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Bild (1/4): Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 (1976) - der Wagen fühlt sich kleiner an, als er ist (© Daniel Reinhard, 2015)
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Limousine, viertürig, 286 PS, 6834 cm3
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    Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 - das beste Auto der Welt von damals

    23. Juli 2015
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (33)
    Daimler AG 
    (23)
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    Vor ziemlich genau 40 Jahren kam die Über-S-Klasse von Mercedes-Benz auf den Markt, ausgerüstet mit einem 6,8 Liter grossen V8-Motor. Stärker und schneller als fast alles, was der Limousinenmarkt damals hergab.

    Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 (1976) - da fuhr der Chef gerne selber
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Sicher und hochstehend

    Die S-Klasse mit der internen Bezeichnung W 116 erreichte im Herbst 1972 die Verkaufsräume. Sie war auf Sicherheit, Komfort und Qualität getrimmt. Zahlreiche Innovationen katapulierten die Limousine an die Spitze ihrer Gattung, so etwa der kollosionssicher über der Hinterachse untergebrachte Tank, das Sicherheitslenkrad oder die aufwändige vordere Einzelradaufhängung.

    Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 (1975) - die hinteren Türen waren in der Lang-Variante länger
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Optisch kamen die Modelle 280 S bis 350 SEL kräftig und fast etwas schwülstig daher, das Überholprestige war dem Wagen sicher. 1975 dann präsentierte Mercedes-Benz  im Frühling das Spitzenmodell 450 SEL 6.9, das deutlichen Abstand zu den übrigen Varianten hielt.

    Imposante Ahnengalerie

    Völlig überraschend kam das Topmodell natürlich nicht, denn schon vom Vorgänger (W 108/109) hatte es eine schnelle Achtzylinder-Variante namens 300 SEL 6.3 gegeben. Diese wiederum nutzte denselben Motor wie die Luxuslimousine Mercedes-Benz 600.

    Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 (1976) - mit seinen beiden Vorfahren 300 SEL 6.3 und 600 teilte der 6.9-Liter den Motor M 100
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Dieser Achtzylindermotor mit der internen Bezeichnung M 100. Es handelte sich dabei um einen 6332 cm3 grossen Benzinmotor, dessen Zylinder in V-Stellung angeordnet waren. Die 16 Ventile wurden über zwei obenliegende Nockenwellen angesteuert, das Gemisch wurde durch eine mechanische Saugrohr-Einspritzung mit Achtstempelpumpe von Bosch aufbereitet. 250 PS leistete das Aggregat bei 4000 U/min in den Modellen 300 SEL 6.3 und im 600, das maximale Drehmoment lag bei 503 Nm bei 2800 U/min.

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    Konsequente Weiterentwicklung

    Dass das neue Modell 450 SEL 6.9 nicht gleich bei der Präsentation der neuen Baureihe W 116 im September 1972 vorgestellt werden konnte, hatte mehrere Gründe. Einerseits sprach die Energiekrise gegen eine derartige Über-Limousine, andererseits beschränkten sich die Mercedes-Ingenieure nicht einfach auf die Einpflanzung des alten M 100 in die neue Limousine. Sowohl der Motor als auch das Fahrwerk der Baureihe W 116 wurden gründlich überarbeitet, um dem Anspruch, Sportlichkeit mit Luxus, Komfort und Qualität zu vereinigen, gerecht zu werden.

    Grösser, stärker, günstiger

    Der Hubraum des V8 wurde auf 6834 cm3 vergrössert, die Achtstempelpumpe wich der nicht-elektronischen Bosch K-Jetronic, wie sie auch im Porsche 911 ähnlich zum Einsatz kam. Eingebaut wurde auch eine wartungsfreundliche Transistorzündung und der Ventilspielausgleich erfolgte hydraulisch.

    Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 (1975) - V8-Motor mit über 280 PS
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Ein Tribut an die flachere Karosserie der neuen S-Klasse war die Trockensumpfschmierung mit leistungsfähiger Doppelzahnradpumpe.

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    Fast wie Citroën

    Noch umfangreicher waren die Eingriffe beim Fahrwerk, denn der 450 SEL 6.9 erhielt als erster Mercedes eine Hydropneumatik, wie sie Citroën seit Jahrzehnten nutzte. Natürlich wurde das System auf die Anforderungen der schweren Luxuslimousine angepasst. Dank dem Verzicht auf herkömmliche Federelemente liessen sich Komfort und Fahrsicherheit besonders gut kombinieren.

    Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 (1975) - die Elemente und Zusammenhänge der hydropneumatischen Federung
    © Archiv Automobil Revue

    Allerdings wies ein umfangreicher Teil der Bedienungsanleitungen auf die Besonderheiten des nicht einfachen Federungssystems hin und schilderte auch ausführlich, wie Schäden beim Abschleppen und bei Schienen- oder Seetransporten vermieden werden konnten.

    Komplett ausgestattet

    Ab Werk war der 450 SEL 6.9 bereits üppig ausgestattet, etwas was bei einem Grundpreis von CHF 84’000 oder DM 69’930 auch erwartet werden konnte. So waren eine Dreistufen-Wandlerautomatik genauso an Bord wie eine automatische Niveauregulierung, eine Servolenkung, eine Differentialsperre, Scheibenbremsen rundum, Tempomat, Klimaanlage, Colorverglasung, elektrische Fensterheber, Scheinwerfer-Reinigungsanlage, Zentralverriegelungen, Velourspolsterung und einigem mehr.

    Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 (1975) - mit Velours-Polstern und Autotelefon
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Nichtsdestotrotz konnte man den Kaufpreis noch deutlich steigern, indem man etwa ein Radio, eine automatische Antenne, zusätzliche Lautsprecher, ein elektrisches Schiebedach, Lederpolsterung, Sitzheizung oder Leichtmetallräder orderte. Auch die Metallic-Lackierung liess sich Mercedes extra bezahlen. Und der Grundpreis wurde jedes Jahr kräftig angehoben, schon 1978 verlangte man in Stuttgart DM 77’392 für den 6.9-er, gegen Schluss im Jahr 1979 waren es dann DM 81’247.

    Der Nachfrage schadete dies offensichtlich nicht, denn in den fünf Jahren wurden 7380 450 SEL 6.9 Modelle verkauft, rund ein Viertel (1816 Exemplare) ging als niedrig verdichtete Modelle nach Nordamerika.

    Das beste Auto der Welt

    Die grosse Nachfrage, schon früh musste die Jahreskapazität von 1000 auf 2000 Exemplare ausgeweitet werden, wurde von der Presse kräftig angeschürt. Die Zeitschrift Auto Motor und Sport betitelte ihren Testbericht im Jahr 1975 mit “Das beste Auto der Welt” und fasste die Erfahrungen folgendermassen zusammen: “Zieht man das Fazit aus dem umfangreichen Testprogramm, dem der 450 SEL 6.9 unterworfen wurde, so ist es weniger eine einzelne, besonders hervorstechende Eigenschaft, die an diesem Auto fasziniert, als vielmehr die einmalige Ausgewogenheit und Perfektion, mit der alle Komponenten aufeinander abgestimmt sind. Überlegene Leistung, gediegene Ausstattung und hervorragende Fahrwerksqualitäten machen in ihrer Vollkommenheit aus dem 6.9 ein Auto, das in der Welt nicht seinesgleichen hat.”

    Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 (1975) - Heckansicht, die meisten Kunden verzichteten auf die Aufschrift "6.9"
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG
    Heel Porsche Fahrer Banner: Porsche Fahrer

    Promi-Schlitten

    Das Spitzenmodell der S-Klasse erfreute sich auch bei der damaligen Promienz grosser Gegenliebe. Grand-Prix-Fahrer James Hunt etwa besass einen 6.9-er, Frank Sinatra, aber auch Telly Savalas, der ihn sich gegen zwei Tage Promotionsarbeit schenken liess.

    Nicht sichtbar, aber umso wichtiger war der 450 SEL 6.9 in einem inzwischen zum Kultstreifen gewordenen Fim von Claude Lelouch. In “C’était un Rende-Vous” rast ein Ferrari durch die Strassen von Paris von von der Porte Dauphine bis zur Basilique du Sacré-Cœur auf dem Montmartre, um den Fahrer wohl rechtzeitig zum Rendezvous mit der Geliebten zu bringen. Die Fahrt, die heute auch ohne Verkehr locker eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, dauerte weniger als acht Minuten, wurde aber nicht mit dem Ferrari gefilmt, der die Tonkulisse lieferte, sondern mit einem 450 SEL 6.9, weil dieser dank der Hydropneumatik weniger Vibrationen und Schläge auf die grosse Kamera übertrug, aber trotzdem in der Lage war, die Strecke in der kurzen Zeit zurückzulegen.

    Super-Sportwagen-Fahrleistungen?

    Die Eigenschaften eines Hochleistungsautos sollten beim 450 SEL 6.9 mit denen einer Luxuslimousine gepaart werden, aber konnte der Mercedes in der Fahrdynamik wirklich mit den Schnellsten der Zeit konkurrieren? Mit den Limousinen jener Zeit, z.B. Monteverdi 375/4 oder BMW 3,3 konnte er mühelos mithalten, mit den schnellsten Sportwagen nur bedingt. 8,2 Sekunden benötigte der Mercedes in der Messung von AMS für den Spurt von 0 bis 100 km/h, die Automobil Revue schaffte den Sprint in 7,8 Sekunden. Nach 33,7 Sekunden waren (aus dem Stand) 200 km/h erreicht und die Endgeschwindigkeit lag bei 237 km/h. Das war schnell, aber am überzeugendsten war dabei die Mühelosigkeit, mit der sich diese Fahrleistungen erreichen liessen. Keine Schaltmanöver waren nötig, es reichte den rechten Fuss nach unten zu drücken und die fast zwei Tonnen schwere Limousine stürmte nach vorne, bügelte Steigungen flach und liess Überholmanöver auf kürzeste Distanzen zu.

    Überzeugende Reiselimousine

    Dieses Talent der mühelosen schnellen Fortbewegung beeindruckt auch heute noch, 40 Jahre später. Der Wagen wirkt aus Fahrersicht deutlich kompakter, als seine Aussenmasse (5,06 x 1,87 x 1,41 Meter) es erahnen lassen. Auch das Gewicht wird überzeugend kaschiert. Der Motor lässt sich nur bei höheren Drehzahlen deutlich vernehmen, die Automatik verlangt nach keinen manuellen Eingriffen. Sogar die Lenkung überzeugt und auch die Bremsen wirken selbst aus heutigem Betrachtungswinkel noch als kräftig, wenn auch damals in den Testberichten von Fading nach harten Manövern gesprochen wurde. Der 450 SEL 6.9 lässt sich ohne grosse Angewöhnung fahren, die meisten Bedienungselemente hat Mercedes noch Jahrzehnte fast unverändert verbaut.

    Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 (1976) - das Lenkrad ist nicht lederüberzogen, aber es ist dicker als beim Vorgänger 300 SEL 6.3
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Dank Klimaanlage und Komfortmerkmalen, wie sie in den folgenden Jahrzehnten auch in der Mittelklasse Standard wurden, ist der 450 SEL 6.9 auch heute noch ein angenehmer Begleiter auf Reisen und Plauschfahrten.

    Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 (1976) - auch hinten sitzt man bequem
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Wenn nur der Verbrauch nicht wäre

    Ein Kritikpunkt, den man dem schnellen Mercedes damals vorwerfen hätte können, tauchte in den damaligen Testberichten kaum auf. Aus heutiger Sicht war die schwere Limousine ein tüchtiger Schluckspecht, 17,3 bis 23 Liter pro 100 km liessen die Redakteure der Automobil Revue in ihrem Test durch die Einspritzung laufen, bei konstant 200 km/h waren es sogar 28 Liter pro 100 km. Trotzdem fand man damals, dass diese Verbrauchswerte für ein Fahrzeug dieser Klasse in Ordnung gingen, tatsächlich waren die Konkurrenten auch nicht sparsamer. Heute, mit fast doppelt so hohen Treibstoffpreisen nimmt man dies vielleicht etwas anders wahr.

    Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 (1976) - der Wagen ist hydropneumatisch gefedert
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit, “das beste Auto der Welt” (Mercedes-Benz 450 SEL von 1976 in Silbergrün) für eine Foto Session ausleihen zu dürfen.

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    ···
     
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    Neueste Kommentare

     
     
    vi******:
    28.07.2015 (19:41)
    tolles Auto, leider nach 10 Jahren war die Karosse schon durchgerostet. obwohl der Unterbodenschutz noch gut aussah!
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