Opel Manta Berlinetta 1.9 - klassisches Familiencoupé mit Sympathiebonus

Erstellt am 27. Mai 2014
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
38
General Motors / Opel 
3
GM Corporation 
2
Archiv 
15

Man musste reagieren bei Opel. Ford hatte mit dem Capri im Januar 1969 ein derart attraktives Familiencoupé auf den Markt gebracht, dass man bei Opel nicht untätig zuschauen konnte. Am 9. September 1970 konterten die Rüsselsheimer und stellten den “Manta” vor. Und lagen damit goldrichtig.


Opel Manta Berlinetta 1.9 (1973) - Scheibenbremsen vorne, Trommeln hinten
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Mit amerikanischer Hilfe

Der Amerikaner Charles M. Jordan, Chef der Opel Stylingabteilung und kurz Chuck genannt, zeichnete ein schmuckes Coupé als Antwort auf den Capri. Erstmals hatte man bei Opel nicht einfach eine Limousine zum Coupé zurechtgeschnitten, sondern eine gänzlich eigenständige Karosserie dafür entworfen.

Das Pflichtenheft konnte in wenigen Worten zusammengefasst werden: Ein sportliches Coupé mit Platz für die junge Familie und Grossserienkomponenten zur günstigen Fertigung.

Technisch mit dem Ascona verwandt

Für die Technik mussten die Ingenieure von Opel nicht weit suchen gehen. Mit der ebenfalls neuen Limousine Ascona war eine bewährte Basis entwickelt worden, die Motoren, Getriebe und Fahrwerkskomponenten liefern konnte.


Opel Ascona A (1970) - bot die technische Basis für den Manta
Copyright / Fotograf: General Motors / Opel

So standen denn auch bereits die 1,6- und 1,9-Liter-Vierzylindermotoren fest. Und auch die Aufhängungen mit oberen Dreieckslenkern und unteren Querlenkern an der Vorderachse sowie eine starre Hinterachse waren gegeben. Die Zahnstangenlenkung  und die Bremsanlage mit Scheiben vorne und Trommeln hinten konnten genauso aus dem Konzernregal entnommen werden.

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Reisesportvergnügen für fünf Personen?

Die Opel-Marketngleute griffen in die Tasten: “Der Opel Manta rollt vom Fliessband direkt in die Wunschvorstellungen Hunderttausender von Autofahrern”, schrieben sie und wiesen gerne auf die Vorzüge gegenüber dem Capri hin, nämlich mehr Platz und mehr Kofferrraum. Mit “Reisesportvergnügen für fünf Personen” übertrieben sie allerdings gewaltig, obwohl wenigstens der Kofferraum mit über 300 Litern Volumen gross genug für das Gepäck von mehreren Personen war. Trotz knapper Zuladung kam der Wagen beim Kunden aber gut an.


Opel Manta A (1970) - mit Anleihen an Ferrari im Design
Copyright / Fotograf: General Motors / Opel

Vorteil Opel

Die Automobil Revue jedenfalls zeigte sich begeistert nach dem ersten fahrerischen Kontakt im Jahr 1970:
“Mit dem Manta steht neuerdings ein Pferd im Opel-Stall, das seine Qualitäten erst im Einsatz zu erkennen gibt, Seine ansprechende, keineswegs extravagante Karosserie bietet Raum für die meisten normalen Bedürfnisse, seine Fahrleistungen entsprechen dem Wagencharakter. In einem Punkt jedoch hebt sich der Manta deutlich vom Gros der Mittelklasse ab: er wartet mit Fahreigenschaften auf, die manchen anspruchsvollen Automobilisten dazu bewegen könnten, auf die Marke Opel umzusteigen.”

Gewerkschaftlich beeinflusste Preisgestaltung

Teuer war der Manta nicht, allerdings mussten die Preise schon kurz nach der Präsentation bereits zum ersten Mal angehoben werden und bei der Ankündigung in der Schweiz wurden statt Preis folgender Kommentar serviert: “Preise wegen soeben von Gewerkschaften erhobenen Forderungen noch nicht festgelegt”.

Schlussendlich kostete ein Manta in Deutschland ab DM 8270 (1,6 Liter) und in der Schweiz ab 11’075 Franken (1,6 S). Damit lag man auf Augenhöhe mit dem Konkurrenten Ford Capri.


Opel Manta (1973) - Werbung für die verschiedenen Modellvarianten im Jahr 1973 in der Schweiz
Archiv Automobil Revue

Fast eine halb Million Opel Manta A konnten zwischen 1970 und 1975 ausgeliefert werden, damit konnte man zwar dem Capri, der in seinen ersten fünf Jahren noch deutlich höhere Absatzzahlen erreicht hatte, nicht ganz das Wasser reichen, aber ein Erfolg war er gleichwohl. Im August 1975 wurde er vom Manta B abgelöst.

Luxus der Siebzigerjahre

Unter der Zusatzbezeichnung “Berlinetta” wurde 1972 eine Luxusvariante des Opel Manta in die Modellfamilie aufgenommen. Sie zeichnete sich durch den starken 1,9-Liter-Motor mit 90 PS (es war auch eine 80-PS-Variante erhältlich) aus, die Veloursinnenausstattung und manch nützliches Zubehör wie Kopfstützen, 185/70-13-Breitreifen auf Sportfelgen und eine elektrische Scheibenwaschpumpe aus. Auch das Vinyldach gehörte zur Standardausstattung.


Opel Manta Berlinetta 1.9 (1973) - Bequeme Sitze
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Dass Halogen-Fern- und Abblendlicht und auch eine Heckscheibenheizung keinen Aufpreis kosteten, war beim unbescheidenen Grundpreis von 14’425 Franken in der Schweiz im Jahr 1973 dann fast selbstverständlich.

Wie ein Neuwagen

Setzt man sich heute in einen sehr gut erhaltenen Manta, dann versteht man, dass die Käufer damals begeistert waren. Die Türen schliessen satt, der Innenraum verströmt ein wenig Salonatmosphäre. Und dieser Eindruck ändert sich auch nicht, wenn der Motor gestartet wird, der seinen Dienst klaglos aufnimmt. Alles funktioniert, wie man es erwartet. Die Pedalerie lässt sich ohne Krämpfe bedienen, die Gänge flutschen fast von selber durch das exakt definierte H-Schaltschema. Die Lenkung ist exakt und auch ohne Servounterstützung leichtgängig. So macht Fahren Spass!


Opel Manta Berlinetta 1.9 (1973) - Chrom-Tuning für den Opel-Motor
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der Motorklang lässt sofort Erinnerungen an die Siebzigerjahre hochkommen. Damals war dieses luftige Vierzylindergeräusch allgegenwärtig, denn Opel-Fahrzeuge in Form von Kadett, Ascona, Rekord und eben Manta machten einen erheblichen Teil der Volksmotorisierung aus.


Opel Manta Berlinetta 1.9 (1973) - klar gezeichnete Armaturen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Etwas enttäuscht sucht der sportlich orientierte Gentleman Driver den Drehzahlmesser. Fehlanzeige! Eine Uhr steckt dort, wo man das nützliche Instrument zur Überwachung der Tourenzahl erwarten würde. Doch eigentlich braucht man ihn nicht, denn erstens tritt der 1,9-Liter drehmomentstark an und zweitens klingt er im oberen Drehzahlbereich sowieso so angestrengt, dass man es dem über 40-jährigen Coupé nicht zumuten möchte, bis zum Ventilschnattern, das die Automobil Revue damals ab 6200 Umdrehungen hörte, zu drehen.


Opel Manta Berlinetta 1.9 (1973) - Wirkt auch heute noch elegant
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Komfortabel und ein angenehmer Begleiter

Schon damals vermeldeten die Testfahrer komfortable Federungseigenschaften, heute, im Zeitalter der Niederquerschnittreifen, kommt einem der Manta mit 70-er-Bereifung fast schon weich vor, aber auf eine angenehme Art.

Nach wenigen Kilometern wächst einem der Manta A ans Herz, man fühlt sich geborgen und kann sich gut vorstellen, auch lange Distanzen mit ihm zurückzulegen.

Und das Publikum reagiert sehr positiv auf den Opel-Klassiker. Mancher erinnert sich an Mitfahrten auf der Rückbank, als man voller Stolz in einem richtigen Sportwagen Platz nehmen durfte und auch gerne die knappen Platzverhältnisse hinter den Vordersitzen akzeptierte.

Wir danken classic-autos.ch, die uns den blauen Opel Manta Berlinetta von 1973 für eine Probefahrt zur Verfügung stellte.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von Ru******
05.06.2014 (09:30)
Antworten
Da scheint es wieder einmal Modell-Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland zu geben!!
von Ru******
03.06.2014 (15:57)
Antworten
Die komfortabelste Ausstattung hieß meines Wissens nach nicht Berlinetta, sondern Berlina, und selbstverständlich gab es auch beim Manta den 1,2 S-Motor, nicht nur 1,6 und 1,9.... Berlinetta hieß die Manta B Version mit der Heckklappe. Berlina war für alle Opel-Modelle von Kadett bis Rekord die beste Ausstattung.
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
03.06.2014 (16:12)
Sowohl auf der Flanke des Autos (Manta A) wie auch in den Inseraten aus der Zeit steht eindeutig "Berlinetta". Die teureren Ausführungen wurden wohl nur mit den grösseren Motoren angeboten.
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