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Porsche 924 S - mit der Kraft der vier grossen Zylinder

Erstellt am 30. November 2017
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Balz Schreier 
18
Bruno von Rotz 
13
Porsche AG 
7
Archiv 
9

Vorgestellt wurde der Porsche 924 bereits im Herbst 1975, aber es dauerte zehn Jahre, bis der grösste Kritikpunkt, der Audi-Motor, aus dem Wege geschafft wurde, indem man den halbierten 928-Motor einbaute, der bereits seit 1981 den Porsche 944 befeuerte.

Porsche 924 S (1985) - kompakter Sportwagen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Endlich ein richtiger Porsche-Motor

Dabei waren dem 924 eigentlich schon vorher kaum Schwächen anzukreiden, schliesslich war er mit seiner Heckklappe praxisorientiert, mit seinem Zweiliter-Motor in Kombination mit der guten Aerodynamik sparsam und ausreichend sportlich. Zudem sah das von Harm Lagaay unter Leitung von Anatole Lapine entworfene Kleid hübsch aus und überstand den Lauf der Jahre überraschend gut. Das Fahrverhalten hatte von Anfang an überzeugt, genauso wie der hohe Nutzwert des kleinen Sportwagens.

Porsche 924 (1981) - der Porsche 944 entstand aus Kombination des 924 mit dem halbierten Motor des 928 - beide sichtbar auf diesem Bild
Archiv Automobil Revue

Dass man also schliesslich den Audi-Motor durch das Aggregat aus dem 944 ersetzte, war also nicht nur der Kritik geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass der Motor gar nicht mehr auf längere Zeit zur Verfügung stand. Zudem sprachen Gleichteile-Argumente und abgastechnische Vorteile natürlich für den Einsatz des 944-Motors im 924 S, der zur IAA Frankfurt im September 1985 präsentiert wurde.

Porsche 924 S (1985) - ein echter Porsche-Motor
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der neue Motor hatte durchaus einige Vorzüge zu verbuchen. Das Kurbelgehäuse und der Zylinderkopf bestanden aus Leichtmetall, für die Dämpfung der Schwingungen sorgten zwei Ausgleichswellen. Leistete der 2479 cm3 grosse Motor im 944 163 PS, waren es im 924 S deren 150 und zwar unabhängig davon, ob die Abgase über einen Katalysator entgiftet wurden oder nicht. Das Leistungsdefizit gegenüber dem 944 resultierte aus einer auf 9,7:1 reduzierten Kompressionen, welche die Verwendung von (bleifreiem) Normalbenzin erlaubte.

Aus Sicht 924 war die Drosselung kein Problem, denn mit einem Leistungssprung von 20% und 18 % mehr Drehmoment war man gut bedient.

Der Vorteil der schlanken Statur

Der grössere Motor im schmäleren 924 führte zu Fahrleistungen, die nur wenig unter jenen des stärkeren 944 lagen. Mit 219 km/h Spitze und einer Zeit von 8,0 Sekunden für den Spurt von 0 bis 100 km/h jedenfalls war man gut gerüstet im internen Bruderduell.

Porsche 924 S (1985) - von 1975 bis 1988 optisch praktisch unverändert gebaut
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Funktionell gab es sowieso keine Nachteile wegen der schlankeren Karosserie, einzig das weiterhin an die VW-Zeiten erinnernde Interieur wirkte etwas weniger edel als das, was der 944 bieten konnte.

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Der Konkurrenz gewachsen

Die Automobil Revue war vom neuen Porsche-Sprössling durchaus angetan: “Mit der Einverleibung des eigenen 2,5-1-Motors anstelle des betagten 2-Liter-Audi-Aggregates hat sich der Baby-Porsche zu einem attraktiveren Sportcoupé gemausert, als dies bisher der Fall war. Der zwar äusserlich nach wie vor eher etwas schmächtig wirkende 924 S brilliert trotz der verabreichten Leistungsspritze mit ausgewogenem Eigenlenkverhalten, gleichzeitig aber auch mit günstigem Verbrauch, gepaart mit Fahrleistungen, wie man sie von einem echten Porsche erwartet. Im Vergleich zur allerdings recht dünn gesäten Konkurrenz ist der Preis dieses «2 plus» von gut 40’000 Franken indessen nicht gerade günstig, insbesondere wenn man das bescheidene Platzangebot, das in der Praxis eben nur zwei Erwachsenen ausreichenden «Lebensraum» bietet, ins Kalkül zieht.”

Porsche 924 S (1987) - optisch kaum vom vorherigen Zweiliter zu unterscheiden
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Interessanterweise wurde der Porsche 924 S primär mit Sportwagen aus Japan verglichen, wohl auch deshalb, weil die europäischen Konkurrenten so langsam ausstarben, so wurde bekanntlich der ähnlich konzipierte Alfa Romeo GTV6 nur bis 1986 verkauft.

Also liessen die deutschen Zeitschriften Auto Motor und Sport und Rallye Racing den Mazda RX-7 und den Mitsubishi Starion Turbo zum Vergleich antreten. Beide Japaner litten unter einem deutlich ausgeprägteren Durst, konnten aber bezüglich Fahrleistungen gut mithalten, der Starion war sogar deutlich schneller. Und dabei, vor allem ausstattungsbereinigt, noch deutlich günstiger.

Thomas Zwickler von Rallye Racing notierte 1986: “Schwäbischer Edelmann gegen japanischen Samurai - beide haben ihre Qualitäten. Ausgewogenes Fahrverhalten und günstiger Verbrauch sind die Pluspunkte für den Porsche, bessere Bedienbarkeit, ein bissiger Motor und auch ein subjektives Gefühl von Qualität (!) sprechen für den Mitsubishi. Ob ein 924 S haltbarer ist als der Starion, muß die Erfahrung der Käufer zeigen - ein mit fast identischer Technik versehener Mitsubishi Galant hat bei uns jedenfalls 50’000 Dauertest-Kilometer ohne Mucken absolviert.”

Beim RX-7 lautete das AMS-Fazit deutlicher zugunsten des Porsche, der mehr Ausgewogenheit und fahrdynamische Qualitäten bot.

Typ PS bei U/min Nm bei U/min Gewicht kg Vmax km/h 0-100 km/h Preis DM
Porsche 924 (bis 1984) 125 5800 165 3500 1070 202.5 9.5  
Porsche 944 (1982) 160 5800 205 3000 1190 223 7.8  
Porsche 924 S Kat 150 5800 195 3000 1190 215 8.1 41950
Mazda RX-7 (1986) 150 6500 182 3000 1226 218 8.6 41800
Mitsubishi Starion (1986) 180 6000 290 3500 1250 226 7.3 39700

 

Vergleichsweise teuer

Im Jahr 1987 erhielt der Porsche 924 S nach Anhebung der Verdichtung auf 10,2: 1 zehn Pferdestärken zusätzlich und auch wenig mehr Drehmoment. Damit wurde er zwar nicht viel spritziger, aber er lief nun echte 225 km/h. Allerdings betrug der Preis nun DM 49’265, was die Zeitschrift Auto Motor Sport zu folgendem Schlusswort des Kurztests motivierte: “Für den kleinsten Porsche ist das ein happiger Batzen Geld”.

Porsche 924 S (1985) - auch heute noch ein attraktives Auto
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Rund 30 Jahre später sind die Preise immer noch vergleichsweise tief, sowohl was den Porsche 924 S anbelangt, als auch die der einstigen Konkurrenten Starion und RX-7. Der Porsche wird gemäss Classic Data  im Zustand 2allerdings rund 15 Prozent über dem Mitsubishi und 30 Prozent über dem Mazda gehandelt. Fans haben alle drei, der S-Porsche blieb vergleichsweise selten, seine Produktion wurde am 1. August 1988 nach knapp über 16’000 Exemplaren (3/4 waren 150-PS-Versionen) eingestellt.

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Angenehmer Gefährte

195 Newtonmeter Drehmoment waren vor 30 Jahren noch eine Hausnummer, im Zeitalter der Turbo-Diesel und zwangsbeatmeter Direkteinspritzer ist man sich an viel Schub aus tiefen Drehzahlen allerdings gewöhnt. Trotzdem überzeugt der 924 S mit gutem Temperament, nur die Spritzigkeit im oberen Drehzahlbereich erinnert an den ungewohnt grossen Hubraum des Vierzylinders. Eigentlich ist dieser Motor das ziemliche Gegenteil von dem, was beispielsweise Honda im S2000 offerierte oder was sich Wankel-Fahrer aus dem RX-7 gewohnt waren.
Im Alltag sind mit dieser Drehzahlcharakteristik aber keine Nachteile verbunden und man schwimmt problemlos im Verkehr mit, die Getriebebedienung fühlt sich gut an und man wechselt die Gänge oftmals einfach aus Freude am Schalten.

Porsche 924 S (1985) - kurzer Schaltknauf, der Schalthebel wechselt die Gänge im Heck
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die Sitzposition ist gut, nur das Lenkrad liegt etwas tief. Vorne freut man sich an guten Sichtverhältnisse, während es hinten schon eher Kinder- als Erwachsenensitze sind, die da zur Mitfahrt einladen.

Porsche 924 S (1985) - fast zeitloses Design von Lagaay
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Der 924 S ist eigentlich das ausgewogenste Modell der Baureihe, nur die höheren Wartungskosten gereichen ihm zum Nachteil gegenüber seinen Vorgängern.

Die Sache mit der Farbe

Interessant ist die Herkunft der Farbe beim fotografierten Modell. Der Besitzer besass lange Zeit Ponys und wollte seinen Porsche unbedingt in derselben Farbe haben. So verschwand das ursprüngliche Weiss unter einer beigen Farbschicht, die dem 924 durchaus gut steht.

Porsche 924 S (1985) - praktisch dank Heckklappe
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wir danken der Touring Garage für die Gelegenheit zur Probefahrt im 32-jährigen Porsche 924 S.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von hp******
09.12.2018 (13:30)
Antworten
Schade, dass das gegenüber dem 924 geänderte Fahrwerk mit Porsche-typisch gut zupackenden vier Scheibenbremsen (vorne innenbelüfted) keine Erwähnung findet.
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