Opel Kadett C Coupé 1.2 SR - sparsames Prunkstück

Erstellt am 26. September 2018
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
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Opel / GM / PSA 
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Archiv Opel / General Motors 
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General Motors / Opel 
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“Coupé” ist ein Begriff aus dem Französischen und kann in Deutsch mit geschnitten/abgeschnitten übersetzt werden. Das Wort bezeichnet aber auch eine Automobil-Karosserieform, die sinngemäss damit entsteht, dass einer Limousine Teile herausgeschnitten, respektive Elemente abgeschnitten werden.

Sparsame Autobauer begnügten sich damit, die Front- und Heckscheiben etwas flacher zu montieren und auf zwei Türen zu verzichten, andere Hersteller gestalteten das Heck (oftmals in Richtung “Fastback”) um und kürzten gegebenenfalls auch den Radstand.


Opel Kadett 1.2 SR Coupé (1978) - elegante Linienführung
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Opel ging beim Kadett C einen Mittelweg, der Radstand blieb, ab B-Säule hatte das Coupé seine eigene Linie, zudem war es 3,5 Zentimeter flacher als die Limousine. Radstand und Spur blieben aber gleich. Trotzdem war das Coupé bei weitem der schönste Vertreter des Kadett C.

Premiere vor 750’000 Bewunderern

Offiziell vorgestellt wurde der Opel Kadett C im September 1973 an der Internationalen Automobil Ausstellung in Frankfurt, die Presse hatte bereits im August einen Augenschein nehmen können.


Opel Kadett (1973) - bedeutsame Neuheit auf dem Opel-Stand - Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt 1973
Archiv Automobil Revue

Man war in Rüsselsheim keine Risiken eingegangen und trotzdem wirkte der neue Kadett auch im internationalen Konkurrenzvergleich frisch und gefällig. Den VW Golf mit Frontantrieb gab es schliesslich noch nicht und der Ford Escort verfügte wie der Kadett C über das konventionelle Antriebslayout mit längseingebautem Motor vorne und angetriebener (Starr-) Achse hinten.

Auch bei den Motoren mit seitlicher Nockenwelle, hängenden Ventilen und einem Fallstromvergaser musste Opel keine Experimente wagen, die Vierzylinder-Aggregate hatten sich bereits beim Vorgänger bewährt.

Umfassend verbessert

Doch Opel hatte nicht einfach dem Kadett B eine modernere Karosserie verpasst, man hatte das Auto umfassend verbessert. Schliesslich war der Kadett C als Weltauto konzipiert worden und da durfte man schon etwas mehr erwarten. Die Vorderachse mit oberen/unteren Querlenkern und Schraubenfedern war neu, die Hinterachse war dem Ascona entlehnt.


Opel Kadett (1975) - die verschiedenen Varianten der Baureihe C
Copyright / Fotograf: Archiv Opel / General Motors

Von Anfang an gab es den Kadett C in drei Karosserieausführungen, nämlich als zwei-/viertürige Limousine, als dreitüriger Kombi und als zweitüriges Coupé. An den Start ging der Neuling mit zwei Ausführungen des 1,2-Liter-Motors, die 52 und 60 PS leisteten, was für Höchstgeschwindigkeiten von rund 130 und 140 km/h reichte.

Gebremst wurde mit Trommeln, die 60-PS-Variante wurde auch mit Scheibenbremsen vorne ausgeliefert. Verschiedene Ausstattungsvarianten und ein umfassendes Zubehörprogramm erlaubten es den Kunden, sich ihren Wunsch-Kadett zusammenzustellen.

Die Presse war bereits beim ersten Kontakt positiv angetan vom neuen Kadett, denn er zeigte sich komfortabler, dynamisch und praktisch.
Auto Motor und Sport lobte in einem ersten Test die gute Handlichkeit und leichte Bedienbarkeit, ob das sichere und unproblematische Fahrverhalten hervor und beschrieb den Wagen als wirtschaftlich und gut verarbeitet. Als Kritikpunkte tauchten das begrenzte Schluckvermögen der Federung, die Aufpreispolitik und der mangelnde Knieraum im Fond auf.

“Alles in allem verdient die Arbeit der Opel-Techniker Anerkennung - sie haben mit relativ geringem Aufwand ein rundes Ergebnis erzielt”, notierte Fritz Reuter für AMS seine Eindrücke.


Opel Kadett (1973) - Werbung -d er neue Opel Kadett
Zwischengas Archiv

Allerdings, es mangelte dem Opel Kadett nicht an Konkurrenz, und diese trat zumindest teilweise mit modernerer Technik an, so etwa der Alfasud, der Simca 1100 GLS oder der Fiat 128. Aber nur wenige dieser Alternativen hatten Opels Ruf der Robustheit ...

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Der Kadett macht seinen Weg

Doch der Kadett fand sein Publikum, dabei half die wachsende Motorenpalette genauso, wie die stetig zunehmenden Ausstattungsvarianten und immer wieder erscheinende Sondermodelle.


Opel Kadett City (1975) - als Konkurrent zum Golf aufgestellt
Zwischengas Archiv

Mit dem City mit Heckklappe und dem Aero mit Targa-/Faltdach kamen weitere Versionen hinzu.


Opel Kadett Aero (1976) - Frischluftfreuden sichtbar gemacht
Copyright / Fotograf: General Motors / Opel

Als die Produktion in Deutschland im Jahr 1979 auslief, hatten 1,7 Millionen Kadett C die Fabrik verlassen. Und damit war die Karriere des Modells noch lange nicht zu Ende, denn die letzten Abkömmlinge des Weltautos wurden (als Chevrolet Chevette) bis ins Jahr 1994 gebaut.

Das Kadett Coupé

Von Anfang an war die Coupé-Version des Kadett etwas höher positioniert als die übrigen Modelle. Dies zeigte sich im Preis, aber auch im Ausstattungsumfang, denn die einfachste Kadett-Variante gab es als Coupé nicht. Die kompakten Aussenabmessungen blieben sich gleich, was 4,125 Meter Länge und 1,58 Meter Breite bedeutete.

Der Kofferraum war beim Coupé mit 385 Litern um sieben Liter grösser als bei der Limousine.


Opel Kadett 1.2 SR Coupé (1978) - Heckleuchte und mattscharze Blende
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wie bei der Limousine konnte man auch beim Coupé viele Zusatzausstattungen ordern, so zum Beispiel das SR-Paket, das mit Drehzahlmesser, Zusatzinstrumenten in der Mittelkonsole und Sportfelgen Laune machte.


Opel Kadett 1.2 SR Coupé (1978) - Zusatzinstrumente für Spannung, Öldruck, Wassertemperatur und Benzinstand
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

DM 10’537 kostete das Coupé SR im Jahr 1974 in Deutschland, in der Schweiz waren dafür CHF 13’100 fällig. Der einfachste Opel Manta kostete nur wenig mehr, einen Capri mit 1,3-Liter-Motor konnte man sogar noch günstiger kaufen.

Ein “Prunkstück”

Auto Motor und Sport widmete dem SR Coupé Mitte 1974 einen Testbericht unter dem Titel “Prunkstück”. Das damals teuerste Opel Coupé punktete mit einer umfassenden Ausstattung und einer mattschwarzen Motorhaube. Zu jenem Zeitpunkt hatte Opel (inkl. dem Vorgängermodell) bereits eine halbe Million Kadett Coupés verkauft, entsprechend ausgereift kam auch das C Coupé daher.

147,5 km/h schnell lief das mit Reifen der Dimension 175/70 SR 13 ausgerüstete Test-Coupé, der Sprint von 0 bis 100 km/h war in 16,8 Sekunden absolviert. Als Testverbrauch wurden günstige 9,2 Liter Super notiert, wichtig in einer Zeit, da die Treibstoffpreise in die Höhe schnellten und Sparsamkeit angesagt war. Freude machte dem Tester das Vierspeichen-Sportlenkrad mit extragrosser Prallplatte, die elektrische Scheibenwischanlage (andere Kadett-Fahrer durften mit dem Fuss pumpen) und die komplette Instrumentierung.

Gegenüber der Limousine gab es nur unwesentlich weniger Platz hinten, die Kopffreiheit litt allerdings unter dem schrägen Heck.

“Wer sich mit einem wirtschaftlichen Auto sportlich kleiden will, kommt hier relativ günstig zum Zug”, lautete das Fazit der Testfahrer.

GT/E und Co

Nur am Rande erwähnt werden sollen hier die besonders sportlichen Kadett-Abkömmlinge, die ab 1975 für feuchte Hände und träumende Blicke sorgten.


Opel Kadett GT/E (1976) - auf Testfahrt
Archiv Automobil Revue

Sie hiessen GT/E und hatten dank 1,9/2,0 Liter Hubraum zunächst 105 und später 115 PS unter der Haube, waren damit auch die Basis für viele Opel-Erfolge im Rallye-, Rundstrecken-, Berg- und Slalom-Rennsport. Und dies noch viele Jahre nach Ende der Produktion!

Fahrspass beim Sparen

Reichen eigentlich 60 PS und 88 Nm (bei jeweils 5400, respektive rund 3000 Umdrehungen), um mit einen 835 kg schweren Coupé Spass zu haben? Immerhin bieten moderne Autos schnell einmal das Drei- und Vierfache an Leistung/Drehmoment und dies bei etwa verdoppeltem Gewicht.


Opel Kadett 1.2 SR Coupé (1978) - aufgeräumt und wohl geordnet
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die einfache Antwort: Auf jeden Fall. Die Freude am Opel Coupé beginnt bereits beim Betrachten, denn die hübsche und kompakte Karosserie wirkt bis heute elegant und überraschend modern.


Opel Kadett 1.2 SR Coupé (1978) - die Schokoladenseite - das Heck
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Auch vom Innenraum ist man positiv angetan, denn das Interieur wirkt keinesfalls ärmlich, die Sitzposition stimmt und der Schalthebel des Vierganggetriebes ist genau richtig positioniert.


Opel Kadett 1.2 SR Coupé (1978) - braver 1,2-Liter-S-Motor mit 60 PS
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Natürlich erklingt nach dem Drehen des Zündschlüssels (bei kaltem Motor gerne unter Zuhilfename des Choke-Handzugs) kein aufregender Sechszylindersound, sondern das typische luftige Opel-Vierzylindergeräusch. Und selbstverständlich reissen 60 PS auf der Strasse niemanden vom Hocker, aber für Autobahn-Richtgeschwindigkeiten und Landstrassen-Höchstgeschwindigkeiten ist das Coupé schnell genug. Das Schalter der vier Gänge ist unterhaltsam, die Rundumsicht ausgezeichnet.


Opel Kadett 1.2 SR Coupé (1978) - passt auf jeden Parkplatz
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Vielleicht ist das Opel Kadett 1.2 S Coupé heutzutage dank seiner Sparsamkeit und Einfachheit sogar der bessere Klassiker als mancher hochgezüchtete Italiener, der an der Tanksäule stärker zulangt und Einfamilienquartiere durch sein unüberhörbares Schnauben um den Schlaf raubt.

Richtig günstig sind gut erhaltene Kadett C Coupés allerdings schon lange nicht mehr, gemäss Classic Data sind aktuell je nach Zustand bereits fünfstellige Beträge beim Kauf fällig.


Opel Kadett 1.2 SR Coupé (1978) - damit war man vor 40 Jahren gut angezogen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Da macht auch das von uns gefahrene Coupé aus Belgien mit SR-Ausrüstung, welches aus der Periode nach dem Facelift von 1977 stammt, als Blinker mit den Scheinwerfern integriert wurden, keine Ausnahme. Aber schliesslich wurde dieses Auto sorgfältig restauriert, und vor allem, es hat weitgehend im Originalzustand überlebt, was für viele Artgenossen leider nicht gilt.

Wir danken dem Classic Center Niederhofer für die Gelegenheit, eine Probefahrt im Kadett C Coupé von 1978 durchführen zu können.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von fo******
05.05.2020 (14:24)
Antworten
Da war Auto fahren noch real und wenig Elektronik verbaut ! Hab die Limosine gefahren ! Und es hat jeden Tag spaß gemacht damit Unterwegs zu sein
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