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Bild (1/1): Porsche 916 (1972) - die Frontschürze mit zusätzlichen Frontspoiler und Lufteinlass zum Ölkühler (© Jasen Delgado - Courtesy RM Auctions, 2020)
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Porsche 916 – damals der schnellste und seltenste Strassensportwagen aus Zuffenhausen

Erstellt am 11. August 2020
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Jasen Delgado - Courtesy RM Auctions 
(20)
Porsche AG 
(2)
Artcurial 
(1)
Archiv 
(7)
 
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Obwohl der VW-Porsche bei seiner Premiere im Jahr 1969 freudig begrüsst worden war, schliesslich gab es nicht viele Mittelmotor-Sportwagen mit offenem Dach auf dem Mark, tat sich vor allem die stärkere Variante mit Porsche-Sechszylindermotor schwer. Die Absatzzahlen blieben hinter den Erwartungen zurück.

VW-Porsche 914 (1970) - Durchsichtszeichnung der Sechszylinderversion
© Archiv Automobil Revue

In der Presse wurde sogar von einem Produktionsstopp des 914/6 gemunkelt, weshalb man sich zu einem Dementi gezwungen sah. Jedenfalls war früh im Jahr 1971 in der Automobil Revue folgendes zu lesen:
“VW-Porsche, die Vertriebsgesellschaft für die Mittelmotor-Sportwagen wie für die Hecktypen, bezeichnet die Meldung von der Aufgabe der Produktion des 914/6 (Mittelmotorwagen mit Sechszylinder) als jeglicher Grundlage entbehrend. Diese Nachricht ist offensichtlich darauf zurückzuführen, dass der Absatz dieses Typs wegen des hohen Preises die ursprünglichen Planziele nicht erreicht und dass die Jahresproduktion, die 1970 rund 2000 Stück betragen hatte, im kommenden Jahr auf etwa 700 bis allerhöchstens 1000 Stück reduziert wird. Der 914/6 soll aber voraussichtlich auch 1972 weitergebaut werden.”

Porsche 914/6 GT (1970) - fährt auf Platz 6 der Gesamtwertung bei den 24 Stunden von Le Mans 1970
© Archiv Automobil Revue

Allerdings dachte man auch bei Porsche darüber nach, wie man den Verkauf des 914/6 weiter fördern könne, zumal sich im Rennsport ja einige beindruckende Erfolge eingestellt hatten. So hatte ein 914/6 beim “Marathon de la Route” auf dem Nürburgring gewonnen und ein umfangreich modifizierter 914/6 GT war bei den 24 Stunden von Le Mans im Sommer 1970 mit Claude Ballot-Léna und Guy Chasseuil am Steuer auf den sechsten Gesamtrang und den 1. Platz im 2-Liter-GT-Klassement gefahren und hatte dabei notabene alle 911er hinter sich gelassen. Wobei hier anzumerken wäre, dass diese Erfolge wohl eher etwas mit der Zuverlässigkeit des Mittelmotorsportwagens als mit seiner Grundschnelligkeit zu tun hatten.

Prestige-Frage

Bei Porsche entschied man sich zu einer Flucht nach vorne und entwickelte den VW-Porsche 916. Sportlich geschärft sollte er sein und gleichzeitig nobler. Als Verkaufspreis strebte man DM 40’000 bis 50’000. Zum Vergleich: Ein Porsche 911 S kostete als teuerster Wagen der Palette 1971 DM 31’150, ein Dino 246 GT wurde in Deutschland für DM 39’905 verkauft.

Von der Rennstrecke auf die Strasse

Der Prototyp des VW-Porsche 916 bestand aus Komponenten, die sich teilweise im Rennsport oder aber im 911 bereits bewährt hatten. Um eine höhere Stabilität zu erreichen, verschweisste man das nun aus Stahlblech geformte Dach direkt mit der Karosserie, aus dem Targa-Cabriolet wurde ein Coupé. Die Längsträger wurden verstärkt und kunststoffummantelt.

VW-Porsche 914 (1969) - Durchsichtszeichnung
© Archiv Automobil Revue

Beim Fahrwerk griff man auf die Elemente des 914/6 zurück, zog aber 185/70 Reifen auf Sieben-Zoll-Fuchsfelgen auf. Kotflügelverbreiterungen aus Stahlblech machten den 916 neun Zentimeter breiter, um die Radhäuser zu füllen, wurden Distanzscheiben zwischen Aufhängung und Felgen verwendet.

Die Kunststoffverkleidungen vorne und hinten wurden neu gestaltet. Sie erhielten einen Front-Flipper für mehr Abtrieb an der Vorderachse und Platz für einen zusätzlichen Ölkühler.

Als Motor wurde beim Prototyp ein auf Superbenzin optimierter 2,6-Liter-Motor mit 210 PS eingebaut. Beim Fahrwerk stellte man mit Bilstein-Dämpfern und Querstabilisatoren vorne und hinten sicher, dass es der Mehrleistung gewachsen war. Vier innenbelüftete Scheibenbremsen vom 911 S sorgten für standesgemässe Verzögerung. Das Getriebe stammte ebenfalls aus dem 911 S.

Ingesamt war so ein Paket entstanden, das selbst arrivierten Super-Sportwagen um die Nase fahren konnte.

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Zu teuer

Die Premiere für den Porsche 916 war für den Pariser Autosalon im Herbst 1971 geplant. Doch vor Ort war der Wagen nicht zu erblicken. Auto Motor und Sport berichtete im Rückblick zum 58. Pariser Salon jedenfalls:
“Bei Porsche vermißte man den VW-Porsche 916, ein neues Modell, das für den Pariser Salon im Gespräch war. In Zuffenhausen bestand bis vor kurzem die Absicht, aus dem schleppenden Verkauf des 914/6 die Flucht nach vorne anzutreten und eine Version mit 2,6 Liter Hubraum, 210 PS und sensationellen Fahrleistungen hervorzubringen. Gut 40’000 Mark sollte das Superauto kosten, das inzwischen jedoch – nicht zuletzt wegen technischer Probleme – zurückgepfiffen wurde.”

Um welche technischen Probleme es sich gehandelt haben mochte, darüber kann nur gemutmasst werden. Sicher ist, dass die Kosten aus dem Ruder liefen und dass der Wagen wegen des komplexen Produktionsprozesses –  Rohkarossen von Karmann, Verstärkungen bei Baur, Endmontage bei Porsche – rund DM 45’000  teuer geworden wäre. Zu teuer.

Porsche 916 (1972) - in Weiss
© Copyright / Fotograf: Porsche AG

Zudem zeigte es sich, dass sein Fahrverhalten einen Experten am Steuer erforderte. Jürgen Barth jedenfalls notierte dazu in seinem umfassenden Werk “Das grosse Buch der Porsche-Typen”:
“Selbst überschnell angegangene Kurven ließen zunächst nicht den Grenzbereich des 916 erkennen. Fast ohne spürbare Driftwinkel folgte der Wagen leicht untersteuernd den Befehlen am Lenkrad bis zu Kurvengeschwindigkeiten, die das Vermögen aller Limousinen weit übertrafen. Doch sobald in einer solchen Situation das Gas zurückgenommen wurde, bekam der Fahrer Arbeit. Schlagartig drehte sich der 916 in die Kurve hinein, mit Gegenlenken und neuem Leistungseinsatz konnte man diese Schwierigkeit meistern. Wohl fühlte sich der 916 in schnellen Kurvenkombinationen, wo er fast ohne Verzögerung den am Lenkrad vorgenommenen Richtungswechseln folgte.”

Es gab aber noch ein weiteres Problem, das mit zum Ende des 916 führte. Bis anhin hatte sich Volkswagen, zurückgehend auf eine Konzernvereinbarung aus den Nachkriegsjahren, jeweils mit der Hälfte an Motorsportkosten von Porsche beteiligt. Beim Gemeinschaftsprodukt VW-Porsche sah man aber anlässlich leerer Kassen keinen Grund, an dieser Vereinbarung festzuhalten. So war es für Porsche lukrativer, den Carrera RS 2.7 zu homologieren und damit Rennsport zu machen, als das Projekt 916 weiterzutreiben. Interessanterweise lautete die interne Projektnummer für die RS-Homologierung dann auch auf 916.

Der Schnellste Serien-Porsche seiner Zeit?

Ganz gestorben war das Projekt “916” dann aber doch nicht. Es wurde eine Mini-Serie gebaut. Diese gingen an Mitglieder der Familie Porsche und an Freunde des Hauses, zum Stückpreis von DM 41’000.

Rund 1000 kg schwer war ein “Serien”-916, der im Sinne einer einfachen Ersatzteilversorgung mit dem 911-S-2,4-Liter-Motor ausgerüstet wurde. Auch mit den “nur” 190 PS resultierte ein Leistungsgewicht von 5,3 kg pro PS. Der Sprint von 0 auf 100 km/h war in rund 7 Sekunden zu schaffen, als Spitzengeschwindigkeit sprach man von rund 240 km/h. Mit diesen Fahrleistungen waren die im Jahr 1972 gebauten “Serien“-916 die schnellsten Porsche-Sportwagen ihrer Zeit. Einige Kunden liessen sich dann den mittlerweile verfügbaren 2,7-Liter-RS-Motor einbauen.

Porsche 916 (1972) - in Hellgrün
© Copyright / Fotograf: Porsche AG

Wer zu den glücklichen Empfängern gehörte, konnte sich die Innenausstattung nach eigenem Geschmack zusammenstellen und er erhielt eine Rarität, die einen erklecklichen Wertzuwachs versprach, wie man heute weiss.

Auto Motor und Sport konnte 1972 einen der zehn Wagen genauer unter die Lupe nehmen und notierte:
“Zweifellos hätte der stark motorisierte, fahrwerksmäßig optimal präparierte 916 ein ebenso überzeugendes wie kostspieliges Demonstrationsobjekt für die wirklichen Möglichkeiten eines Mittelmotor-Sportwagens werden können. Das Vergnügen dieser Demonstration genießen nun elf auserwählte Fahrer — und dazu das Gefühl hochgradiger, wenn auch relativ unauffälliger Exklusivität.”

Wobei hier noch zu notieren wäre, dass "unauffällig" angesichts der oft gewählten bunten Lackierungen doch eher relativ zu sehen ist.

Galledia

Nur elf Mal gebaut

Es wurden nach dem Prototypen genau zehn “Serien”-916 gebaut, sie erhielten die Chassisnummern 9142330011 bis 9142330020.

Der erste Wagen wurde für Louise Piëch, die Schwester Ferry Porsches und die Mutter Ferdinand Piëchs, der den Prototypen "Brutus" fuhr, gebaut. “0011” wurde in Hellgelb lackiert und erhielt eine Innenausstattung in kastanienbraunem Leder mit Paisley-Cord-Einlagen.

Porsche 916 (1972) - das Interieur konnten die Käufer individuell gestalten lassen
© Copyright / Fotograf: Jasen Delgado - Courtesy RM Auctions

Die Teppiche waren dunkelbraun, der Motor stammte wie bei allen Kundenfahrzeugen (zunächst) vom 911 S.

Porsche 916 (1972) - das Stahldach ist fest verschweisst
© Copyright / Fotograf: Jasen Delgado - Courtesy RM Auctions

“0011” wurde 1973 an eine Porsche-Mitarbeiterin namens Erna Götten verkauft, ging später in die USA und kam schliesslich via Japan wieder nach Europa zurück, wo er seit 2008 Dr. Thomas Gruber gehört.

Alle überlebt?

Soweit man weiss, haben alle Porsche 916 überlebt. Den Prototypen “Brutus” verkaufte Artcurial im Jahr 2019 in Paris für EUR 928’000, erwartet wurden damals EUR 800’000 bis 1,2 Millionen.

Porsche 916 prototype "Brutus" (1971) - als Lot 124 angeboten an der Artcurial Rétromobile Versteigerung in Paris am 8. Februar 2019
© Copyright / Fotograf: Artcurial

Der Porsche 916 "0011" wurde an der RM/Sotheby's Shift-Monterey-Versteigerung , die online zwischen dem 10. und 15. August 2020 eine Vielzahl an Klassikern unter den virtuellen Hammer brachte, für USD 957’000 (CHF 870'870 oder EUR 803'880) verkauft. Der Verkaufspreis lag ziemlich genau in der Mitte der Schätzpreisspanne (USD 900'000 bis 1 Million), die für das sorgfältig restaurierte Fahrzeug definiert worden war.

Porsche 916 (1972) - optisch ähnlich zu den 914-6-GT-Versionen
© Copyright / Fotograf: Jasen Delgado - Courtesy RM Auctions

Keine Rettung für den Sechszylinder-914

Den 914/6 gab Porsche schon früh auf, die letzten Exemplare wurden noch mit Baujahr 1972 ausgeliefert.

VW-Porsche 914 (1971) - der Sechszylinder 914 6 im Vergleich zum Porsche 911 T
© Archiv Automobil Revue

Der inzwischen lancierte 911 T lag ihm preislich und technisch zu nahe und man entschied daher bei der VW-Porsche-Vertriebsgesellschaft, sich komplett auf Vierzylindermodelle zu konzentrieren.

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···
 
Quelle:

Neueste Kommentare

 
 
ox******:
18.08.2020 (11:16)
Louise Piech war die Mutter von Ferdinand Piech und NICHT seine Schwester! Sie war die Schwester von Ferry Porsche!!! So ein gravierender Fehler , nebst Tippfehlern, darf nicht passieren!!!
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
18.08.2020 (11:43)
Wir haben dies korrigiert. Danke für den Hinweis.
ajf*****:
18.08.2020 (10:20)
Der VW-Porsche 914/6 lief im Sommer 1972 (und nicht im Sommer 1971) aus. Es gab somit 1972 er Modelle. Für die 914/6 Baujahr 1972 wurden nur noch die Porscheteile, welche sich noch am Lager befanden, verbaut (es wurden keine Porsche mehr ((nach-) produziert) und für den Rest VW-Teile verwendet. Zum Beispiel: Es wurde der reduzierte Kabelbaum des 914/4 eingebaut, das Zündschloss befand sich im Lenkstock rechts (und nicht mehr links im Armaturenbrett), die Scheibenwaschanalage war nicht mehr elektrisch, sondern wurde mit Druckluft aus dem Reserverad betrieben usw. Dafür wurden teilweise Stabilisatoren hinten und vorne verbaut.
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
18.08.2020 (11:44)
Danke für den Hinweis und die wertvollen Ergänzungen. wir haben dies angepasst.
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