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Bild (1/4): Opel Rekord E2 Caravan (1986) - ein Kombi für die Fahrt ins Blaue (© Bruno von Rotz, 2019)
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    Opel Rekord LS 1.8i Caravan - das Ende des Rekords

    7. August 2019
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Bruno von Rotz 
    (49)
    Opel/PR 
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    Wir sitzen in einem der letzten gebauten Opel Rekord Caravan. Der Rekord E2 war das Ende einer ganzen Automobildynastie, der Nachfolger hiess Omega und konnte seinem Vorgänger bezüglich Erfolg nicht das Wasser reichen.

    Opel Rekord E2 Caravan (1986) - mit grosser Heckklappe
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Bewährtes Baumuster

    Bereits mit dem ersten Rekord, 1953 als Olympia Rekord vorgestellt, hatte Opel die technischen Leitplanken gesetzt, denen alle zukünftigen Rekord-Modelle folgen sollten: Selbstragende Karosserie, Standard-Antriebslayout mit längsliegendem Motor vorne und angetriebener Starrachse hinten, Limousinen- und Kombi-Varianten.

    Während die ersten Versionen noch stark von der amerikanischen Formgebung beeinflusst waren, wirkten spätere Baumuster schlichter und europäischer.

    Natürlich legte der Rekord über neun Generationen an Länge und Breite zu, wurde dafür aber auch etwas flacher. Er blieb aber, insbesondere mit den einfacheren Motorisierungen, immer ein Auto, das man sich auch leisten konnte, wenn man nicht Bankdirektor oder Rechtsanwalt war. Viele Autobesitzer schafften mit dem Rekord den Aufstieg in die Mittelklasse, gar nicht selten waren sie vorher VW Käfer gefahren.

    Praktisch und problemlos

    Während der ganzen Bauzeit blieb der Opel Rekord seinen Tugenden treu: Er war preiswert, anspruchslos, ausserordentlich zuverlässig und kein bisschen mondän. Kein Wunder wirkte er immer ein wenig bürgerlich und normal, meilenweit entfernt von einer Alfa Romeo Alfetta oder einem Audi 100.

    Die robuste Technik hielt ein Autoleben lang, technische Experimente ging Opel mit dem Rekord keine ein.

    Auf den ersten Olympia Rekord folgten die Rekord-Modelle P1 und P2, dann wurde das Alphabet ab A bemüht. Mindestens ein, maximal sechs Jahre hielt Opel einer Generation die Treue, dann kam der nächste Wurf. Während das Design anfänglich noch im amerikanischen Stil noch alle Jahre leicht änderte, glichen sich die Baujahre späterer Version deutlich stärker, was den Werterhalt sicherte.

    Überraschend gross allerdings waren die Design-Änderungen zwischen den ersten Generationen und dem Rekord A, zwischen den Generationen C und D. Auch die Generation E hob sich deutlich vom D ab.

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    Aerodynamik und Geräumigkeit

    Als 1977 der Rekord E (nachträglich E1 genannt) präsentiert wurde, da waren Wirtschaftlichkeit und Praxisnutzen hoch im Kurs. Entsprechend wurde bei der Entwicklung viel Gewicht auf gute Raumausnutzung und eine verbesserte Aerodynamik gelegt. Während der Rekord E bei gleichem Radstand wie der Vorgänger nur 0,5 cm grösser wurde, konnte im Innern und vor allem im Kofferraum (+20 Prozent) zusätzlicher Raum geschaffen werden.

    Opel Rekord E1 (1977) - Einstiegsmodell ohne Seitenzierleisten
    © Copyright / Fotograf: Opel/PR

    Die glattflächige Karosserie wies einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,41 auf und liess sich vom Fahrersitz dank grosszügig dimensionierter Fensterflächen gut übersehen.

    Die Bodengruppe war vom Vorgänger übernommen, aber verbessert worden, anstelle von Querlenkern kamen nun McPherson-Federbeine an der Vorderachse zum Einsitz. Hinten blieb es bei der Starrachse. Als Motoren wurden Vierzylinder mit bis zwei Liter Hubraum und 110 DIN-PS eingesetzt.

    Opel Rekord E1 (1977) - als seltener dreitüriger Kombi
    © Copyright / Fotograf: Opel/PR

    Angeboten wurde der Rekord E wie seine Vorgänger als zwei- und viertürige Limousine sowie als Kombi, der bei Opel traditionell Caravan hiess. Ein Coupé wie beim Rekord D gab es allerdings nicht mehr.

    Viel Gewicht wurde auf Kundendienst- und Reparaturfreundlichkeit gelegt. Gute Zugänglichkeit der Nebenaggregate waren dabei genauso wichtig wie günstig reparierbare Blechschäden.

    Die günstigste Version des Rekord kostete als 1.9 N CHF 15’200, für den 2.0 E Berlina mit Einspritzung und vier Türen bezahlte man CHF 18’900.

    Zum Vergleich kostete ein fünftüriger VW Golf GLS 1500 CHF 13’760, ein Audi 100 zwischen CHF 17’790 und 23’370.

    In Deutschland kostete beispielsweise ein Opel Rekord 2.0 S DM 15'473, ein vergleichbarer Audi kostete etwa tausend DM mehr, für einen BMW mit deutlich schlechteren Fahrleistungen musste man gar zwei Tausender drauflegen.

    Der Rekord E1 war ein Erfolg, bis 1982 wurden 962’218 Exemplare gebaut. Kein Wunder schrieb Auto Motor und Sport vom "Rekord der Rekorde" und Europas erfolgreichstem Mittelkasseauto.

    Feinoptimierung zum Schluss

    1982 wurde der E1 durch den E2 ersetzt. Obwohl sich die beiden sehr ähnlich sahen, war kaum ein Blechteil gleich geblieben. Das Heck lag etwas höher, die Front war aerodynamischer geworden. Der Feinschliff im Windkanal zahlte sich aus, ein Luftwiderstandsbeiwert von 0,36 war zwar kein Rekordwert im Jahr 1982, aber doch deutlich besser als die 0,41 des Vorgängers.

    Opel Rekord E2 GLS Caravan (1982) - mit Dachträger
    © Copyright / Fotograf: Opel/PR

    Das Interieur war mit Instrumenten aus der Senator/Monza-Baureihe aufgewertet worden. Die Materialien wirkten freundlicher, die Lärmisolierung war verbessert worden.

    Opel Rekord E2 Caravan (1986) - gut ablesbare Instrumente, aber kein Drehzahlmesser
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Aussen gab es nun Kunststoff-Stossfänger, die auch leichte Rempler ohne bleibende Schäden überlebten. Und auf der Aufpreisliste figurierten erstmals Aluräder.

    SC74

    Von quer auf längs

    Neben den bewährten Zweiliter-Motoren kam ein neues 1,8-Liter-Aggregat zum Einsatz, das sich bereits im Kadett und im Manta bewährt hatte. Um den im Kadett quer eingebauten Vierzylinder mit Alu-Querstromkopf im Rekord zu nutzen, musste einiges umkonstruiert werden. So wird etwa der seitlich angebrachte Zündverteiler über einen zusätzlichen Riemen angesteuert.

    Opel Rekord E2 Caravan (1986) - der von Quer- auf Längseinbau umgebaute Vierzylinder
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Als Bonus brachte der moderne 1,8-Liter-Motor eine Gewichtseinsparung von 25 kg und gleichzeitig günstigere Verbrauchswerte. Wer einen Katalysator wollte, musste sowieso zu diesem Vierzylinder greifen.

    12,8 Sekunden nahm sich die Katalysatorlimousine mit 100 PS für den Sprint von 0 auf 100 km/h, als Spitzengeschwindigkeit wurden von Auto Motor und Sport damals 179 km/h (erreicht im vierten von fünf Gängen) notiert.

    Der praktische Kombi

    Von Anfang der Baureihe E1/E2 an gab es den Rekord auch als Kombi Caravan mit Hecktüre. In dieser Variante war der Wagen unwesentlich länger und höher, auch die Aerodynamik litt etwas unter dem Kombiheck (cw 0,4 anstatt 0,36).

    Da viele Caravan-Besitzer aber sowieso mit Dachträger unterwegs waren und selten hohe Geschwindigkeiten fuhren, dürfte dieser Nachteil nicht allzu schwer gewogen haben.

    Opel Rekord E2 Caravan (1986) - fasst 810 Liter
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Viel wichtiger war der wandelbare Innenraum, der sich durch Umklappen der hinteren Sitzbanklehne ergab. Bis 1,96 Meter lange Objekte passten dann in den Kofferraum, 1565 Liter konnten geladen werden, was bei einer maximalen Zuladung von 550 kg (Version 2.0 S) ideale Voraussetzungen für einen vielseitigen Einsatz schaffte. 950 Franken zusätzlich kostete das praktische Kombiheck.

    Einer der wenigen Überlebenden

    Der Kombi wurde gerne von Handwerkern gekauft, denn seine robuste Natur und die grosszügigen Platzverhältnisse waren echte Pluspunkte. An Extras, die es in der Opel-Preisliste in grosser Auswahl gab, packten die knapp kalkulierenden Käufer meist selten viel dazu. Und genau in diesem Sinne wurde wohl auch der fotografierte blaue Kombi, der fast wie durch ein Wunder im Originalzustand die Jahrzehnte überlebt hat, wohl als einer der Letzten seiner Art wohl bestellt und am 1. Juli 1986 zugelassen.

    Opel Rekord E2 Caravan (1986) - funktionelles Interieur
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Weder Radio noch elektrische Fensterheber, Aluräder noch Klimaanlage wurden im Basis-Rekord LS verbaut, einzig die in der Schweiz serienmässig montierte Servolenkung vermittelt ein wenig Luxus. Offenbar hat der Wagen ursprünglich einer älteren Frau gehört, die damit ein paar Mal im Jahr ihr Spinett (eine Variante des Cembalos) transportierte. So kamen nicht allzu viele Kilometer zusammen und auch der nächste Besitzer, ein Oldtimer-Sammlung, fuhr nicht weit mit dem Wagen, so dass der Kombi nun gerade gut eingefahren und überaus rüstig für sein Alter ist. Das Interieur wirkt genauso neuwertig wie die Hülle, die immer noch im originalen Blau ohne Metallic-Partikel und Klarlack glänzt.

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    Nicht unbedingt seniorentauglich

    Eine Fahrt im blauen Kombi ist eine erfreuliche Angelegenheit. Dass der Rekord E2 etwas in die Jahre gekommen ist, merkt man, wenn man in den Rückspiegel schaut, denn der tote Winkel ist scheunentorgross, so dass der Kopf weit nach hinten gedreht werden muss, wenn man auf der Autobahn die Spur wechseln will. Für Senioren geeignet ist diese Nackengymnastik nur bedingt.

    Opel Rekord E2 Caravan (1986) - heute eine Rarirät im täglichen Alltagsverkehr
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Ansonsten aber gelingt das Fahren mühelos, die vergleichsweise moderne Technik verhält sich brav und erwartungsgemäss. Weder das Wechseln der Gänge noch das Lenken verlangen nach besonderem Geschick oder überdurchschnittlicher Muskelkraft und laut ist der Rekord auch nicht, wenn man einmal von Reifenabroll- und Gepäckträger-Windgeräuschen absieht. Diese treten aber gerade wegen dem fehlenden Radio umso mehr in den Vordergrund.

    Opel Rekord E2 Caravan (1986) - angenehmer Zeitgenosse
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Trotz suboptimaler Aerodynamik (montierter Gepäckträger) begnügte sich der Opel auf unserer umfangreichen Probefahrt mit gerade einmal mit 8,5 Litern Bleifrei 95 auf 100 km, da kann man nicht klagen.

    Neidfaktor? Fehlanzeige

    Noch selten wurden wir auf Fotofahrten so häufig angelächelt wie bei den Kilometern mit dem Rekord Caravan. Autofahrer schauen zum blauen Kombi rüber und ihr Gesichtsausdruck wechselt fast augenblicklich auf freundlich/lächelnd. Vermutlich denken sie dabei an die Zeiten zurück, als sie selber mit einem solchen Rekord Waren auslieferten oder als sie damit auf der Fondsitzbank durch die Gegend kutschiert wurden. Neid ist nie zu sehen, echte Entzückung immer wieder.

    Opel Rekord E2 Caravan (1986) - in seiner typischen Umgebung
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Eigentlich wurde der Rekord doch noch gar nicht vor so langer Zeit zu Grabe getragen, trotzdem sieht man diese Autos kaum mehr im Alltagsverkehr. Und ein blauer Kombi war wohl schon vor 30 Jahren die Ausnahme. An Versteigerungen wird er wohl nie Hunderttausende bringen, aber beim Oldtimertreffen oder auf einer Oldtimermesse ist er der heimliche Star.

    Opel Rekord E2 Caravan (1986) - die "Katalysator"-Schilder wurden vom Händler montiert
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Wir danken der Touring Garage für die Gelegenheit, den blauen Kombi Opel Rekord E2 1,8 LS Caravan ausführlich fahren und ablichten zu dürfen.

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