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Bild (1/1): Mercedes-Benz A-Klasse (1997) - fast höher als breit (© Daimler AG, 1997)
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    Youngtimer Mercedes-Benz A-Klasse - 20 Jahre nach dem Elchtest

    27. Oktober 2017
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daimler AG 
    (84)
    Auto Motor und Sport 
    (2)
    Daimler AG / Archiv Zwischengas 
    (2)
     
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    Über ein Jahrzehnt dauerten die Vorbereitungen für den Einstieg von Mercedes-Benz in die Kompaktklasse. Und dann dieses Debakel! Bei einem Handlingtest einer schwedischen Zeitung kippte die A-Klasse um. Die Produktion musste gestoppt, das Modell nachgebessert werden. Die Nachrüstung gelang, aber trotz innovativer Konzeption konnte sich die A-Klasse nicht wie erwartet durchsetzen. Und heute sind die kleinen Mercedes-Modelle bereits veritable Youngtimer.

    Mercedes-Benz A 160 (1997) - Classic-Ausführung, in herrlichem Grün
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Lange Vorgeschichte

    Überlegungen, unterhalb des “Baby Benz” (190E) ein noch kompakteres Auto einzuführen, machten sich die Ingenieure bei Mercedes schon in den Achtzigerjahren. 1981 stellten sie ein Nahverkehrsfahrzeug namens “NAFA” als Studie vor.

    Mercedes-Benz NAFA (1981) - Studie für ein Nahverkehrsfahrzeug, dahinter Studie A von 1993 und die A-Klasse von 1996
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Optisch kam dieses Konzeptfahrzeug zwar sehr gewöhnungsbedürftig daher, technisch aber überzeugte es mit innovativen Ansätzen wie Vierradlenkung, Frontantrieb, elektrisch gesteuertem Getriebe und Schiebetüren.

    Die Studie A

    1993 zeigte Daimler-Benz in Frankfurt an der IAA die Studie “A”. Gerade einmal 3,35 Meter kurz war die Studie und sie führte vor, wie sich die Stuttgarter einen modernen Kleinwagen mit maximaler Raumausnützung vorstellten. Ein Sandwich-Boden erlaubte eine besonders platzsparende und sichere Konstruktion, bei der Motor und Getriebe im Falle eines Frontalunfalls unter die Insassen geschoben wurde. Mit einer geneigten und weit vorne montierten Antriebseinheit wurde der Frontbereich so kurz wie möglich gehalten, so dass bei einem Radstand von 2,31 Metern ein grosser Innenraum entstand.

    Mercedes-Benz Studie A (1993) - Präsentiert an der IAA 1993, Konzeptfahrzeug mit Sandwich-Boden, Vorläufer der A-Klasse
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Optisch wusste die Studie nicht alle Kritiker zu überzeugen. Wolfgang König notierte 1994 in der Zeitschrift Auto Motor und Sport: “Die Vision A, ein hochbeiniges, etwas zerknautscht wirkendes Gefährt, eine Art Minivan im Modellmaßstab, klein, aber nicht besonders fein.”

    Rückblickend muss gesagt werden, dass die Aufgabe, ein sehr kurzes Fahrzeug mit grossen Fensterflächen zu zeichnen, eigentlich recht gut gelöst wurde. Selbst 25 Jahre später wirkt die Studie durchaus nicht altbacken. Dazu passt auch die Äusserung von A-Klasse-Projektleiter Ulrich Bruhnke, der 1996 zur Form der Studie A meinte: “Die eckige Form war den Leuten zu futuristisch, außerdem fehlte das Mercedes-Gesicht, und das Auto erschien mit seinen 3,35 Metern Länge zu klein - ein Kofferraum war praktisch gar nicht vorhanden.”

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    Von der Studie A zur A-Klasse

    Mit der Studie A gab Mercedes-Benz einen Ausblick in die Zukunft und bereits im im Sommer 1994 war in Auto Motor und Sport zu lesen, wie der neue Kompaktwagen von Daimler-Benz aussehen würde. Die Zeichnungen zeigten einen auf knapp 3,6 Meter gewachsenen Kleinwagen, der der zukünftigen A-Klasse schon ziemlich nahe kam. Die Silhouette war gut getroffen, nur die Fensterflächen waren deutlich grösser und die Front konservativer als die spätere Serienversion. Den technischen Vorgaben der Studie A wolle Mercedes mit der A-Klasse, der Name war nun gesetzt, treu bleiben, auch die mustergültige passive Sicherheit solle beibehalten werden, berichtete AMS.

    Mercedes-Benz A-Klasse (1994) - als Zeichnung auf dem Cover von Auto Motor und Sport
    © Copyright / Fotograf: Auto Motor und Sport

    Das Längenwachstum fand primär bei den Überhängen statt. Als Motoren erwartete man zwei 1,7-Liter-Vierzylinder als Benziner und als Diesel mit Leistungsspitzen von 90 bis 115 PS, die direkt mit Getriebe und Differential verkoppelt seien. Aber auch an alternativen Antriebskonzepten (Stichwort Elektrisch) wurde mit voller Energie gearbeitet.

    Vorstellung im Jahr 1996

    Man sprach von Milliarden-Investitionen, als im Dezember 1996 die endgültige A-Klasse vorgestellt wurde, notabene fast ein Jahr vor dem offiziellen Verkaufsstart, der für Oktober 1997 angesetzt war. 5500 Arbeitsplätze solle der W 168, so die interne Bezeichnung der Baureihe, sichern, 200’000 Exemplare wurden als Produktionskapazität im Werk Rastatt angestrebt.

    Mercedes-Benz A-Klasse (1996) - als Serienausführung auf dem Cover von Auto Motor und Sport
    © Copyright / Fotograf: Auto Motor und Sport

    Auch auf den Vertrieb kamen neue Aufgaben zu, schliesslich erwartete man viele Mercedes-Neukunden und die würden dann halt fremde Marken in Zahlung geben, die man vorher in Mercedes-Vertretungen noch kaum je zu Gesicht gekriegt hatte. Zudem wollten Schwellenängste überwunden werden - Frontantrieb, kleine Abmessungen und ein van-artiges Aussehen, das waren alles neue Sachen für den typischen Mercedes-Verkäufer.

    Damit die hochgesetzten Verkaufspläne umsetzbar waren, hatte man zwischen 1994 und 1996 fast überall nochmals Hand angelegt. Der Radstand war von 2,31 auf 2,45 Meter gestreckt worden. Design-Chef Bruno Sacco glättete und schärfte gleichzeitig nach. Ein für Mercedes-Begriffe neuartiger Innenraum, der aber durchaus noch “mercedes-like” war, wurde gestaltet. Er strotze nur so von Variabilität. So konnte die Rückbank in der Länge um elf Zentimeter verschoben werden. Die Bank war assymetrisch geteilt und die Lehnenneigung war einstellbar. Die Sitze waren natürlich umklappbar, konnten aber auch zusammengefaltet oder ganz herausgenommen werden. Selbst den Beifahrersitz konnte man entfernen, womit sich ein maximales Ladevolumen von 1700 Litern ergab und dies bei 3,57 Metern Aussenlänge!

    Mercedes-Benz A-Klasse (1996) - 0.31 cw
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Weil die durch den Sandwich-Boden verursachte Aussenhöhe von 1,57 Metern eine grosse Stirnfläche erzeugte, wurde viel Aufwand in die Aerodynamik gesteckt, woraus ein cw-Wert von rund 0.31 (beim Benziner) resultierte. Aber selbst damit entsprach der Luftwiderstand der A-Klasse dem einer S-Klasse.

    Statt der erwarteten Vierventiler-Benzinmotoren mit 1,7 Litern wurden nun ein 1,4- und ein 1,6-Liter-Motor angekündigt, mit Leistungen von 82 (A 140) und 102 PS (A 160). Für leistungshungrige Mercedes-Fahrer sollte später noch ein A 190 mit 122 PS dazukommen. Für Sparfüchse wurden verschiedene Dieselvarianten mit 60 bis 90 PS vorgeschlagen.

    Mercedes-Benz A-Klasse (1997) - quer eingebauter Motor mit eigenwilliger Form
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Als Kraftübertragung sprach man von einer normalen Handschaltung, einer Getriebeautomatik oder einer Variante mit automatisierter Kupplung. Und die Elektro-A-Klasse mit Zebra-Batterie sowie eine Variante mit Brennstoffzelle war auch noch im Gespräch.

    Fahrwerkstechnisch bot die A-Klasse Bewährtes, sprich McPherson-Federbeine vorne und einzel aufgehängte Räder an Längslenkern hinten.

    “Die A-Klasse ist für uns kein Risiko, sondern eine Chance; sie verkörpert die Mercedes-Grundwerte Qualität, Komfort und Sicherheit mit Trendwerten wie Fahrspaß und Sozialwerten wie Umweltverträglichkeit - sie wird ihren Weg machen”, erklärte Mercedes-Vorsand Jürgen Hubbert im Dezember 1996 der Presse. Und Marketing-Mann Jochen Placking sprach bereits von 200’000 Interessenten, die sich freilich noch fast ein Jahr gedulden mussten. Und vielleicht auch etwas sparen mussten, denn schliesslich sprach man von mindestens 30’000 Mark und eine lange Aufpreisliste. Um die Nachfrage sicherzustellen, begann Mercedes bereits im Mai 1996 mit einer fast beispielslosen Kampagne mit Fernseh- und Printwerbungen sowie Internetkommunikation auf das neue Auto aufmerksam zu machen.

    Offizielle Einführung im Jahr 1997

    Erstmals der grossen Öffentlichkeit gezeigt werden konnte die neue A-Klasse dann am Genfer Autosalon im März 1997. Und bereits zwei Monate, am 5. Mai 1997, später konnte man sie bestellen, mit Liefertermin im Oktober 1997. An der IAA in Frankfurt wurden im September 1997 dann erstmals alle drei Design- und Ausstattungslinien - Classic, Elegance, Avantgarde - vorgestellt.

    Mercedes-Benz A-Klasse (1997) - überschaubare Farbpalette
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG / Archiv Zwischengas

    Die Kunden hatten die Auswahl aus zehn Farbtönen, wovon die Hälfte Metallicfarben waren. Glutrot, Oasengrün, Floraviolett, Kaskadenblau, Dschungelgrün, usw. - bunte Autos waren damals noch möglich, auch wenn eine Vielzahl der Besteller zu Meteorgrau oder Mondsilber griff.
    Und die gesamte Autopresse stürzte sich sofort auf den Neuling und unterzog ihn ihren Tests.

    Freundliche Begrüssung des Neulings

    In kürzester Zeit schaffte es die meinungsbildende Zeitschrift Auto Motor und Sport, ihren ersten Test zu veröffentlich. Gefahren waren die Redakteure mit de A 140 mit 1,4-Liter-Motor, 82 PS und handgeschaltetem Getriebe. Bei den Testfahrten stiess der Wagen beim Publikum praktisch auf ungeteilte Begeisterung, negative Stimmen zum Styling gab es keine. Generell wurde der Neuling als willkommene Ergänzung des Mercedes-Angebots gesehen, doch Götz Leyrer schloss sich der allgemeinen Euphorie nicht ganz an.

    Mercedes-Benz A 140 (1998) - wendige kleine Limousine
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Da war einmal der Preis, denn mit ein paar Extras kam ein A 140 schnell auf 36’000 Mark. Für diesen Premium-Preis wurde auch Premium-Qualität erwartet und hier punktete die A-Klasse nur begrenzt. Aussen und bezüglich der Festigkeit überzeugte der kleine Mercedes zwar, im Innenraum aber fehlte die erhoffte Mercedes-Haptik - billiger Hartplastik, dünne Türverkleidungen und Instrumente von Magneti Marelli zeigten, dass der Rotstift die Führung hatte.

    Die Fahrleistungen der Basismotorisierung rissen die Tester auch nicht vom Hocker. 12, 7 Sekunden für den Spurt von 0 bis 100 km/h und 170 km/h Spitze, das durfte man schon erwarten in der Preisklasse, die gemessenen 8,8 Liter Testverbrauch pro 100 km wiesen den A 140 nicht gerade als Sparfuchs. Vier von fünf Sternen vergaben die AMS-Redakteure und Leyrer schrieb: “Was hat der Kunde von der A-Klasse? Ein gutes Auto zweifellos, auch ein konzeptionell aussergewöhnliches. Aber keines mit Qualitäten, die alle Konkurrenten alt aussehen lassen. Die Vorteile der Bauweise reduzieren sich bei näherer Betrachtung auf die geringe Länge, von der man auf Autobahn und Landstraße nichts, in der Stadt angesichts genormter Parkplätze wenig hat. Die A-Klasse wird ihren Weg machen, weil sie den Mercedes-Stern trägt. Aber wirklich wegweisend, wie versprochen, ist der kleine Mercedes nicht.”

    Mercedes-Benz A 160 (1997) - mit viel Platz dank variablem Raumkonzept
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Diese Einschätzung bestätigte sich, als wiederum Auto Motor und Sport fünf Wochen später den ersten Vergleichstest publizierte. Hier musste der A 160 Classic gegen den VW Golf IV 1.6 Trendline und den Audi A3 1.6 Attraction antreten. Mit DM 32’430 Grundpreis war die A-Klasse rund 2000 Mark teurer als der viertürige Golf. Mit 1096 kg Leergewicht konnte der Mercedes den Golf allerdings um fast 130 kg unterbieten, was sich dann auch in besseren Fahrleistungen auszahlte: 10,3 Sekunden benötigte der A 160 für den Spurt von 0 bis 100 km/h, 11,5 Sekunden Zeit nahm sich der Golf. Bei der Spitze zeigten sich allerdings die Nachteile der hohen Bauweise, 182 km/h erreichte der A 160, 188 km/h der Golf.
    Der Wolfsburger siegte in vier Punkte-Kategorien - Karosserie, Fahrkomfort, Kosten -, der Stuttgarter in deren drei - Antrieb, Sicherheit und Umwelt. Platz 1 für den Golf, Platz 2 für Mercedes und Audi mit einem Abstand von je 22 Punkten auf den Volkswagen. Der Golf sei summa summarum der Beste, die innovativen Ansätze der A-Klasse hatten sich im Vergleich nicht in entsprechende Vorteile ummünzen lassen.

    Ähnlich sah dies auch der ADAC, der meinte, dass der Golf zwar eine starke Konkurrenz bekommen habe,  aber dass die A-Klasse noch Lücken zu schliessen habe.

    Nach all den Milliardeninvestitionen waren diese Testergebnis eigentlich eine Schmach für Mercedes, aber es sollte noch dicker kommen.

    Opfer des Elchtests

    Bei einem Routine-Test der schwedischen Auto-Zeitschrift “Teknikens Värld” am 21. Oktober 1997 überschlug sich eine A-Klasse beim seither weltbekannten “Elchtest”. Dieser Ausweichtest soll das Umfahren eines plötzlich auftauchenden Hindernisses - eben ein Elch oder auch ein Kind - auf einer 50 Meter langen Strecke mit vier Richtungsänderungen bei Tempo 65 km/h simulieren. Im Gegensatz zum genormten ISO-Wedeltest spielten sich diese Fahrmanöver auf deutlich kürzerer Strecke und auch etwas gemässigtem Tempo ab.

    Mercedes-Benz A 140 (1997) - mit ESP schafft die A-Klasse auch die übelsten Ausweichmanöver
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Beim schwedischen Test mit fünf Personen an Bord kippte die A-Klasse. Auto Motor und Sport fuhr den Test nach und bestätigte die Überrollneigung des Mercedes, hervorgerufen durch den hohen Schwerpunkt und die starke Karosserieneigung des Wagens, während ein Golf den Test auch mit fünf km/h mehr bestand. Brisant dabei, bis anhin hatte jedes normale Auto den Elchtest von Teknikens Värld bestanden.

    Die Resonanz des Testdebakels in allen Medien war enorm, obschon das Internet damals im Vergleich zu heute noch eine deutlich geringere Wirkung hatte. Kaum eine Zeitung oder ein Fernsehsender, der nicht über die umgestürzte A-Klasse berichtete. Der Marke Mercedes-Benz drohte eine nachhaltige Image-Schädigung. Am 29. Oktober 1997 orientierte Mercedes in einer Pressekonferenz, doch diese brachte keine Entspannung der inzwischen sehr emotional geprägten Diskussionen.

    Bereits am 11. November 1997 schliesslich konnte Daimler-Chef Jürgen Schrempp die Lösung präsentieren, die sich aus einer geänderten Fahrwerksabstimmung, elektronischem Stabilitätsprogramm ESP samt Antriebsschlupfregelung ASR und Bremsassistent BAS als Standardausrüstung zusammensetzte. Die bereits 2600 ausgelieferte Autos wurden in der Folge zurückgerufen, die Auslieferung der A-Klasse für 12 Wochen unterbrochen.

    Doch der gute Ruf war besudelt. Der kleine Mercedes wurde scherzweise nun Elch oder Kipper genannt, und dass das Zwischenlager während der Umrüstphase auch noch in Kippenheim zu stehen kam, sorgte für weiteren Spott.

    Die Modifikationen aber funktionierten, obschon sie die A-Klasse unnötig steif und weniger komfortabel machte. Dies wurde in einer späteren Modellpflege behoben.

    Dauerläufer

    Die A-Klasse machte ihren Weg. Bis 2004 wurden immerhin 1,15 Millionen Exemplare hergestellt. Als Besonderheit gab es ab 2001 zusätzlich eine Langversion, die bei 20 Zentimeter zusätzlicher Aussenlänge im Innenraum mehr Platz bot als die S-Klasse (warum nicht von Anfang an?).
    1999 stieg die Leistung mit dem A 190  auf 125 PS, 2002 mit dem A 210 auf 140 PS. Diese Versionen gehören auch zu den raren Modellen.

    Modell ccm PS Bauzeit von Bauzeit bis Exemplare
    A 140 1397 82 1997 2004 291384
    A 140 L 1397 82 2001 2004 38113
    A 160 1598 102 1997 2005 306343
    A 160 CDI 1689 60 1998 2001 14508
    A 160 CDI 1689 75 2001 2004 14900
    A 160 L 1598 102 2001 2004 52979
    A 170 CDI 1689 90 1998 2001 145165
    A 170 CDI 1689 95 2001 2004 118396
    A 170 CDI L 1689 95 2001 2004 95820
    A 190 1898 125 1998 2005 52686
    A 190 L 1898 125 2001 2005 14239
    A 210 Evolution 2084 140 2002 2004 2629
    A 210 Evolution L 2084 140 2002 2004 3056


    Im September 2004 wurde der Nachfolger der ersten A-Klasse vorgestellt, intern Baureihe 169 genannt. Die A-Klasse der zweiten Generation war etwas grösser, orientierte sich aber technisch an den Erfahrungen mit der Baureihe 168. 2011 dann erfolgte mit der Baureihe 176 dann die komplette Abkehr vom Mini-Van-Konzept und vom der Sandwich-Bauweise, was zu einem deutlichen Längenwachstum und einer komplett anders gestalteten Karosserieform führte.

    Im Youngtimer-Alter

    Die ersten A-Klassen wurden 1997 ausgeliefert, sie sind also im Jahr 2017 bereits im Youngtimer-Alter. Das Angebot an frühe Fahrzeuge ist zwar relativ dünn, ihnen kommt aber zugute, dass sie vielfach durch Senioren und Mütter gefahren wurden und daher nur geringe Laufleistungen erreichten. Auf der Strasse fallen sie allerdings noch kaum auf, denn eigentlich meint man, sie gehören immer noch zum normalen Strassenbild. Dies ist auch der formalen Ähnlichkeit der zweiten Generation zu verdanken, die ja bis 2011 gebaut wurde.

    Mercedes-Benz A 160 (1996) - mit Lamellendach
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Die A-Klasse holte sich bezüglich Dauerhaftigkeit nicht nur Lorbeeren, viele Bauteile neigen zum Verschleiss und schnell übersteigen Reparaturkosten den Wert der immer noch sehr günstig gehandelten frühen Exemplare. Entsprechend dünnt sich der Bestand schnell aus und vielleicht werden Sammler in 10 oder 20 Jahren wie verrückt nach einem frühen A 160 der ersten Generation suchen.

    Angenehmer Begleiter

    Als Auto ist und war die A-Klasse ein angenehmer Begleiter. Mütter schätzten die Möglichkeit, bis zu drei Kindersitze nebeneinander zu verbauen im Fond, Heimwerker lieben den variablen Innenraum. Mit 5-Stufen-Automatik-Getriebe und hoher Sitzposition gehörten die kurzen Mercedes auch bei den Senioren zu den Lieblingen.

    Mercedes-Benz A-Klasse (1997) - wurde gerne mit Freizeitaktivitäten in Verbindung gebracht
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Eine Frage muss man am Schluss aber noch stellen. Was wäre gewesen, wenn Mercedes-Benz in der Lage gewesen wäre, die A-Klasse preislich auf die Stufe von VW Polo, Fiat Punto, Peugeot 106 oder Renault Clio zu setzen? Dann wären die Vorzüge des zukunftsweisenden Raum- und Sicherheitskonzept ja vollständig zum Tragen gekommen. Hätte sich die A-Klasse dann deutlich besser verkaufen lassen?

    Weitere Informationen

    • ADAC Motorwelt Heft 12/1997, ab Seite 6: Der Stern muss warten - Vergleichstest mit Mercedes A 160
    • Auto Motor und Sport Heft 15/1994, ab Seite 12: Mercedes A-Klasse
    • Auto Motor und Sport Heft 26/1996, ab Seite 8: Vorstellung Mercedes A-Klasse
    • Auto Motor und Sport Heft 1/1996, ab Seite 8: Mercedes A-Klasse
    • Auto Motor und Sport Heft 19/1997, ab Seite 16: Test Mercedes A 140
    • Auto Motor und Sport Heft 22/1997, ab Seite 42: Vergleichstest Mercedes A 160, VW Golf 1.6, Audi A3 1.6
    • Auto Motor und Sport Heft 23/1997, ab Seite 16: Mercedes A-Klasse - Kippgefahr

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    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    ch******:
    05.11.2017 (20:02)
    Meine Probefahrt in der damals neuen A-Klasse werde ich nie vergessen: das Radio lief, es kamen Nachrichten, ausgerechnet mit der ersten Meldung über den mißglückten Elchtest! Der mitfahrende Verkäufer war plötzlich sehr wortkarg... Wahrscheinlich hat er danach nie mehr während einer Probefahrt das Radio laufen lassen!
    Es wurde damals dann ein Opel Astra statt der A-Klasse, weniger wegen des Elchtests, sondern vor allem wegen des Platzangebots.
    po******:
    31.10.2017 (12:32)
    Ich fahre seit 17 Jahren zur größten Zufriedenheit einen A160, Baujahr 10/97, also aus der allerersten Serie, mit Avantgarde-Ausstattung und der automatischen Kupplung. Im Jahre 2000 habe ich das Fahrzeug als Unfallwagen mit leichtem Front- und Heckschaden gekauft und inklusive Unfallinstandsetzung und Neulackierung in Titan-metallic (anstelle des langweiligen Mondsilber-metallic) ca. 13000DM=6500 investiert.
    Als mein "daily-driver" hat mich der A160 noch nie ernsthaft im Stich gelassen und ich ziehe meinen Hut vor diesem Auto der 1.Serie, wo ich nach nunmehr 410000km immer noch mit dem 1.Motor (Kompression 14 bar, kein Ölverbrauch), 1.Getriebe (schaltet wie Butter ohne Kratzen) und der 1.Kupplung herumfahre. Ein solcher Entwicklungsstand für ein gerade auf den Markt gekommenes Auto ist sicher ungewöhnlich. Die automatische Kupplung ist offensichtlich so gut abgestimmt, dass hier kaum Verschleiß stattfindet. Das im Frühjahr 1998 umgerüstete "Anti-Elch" Fahrwerk ist für mich als sportlichen Fahrer (ich habe auch noch ein Zuffenhausener Produkt) vom Handling sehr angenehm und trotzdem ausreichend komfortabel.
    Selbst Langstreckenfahrten auf der Autobahn sind auf Grund des niedrigen Geräuschniveaus dank langem 5.Gang durchaus angenehm. Auch die Avantgarde-Innenausstattung macht nach nunmehr 20 Jahren immer noch einen sehr passablen Eindruck.
    Das einzige größere Problem mit dem Fahrzeug war intensiver Rost im abgeschotteten Unterboden, da Mercedes hier werksseitig keinerlei Konservierungsmaßnahmen getroffen hatte. Hier musste ich in eine Restaurierung investieren, die sich aber sicher lohnen wird, da ich das Fahrzeug als "altersgerechtes", praktisches Fortbewegungsmittel noch lange nutzen möchte. Dazu habe ich vorsichtshalber schon seit Jahren einen neuen Ersatzmotor aus der gleichen Serie wie der Originalmotor im Keller liegen, der auch sicherlich wieder für mehr als 400000 km gut ist :-)
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