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Bild (1/8): Opel Lotus Omega (1992) - Erfahrungen aus dem Rennsport für die Strasse (© Daniel Reinhard, 2017)
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    Opel Lotus Omega - Biedermann und Brandstifter

    23. Mai 2017
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (54)
    GM Corporation / Vauxhall 
    (5)
    GM Corporation / Opel 
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    Ein Opel bringt jetzt nicht unbedingt das Blut in Wallungen und wenn man sich in den dunkelgrün-métallic-farbenen Omega setzt, fallen vorerst kaum Unterschiede zu anderen Autos aus Rüsselsheim auf. Doch dann bleibt der Blick am Tacho hängen, bis 300 km/h reicht die Skala. Etwas optimistisch, denkt man vorerst. Links davon im Drehzahlmesser aber zeigt sich ein kleines Lotus-Logo und weist auf die Seriosität der Tachoskala hin.

    Opel Lotus Omega (1992) - unbedarfte Beobachter würden das Leistungsvermögen nie so hoch einsetzen, wie es ist
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Aussen geben Front- und Heckspoiler, sowie verbreiterte Radläufe dazu Anlass, auf hohe Potenz zu schliessen. Dass aber über 360 Pferdestärken unter der Motorhaube versammelt sind, das spürt man erst, wenn man losfährt.

    Erfahrung mit dem Cortina

    Die Firma Lotus ist bekannt für Ihre Rennfahrzeuge, aber auch für leichtgewichtige Strassensportwagen. Bereits in den Sechzigerjahren packten die Tüftler rund um Colin Chapman einen Lotus-Vierzylindermotor im Ford Cortina und schufen damit einen der erfolgreichsten Tourenwagen jener Zeit. 

    An jene Zeiten erinnerte sich Lotus-Chef Mike Kimberley in den Achtzigerjahren und der Zufall wollte es, dass Lotus damals in die Hände von General Motors fiel. GM-Boss Bob Eaton und Kimberley kamen überein, dass ein Über-Opel/Vauxhall gut ins Bauprogramm passen würden, aber statt einen Kadett oder Vectra als Basis zu nehmen, entschied man sich dafür, mit einem supersportlichen Omega A gegen den BMW M5 und die schnellen Mercedes-Benz anzutreten.

    Vorstellung in Genf im Jahr 1989

    Im Herbst 1988 wurde von Opel-Entwicklungschef Fritz Lohr und den Lotus-Ingenieuren der Grundstein für die Entwicklung gelegt, kurz darauf zeigte bereits ein Tonmodell, wohin die Reise stilistisch ging. Wenige Monate später, im März 1989, stand der Opel Lotus Omega bereits als Überraschungspremiere auf dem Genfer Autosalon. Das Datenblatt sprach von 360 PS, die dem 3,6-Liter-24-Ventil-Sechszylinder dank Doppelturbo-Arrangement mit Ladeluftkühler entlockt werden konnten. Paradoxerweise wurde der einzige damals verfügbare Motor nicht im Auto, sondern daneben präsentiert, während unter der Haube ein braver Dreiliter sass.

    Opel Lotus Omega (1992) - erstmals am Genfer Autosalon 1989 noch als Prototyp öffentlich gezeigt
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    1100 Exemplare sollten gebaut werden und als Opel Lotus Omega oder (Vauxhall) Lotus Carlton verkauft werden, notabene immer in der Farbe “Imperial Green”. Als Preis wurden DM 125’000 oder CHF 122’500 festgesetzt.

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    Umfangreiche Überarbeitung

    Für das viele Geld erhielt man einen weitgehend überarbeiteten Opel Omega. Dieser wurde als Komplettfahrzeug nach England transportiert, wo der Antriebsstrang und das Interieur ausgebaut und wieder nach Deutschland zurückgesandt wurden, was offenbar günstiger möglich war, als eine teilmontierte Limousine über den Ärmelkanal zu schiffen. Beim Motor handelte es sich um eine Neukonstruktion, die zwar ihre Abstammung vom Opel-Dreiliter-Sechszylinder nicht verheimlichen wollte, aber bis und mit Motorblock unterschiedlich war.

    Opel Lotus Omega (1992) - ein Amalgam von deutscher, britischer und amerikanischer Technik
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Statt drei Liter Hubraum wurden bei gleicher Bohrung und vergrössertem Hub deren 3,6 Liter (3638 ccm) erreicht. Die Kolben stammten von Mahle, die Kompression des 24-Ventilers wurde auf 10:1 (anstatt 8,6:1) optimiert. Mittels zweier Garret-T-25-Turbolader wurden die Zylinder im Konzert mit der Rochester-Einspritzanlage hochwertig gefüllt, so dass dem Serien-Lotus Omega sogar deren 377 PS bei 5200 Umdrehungen zur Verfügung standen. Als Kraftübertragung wurde auf das ZF-Sechsgang-Getriebe der Chevrolet Corvette ZR1 zurückgegriffen, das Sperrdifferential fand man bei Holden in Australien.

    Opel Lotus Omega (1992) - deutlich verbreitert
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Aussen konnte man den Lotus Omega an in England entwickelten Karosserieanbauteilen erkennen. Der Heckflügel war zwar nicht wie ursprünglich angedacht versenkbar, war aber dabei beteiligt, den Luftwiderstand zusammen mit dem Frontspoiler von 0,312 auf 0,308 zu senken, bei gleichzeitig verringertem Auftrieb an der Hinterachse. Für die breiten Reifen (vorne 235er, hinten 265er auf 17-Zoll-Felgen) wurde mit verbreiterten Radhäusern Platz geschaffen.

    Aufhängungstechnisch konnte man auf die gute Basis des Serien-Omegas zurückgreifen, stellte aber den Bodenkontakt durch eine härtere Abstimmung und allerlei Optimierungen sicher. Die Bremsen wurden dem kräftigen Vortrieb angepasst, grössere Scheiben, Vier-, respektive Zweikolben-Zangen und ein Bosch-Vierkanal-ABS sorgten für die nötige Verzögerung.

    Opel Lotus Omega (1992) - Interieur fast wie ein normaler Omega
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Innen sorgten mit Connolly-Leder überzogene Sportsitze, Wilton-Teppiche und Alcantara für das erwartete Luxus-Ambiente, das Armaturenbrett blieb aber im Serienzustand.

    Überflieger

    Opel hatte mit Lotus zusammen einen wahren Überflieger lanciert. Ein Porsche Turbo (964) leistete zu jener Zeit 320 PS, ein BMW M5 kam gerade einmal auf 315 PS. Da waren 377 PS natürlich eine Ansage und bestückt mit diesem Leistungsangebot katapultierte sich der Opel Lotus Omega auch bei einem Vergleichstest der Zeitschrift Auto Motor und Sport, bei dem er gegen den BMW M5, den Alpina-BMW B10 Biturbo und den Mercedes-Benz 500 E antrat, ganz nach vorne.

    Für den Spurt von 0 bis 100 km/h nahm sich der Rüsselsheimer gerade einmal 5,3 Sekunden Zeit, ein Porsche Turbo konnte das zwar noch einen Zehntel schneller, der Ferrari Testarossa aber liess sich sogar noch vier Zehntel mehr Zeit. Bis Tempo 200 km/h dann fielen sowohl die Limousinen von BMW, Alpina und Mercedes-Benz als auch die Supersportwagen von Ferrari und Porsche zurück, 17,3 Sekunden waren ein eindeutiger Bestwert. Nur in der Spitze musste sich der Opel vom Alpina und den beiden Sportwagen geschlagen geben. Dabei war Rüssselsheimer Limousine deutlich günstiger zu haben als die Supersportwagen und man konnte die ganze Familie mitnehmen.

    Fahrzeug ccm PS bei U/min Nm kg leer 0-100 km/h 0-200 km/h Vmax km/h L/100 km Preis DM Test Jahr
    Alpina B10 Biturbo 3430 360 6000 520 1764 5.6 19.7 288 16.9 152500 1991
    BMW M5 3535 315 6900 360 1753 6.5 23.9 249 16.3 107500 1991
    Mercedes-Benz 500 E 4973 326 5700 480 1778 6.8 27.2 252 16.7 134520 1991
    Opel Lotus Omega 3638 377 5200 557 1704 5.3 17.3 272 19.3 125000 1991
    Porsche Turbo 3299 320 5750 450 1471 5.2 19.3 275 22.8 183600 1991
    Ferrari Testarossa 4942 390 6000 485 1670 5.7 19.8 293 18.8 268000 1989


    Ganz ohne Kritik allerdings entliess Clauspeter Becker den Opel Lotus Omega nicht aus dem Test, die Lenkung liess um die Mittellage Gefühl vermissen, das Fahrwerk wurde als arg hart beschrieben und auch die Geräuschkulisse konnte bezüglich Lautstärke nicht ganz mit der Limousinen-Konkurrenz mithalten. Dies hielt allerdings die Käufer nicht davon ab, sich den dunkelgrünen Blitz zu bestellen.

    Ende mit Ärger

    Dass bis im Dezember 1992 statt der 1100 geplanten Lotus Omega nur deren 907 (davon 1/3 als Carlton mit Rechtslenkung) gebaut wurden, hatte aber andere Gründe als ein zu hartes Fahrwerk oder ungebührliche Lautäusserungen. Es mangelte an Zuverlässigkeit und dies bei einem Opel!

    Vauxhall Lotus Carlton (1992) - das britische Gegenstück zum Omega
    © Copyright / Fotograf: GM Corporation / Vauxhall

    Manche Besitzer traf es so schlimm, dass sie in kürzester Zeit mehrere Motorenschäden zu beklagen hatten, andere mussten das Getriebe und Kupplungen häufiger wechseln als der durchschnittliche Astra-Fahrer sein Motorenöl. 92 von 393 deutschen Käufern schlossen sich in einer Interessengemeinschaft zusammen, um gegen Opel vorzugehen. Viele dieser Besitzer seien inzwischen auf Du mit ihren Rechtsanwälten, so zumindest rapportierte die Zeitschrift Auto Motor und Sport im Herbst 1993.

    Ob alle Mängel wirklich Opel und Lotus anzulasten waren, sei dahingestellt. Offenbar waren einige Käufer mit dem als Limousine getarnten Supersportwagen deutlich überfordert. Opel jedenfalls hatte schon im Juli 1991 ein Service-Bulletin an die Omega-Händler versandt, in denen stand: “Im Gegensatz zu den Opel-Modellen gilt es beim Lotus Omega strikte Einfahrvorschriften zu beachten … Eine Unterlassung führt unweigerlich zu grösseren Motorschäden … Während der ersten 500 km zurückhaltend und mit wenig Gas fahren … Meiden des 6. Gangs …”

    Jedenfalls standen im Oktober 1993 noch vier fabrikneue Lotus Omega unverkauft auf Halde, schrieb Ralph Alex für AMS und empfahl: “Vier ideale Dienstwagen für Rechtsanwälte”.

    Unauffällige Rarität

    25 Jahre später kann man natürlich über die Probleme der ersten Besitzer, die wohl beabsichtigten 50’000 und mehr Kilometer pro Jahr mit ihrem Opel Lotus Omega zu fahren, nur lächeln. Das gefahrene Exemplar (Nummer 566) jedenfalls hat in einem Vierteljahrhundert gerade einmal knapp 20’000 Kilometer zurückgelegt und fühlt sich kerngesund an.

    Opel Lotus Omega (1992) - 377 PS schieben kräftig nach vorne
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Der Opel wird trotz Body-Kit kaum beachtet, selbst die grün-schillernde Lackierung fällt nicht auf. Auch die Tonkulisse erweckt wenig Missfallen, jeder moderne viertürige Maserati ist deutlich lauter.

    Dass man in einem Opel sitzt, vergisst man nie. Selbst der Ring am Schalthebel zur Freischaltung des Rückwärtsgangs ist vorhanden. Auch die Instrumente und Knöpfe sind für einen Opelaner alte Bekannte. Erst wenn man losfährt, äussern sich die grossen Unterschiede.

    Mit der Familie im Eiltempo

    377 PS mögen heutzutage nicht mehr so viel sein, handgeschaltet, in Kombination mit rund 1,7 Tonnen Gewicht und auf die Hinterräder losgelassen beeindruckt die Dynamik aber noch allemal. Von Turbo-Gedenksekunde ist kaum etwas zu spüren, nur der ellenlange erste Gang (bis 89 km/h) dämpft das Vorwärtskommen vorerst ein wenig. Beschleunigungsmanöver im zweiten oder dritten Gang stellen aber jederzeit ein Risiko für den Führerschein dar und was die Kraft bei Nässe ausrichten könnte, wollen wir gar nicht spekulieren.

    Opel Lotus Omega (1992) - der Lotus-Schriftzug und der erst bei 6500 U/min beginnende rote Bereich zeigen, dass es hier zur Sache geht
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Sorgfältig dosiert lässt sich das Leistungsvermögen aber auch im Alltag nutzen und dann ist auch kein Durchschnittsverbrauch von 19,3 Litern pro 100 km zu befürchten, wie er einst von AMS gemessen wurde. Dank serienmässiger Klimaanlage wird es in der Limousine auch niemandem zu heiss, im Motorraum allerdings scheinen sich die Teile schon bei mässigem Leistungseinsatz erheblich zu erhitzen. Jedenfalls empfiehlt es sich, Handschuhe oder einen Lappen einzusetzen, wenn man die Motorhaube mit dem simplen Stab arretieren möchte.

    Opel Lotus Omega (1992) - fix montierter Heckspoiler, den versenkbaren gab es nur am Prototypen
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Ansonsten verlangt der Wagen keine besonderen Vorkehrungen und auch keine übermässig gestählten Muskeln, er fährt sich halt wie ein Opel, nur wesentlich schneller. Aus heutiger Sicht wirkt der Opel auch nicht gross, mit 4,77 Metern Länge und 1,81 Metern Breite ist er es schliesslich auch nicht. So wirkt er denn auch trotz seiner 1,7 Tonnen handlich und übersichtlich, wobei man den Heckflügel nie aus dem Blickfeld verliert.

    Mit dem Lotus Omega zeigte Opel schon vor einem Vierteljahrhundert die Performance, die heute mit einem modernen M5, RS6 oder AMG-Mercedes branchenüblich ist. Damals aber war die Limousine die schnellste Möglichkeit, mitsamt Familie von Stuttgart nach Hamburg zu brettern.

    Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit zur Probefahrt. 

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    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    JR******:
    31.05.2017 (13:37)
    Der Lotus Omega macht auch heute noch eine Menge Spaß auf der Autobahn, vielleicht noch mehr als früher, weil ihn keiner mehr kennt.
    Von hinten kommt dann nur ein verspoilerter Alt-Opel ...
    Hier sind meine beiden Lotus Omega:
    http://www.reitz-net.de/bilder/alc_lo_01.jpg
    bl******:
    30.05.2017 (18:41)
    Der vergessene Bruder ! OMEGA DTM EVO 500 - Rare wie weisse Raben...

    http://www.senatorman.de/tb_opel_omega_evolution.htm
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