Porsche 964 Carrera 2 Cup - ein Rennwagen für alle Tage?

Erstellt am 10. Mai 2018
, Leselänge 8min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Bruno von Rotz 
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Archiv Porsche AG 
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Es ist Sonntag Morgen, das Frühstück ist fast bereit, es fehlen nur noch die Brötchen. Also schnell zum Bäcker. Das Garagentor öffnen, upps! Der Roller steht hinter dem Porsche 964. Kein Problem, dann halt mit dem Porsche zur Bäckerei. Allerdings ist das kein normaler 964, sondern ein Cup-Modell. Und damit deutlich leichter, aber auch mit etwas weniger Komfort ausgestattet. Aber wer braucht schon Komfort, um zum Bäcker zu fahren.


Porsche 964 Carrera 2 Cup (1991) - als noch nicht alle Cup-911er weiss waren
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Allerdings, der Einstieg in den 964 mit installiertem Matter-Überrollkäfig verlangt schon nach etwas Beweglichkeit, muss doch das Gesäss zuerst über die Querstrebe gehievt werden. Um dann in den engen Schalensitz zu fallen, der so wunderbar viel Seitenhalt vermittelt.


Porsche 964 Carrera 2 Cup (1991) - zwei Rennsitze, wenig Komfort im Innern
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Losfahren? Nein, zuerst wird angeschnallt. Sechspunkt-Renngurte sind nicht gerade für den Alltagseinsatz ausgerichtet, bis da alles zusammengenestelt und festgezurrt ist, vergeht schon ein wenig Zeit, aber was macht man nicht alles für die Sicherheit. Dass das Rückwärtsfahren jetzt nicht mehr so einfach ist, verdrängt man zunächst. Dass man die Türe an einer billigen Schlaufe zuziehen muss, hat funktionell kaum Nachteile. Auch die Fensterkurbeln nicht, die anstatt elektrischen Scheibenhebern montiert sind.


Porsche 964 Carrera 2 Cup (1991) - Leichtbau - Schlaufen zum Türenschliessen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der 964 Cup startet problemlos, die Käfer-Gene lassen nichts anderes zu. Es ist ein bisschen lauter im unverkleideten und nicht isolierten Innenraum, aber bei tiefen Drehzahlen ist das kein Problem. Also raus aus der Garage und ab auf die Landstrasse.


Porsche 964 Carrera 2 Cup (1991) - am liebsten fährt man, bis die Nacht hereinbricht
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Sonne steht noch tief, der Griff zur Sonnenblende aber geht is Leere. Ein Rennwagen braucht schliesslich keine Sonnenblenden, als kneifen wir die Augen zusammen.

Auf der Landstrasse wird der Porsche langsam wärmer und fühlt sich wohler und wohler. So geht’s auch dem Fahrer. Einen kleinen Umweg kann man ja noch machen, die Familie schläft sicherlich noch. Hoch geht’s über die berühmte Bergrennstrecke auf den Gurnigel. Jetzt ist der 964 Cup in seinem Element. Beschleunigen am Berg, das gegenüber der Serienversion um 170 kg gesenkte Gewicht setzt den gesunden 265 PS wenig entgegen. Beim Anbremsen der Kurven spürt man förmlich, dass keine unnötigen Pfunde auf den beiden Achsen ruhen. So fühlt sich ein Rennwagen an. Unglaublich, diese brachiale Verzögerung! Gierig dreht der Motor hoch, der Geräuschpegel steigt, aber so auch die Fahrfreude.


Porsche 964 Carrera 2 Cup (1991) - was für ein Anblick
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Oben angekommen geniesst man das Panorama der immer noch winterlichen Landschaft und denkt erschreckt: Die Brötchen! Schnell umgekehrt, wieder ins Tal zurückgefahren und abbiegen zur Bäckerei. Gurten lösen, das geht schneller als das Angurten. Rausklettern und das Backgut kaufen.


Porsche 964 Carrera 2 Cup (1991) - noch immer ein klassischer 911-er
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Dann zurück ins Auto, wieder anzurren und sorgfältig loszuckeln, schliesslich fährt man durch Wohngebiete. Ein Radio hat der 964 Cup nicht, viel davon würde man eh’ nicht hören und auf der Rennstrecke braucht man es schliesslich auch nicht.

Zuhause angekommen möglichst geräuschlos zurück in die Garage fahren, ein paar Schweisstropfen von der Stirn wischen und denken, dass es für die Fahrt zum Bäcker wohl praktischere Autos gibt, aber nur wenige, die soviel Rennsport-Ambiente versprühen …

Strassenzugelassenes Sportgerät

Bereits mit dem Porsche 944 Turbo hatten die Zuffenhausener gezeigt, dass ein für den Rennsport optimierter streng regulierter Serienwagen für viel Spannung bei Markenpokalen sorgen konnte. Die Leistung stieg von ursprünglich 220 PS auf 250 PS.


Porsche 964 C4 (1991) - am grundsätzlichen Layout wurde nichts geändert
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Mit dem Erscheinen des Porsche 964, dem weitgehend neuen Nachfolger des über 15 Jahre lang gebauten 911 G-Modells, sah man bei Porsche die Chance, den 911er auch im Clubrennsport besser ins Szene zu setzen. Weiterhin achtete man darauf, dass der 964 auch als Rennwagen alltagstauglich blieb, mit Katalysator ausgerüstet war und nicht durch übermässigen Lärm auffiel. Zudem wollte die Chancengleichheit gewahrt bleiben, was beim 964 sehr gut gelang.

Optimierung anstatt Komplettumbau

Als Basis für den 1990 neu geschaffenen Carrera Cup diente der 1989 erschienene 964 Carrera 2, also die Variante mit Hinterradantrieb. Roland Kußmaul hatte die Projektleitung, um aus dem Strassenfahrzeug einen Rennwagen mit Strassenzulassung zu entwickeln. Anstatt Verkleidungen und Teppichen gab es im Innenraum nur viel unverkleidetes Blech in Wagenfarbe. Winfried Matter entwickelte einen Überrollkäfig, der nicht nur für Sicherheit, sondern auch für mehr Torsionsfestigkeit sorgte. Anstatt des Seriengestühls gab es einen Recaro-Rennsitz für den Fahrer. 1180 kg wog das vollgetankte Coupé der Saison 1990.


Porsche 964 Carrera 2 Cup (1991) - massiver Überrollkäfig
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Sechspunkt-Sicherheitsgurten hielten den Fahrer auf seinem Stuhl, während Armaturenbrett und Pedalerie aus der Serie stammten.

Beim Fahrwerk wurde nicht sehr viel geändert, allerdings lag der Cup-964 55 mm tiefer, erhielt spezielle Bilstein-Dämpfer und straffere Radaufhängungspunkte. Auf 8x17- und 9,5x-17-Speedline-Felgen wurden Rennreifen der Dimension 245/620 x 17 (vorne) und 265/630 x17 hinten aufgezogen (für die Strasse gab’s Pirelli P700Z der Dimensionen 235/45ZR17 und 255/40ZR17).

Ein an den Renneinsatz angepasstes ABS verhinderte das Blockieren der Räder.


Porsche 964 Carrera 2 Cup (1991) - 3,6 Liter Hubraum, 265 PS
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Der Motor entsprach weitgehend der Serie, erhielt aber eine modifizierte Steuerungselektronik. Zudem entfiel der Mittelschalldämpfer. 1990 leisteten die Cup-964 so 265 PS bei 6100 Umdrehungen, mit überarbeitetem Motormanagement und geglätteten Einlasskanälen wurden es 1992 dann 275 PS. Im selben Jahr wurden auch die Räder grösser und das ABS modifiziert.

Billig war der Cup-964 nicht, rund DM 125’000 mussten für den Neuwagen überwiesen werden, allerdings gab es pro Rennen insgesamt auch DM 80’000 zu gewinnen.

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Schnell auf der Piste

Die Automobil Revue hatte im März 1990 die Gelegenheit, sich hinter das Lenkrad des Cup-Rennwagen zu setzen. Für den Autoren des Fahrberichts war der Cup Carrera 2 ein kompromissloses Wettbewerbsauto:

“Den Tritt aufs Gaspedal quittiert der Porsche im ersten Gang mit einem fulminanten Antritt. Der erleichterte Wagen bekundet dabei keinerlei Traktionsprobleme, verfügt er doch über eine 40-prozentige Differentialbremse. Auch in den höheren Gängen (Serienuntersetzungen) bleibt das Beschleunigungsvermögen beeindruckend. Erstaunlich ist, welch hohe Querbeschleunigungskräfte der an sich seriennahe Porsche aufbauen kann. Allzu unbekümmert sollte man allerdings deswegen nicht hinlangen, denn fahrerisch stellt er trotz des verzugslosen Ansprechens seines Saugmotors höhere Ansprüche als der frühere 944 Turbo Cup.

Die Untersteuertendenz des Basis-Carrera am Kurveneingang ist nach wie vor präsent. Im Gegensatz zum Strassenverkehr muss zwar der Wagen nicht weniger geübten Fahrern Reserven in heiklen Situationen bieten, sondern er sollte sich bei rennmässiger Gangart möglichst effizient verhalten. Aber die Schwächen des Heckmotorkonzepts lassen sich nur teilweise eliminieren. Im Grenzbereich schlägt daher der Cup-Carrera mitunter recht ungeniert ins Übersteuern (Ausdrehen des Hecks) um. Wer ausgeprägte Lastwechsel provoziert, sollte über Feingefühl und eine gute Reaktion verfügen, um das Auto unter Kontrolle zu halten.

Wegen der breiten Slickreifen und der betont harten Abstimmung will der Cup-Carrera ständig mit kleinen Lenkkorrekturen auf Kurs gehalten werden. Dezidiertes Zupacken ist angezeigt, denn der Servo fiel der Abmagerungskur zum Opfer, und überdies hat man die Lenkung noch direkter übersetzt, damit der Wagen spontaner auf Befehle seines Piloten reagiert.

Wie erwartet sorgt die optimierte Bremsanlage für kräftige Verzögerung; ein Nachlassen der Wirkung war auch bei harter Beanspruchung nicht festzustellen.”

Die Fahrt auf der Rennstrecke überzeugte den AR-Journalisten so sehr, dass er sich ein ähnlich direktes Fahrverhalten auch für die Strasse wünschte, ein Wunsch, den Porsche ja dann mit dem 964 RS erfüllte.

Spannende Rennen und Talententwicklung

In den vier Cup-Rennjahren standen auch heute noch bekannte Rennfahrer des öfteren zuoberst auf dem Treppchen und gewannen schliesslich die Meisterschaft: Olaf Manthey, Roland Asch, Uwe Alzen und Wolfgang Land.

Nicht der erste und nicht der letzte

Der 964 Carrera 2 Cup, gebaut mit Baujahr 1990 bis 1993 war nicht der letzte Cup-911.


Porsche 964 Carrera 2 Cup (1991) - im Cup-Einsatz im Jahr 1991
Copyright / Fotograf: Archiv Besitzer

Es folgten 1994 der 993 Carrera Cup mit auffälligem Heckspoiler, der nur noch knapp eine Strassenzulassung erhielt. 1998 wurde der 993 dann durch den 996 GT3 Cup ersetzt, gefahren von 1998 bis 2004. Dieser war genauso ein reinrassiger und nicht strassenzugelassener Rennwagen wie der Nachfolger, der ab 2005 eingesetzt wurde, nun über ein sequentielles Getriebe und Renncockpit verfügte.

Einer von wenigen

Gemeinsam ist allen Cup-Autos, dass sie in ziemlich überschaubaren Stückzahlen gebaut wurden und trotzdem, zusammen mit dem Ersatzteilgeschäft, für gute Umsätze bei Porsche sorgten. Knapp über 300 964 Cup-Rennwagen entstanden zwischen 1989 und 1993, die Nachfolger wurden in ähnlichen kleinen Stückzahlen gebaut.

Obwohl sie als Rennwagen gedacht waren, gelangten gerade die frühen Cup-Autos immer wieder auf die Strasse, sowohl vom 944 Turbo Cup-Rennwagen als auch vom 964 Cup wurden einige Exemplare auch auf der Strasse bewegt, auch wenn sie mit ihren farbigen Lackierungen und Beklebungen auffielen wie bunte Hunde.


Porsche 964 Carrera 2 Cup (1991) - im Cup-Einsatz im Jahr 1991
Copyright / Fotograf: Archiv Besitzer

Der maritimblaue 964 Cup befand sich bis vor kurzem noch beim ersten Besitzer, der den Wagen 1991 neu für DM 130’999.99 (inkl. 14% Mehrwertsteuer) angeschafft und über mehrere Saisons bei Cup-Veranstaltungen gefahren hatte. Als er zu einer schnelleren Rennklasse aufstieg, verkaufte er das Auto, nahm den Wagen aber später zurück, um ihn mit beträchtlichem Aufwand komplett zu restaurieren, so wie er heute dasteht.


Porsche 964 Carrera 2 Cup (1991) - die Basis für den Rennsport
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Heute kann man den 964 Cup nur noch in ausgesuchten Serien rennmässig einsetzen, die Nachfolger sind halt einfach deutlich schneller. Mehr und mehr treten die Cup-Autos aber auch an Oldtimer- und Youngtimer-Rennläufen auf, wo sie sich bestens in Szene setzen können.


Fünf Cup-Porsche zusammen - 944 Turbo, 964, 993, 996 und 997
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit, den Porsche fotografieren zu können.


Fünf Cup-Porsche zusammen - 944 Turbo, 964, 993, 996 und 997
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

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von Chefredaktor
21.05.2018 (18:11)
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