Porsche 964 Carrera RS - weniger ist eben manchmal doch mehr

Erstellt am 9. Mai 2017
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
47
Porsche AG 
2
Archiv Porsche AG 
1

Manchmal ist weniger mehr. Beim “RS”-Modell der 964-er-Porsche-Generation stimmt dies auf jeden Fall. Weniger Komfort, weniger Material, kombiniert mit minimal mehr Leistung, hiess das Rezept, das neu mit einem Aufschlag von rund 25% zum Normal-Modell abgegeben wurde, heute aber je nach Währung fast das Zwei-bis Dreifache des damaligen Neupreises und rund dreimal soviel wie ein normaler 964 wert ist.


Porsche 911 (964) Carrera RS (1992) - dank niedrigem Gewicht und minimaler Elektronik ein ehrlicher Sportwagen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Komplett neu entwickeltes Auto

Aber blättern wir zunächst 30 Jahre zurück ins Jahr 1988, damals nämlich wurde der vierradangetriebene 964 vorgestellt. Und obwohl man’s ihm nicht ansah, hatte man dafür 87 Prozent der Teile verändert. Der 959 hatte genauso Pate gestanden wie natürlich der erfolgreiche Vorgänger, das G-Modell, das es auf 15 Jahre Produktionszeit gebracht hatte.


Optisch blieb der Porsche 964 seinen Vorfahren treu, unter dem Blech hatten sich 87% der Teile gewandelt
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

In kurzer Folge wurden die heckgetriebene 964-Variante und ein Turbo nachgereicht. Doch man hatte noch mehr im Sinn.

Die Buchstaben-Kombination RS kehrt zurück

Man erinnerte sich in Zuffenhausen nur zu gerne an die frühen Siebzigerjahre zurück, als man den 911 Carrera RS lancierte in der Hoffnung, die für die Homologierung nötigen 500 Exemplare an den Mann (oder die Frau) bringen zu können. Es wurden dann deutlich mehr. Trotzdem liess man das Kürzel “RS”, das für Rennsport stand, nach wenigen Jahren wieder fallen.


Porsche 911 (964) Carrera RS (1992) - der Schriftzug auf dem Heck
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Auf dem Genfer Autosalon 1991 aber waren die beiden magischen Buchstaben zurück und zwar am Heck eines schlicht aussehenden 964-Hecktrieblers, abgeleitet vom Porsche-Cup-Wettbewerbsfahrzeug.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Mercedes-Benz 300 SEL 6.3 (1971)
Jaguar XJ6 4.2 LWB Series II (1978)
Jaguar XJ-S V12 Cabrio (1995)
Jaguar 420 (1968)
+49 6737 31698 50
Undenheim, Deutschland

Verzicht anstatt Luxus

Nur wer am Salon genauer hinschaute, erkannte die durchaus umfangreichen Unterschiede zwischen dem RS und dem Normalmodell. Die hinteren Sitze fehlten genauso wie die elektrischen Fensterheber, eine Klimaanlage oder ein Radio. Auch auf Dämmmaterial wurde weitgehend verzichtet, die Verglasung dünn gehalten und die Sitze für Fahrer und Beifahrer entpuppten sich als knapp gepolsterte Kunststoffschalen.


Porsche 911 (964) Carrera RS (1992) - Schaltensitze
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die Lenkung musste ohne die Unterstützung einer Servopumpe auskommen, die Besatzung öffnete die Türen mit schlichten Schlaufen.


Porsche 911 (964) Carrera RS (1992) - so sieht Leichtbau aus - Türöffner als Lasche
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Auch einen Airbag gab es nicht, der Unterbodenschutz wurde auf ein Minimum reduziert, die Hauben aus Aluminium anstatt aus Stahlblech gefertigt.

1225 Kilogramm brachte ein so vereinfachter 964 auf die Waage, immerhin 175 Kilogramm weniger als das Seriencoupé.

Etwas mehr Leistung

Dem Motor verhalf man durch eine andere Abstimmung der Motronic zu 10 zusätzlichen PS, ansonsten blieb es bei 3,6 Litern Hubraum, der nun aber mit 98-Oktan-Benzin geflutet werden wollte.


Porsche 911 (964) Carrera RS (1992) - etwas mehr Leistung als die normalen 964-er
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die 260 PS reichten locker, um in 5,4 Sekunden von 0 bis 100 km/h zu beschleunigen. Bei 263 km/h Spitzengeschwindigkeit bremste die Elektronik den weiteren Vortrieb. Damit liess sich ein heckgetriebener 964 knapp auf Distanz halten, nicht aber ein noch etwas teurerer Turbo.

Weniger kostet mehr

DM 145’450 kostete der 964 RS beim Händler in Deutschland, CHF 133’000 waren es in der Schweiz. Dafür gab es immerhin verstärkte Bremsen (vorne vom Turbo, hinten vom Cup Carrera), ein serienmässiges ABS, etwas Leder im Interieur, 17-Zoll-Magnesium-Cupfelgen und jede Menge Fahrspass.

Farbenfroh

Gerne bestellten die rennsportbegeisterten Kunden den RS in bunten Farben.


Porsche 911 Carrera RS 3.6 (1992) - schnelle Ausführung des 964
Copyright / Fotograf: Archiv Porsche AG

Da standen beispielsweise neben dem fast schon unscheinbaren Weiss auch Gelb, Mintgrün, Signalgrün, Maritimblau oder eben Sternrubin zur Verfügung, ein schriller Mix aus Pink und Violett, aber ohne Metallic-Partikel.


Porsche 911 (964) Carrera RS (1992) - aus dem Stand lassen sich 200 km/h in weniger als 20 Sekunden erreichen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Spagat fast geglückt

Natürlich riss sich die Gilde der Autojournalisten darum, den neuen RS in die Mangel zu nehmen. Götz Leyrer gehörte zu den Auserwählten und er schrieb seine Eindrücke in der Zeitschrift Auto Motor und Sport nieder:
“Den Fahreindruck bestimmt nicht nur die Höhe der Fahrleistungen, sondern viel mehr noch die Art und Weise wie sie zustande kommen. Und der RS entfesselt sie wie ein reißendes Tier, mit einem geradezu unerbittlichen Schub und einem Motorgebrüll, dessen aggressive Tonlage nur der luftgekühlte Porsche-Sechszylinder zuwege bringt. Pubertär, nicht mehr zeitgemäß, etwas für verhinderte Rennfahrer - solche kritischen Kommentare sind vorprogrammiert. Trotzdem bleibt es beim Bekenntnis, daß so ein Auto ein urwüchsiges Vergnügen machen kann, daß es eben etwas anderes ist, wenn diese reinrassige Fahrmaschine davonstürmt, als wenn ein über zwei Tonnen schwerer Zwölfzylinder-Mercedes sich gar nicht soviel weniger kräftig ins Zeug legt.”


Porsche 911 (964) Carrera RS (1992) - Fahrspass pur
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Dies stimmt heute, da selbst biedere Familienlimousinen weniger Kilogramm pro PS schleppen müssen als der 964 RS, noch viel mehr als damals. Die Art, wie der inzwischen 25-jährige Porsche aus dem Stand loshechtet und eine Steigung emporstürmt, ist auch heutzutage noch immer eindrücklich. Und erst der Klang! Ganz legal und ohne drehzahl- oder manuell gesteuerte Klappen lässt der luftgekühlte Boxer sein heiseres Lied erklingen, dass man sich schon fast in Le Mans fühlt. Jederzeit und ohne Mitleid.

Verzicht ist angesagt

Dabei kann man mit dem rennsportlichsten damaligen 964 durchaus auch ganz gemütlich und ohne Krawall durch das Quartier tuckern, die Deutlichkeit Aussprache ist primär drehzahlabhängig. Komfortabel wird es trotzdem nie. Dafür sorgt alleine schon die fast inexistente Federung. Jeder auch noch so kleine Absatz überträgt sich sofort auf das Gesäss, Stucks sogenannter “Popometer” wird völlig ungefiltert sofort darüber orientiert, wenn eine Querfuge zwei Betondeckel trennt oder das Stiel eines Eises auf der Strasse liegen geblieben ist. “Von Federung ist so gut wie nichts zu bemerken, Straßenunebenheiten knallen mit einer Intensität durch, die ein weniger steifes Gebilde als die 911-Karosserie innerhalb kürzester Zeit weichklopfen würde”, schrieb Leyrer schon damals.


Porsche 911 (964) Carrera RS (1992) - gelochte Scheibenbremsen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Dass sich dies im Fahrverhalten auf hoffentlich topfebener Strecke positiv auszahlen würde, ist auch klar. “Die möglichen Kurvengeschwindigkeiten sind extrem hoch, bei einem nahezu neutralen bis leiht untersteuernden Eigenlenkverhalten, solange der Vortrieb an den Hinterrädern nicht unterbrochen wird; Gaswegnehmen oder auch Leistungsüberschluss kehrt aber natürlich das weniger freundliche Gesicht des Heckmotorprinzips zutage - der Porsche übersteuert dann, er zeigt die ganze Problematik eines sehr schmalen Grenzbereichs und eines so heftig ausbrechenden Hecks, das im Zaum zu halten ein weit überdurchschnittliches Fahrkönnen erfordert”, notierte Leyrer in seinem Test und warnte vor allzu heftigen Ausritten im Regen.

Immerhin kamen die Bremsen locker mit den erreichbaren Geschwindigkeiten klar und der Verbrauch war selbst bei forcierter Fahrweise mit 14,9 Litern pro 100 km noch human.

Selten geblieben

Der rudimentäre Komfort und die kompromisslose Sportlichkeit verhinderten einen allzu grossen Verkaufserfolg des Minimal-964-Modells, das es als Touring-Ausführung auch mit etwas mehr Luxus gab. Immerhin knapp über 2000 Exemplare konnten in rund zwei Jahren Bauzeit verkauft werden. Deutlich rarer noch war der RS 3.8, doch von dem soll ein anderes Mal die Rede sein.


Porsche 911 (964) Carrera RS (1992) - Regen macht schön
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die Überlebensrate dürfte hoch sein, weil die meisten dieser Autos wenig gefahren wurden und schon früh in Sammlungen landeten. Heute werden sie im Vergleich zu anderen 964-Varianten fast vergoldet. Das ist auch kein Wunder, denn zum kurzen Ausritt am frühen Sonntagmorgen taugen sie genauso wie für den Track-Day, viel mehr aber wollen die meisten Besitzer gar nicht, und so bleiben die Kilometerstände übersichtlich.


Porsche 911 (964) Carrera RS (1992) - Vergangenheit und Zukunft des Hauses Porsche?
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Unterstützung bei diesem Bildbericht.

Weitere Informationen

  • Auto Motor und Sport Heft 24/1991, ab Seite 66: Test Porsche Carrera RS
  • Auto Motor und Sport Heft 20/1993, ab Seite 96: Test Porsche Carrera RS 3.8

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von Reiffan
08.12.2020 (09:15)
Antworten
Mein Caterham S7 2,0 16V HPC hat von allem weniger, ist nicht mal halb so schwer (535kg gewogen) kostet nur einen Bruchteil, ist seltener, spartanischer, verbraucht weniger und bringt mir mehr Fahrspass und ist auf fast jeder Strecke schneller, wo es nicht um das geradeaus fahren geht.
Komplett überbewertet, das Auto. Wie fast alle 911er
PS. Ich bin nicht Spekulant sondern Sportfahrer und ehemaliger, mehrfacher Besitzer und Fahrer luftgekühlter 911er.
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Markenseiten

Aus dem Zeitschriftenarchiv

Aktuelle Fahrzeug-Inserate

Aktuelle Marktpreise (Auswahl)

Coupé, 230 PS, 2993 cm3
Coupé, 300 PS, 3746 cm3
Cabriolet, 250 PS, 3600 cm3
Cabriolet, 250 PS, 3600 cm3
Cabriolet, 250 PS, 3600 cm3
Coupé, 320 PS, 3299 cm3

Spezialisten (Auswahl)

Spezialist

Schlieren, Schweiz

0443059904

Spezialisiert auf Porsche

Spezialist

Undenheim, Deutschland

+49 6737 31698 50

Spezialisiert auf Mercedes, Jaguar, ...

Spezialist

Aarberg, Schweiz

0041 79 733 17 28

Spezialisiert auf Mercedes-Benz, Mercedes, ...

Spezialist

Schoten, Belgien

+32 475 42 27 90

Spezialisiert auf Lola, De Tomaso, ...

Spezialist

St. Margrethen, Schweiz

071 450 01 11

Spezialisiert auf Mercedes Benz, VW, ...

Spezialist

St. Margrethen, Schweiz

+41 (0)71 450 01 11

Spezialisiert auf Mercedes Benz, VW, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 722 00 00

Spezialisiert auf Lancia, Alfa Romeo, ...

Spezialist

Toffen, Schweiz

+41 31 819 48 41

Spezialisiert auf Ferrari, Maserati, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 566 13 70

Spezialisiert auf Ferrari, Maserati, ...

Spezialist

Amtserdam, Niederlande

Spezialisiert auf Ford, Jaguar, ...

Spezialist

Schinznach-Dorf, Schweiz

+41564501132

Spezialisiert auf Alfa Romeo, Audi, ...

Spezialist

Safenwil, Schweiz

+41 62 788 79 20

Spezialisiert auf Jaguar, Toyota, ...

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.