Opel Kadett A Italsuisse Spider - der italienisch eingekleidete Opel aus der Schweiz

Erstellt am 7. Mai 2014
, Leselänge 5min
Text:
Stefan Dierkes / Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
48
Pietro Frua, Archiv Roberto Rigoli (Familie Frua), Turin (I) 
5
Archiv Stefan Dierkes 
2
Petra Sagnak 
1
Pietro Frua, Turin (I); Foto - Stefan Dierkes, Karlsruhe 
1
Archiv 
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Volkswagen fuhr mit dem Karmann-Ghia in Europa und vor allem auch in den USA grosse Verkaufserfolge ein, Opel hatte dem nichts entgegenzusetzen. Rüsselsheim überliess die Initiative anderen, die kleine Schweizer Firma Italsuisse liess sich nicht zweimal bitten.


Opel Kadett A Italsuisse Spider (1964) - wurde als Gegenstück zum VW Karmann-Ghia konzipiert
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Überaschung am Genfer Autosalon 1964

Im März 1964 zeigte sie auf ihrem Stand am Genfer Autosalon einen bildhübschen Spider auf Opel-Kadett-Basis.


Opel Kadett Italsuisse (1964) - hübsches Cabriolet mit Komponenten des Opel Kadett - Genfer Automobilsalon 1964
Archiv Automobil Revue

Die Automobil Revue war anlässlich der Präsentation des offenen Opels voll des Lobes:

“Eine der hübschesten Überraschungen unter den Spezialkarosserien hat dieses Jahr die in Carouge bei Genf ansässige Firma Italsuisse vorbereitet und übrigens erst in den allerletzten Stunden vor dem Salon fertiggestellt. Es handelt sich um ein zwei- bis viersitziges in weiss gehaltenes Cabriolet auf dem Unterbau und mit den mechanischen Aggregaten des Opel Kadett, das jedoch seine Abstammung völlig getarnt hat. Während der serienmässige Kadett eher etwas schmalbrüstig und hochbeinig wirkt, und zwar besonders von vorne gesehen, präsentiert sich das wirklich reizende Cabriolet als niedriger und fehlerlos proportionierter Wagen, dessen zartes Kühlergitter ebenfalls die Breite betont.

Die hintere Sitzbank ist der heutigen Mode entsprechend nicht vollwertig, sondern für Kinder ausgelegt; das Vorderabteil aber bietet trotz den kompakten Abmessungen zwei Personen reichlich Raum. In der Profilansicht ist der elegante Charakter des Wagens voll und ganz gewahrt; selbst die kleinen Räder passen harmonisch in die Silhouette.

Die Bodenanlage wurde seitlich durch hohe Träger verstärkt, so dass die notwendige Festigkeit geboten werden sollte. Der hübsche Eindruck dieser Karosserie stammt nicht zum wenigsten von dem gegen unten leicht eingezogenen Profil, wodurch die Räder nicht von den Karosserienflanken unsichtbar gemacht werden. Im gesamten ist diesem neuen Cabriolet und seinen Schöpfern ein wohlverdientes Lob auszusprechen.”

Nicht wirklich schweizerisch

Die Automobil Revue nannte damals weder den Designer noch den Karosseriebauer, dem der Italsuisse Spider zu verdanken war. Tatsächlich handelte sich sich dabei um Pietro Frua, der mit dem Genfer Unternehmen Italusisse zusammenarbeitete. Adriano Guglielmetti, der nach seinem Verlassen von Ghia Aigle Italsuisse in einer kleinen Werkstatt im Genfer Vorort Carouge gegründet hatte, und Frua kannten sich bereits aus früheren Projekten.

Wer genau auf die Idee kam, Opel mit einem Konkurrenten zum Karmann-Ghia zu beglücken, ist nicht bekannt. Eine gute Idee war es auf jeden Fall, dies zeigt auch das Interesse von Opel, dessen Vorstandsvorsitzender Nelson J. Stork sich mit Styling-Direktor Clare M. MacKichan den Italsuisse Spider in Genf ansah.

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Bunte Vorgeschichte

Pietro Frua hatte beim Entwurf und Bau des Kadett Spiders nicht bei Null beginnen müssen, denn bereits 1962 hatte er einen hübschen Ford Anglia Spider gebaut, der mit Ausnahme der Frontgestaltung dem Kadett wie ein Ei dem anderen glich.


Ford Anglia Frua Spider (1962) - Werksaufnahme
Copyright / Fotograf: Pietro Frua, Archiv Roberto Rigoli (Familie Frua), Turin (I)

Vermutlich verfügte Frua noch über dessen Holzskelett, über das er auch die Stahlblechkarosserie des Kadetts formen konnte.


Opel Kadett (1963) - schachtelartiges Design für optimale Platzausnutzung
Archiv Automobil Revue

Was fehlte, war die Technik und die beschaffte sich Frua in Form einer Opel Kadett A Limousine Luxus Super, die am 23. Januar 1964 nach Italien ausgeliefert worden war.

Innert sieben Wochen baute er ein komplettes Auto. Tatsächlich fuhr er den Spider auf eigener Achse persönlich nach Genf. Dort stand er dann weiss und elegant auf dem Stand von Italsuisse.

Der zweite Spider für Opel

Kurz nach dem Salon bestellten die Opel-Verantwortlichen bei Frua einen zweiten Spider-Prototypen, der sich aber in einigen Punkten vom Erstling unterschied. So war der Wagen silber metallic gespritzt und innen rot. Die Motorhaube wies keine Nase mit “Kadett-”Schriftzug auf, sondern die vier Opel-Buchstaben wie die Serienlimousine. Im Cockpit wurde der typische Opel-Walzentachometer installiert, die Rückleuchten wurden vom Kadett A übernommen und auch sonst wurden Kleinigkeiten angepasst.


Opel Kadett A Spider Frua (1964) - vom Kadett-Spenderfahrzeug ist kaum mehr etwas zu sehen
Copyright / Fotograf: Pietro Frua, Archiv Roberto Rigoli (Familie Frua), Turin (I)

Die Opel-Versuchsabteilung prüfte den Spider auf Herz und Nieren und anlässlich einer Ausfahrt wurde der Wagen dann auch vom Schüler Gerhard Jost fotografiert. Als Erlkönig machte er dann in verschiedenen Zeitschriften die Runde und es wurde bereits über eine Serienfertigung des “Opel-Karmann-Italsuisse” spekuliert.

Frua und Guglielmetti rieben sich wohl bereits die Hände, aber Opel entschied sich schliesslich gegen eine Serienfertigung. Man scheute das Marktrisiko und schliesslich dachte man bereits über den Opel GT nach.  Und möglicherweise war den Opel-Entscheidern der Frua-Spider einfach nicht Opel-mässig genug.

Der Versuchs-Spider wurde schliesslich an einen Opel-Mitarbeiter verkauft, wechselte Mitte der Sechzigerjahre die Hand und landete nach zwei Motorschäden schliesslich auf dem Schrottplatz.

Lange Zeit in Schweizer Hand

Der erste Opel Kadett Spider aber tauchte bereits 1965 am Genfer Salon wieder auf und zwar wiederum auf dem Italsuisse-Stand. Inzwischen waren die vorderen Blinker ausen an den Ecken montiert, der Wagen silber metallic gespritzt und im Innern diente jetzt ein Walzentachometer für die Geschwindigkeitsangabe.


Opel Kadett A Italsuisse Spider (1964) - der Spider von 1964 in neuer Farbgebung und mit einigen Retouchen am Genfer Autosalon 1965
Archiv Automobil Revue

Nach dem Salon wurde der Wagen an einen Kunden im Kanton Zürich verkauft. Dieser liess den Motor durch eine Zweifach-Vergaseranlage leistungssteigern und vier Rundinstrumente aus dem Teilefundus des Lotus Elan installieren.


Opel Kadett A Italsuisse Spider (1964) - auf Passfahrten konnte eine Klappe im Auspuff geöffnet werden, die mehr Durchzug verhiess
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Nach zwei Besitzerwechsel während der Achtziger- und Neunzigerjahren landete der Wagen 1994 schliesslich beim heutigen Besitzer, der ihn nach Deutschland überführte, vor einigen Jahren restaurierte und bis heute besitzt. 

Überraschend praktisch und alltagstauglich

Der langjährige Besitzer legte mit dem offenen Kadett über 125’000 km zurück in den letzten 20 Jahren, heute beträgt der km-Stand über 210’000 km, aber der Wagen sieht aus wie neu, bis hin zur originalgetreuen Batterie. Gemäss seinem Besitzer bietet der Wagen genug Platz auch für längere Reisen und bewährt sich im alltäglichen Verkehr, wie man es von einem “normalen” Opel auch erwarten würde.


Opel Kadett A Italsuisse Spider (1964) - sportliches Interieur mit historischem Kofferradio mit Autohalterung (Philips Dorette; rechts)
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Dies ist gerade bei einem Einzelstück keine Selbstverständlichkeit, vor allem, wenn es in wenigen Wochen gebaut werden musste. An vielen Detaillösungen ist zu sehen, dass Pietro Frua sein Handwerk wirklich verstand.

Was hätte sein können?

Angesichts der zeitlosen Eleganz und der offensichtlichen Talente des Italsuisse Spiders fragt man sich natürlich, ob Opel damals nicht falsch entschieden hat. Man kann sich gut vorstellen, dass der hübsche Opel insbesondere in der leistungsgesteigerten Variante manchen Karmann-Ghia-Interessent, und es entschieden sich immerhin einige Zehntausend für das Cabriolet, hätte konvertieren können. Wenn sich Opel nur getraut hätte ...

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von mi******
24.11.2020 (11:49)
Antworten
Sehr schöne Linienführung. Nur das Heck finde ich misslungen. Die Instrumente sind, wenn auch nicht original, aber doch sehr stimmig für den Typ des Autos.
Andererseits kann die Form natürlich mit einem Opel GT nicht konkurrieren, die ist einfach unschlagbar. Und wenn man den schon im Blick hatte, ist die Entscheidung verständlich. Nur hätte man dann vom GT noch ein Cabrio bauen müssen (wofür es ja auch einen Prototypen gab, der bei Opel in Rüsselsheim im Entwicklungsmuster-Keller steht).
Opel hat doch einige Gelegenheiten verpasst, schöne Autos auf die Strasse zu bringen. Schade eigentlich.
von br******
15.05.2016 (10:30)
Antworten
Zu diesem schönen und informativen Artikel darf man auch hinzufügen das Vignale einen Spider und ein Coupé auf der Kadett A Basis gebaut hat. Der rote Spider wurde 1965 auch auf dem Genfer Salon ausgestellt. Für den 47. Turiner Salon 1965 wurde derselbe Spider dann zu einem Coupé umgebaut und in beiger Farbe lackiert. Quelle: Stefan Dierkes im Buch: Opel Kadett A, Bochum, ich komm' aus dir. ISBN 978-3-7688-1918-3
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