VW oder Porsche 914-6 - nach dem Starten des Motors gibt es keine Zweifel mehr ...

Erstellt am 29. Juni 2016
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Balz Schreier 
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Bruno von Rotz 
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Archiv Porsche AG 
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Photo Archives Heuliez / D. Pagneux 
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Werk / Giugiaro / ItalDesign 
2
Klaus D. Lehmann-Gräve 
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Archiv 
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Ein Volks-Porsche sollte er werden und als solcher hatte er auch Erfolg, mit einem Vierzylinder-Motor von Volkswagen vor der Hinterachse. Für den ambitionierten Sportfahrer aber bot Porsche auch eine Variante mit Sechszylinder-Boxermotor und damit konnte man auch die 911-Fahrer ärgern. Trotzdem blieben sie selten.


Porsche 914-6 (1970) - nicht ganz vier Meter lang
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Der Volks-Porsche

Bereits im Frühling 1969 kündigten Volkswagen und Porsche ihren gemeinsamen Sportwagen an, doch die Entwicklung hatte natürlich Jahre vorher Mitte der Sechzigerjahre begonnen. Volkswagen beabsichtigte einen Nachfolger für den Karmann-Ghia nachzuziehen, während Porsche eine Alternative zum Porsche 912, der sich nicht sehr gut verkaufte, suchte.

Bis die ersten Prototypen fertig waren, war in Wolfsburg Kurt Lotz an die Stelle von Heinrich Nordhoff getreten und die freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden Firmen kühler geworden. In der Folge wurde die VW-Porsche Vertriebs G.m.b.H. gegründet, der der Verkauf des neuen Sportwagens, der im August 1968 vor der IAA in seiner produktionsbereiten Form präsentiert wurde, übergeben wurde.


VW-Porsche 914 (1969) - ausgestellt auf dem Karmann-Stand bei der IAA 1969
Archiv Automobil Revue

Die Basis der Palette bildete der VW-Porsche mit dem Boxermotor aus dem VW 411 E, der bei 4900 Umdrehungen 80 PS produzierte. Für diesen Wagen zeichnete Volkswagen als Hersteller verantwortlich, während die zweite Variante Porsche auf dem Typenschild zeigte. Preisliche Konzessionen erhielt Porsche kaum mehr.

Die schärfere Variante von Porsche

Kostete der VW-Porsche mit 1,7-Liter-VW Motor nur CHF 15’950 oder DM 12’554 (in S-Ausstattung), mussten für die schnellere Version von Porsche satte CHF 24’950 oder DM 19’980 hingeblättert werden. Die Automobil Revue begründete diese Preisdifferenz, der dem Wagen von aussen kaum anzusehen war, folgendermassen:

“Der beachtliche Preisunterschied von Fr. 9000.- zwischen dem Modell mit 80 PS und VW-Motor zum Modell mit 110 PS und Porsche-Motor erklärt sich wohl hauptsächlich aus dessen wesentlich aufwendigeren Bauart. Ihre Hauptmerkmale sind die obenliegenden, durch Kette angetriebenen Nockenwellen (je eine über jeder Zylinderreihe), die V-färmig angeordneten Ventile, die achtfach gelagerte, geschmiedete Kurbelwelle, die Trockensumpf-Schmierung und die beiden Dreifach-Fallstromvergaser. Das Motorkühlgebläse und der Alternator werden bei diesem Motor durch Keilriemen angetrieben.”


VW-Porsche 914-6 (1970) - Durchsichtszeichnung der Sechszylindervariante
Copyright / Fotograf: Archiv Porsche AG

Tatsächlich entsprach dieser Motor weitgehend der 911-T-Variante, wie sie bis zur Ablösung durch den 2,2-Liter-Motor verkauft worden war.
Etwas breitere Räder (165 HR 15 Reifen auf 5,5-Zoll-Felgen) ergaben eine breitere Spur, innenbelüftete Scheibenbremsen vorne verzögerten etwas besser. Innen gab es einige Ausstattungsmerkmale zusätzlich, die beim günstigeren Modell aber gegen Aufpreis dazugekauft werden konnten.

Vollständig ausgerüstet aber war auch der 914-6 nicht. So mussten eine heizbare Heckscheibe, ein Lederlenkrad, das Radio, gefärbte Scheiben oder Leichtmetallräder zusätzlich bezahlt werden. Und damit war man dann preislich schon inmitten der 911-er-Palette gelandet.

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Auf der Höhe der Zeit

Die Journalisten lechzten natürlich nach Probefahrten in der schnellen 914-Variante, nicht zuletzt, um die Frage zu beantworten, ob dem 911 ein ebenbürtiger Gegner erwachsen war. Auf dem Papier sahen die Chancen des Neulings gut aus denn er war ein wenig leichter, aerodynamisch besser gestaltet und mit der Mittelmotorbauweise dem Heckmotor-911 konzeptionell überlegen.


VW-Porsche 914 (1973) - für sein sicheres und sportliches Fahrverhalten gerühmt
Archiv Automobil Revue

Tatsächlich konnte der 914-6 sogar gegen den 15 PS stärkeren 911 T mit 2,2-Liter-Motor bestehen. Den Spurt von 0 bis 100 km/h legte der VW-Porsche mit Sechzylindermotor in 8,5 Sekunden zurück, während der 911 T sich dafür 9,5 Sekunden Zeit nahm. Als Spitze wurden 207 km/h notiert, gleich schnell wie der deutlich stärkere 911 T.

Er kam gut an bei den Testfahrern, der neue VW-Porsche, er löste aber auch Zweifel aus:
“Der teure, nach manchen zu teure 914/6 ist ein seltsames Auto. In Leistung und Geräusch entspricht er einem «echten» Porsche, nicht aber in der Detailpräsentation. Im Fahrverhalten betritt er wegen seiner ausgewogenen Fahrsicherheit Neuland, und als kurzes Sportcoupé mit wegnehmbarem Dach bietet er zwei Personen viel Platz für sich und ihr Gepäck. Ob er als Mittelmotor-Auto wohl in die Zukunft nicht nur von Porsche, sondern auch von VW weisen will?”, fragte die Automobil Revue nach ihrer Testfahrt.

Sparsam

Überlegen zeigte sich der neue Sportwagen aber nicht nur in den Fahrleistungen und im Fahrverhalten, sondern auch bei der Treibstoff-Ökonomie.

“Mit dem VW-Porsche 914 fährt man wirtschaftlicher als die meisten, die man überholt”, titelten die Marketing-Leute und die Journalisten zeigten sich vom haushälterischen Trinkverhalten des 914 überrascht. Die Automobil Revue erreichte bei schonender Fahrweise 7,7 Liter pro 100 km als Durchschnittsverbrauch, im harten Test waren es 13,5 Liter pro 100 km, während die für ihren Bleifuss bekannten AMS-Redakteure gar nur 12,9 Liter pro 100 km verbrauchten.

Nicht schön genug?

Die deutlichste Kritik am neuen Sportwagen betraf neben der nicht befriedigenden Schaltpräzision die Optik. “Obwohl der 914 nicht hässlich aussieht, vermisst man Eleganz in der Linienführung - so schön wie der ebenfalls mit Mittelmotor versehene De Tomaso Mangusta ist der 914 beliebe nicht”, schrieb Klaus Westrup in seinem Bericht für Auto Motor und Sport.


Porsche 914 (1971) - auf dem Verkaufsprogramm 1971 zusammen mit dem 911 T abgebildet
Archiv Automobil Revue

Tatsächlich aber sah der 914 komplett anders aus als alle seine Konkurrenten, die da etwa Alfa Romeo GTV, Triumph TR6, MG B oder Fiat 124 Coupé hiessen. Er war nicht zu verwechseln, aber er liess halt auch jegliche Familienähnlichkeit mit dem 911 vermissen.

Wenig Erfolg für das Spitzenmodell

Ein rundum gutes Auto also war mit dem 914-6 entstanden, doch der hohe Preis und das nicht zuletzt wegen des Einstiegsmodells suboptimale Image standen einer grösseren Verbreitung im Wege. Konnten im ersten Baujahr (1969/1970) noch 2657 Fahrzeuge abgesetzt werden, waren es 1970/1971 noch 432, 1971/1972 noch 229. Dann wurde der Bau des 914-6 nach 3353 Exemplaren aufgegeben, an seine Stelle trat der günstigere 914 2.0 mit VW-Vierzylindermotor. Im Vergleich zur 914-Gesamtproduktion von 115’631 Wagen stellen die Porsche-Versionen also eine Rarität dar.

Porsche-Feeling

Setzt man sich in den 914-6, kommt sofort ein Porsche-Feeling auf. Die Instrumente sind den 911-Modellen entliehen und auch die Schalter erinnern an den Klassiker aus Zuffenhausen. Und der Zündschlüssel will natürlich links vom Lenkrad eingefädelt werden.


Porsche 914-6 (1970) - gute Platzverhältnisse für zwei Personen, notfalls konnte ein Dritter in der Mitte sitzen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Ein Dreh und hinter dem Rücken der Besatzung entfaltet sich jenes Sägen und Kreischen, das man auch vom frühen 911 kennt. Ohne dämpfenden Wassermantel und mit Vergasern gespiesen, darf er ohne Zurückhaltung seine Musik entfalten, der Sechszylinder-Boxermotor.

Kein Leisetreter

Leise geht es natürlich nicht zu im 914-Cockpit. 92 dBA wies die Zeitschrift AMS bei 200 km/h aus, 76 dBa bei 100 km/h. Aber würde man Mozart vorwerfen, sein Don Giovanni sei zu laut? Für den typischen 914-Fan ist der Motorenklang Musik und macht süchtig. Gerne wechselt man denn auch immer wieder die Gänge, um mehr vom Klangspektrum zu vernehmen. Die Gänge 2 und 3, sowie 4 und 5 sind dabei auf einer Ebene angeordnet, ideal für den schnellen Gangwechsel, den allerdings das Gestänge nicht immer mit der nötigen Präzision unterstützen will. Daran gewöhnt man sich aber genauso, wie an die insgesamt gute Rundumsicht und Übersichtlichkeit der Karosserie.


Porsche 914-6 (1970) - die aufgeklappten Scheinwerfer schmeicheln der Linie nicht
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Das Dach will man am liebsten gar nie montieren, obschon es beim Beladen des hinteren Kofferraums, wo es Unterschlupf findet, mühsamer macht.


Porsche 914-6 (1970) - seitlicher Blick auf den Motor - des Mechanikers Freude war diese Platzierung nicht
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Man kann auch heute noch gut verstehen, dass Porsche-914-Fahrer gerne auch lange Strecken zurücklegten und die Kapazität der beiden Kofferräume auch für weite Reisen nutzten. Gepaart mit hoher Zuverlässigkeit war der Volks-Porsche ein angenehmer Begleiter.

Immer noch im Schatten des 911?

Von Anfang an fuhr der VW-Porsche immer ein wenig im Schatten des 911, wurde nicht so recht als echter Porsche akzeptiert. Doch die Zeiten, da man einen 914-6 für günstiges Geld kaufen konnte sind vorbei. Im Gegensatz zu den Vierzylinder-Versionen notieren die seltenen Zuffenhausener Varianten heute meist im sechsstelligen Bereich und wer eine Probefahrt hinter sich hat, versteht gut, warum er sich einer stetig wachsenden Fangemeinde erfreut.

Wir danken der Touring Garage und Katrin Rau für die Gelegenheit, den jung gebliebenen Porsche 914-6, ausgeliefert neu in München im Jahr 1970, für eine Fotoproduktion entführen zu können.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von kd******
20.10.2020 (12:17)
Antworten
... sagen wir autointeressierten magazin! ohne kopf liest sich schlecht. und rot (besser grün) kann man dabei trotzdem bleiben.
von pk******
08.07.2016 (21:22)
Antworten
Das sind Leute, die auch mal gerne auf der Nordschleife ans Limit gehen, statt ihre teuren Autos nur "spazieren" fahren.
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