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Der Plymouth Fury namens “Christine” - das blutrünstigste Auto der Kinogeschichte

Erstellt am 18. November 2018
, Leselänge 5min
Text:
Thorsten Link
Fotos:
Thorsten Link 
47
Columbia Picture Corporation 
4
Archiv Bill Gibson 
3

Es scheint so, als gingen die Leute in Deckung, wenn Bill Gibson mit „Christine“ bedächtig durch die Wohngebiete von Pensacola in Florida streift. Die Bürgersteige sind wie leer gefegt. Ob Christine das so witzig findet, wenn wir mitfahren, erkundigen wir uns skeptisch. „Keine Sorge“, erklärt Bill gelassen, „ich bin ja dabei, passiert schon nichts.“

Plymouth Fury (1957) - aus dem Film "Christine"
Copyright / Fotograf: Thorsten Link

Bill trägt einen ungewöhnlichen Ring am Finger mit dem Antlitz des 58er Fury, der gerade durch die Strassen schleicht, als sei er auf Opfersuche . Was der zu bedeuten habe, wollen wir wissen. „Wir haben vor 13 Jahren geheiratet“, sagt Bill mit reichlich Stolz, „in Bangor, Maine, direkt vor dem Haus von Stephen King“.

Jetzt bloss nicht falsch reagieren. Christine könnte verärgert sein. Was das bedeutet, kennen wir aus dem Kino und hat für schlaflose Nächte gesorgt.

Ein Auto sorgt für Angst und Schrecken

„Christine“ ist jener rot-weiß lackierte 58er Plymouth Fury, der 1983 Angst und Schrecken in den Kinohäuser verbreitet. Christine hat imposante Kurven, aber auch einen besonders düsteren Charakter. Sie mordet heimtückisch und ist scheinbar unsterblich. Sie tötet alles, was ihr oder ihrem euphorischen Besitzer, dem Highschool-Schüler Arnie, Böses will. Nicht einmal die Schrottpresse kann sie stoppen.

Ein klassisches Eifersuchtsdrama aus der Feder des populärsten Horror-Autors der Gegenwart, Stephen King, der Anfang der Achtziger mit „Christine“ das noch unentdeckte Genre des Auto-Horrors kreiert. Der Plot ruft auch Regielegende John Carpenter auf den Plan, der „Christine“ noch im Jahr der Romanveröffentlichung in die Kinos bringt. Ein Klassiker des Horror-Movies bis heute.

Ein Frankenstein auf Rädern

„Der Film“, sagt Bill Gibson, „hat mich in meiner Jugend fasziniert, das Auto hat mich total verzaubert. Ich bin quasi neu geboren, als sie endlich zu mir kam und in der Garage stand“. Das was da bei ihm landete hat es sprichwörtlich in sich. Bill's Christine besteht nämlich aus lauter originalen Filmautos, die für die Produktion von Christine zum Einsatz kamen. Quasi ein „Frankenstein“ auf Rädern.

Plymouth Fury (1957) - aus dem Film "Christine" - im Museum
Copyright / Fotograf: Thorsten Link

Der Vorbesitzer, Eddie Sandlin, ein Tontechniker der Columbia Studio in Kalifornien, hatte das Auto aus Teilen der Furys, die bei den Dreharbeiten für Christine zerstört wurden, neu zusammengesetzt. Die Teile fand er auf einem Schrottplatz in Fontana, Kalifornien. „Die haben damals insgesamt 14 Plymouth, Baujahr 58, bei den Dreharbeiten zerstört, die waren nicht mehr zu retten“, erzählt Bill, „das hat Autoliebhaber in Amerika sehr verärgert, denn der Plymouth Fury war damals schon ein extrem seltener Klassiker.“

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Aus 25 werden 14

Tatsächlich ist der Horrorstreifen eine gigantische Materialschlacht. Weil der seltene Fury schon im Roman Stephen Kings den Titelhelden spielt muss es auch im Film so sein. Regisseur Carpenter engagiert ein Extra-Team, das drei Monate lang die USA nach geeigneten Autos durchkämmt. Man schaltet Annoncen, streift durch Museen, plündert private Sammlungen. Das Team kauft alles, was ihnen in die Hände fällt, auch Ruinen.

Die Beschaffung der Filmfahrzeuge zum Streifen "Christine"
Copyright / Fotograf: Thorsten Link

Insgesamt landen 25 Plymouth auf dem Hof der Filmgesellschaft, nicht alle sind Furys. Mangels Angebot hatte man auch Belvederes und Savoys angeschafft, Schwestermodelle des Fury. Das Team macht sich an die Arbeit, die Zeit ist knapp. Die Autos müssen aufwändig restauriert, die Belvederes und Savoys umständlich zu Furys umgebaut werden. Am Ende stehen 14 Fahrzeuge, frisch lackiert, für den Set bereit. „Wenn bei den Dreharbeiten mal wieder eins zerstört wurde, wurde es quasi über Nacht von einem Trupp Mechaniker instandgesetzt, damit es am nächsten Morgen wieder zur Verfügung stand. Das muss der Alptraum gewesen sein“, sagt Bill.

Teile-Puzzle

Als Bill der Fury über Umwege 2005 in die Hände fällt lässt er es neu lackieren und recherchiert hartnäckig, in welchen Szenen Teile seiner Lady im Kinofilm auftauchen. Es stellt sich heraus, dass Karosserieteile überwiegend von jenem Fahrzeug stammen, das in „Christine“ einen Chevy Camaro mit Anlauf krachend in einen Tankstellen Shop befördert und daraufhin in Flammen aufgeht.

Plymouth Fury (1957) - Szene aus dem Film "Christine"
Copyright / Fotograf: Columbia Picture Corporation

Am Steuer saß damals Terry Leonard, einer der besten Stunt-Fahrer Hollywoods, ausgestattet mit Atemmaske und feuerfester Kleidung. Andere Karosserieteile stammen von jenem Autowrack, dass der junge Arnie im Film zufällig auf einem verwilderten Grundstück entdeckt und dem verwegen wirkenden Besitzer abschwatzt, allen Widerständen zum Trotz.

Ein Museum für Christine

Bill, ein ehemaliger Kampfschwimmer der US Navy, hat seiner Christine ein eigenes Gebäude errichtet, das größer als sein eigenes Wohnhaus ist. Dort parkt nicht nur Christine, dort hat er ein Museum eingerichtet. Es ist die mit Abstand größte Christine-Sammlung der Welt. Mit ihr streift Bill seit Jahren durch die USA, präsentiert sie auf Messen und Ausstellungen. Davon bestreitet Bill inzwischen seinen Lebensunterhalt.

Blicks ins Christine-Museum
Copyright / Fotograf: Thorsten Link

Zu sehen gibt es viel: originale Fahrzeug-Mappen, die das Filmteam damals für jedes einzelne Auto angelegt hatte, das für den Film restauriert wurde. Ein Drehbuch-Original mit handschriftlichen Einträgen des Regisseurs.

Bill Gibson mit John Carpenter und Crew
Copyright / Fotograf: Thorsten Link

Mit John Carpenter ist Bill seit Jahren persönlich befreundet. „Vor kurzem hat er sich mein Fahrzeug ausgeliehen“, verrät Bill, „um ein Christine Musikvideo zu drehen.“ Den Soundtrack zu „Christine“ hatte Carpenter selbst komponiert. Die synthetisch bedrohlichen Klänge waren schon in „Halloween“ aus dem Jahre 1978 typisch für sein Regiewerk.

Als noch nicht die Computer die Filme machten

Typisch für „Christine“ sind auch die spektakuläre Spezial Effekte. Allen voran die so genannte „Show Me“-Szene. Als der Fury von Bösewichtern kurz und klein geschlagen wird, präsentiert das schrottreife Auto dem entsetzten Besitzer Arnie sein wahres Gesicht. Christine repariert sich wie von Geisterhand gesteuert quasi von selbst.

Die Effekt-Crew hatte für den Zweck einen Fury komplett zerlegen lassen und Blechteile, unsichtbar für Kameras, mit einer Latexfolie ausgestattet, durch die feine Drähte liefen. Wurde an den Drähten gezogen, verformten sich die Teile. Scheinwerfergläser zerplatzten durch winzige Sprengladungen. Carpenter produzierte die Aufnahmen in Zeitlupe auf 35 Millimeter Film und liess ihn dann rückwärts ablaufen. So entstand jener sehenswerte Effekt, der Kinobesuchern Anfang der Achtziger regelrecht den Atem raubte.

Originalteile von im Film verwendeten Fury-Modellen
Copyright / Fotograf: Thorsten Link

Halloween-Baby

Atemberaubend ist auch die Tatsache, dass Bill's Christine ein bemerkenswertes Geburtsdatum hat. „Ich wollte unbedingt wissen, an welchem Tag das Auto hergestellt wurde“, erklärt Bill und präsentiert uns ein Dokument des Plymouth Mutterkonzerns Chrysler. Die historische Abteilung hatte in alten Karteikarten geforscht und das Rätsel gelöst: der 31. Oktober 1957. „Ich konnte es nicht fassen“, sagt Bill, scheinbar immer noch gerührt. „Die Lady ist ein echtes Halloween-Baby“.

Production Sheet zum Gibsons Plymouth Fury
Copyright / Fotograf: Thorsten Link

Natürlich wird sich Bill Gibson von seiner Christine niemals trennen, bis dass der Tod die beiden scheidet.

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