Opel Manta B - ohne Fuchsschwanz und Zubehör am schönsten

Erstellt am 8. Juli 2015
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
39
GM Corporation 
8
Balz Schreier 
1
Michael Alschner 
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General Motors / Opel 
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Archiv 
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Als der Opel Manta B 1975 vorgestellt wurde, begeisterte das moderne Styling und die bewährte Technik die kostensensitive Käuferschaft. Heckantrieb und robuste Vierzylindermotoren waren damals auch im Sport-Coupé-Segment Standard. Kaum jemand ahnte wohl, dass gerade dieses Modell zum Rekord-Langläufer im Opel-Programm werden würde und bis 1988 die Verkaufsräume schmückte. Und kaum jemand ahnte vermutlich, dass 30 oder 40 Jahre später kaum mehr originale Manta-Coupés zu finden sein würden ...


Opel Manta 2.0 S (1980) - grosszügig verglast, trotzdem wurde die Sicht nach hinten damals bemängelt
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Nachfolger eines Bestsellers

Der Manta B trat ein schwieriges Erbe an, denn sein Vorgänger, der seit 1970 gebaute Manta A mit einer im Heckbereich an Ferrari erinnernden Optik von Charles M. Jordan hatte es in nur fünf Jahren auf fast eine halbe Million Exemplare geschafft.


Opel Manta (1970) - das elegante und praktische Coupé aus Rüsselsheim
Copyright / Fotograf: GM Corporation

Angesichts der Beliebtheit waren grobe Änderungen am Gesamtkonzept nicht nötig.

Geglättet und gestreckt

Dave Holls und Hideao Kodama sorgten beim Manta B für ein modernes und gegenüber dem Vorgänger deutlich verändertes Äussere, wobei sie allerdings nicht ganz so weit gingen, wie bei der fast gleichzeitig präsentierten Studie GT2.


Opel GT 2 (1975) - im Verkehrszentrum des Deutschen Museums
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Das gefällige Karosseriekleid mit rund 20% mehr Fensterfläche war gestreckter und auch grösser geworden. In der Länge hatte der Manta um 18,2 cm, in der Breite um 3,8 cm zugelegt. Eine Riese war er damit trotzdem nicht geworden, wie die 4,44 Meter Länge und 1,67 Meter Breite bezeugen.


Opel Manta GT/E (1980) - mit Einspritzung und mehr Leistung
Copyright / Fotograf: GM Corporation
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Standardbauweise

Technisch orientierte sich der Manta weiterhin am Vorgänger und dem Limousinen-Parallel-Modell Ascona.

Auch die Motoren wurden übernommen, über die 13-jährige Produktionsdauer aber immer wieder variert. Es waren aber grundsätzlich Vierzylinder (mit Ausnahme des 400i) und sie wiesen jeweils eine obenliegende Nockenwelle und hängende Ventile auf, ausser wenn man zum Einstiegsmodell 1.2 N/S griff, dessen Ventile über Stossstangen und Kipphebel gesteuert waren.

Wie beim Vorgänger gab es Vergaser- und Einspritz-Varianten, letztere mit Leistungsplus. Das Spektrum reichte von 1,2 bis 2,0 Liter Hubraum und 55 bis 110 PS bei den “normalen” Modellen.

Die Kraft wurde mit Vier-, später auch Fünfganggetrieben auf die starre Hinterachse übertragen.


Opel Manta 400 (1982) - das Basisgerät für Einsteiger in den Rallye-Sport
Copyright / Fotograf: GM Corporation

Unproblematisch seien die Fahreigenschaften, schrieb damals die Zeitschrift Auto Motor und Sport, gut beherrschbar auch im Grenzbereich. Die 105 PS Variante schaffte den Sprint von 0 bis 100 km/h in 10,7 Sekunden (der GT/E, den die Automobil Revue testete, nahm sich eine glatte Sekunde mehr Zeit). Als Spitzengeschwindigkeit mass AMS 186,9 km/h, die AR 183 km/h. Zehn bis zwölf Liter Superbenzin benötigten die damaligen Testfahrer pro 100 km mit der Einspritzvariante, die schwächeren Vergaserversionen waren kaum sparsamer.

Preiswert

Sein grosses Plus waren neben dem bewährten Konzept und der gefälligen Optik der Preis. Bereits für CHF 14’350 konnte man sich 1980 in einen Zweiliter-Manta setzen, ein Ascona kostete nicht viel weniger. Ein VW Scirocco kostete locker 2000 Franken mehr, bei Toyota gab es die Celica für diesen Preis nur als 1,6-Liter.

Allerdings konnte der Manta nicht mit einer umfangreichen Ausstattung brillieren, gerade bei den Einstiegsmodellen kostete vieles Aufpreis, selbst den innenverstellbaren Aussenspiegel liess man sich bei Opel zusätzlich berappen. Ein Drehzahlmesser fehlte bei vielen Ausführungen.


Opel Manta GT/E (1975) - in der Werbung - machen Sie Träume wahr ...
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Was an Charme fehlte, kompensierte man mit massivem Werbebudgets und nicht immer komplett gelungenen Ideen. Der Slogan “Ich träumte, ich fuhr im neuen Opel Manta GT/E zum Rendezvous mit Caroline” etwa sorgte doch beim einen oder anderen Manta-Interessenten für hochgezogene Brauen.

Im Wandel des Konkurrenzumfelds

Hiess der Hauptgegner des Opel Manta bei seiner Präsentation noch Ford Capri, so wandelte sich das Konkurrenzumfeld in der Folge nachhältig. Neue Coupés mit Vorderradantrieb begannen den Markt zu dominieren. Der VW Scirocco, der Alfa Romeo Alfasud Sprint, aber auch das Audi Coupé oder der Renault Fuego boten modernere Technik und je nach Geschmack auch Designvorzüge.

Beim Vergleichstest von Auto Motor und Sport im Jahr 1984 jedenfalls reichte es dem Manta nur noch auf den vierten Platz hinter Audi, VW und Honda Prelude. “Der Opel Manta vollbringt in keiner Hinsicht Spitzenleistungen, hat aber auch keine gravierenden Schwächen”, stand in der Vergleichszusammenfassung. Auch ein Facelift im Jahr 1982, das deutlich grössere Spoiler mit sich brachte, konnte den Abstand zur Konkurrenz nicht verringern, obschon sich der Manta nachwievor einer grossen Fan-Gemeinde erfreute.


Opel Manta CC (1980)
Copyright / Fotograf: GM Corporation

1989 präsentierte Opel dann mit dem Calibra einen modernen Nachfolger des Manta auf Vectra-Basis mit Frontantrieb und später Allrad. Schon ein Jahr zuvor hatte man die Produktion des Manta nach 534’634 Exemplaren (darunter auch 95’116 Kombi-Coupés namens Manta CC, eingeführt im Jahr 1979) gestoppt.

Film-Star wider Willen

Heutige Generationen kennen den Opel Manta oft weniger aus dem Strassenverkehr als von der Leinwand oder vom Fernsehschirm. Der Streifen “Manta Manta” von 1991 etwa war (wie übrigens auch "Manta - Der Film") dem Coupé aus Rüsselsheim fast schon komplett gewidmet, zementierte aber auch sämtliche Vorurteile, die man über Manta-Fahrer und Beifahrerinnen hatte. Und Bertie, alias Till Schweiger, sowie Klausi fuhren natürlich total auf Tuning ab.

Tuning-Exzesse

Kaum ein Auto freute sich so starker Zuneigung der Tuning-Szene wie der Opel Manta B. D&W, Irmscher, Kamei, Lexmaul, Mantzel, Steinmetz, Zehnder, um nur einige Firmen zu nennen, boten, weil es sich angesichts der hohen Produktionszahlen des Manta auch lohnte, fast alles an, was den Familiensportwagen optisch (und auch technisch) schneller machte. Ob Miura-Heckstoren oder Testarossa-Verbreiterungen, brachiale Spoiler oder Seitenschweller, es gab kaum etwas, was nicht erhältlich war.

Auch innen konnte tatkräftig aufgerüstet werden, denn schliesslich ritt auch die Auto-Unterhaltungselektronik-Industrie auf der Erfolgswelle.

Und der Fuchsschwanz?

Das berühmteste Accessoire des Opel Manta war allerdings der Fuchsschwanz an der Radioantenne. Und kaum jemand, der vor ein paar Jahrzehnten nicht mindestens fünf Manta-Kalauer wusste, so wie dieser: “Der kürzeste Manta-Witz? Steht ein Manta vor der Uni!”

Auf der Suche nach einem originalen Manta

Die Konsequenzen des umfangreichen Tuning-Angebots und die Vorlieben des typischen Zweit- oder Dritthand-Manta-Käufers spürt man noch heute. Originale Fahrzeuge sind kaum zu finden. Das für diesen Bericht fotografierte Exemplar ist sicherlich eine Ausnahme. Sogar das ursprünglich montierte Autoradio ist noch an seinem Platz, genauso wie das kunststoffummantelte Lenkrad. Man kann sich geradezu vorstellen, wie dieser Wagen von einer älteren Dame über Jahrzehnte gehätschelt und nur bei guten Wettbedingungen gefahren wurde.


Opel Manta 2.0 S (1980) - vieles sieht nach Leder aus, ist es aber nicht
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die 35 Jahre sieht man ihm jedenfalls nicht aus, zumindest nicht am Zustand. Und die Ergonomie überzeugt noch heute, eine Anleitung benötigt sicherlich nicht, um mit dem Manta zurecht zu kommen.

Minimalistisch, aber nicht primitiv

An Bord ist das, was man zum Fahren braucht, aber nicht mehr. Drehzahlmesser? Fehlanzeige. Der Motor, der seine Höchstleistung von 100 PS bei 5400 U/min erreicht, teilt durch Lautäusserungen mit, wenn er sich unwohl fühlt, hohe Drehzahlen braucht er sowieso nicht.


Opel Manta 2.0 S (1980) - robuster Motorenbau
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Zuverlässig startet der Opel jedes Mal nach Schlüsseldreh und das Vierganggetriebe hängt fast direkt am langen Knüppel. Der Ring zum Entsperren der Rückwärtsgangs wirkt wunderbar nostalgisch.

Das Motorengeräusch erinnert wie damals an den Ascona und hat diese luftige Note, wie man sie von Opel kennt.

Das damals in manchem Test wegen seiner Härte kritisierte Fahrwerk fühlt sich im Zeitalter von Niederquerschnittsreifen und deutlich strafferer Sitze vergleichsweise komfortabel an und auch die Rundumsicht würde heute kaum mehr jemand bemängeln.

Natürlich ist der Manta mit rund 10 kg pro 1 PS kein Rennwagen, aber er wird auch nie zum Verkehrshindernis, auch in Kurven nicht.

Und dass man im Manta auch zu Viert einigermassen kommod ans Ziel kommt, macht ihn noch breiter einsetzbar. Ohne Fuchsschwanz sowieso.

Wir danken der Touring Garage für die Gelegenheit zum Proberitt im Opel Manta 2.0 S von 1980.

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