Ogle SX 250 von 1962 - zeitloser Gran Turismo und Vorgänger des Reliant Scimitar

Erstellt am 3. August 2012
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Archiv 
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David Ogle war ein begabter Industrie-Designer. Seine Sporen verdiente er sich mit der Gestaltung von Fernsehern und Radiogeräten für den Hersteller “Bush” ab. Doch seine Liebe galt dem Fahrzeugdesign. Und er hatte den Anspruch, sich mit den besten Designern Italiens zu messen.

Der Ogle 1.5 - exklusiver Erstling

Im Jahr 1960 präsentierte David Ogle sein erstes von ihm konzipiertes Fahrzeug, den Ogle 1.5. Auf der Basis des Riley 1.5 hatte er einen eigenständig wirkenden Sportwagen geschaffen. Das Chassis wurde, genauso wie Aufhängungen und Motor direkt vom Riley übernommen, allerdings verstärkte Ogle den Unterbau, um die geringere Stabilität der Kunststoffkarosserie zu kompensieren. Rund 145 km/h schnell war das recht elegant wirkende Fahrzeug, mit £ 1’574 aber auch sehr teuer. Zu teuer, wie es sich zeigen sollte, denn es konnten bis 1962 nur einmal gerade acht Exemplare verkauft werden.

Der Ogle SX 1000 - Sportcoupé auf Mini-Basis

Der nächste Streich von David Ogle war 1962 der SX 1000, der auf der Mini-Plattform aufbaute und, wenn mit Cooper-Ingredienzen ausgestattet, sich als ziemlich schnell und sogar im Rennsport konkurrenzfähig erwies. Leider verlor Ogle mit jedem der 66 verkauften SX 1000 rund £ 300. Das war keine gute Ausgangslage für eine noch junge Firma.

Leider verstarb der talentierte David Ogle 1962 in einem Verkehrsunfall, als er in seinem eigenen SX 1000 in einen Lastwagen fuhr.

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Der elegante und schnelle Ogle SX 250

Boris Forter amtierte Anfangs der Sechzigerjahre als Chef des britischen Arms von “Helena Rubinstein”, einer Kosmetikfirma. Forter war aber vor allem ein fanatischer Sportwagenfan, besass er doch über die Zeit eine Vielzahl schnellster und exklusivster Fahrzeuge der verschiedensten Hersteller. Als Forter im Jahr 1961 die Earl’s Court Motor Show besuchte, war er vom SX 1000 auf dem Ogle-Stand beeindruckt. Er bat den auf dem Stand anwesenden David Ogle, für ihn ein Sport-Coupé auf Basis des Daimler SP 250 Chassis zu bauen.

Während der Entwicklung starb Ogle und der frisch eingestellte Tom Karen, ein Designer mit tschechischen Wurzeln, übernahm die Führung des Projektes. In enger Zusammenarbeit mit Forter wurde der erste Wagen fertiggestellt. Zum Zeitpunkt der Übernahme bestand ein erstes Tonmodell, das Karen weiterentwickelte und ihm seinen eigenen “Touch” mitgab.

Während der Wagen aussen sandfarben gespritzt wurde, wurde das Interieur in einer typischen Helena-Rubinstein-Farbe, nämlich “french violet” gestaltet.

Tom Karen erinnerte sich später in einem Interview, dass Forter ein sehr netter Mann gewesen sei, der ein sehr gutes Gefühl für Farben und Formen gehabt habe.

Der Prototyp wurde schliesslich 1962 fertiggestellt und an der Motor Show in Earls Court präsentiert.

Im Presse-Communiqué schrieb die Firma Ogle über den vorgestellten Wagen:

“Basierend auf dem Daimler Dart Chassis und dessen mechanischen Komponenten bringt der Ogle SX 250 Limousinen-Ambience, Komfort und Handwerksqualität für das schnelle Vorankommen im Gran-Turismo-Stil, ideal für den erfolgreichen Firmenvorsitzenden oder den reichen Playboy, der ein ein Auge für Individualität und Leistungsfähigkeit hat.
Die hochstehenden von David Ogle Limited angestrebten Standards zeigen sich im Finish und im Styling des SX 250. Dieses Modell wurde mit einer Kunststoff-Karosserie aufgebaut. Das geräuschisolierte Interieur wurde mit feinem Vinyl und hochflorigem Luxusteppich ausgekleidet, farblich in verschiedenen Grautönen gehalten. Verstellbare Sitze, Radio, Heizung und Scheibendusche sind Standard. Eine vollständige Instrumentierung wurden in ein schön geformtes Armaturenbrett eingepasst, was das insgesamt durchdachte und effiziente Gesamt-Engineering bestätigt.”

Gemäss der Beschreibung muss es sich beim Earl’s Court Fahrzeug um den anderen von zwei SX 250 handeln, welcher in dunkler Farbe gehalten war und ein graues Interieur hatte. Auch dieses Fahrzeug ging an Forter, denn dieser war vom Ergebnis so begeistert, dass er auch für eine Bekannte einen bestellte. Eigentlich waren noch vier weitere vorgesehen, doch dazu kam es dann nicht.

Technisch nahe am Daimler SP 250

Von der technischen Konzeption blieb der Ogle SX 250 nahe am Spenderfahrzeug Daimler SP 250. Dies implizierte einen 2,5 Liter V8-Motor mit 140 PS (BHP) bei 5’800 Umdrehungen pro Minute, ein Vierganggetriebe, Einzelradaufhängungen vorne und Scheibenbremsen rundherum. Der als 2+2 Sitzer ausgelegte Sportwagen verfügte über eine vollständige Instrumentierung mit Geschwindigkeitsanzeige, Drehzahlmesser, Ampèremeter, Wassertemperatur- und Öldruck-Anzeigen, sowie natürlich eine Tankinhaltsanzeige. Radio und Heizung waren Teil der Serienausstattung.

Ray Wiggins von Reliant übernimmt das Design

Auch Ray Wiggins, Chef der englischen Automobilfirma Reliant, erspähte den eleganten Ogle SX 250 auf dem Stand der Earl’s Court Motor Show von 1962. Und er war nicht alleine. Sir William Lyons, verantwortlich für die Geschicke von Jaguar und der dazugekauften Firma Daimler, von denen ja die technische Basis für den SX 250 gekommen war, war vom eleganten Ogle angetan, insbesondere weil der etwas archaisch gestylte Daimler SP 250 nicht die erwartete Käuferanzahl fand. Doch wollte er keine Konkurrenz für den knapp ein Jahr zuvor präsentierten Jaguar E-Type schaffen und zog sich zurück.

Nicht so Wiggins, der die Chance erblickte, seiner Automobilfirma, die sich bisher hauptsächlich durch dreirädrige Fahrzeuge und einen nicht allzu glücklich gestalteten Sportwagen namens Sabre hervorgetan hatte, ein neues Image zu verpassen. Er kaufte sich die Rechte am Design und während der nächsten zwei Jahre eine Kombination des Unterbaues des Reliant Sabre und der Karosserie und des Interieurs des SX 250 zum in grösserer Serie produzierbaren Reliant Scimitar GT weiterentwickelt. 1964 wurde das Ergebnis, das sich von aussen kaum vom Prototyp unterschied, präsentiert.

Tom Karen bliebt Ogle über Jahrzehnte treu

Die Firma Ogle selber distanzierte sich vom Serienfahrzeuggeschäft und wurde zur reinen Design-Schmiede, die in der Lage war, parallel zwei Fahrzeuge von der Idee bis zum Prototyp zu entwickeln. Die Beziehung zu Reliant wurde weiterhin gepflegt und Ogle war unter anderem für die Entwicklung des legendären Reliant Scimitar GTE verantwortlich, im Prinzip der Urvater des Sportkombis, präsentiert 1970.

Tom Karen, der über Jahrzehnte an der Spitze von Ogle über die Geschicke der Design-Firma waltete, zeigte sich verantwortlich für eine Reihe einflussreicher Designs und Prototypen, unter anderem den Bond Bug, ein spitz zulaufendes Dreirad, und den Sotheby Special, der auf der Basis des Aston Martin DBS mit insgesamt 22 Rückleuchten und einer frühen keilförmigen Form auf sich aufmerksam machte.

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