennahe Boxster, der nun für 1996 angekündigt war, sah schon weitgehend aus wie man ihn dann auch kaufen konnte.

Kundenbefragungen und Sicherheitsaspekte hatten allerdings zu einigen optischen Anpassungen geführt und als Zielgewicht wurden nun 1200 kg angepeilt. Immerhin war es nun klar, dass sechs Zylinder, 2,5 Liter Hubraum und rund 200 PS für standesgemässen Vortrieb sorgen würden, eine Vierzylindervariante blieb auf der Hinterhand.

Selbst für die Karosserie wurden, wo möglich identische Teile für 986 und 996 vorgesehen, was wiederum einen Einfluss auf das Design hatte.


Porsche Boxster (2002) - im Vergleich zum Porsche 996 Cabriolet
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Noch wurde von einem manuell zu öffnenden Dach gesprochen, doch ein Jahr später, als die Serienproduktion Mitte 1996 begann, sorgte bereits ein Elektromotor dafür, dass das Dach bequem aus dem Sitz heraus in zwölf Sekunden versenkt werden konnte.

Ernüchterung ob der Serienversion

Als der Serien-986 den Journalisten zum Test zur Verfügung stand, hiess der hausinterne Konkurrent bei Porsche noch 993, war luftgekühlt und somit klassisch. Der 996 kam erst ein Jahr später und sah vor allem von vorne fast identisch aus wie der Boxster.


Porsche Boxster S (2000) - in Fahrt
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Jener aber hatte unter der Entwicklung zum Serienfahrzeug doch ein wenig gelitten. Er war nun 4,315 Meter lang, also nicht nur 20 cm länger als der Detroit-Prototyp, sondern auch fülliger als der 993. 1309 kg wurde nun als Gewicht genannt. Immerhin konnte mit DM 76’500 der angepeilte Kampfpreis einigermassen eingehalten werden, doch liess sich dieser Betrag mit einigen durchaus wünschbaren Extras (z.B. Klimaautomatik, 17-Zoll-Räder, Metallic-Lackierung, Lederausstattung, Traktionskontrolle, Windschott) schnell auf über 90’000 Märkle erhöhen.

Doch ein tiefer Grundpreis war nötig, denn inzwischen hatte der Boxster Konkurrenz von allen Seiten erhalten. Es galt nicht nur gegen den deutlich günstigeren Mazda MX-5 zu bestehen, sondern auch gegen BMW Z3, Mercedes-Benz SLK und den neuen Alfa Romeo Spider.
Das Volk allerdings geriet, so wusste Wolfgang König nach seinem Test für Auto Motor und Sport zu berichten, nicht gerade in Aufruhr. Den einen sei er zu fladig, andere empfänden seine ausufernden Scheinwerfer zu triefäugig. Zu japanisch wirke er, soll ein 911-Fahrer gesagt haben.

Nun, das hinderte den Boxster nicht daran, Erfolg zu haben. Die angepeilten 15’000 Exemplare pro Jahr wurden schon 1996/97 übertroffen, im Jahr 2000/01 wurden sogar 28’457 Fahrzeuge gebaut.

Gutes Paket

Sachlich gab es am Boxster sowieso kaum etwas auszusetzen, wenn man einmal von den spärlich vorhandenen Ablagen absah. Der neue Boxermotor überzeugte mit virbrationsarmem Lauf, drehte locker bis 6700 Umdrehungen und beschleunigte mit seinen 204 PS den Boxster in 7,1 Sekunden auf 100 km/h und weiter bis auf 240 km/h. Dabei genehmigte er sich minimal 7,3 Liter pro 100 km, im Textbetrieb 11,8 Liter pro 100 km.


Porsche Boxster (2000) - Durchsichtszeichnng - Fahrwerk
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Fahrwerkstechnisch war der Boxster auf der Höhe seiner Zeit, was sich in kurzen Bremswegen und sicheren Fahreigenschaften zeigte. König sprach von “ausgeprägter Gutmütigkeit” und beendete seinen Bericht mit: “Unter den Roadstern der neuen Generation ist der Porsche zwar der teuerste, aber dafür ist er ja auch ein Champion”.


Porsche Boxster (1997) - das ist alles, was man vom Motor sieht - Nachfüllöffnungen für Wasser und Öl, sowie ein Ölmessstab
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Fans schönen Motorenbaus allerdings grummelten, dass man vom Sechszylinder rein gar nichts sehen konnte ausser den Nachfüllöffnungen für Öl und Wasser sowie dem Ölmessstab. Der Motor selbst blieb verborgen und musste für Wartungseingriffe erst offengelegt werden.

Stetige Weiterentwicklung

Der Boxster war mitverantwortlich für den Aufschwung bei Porsche, der sogar dazu führte, dass der 986 teilweise in Finnland montiert werden musste. Bereits im Jahr 2000 wurde der Basismotor auf 2,7 Liter vergrössert und der Boxster S mit 3,2 Litern und 252 PS vorgestellt.


Porsche Boxster S (2000) - am Hafen
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Zum Schluss gab es noch eine kleine Leistungssteigerung und ein Sondermodell “50 Jahre 550 Spyder”, dann wurde der 986 nach über 150’000 produzierten Wagen durch den 987 abgelöst.

Wichtige Baureihe für Porsche

Bis heute ist der Boxster der Einstiegssportwagen bei Porsche geblieben. Auf den 987 folgte 2012 der Typ 981, 2016 schliesslich kam mit dem 982 ein Vierzylinder-Boxermotor in den Motorraum, weshalb man den Namenszusatz “718” neu aufleben liess.


Porsche 718 Boxster S (2016) - gesegnet durch einen legendären Namen - am Genfer Autosalon 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Ein Ende des Mittelmotor-Sportwagens ist nicht in Sicht.


Porsche Boxster (1997) - viele Teile waren mit dem 996 gemeinsam
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Spass am Lenkrad

Wer sich in der Neuzeit in einen 20-jährigen Boxster setzt, muss als Porsche-Fahrer erstmals kaum umlernen. Das Zündschloss sitzt links wie bei jedem richtigen 911, die Gänge schalten sich exakt und sicher. Das Dach lässt sich blitzschnell öffnen und dann hat man auch mehr vom schönen Motorklang, der mit schönen Trompeten auffällt, wenn man ihm richtig die Sporen gibt. Die Ergonomie überzeugt, die Lenkung ist exakt und der Wagen wirkt sehr handlich. Eigentlich ist der Boxster auch 20 Jahre nach seiner Geburt immer noch ein modernes Auto, auch wenn seine Nachfolger sicherlich manches besser und vor allem schneller können.


Porsche Boxster (1997) - Cockpit mit Lederlenkrad
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Und dass er einem 996 ähnlich schaute, kann man dem Boxster eigentlich nicht zum Nachteil gereichen lassen, eher schon, dass seine Heckpartie nicht ganz so knackig war, wie dies der Detroit-Prototyp verhiess. Aber als Boxster-Fahrer sieht man ja vor allem nach vorne. Und freut sich darüber, dass man für sagenhaft wenig Geld einen richtig guten gebrauchten Sportwagen kaufen konnte. Mit nur knapp fünfstelligen Preisen bietet der Porsche 986 richtig viel für’s Geld. Allerdings sollte man dann auch nicht vergessen, etwas für Wartung und Reparaturen beiseite zu legen, denn bei Ersatzteilen und Arbeitsstunden langen Porsche-Betriebe schon gerne tüchtig hin.


Porsche Boxster (1997) - jede Gelegenheit zum Offenfahren wird genutzt
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Wir danken der Touring Garage für die Gelegenheit, mit dem schwarzen Porsche Boxster ein Wiedersehen zu feiern.

Weitere Informationen

  • Auto Motor und Sport Heft 9/1993, ab Seite 9: Neue Modelle - Porsche 993 und Boxster
  • Auto Motor und Sport, Heft 7/1994, ab Seite 40: Test Porsche 986 Boxster
  • Auto Motor und Sport Heft 17/1995, ab Seite 8: Test Porsche Boxster
  • Auto Motor und Sport Heft 22/1996, ab Seite 32: Test Porsche Boxster
  • Auto Motor und Sport Heft 23/1996, ab Seite 30: Vergleich Porsche Boxster mit Mercedes-Benz SLK230

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