Mercedes-Benz 300 S Cabriolet A - exklusiv und schnell ohne Leichtbau

Erstellt am 15. März 2015
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daimler AG 
23
Bonhams 
21
Archiv 
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Wer im Oktober 1951 den Pariser Automobilsalon besuchte, konnte sich unter anderem den Le Sabre, ein Zukunftsauto von General Motors, den Pegaso und den neuen Bugatti 101 betrachten und dabei das riesige Spektrum an Formen und Ideen mitverfolgen, wie es nach dem Krieg gang und gäbe war. Genau zwischen diese Autos, zumindest konzeptionell, setzte Mercedes ihre neuen sportlichen Varianten des Mercedes Benz 300. Sie wurden “S” für Sportlich genannt und sie hatten einiges zu bieten.


Mercedes-Benz 300 S Cabriolet A (1954) - elegantes Cabriolet
Copyright / Fotograf: Bonhams

Limousinen-Präsentation an der IAA

Vorausgegangen war den S-Typen die Limousinen-Präsentation (W 186) an der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt im April 1951. Für knapp über 20’000 DM stand dort eine stattliche Limousine mit Dreiliter-Reihensechszylinder, der 115 PS leistete.


Mercedes-Benz 300 Cabriolet (1951) - die viertürige Cabriolet-Limousine
Archiv Automobil Revue

Damit war die fast fünf Meter lange und trocken 1,7 Tonnen schwere viertürige Limousine der deutsche König der Landstrasse, zumindest bis zum Pariser Autosalon, denn dort setzten die Sindelfinger noch eins darauf.

Die sportlichen Varianten

Um den 300-er auch für sportlich und leistungsmässig anspruchsvolle Kunden schmackhaft zu machen, besannen sich die Mercedes-Ingenieure alten Rezepten: Sie kürzten den Radstand und steigerten die Leistung. 15 cm weniger waren es vom einen, 35 PS mehr vom anderen, immerhin eine Leistungssteigerung von 30%!


Mercedes-Benz 300 S Roadster (1951) - offene Variante der Baureihe W 188 mit schlankerem Dach
Copyright / Fotograf: Daimler AG

Mit nunmehr 290 cm Radstand, 473 cm Länge und 191 cm Breite waren die Voraussetzungen für mehr Sportlichkeit gegeben, die der dank geänderter Nockenwelle und Verwendung von drei statt zwei Vergasern auf 150 PS erstarkte Motor auch in spürbaren Vortrieb umsetzte.

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Sindelfinger Eleganz

Über den tragfähigen Ovalrahmen mit Einzelradaufhängungen vorne und Schwingachse hinten wölbte sich beim W 188 eine elegante, wenn auch nicht supermodische Karosserie. Formlich war man eindeutig noch den Vorkriegsjahren nahe, von Ponton noch keine Spur.


Mercedes-Benz 300 S (1951) - die ersten beiden Exemplare, ein Coupé und ein Cabriolet A
Copyright / Fotograf: Daimler AG

Den “300 S” gab es als Cabriolet A mit aufliegendem Verdeck, als Roadster oder als geschlossenes Coupé. Aussen hatte man also die Wahl, solange es ein Kleid mit riesigen Kotflügeln und schräg auslaufendem Heck sein durfte.


Mercedes-Benz 300 S Cabriolet A (1951) - Interieur des Elitewagen mit wertvollem Autoradio
Archiv Automobil Revue

Innen aber zeigte sich schon der Charme, der später alle Baureihen von Mercedes ausmachen würde, wenn auch mit erhöhtem Materialeinsatz, spricht edlen Hölzern und anschmiegsamen Ledern.

Preis sorgt für Exklusivität

Für DM 34’500 oder CHF 46’900 erhielt der Käufer, der den Gegenwert zweier Reihenhäuschen in Stuttgart oder eines sehr bequem ausgebauten Chalets in Gstaad bezahlte, einen komplett ausgestatteten Reisewagen, dem es weder am Heizung, noch an Schlafsitzen, Motorraumlicht oder Spezialkoffern fehlte. Nur für ein zweites Reserverad mussten etwa 300 Franken zusätzlich bezahlt werden und ein Radio kostete die Kleinigkeit von 1530 Franken.


Mercedes-Benz 300 S Cabriolet A (1951) - mit Werks-Koffersatz im Kofferraum und aufpreispflichtigem zweiten Reserverad
Copyright / Fotograf: Daimler AG

Auf diesem Niveau war man preislich ziemlich einsam unterwegs, der BMW 503 erschien erst einige Jahre später.

Hohe Reisedurchschnitte

Die Automobil Revue widmete 1952 dem 300 S Cabriolet A einen ausführlichen Langstreckentest über rund 2000 km Fahrstrecke. Und die Begeisterung der AR-Redakteure war deutlich zu spüren:

“Der 300 S verkörpert die Möglichkeiten des Reisens in einem Automobil, dessen Schöpfer in ihrer Arbeit bis an die Grenzen der heutigen Technik gehen durften. Diese Freiheit wirkt sich in der Höhe der erreichbaren sicheren und angenehmen Geschwindigkeiten aus. Sie spiegelt sich in den Ergebnissen unserer Versuchsfahrten deutlich wider. Auf französischen Überlandstrassen wurden innerhalb genau drei Stunden, unter Einschluss des langsamen Durchfahrens grösserer Ortschaften, 302 km zurückgelegt. Über die rund 550 km lange Strecke Cambrai-Basel, deren zweite, nicht sehr flüssige Hälfte teilweise bei Regenwetter befahren wurde, betrug der Durchschnitt 93 km/h, ohne dass Fahrer oder Beifahrer irgendwo oder irgendwann die Grenzen des Verkehrsanstandes als auch nur erreicht empfanden. Nach einer Tagesetappe von 800 km stiegen beide Insassen frisch und aktiv aus dem Wagen.”

Zu berücksichtigen ist, dass es anfangs der Fünfzigerjahre noch kaum Autobahnen gab und der Ausbaustandard der Landstrassen deutlich hinter den heutigen Erwartungen hinterherhinkten, umso mehr beeindrucken die Erkenntnisse der Automobil Revue.

Sportlich?

Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolvierte das 300 S Cabriolet A 195 in 15 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 176 km/h gemessen. Die Abweichung des Tachos war bei den Messungen im Einkilometerbereich! Die Verbrauchswerte des voll getankten und mit zwei Personen beladenen 1955 kg schweren Testwagens pendelten zwischen 13,1 Liter (schonende Fahrweise über Land) und 23.2 Liter (in der Stadt).

Mit 12.2 Metern Wendekreis war das Cabriolet für die Grösse und vor allem Breite erstaunlich wendig, auch am Fahrverhalten hatten die Testfahrer wenig zu bemängeln:

“Im 300 S verfügt der Fahrer über Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit des Rennsportwagens von gestern, und zwar dank der ausserordentlichen Fahreigenschaften in aller Sicherheit. Mit der Einschränkung, dass Kurven bei rascher Fahrweise - nicht umsonst ist der 300 S ein typischer Schwingachser - unter keinen Umständen mit scharfem Bremsen genommen werden dürfen, kann der verantwortungsbewusste Fahrer die Motorleistung recht häufig und in voller Sicherheit ausnützen. Wenn einmal die 50 oder 60 km/h überschritten sind, scheint der Wagen jede Erdschwere zu verlieren; der Eindruck seines Gewichtes verringert sich, die Lenkung wird leichtgängig und womöglich immer präziser, der Seitenwind macht sich - ein Vorteil der Nicht-Stromform - kaum bemerkbar, und Fahrer und Wagen verschmelzen zur Einheit, wie dies nur beim wirklich ausgefeilten, in langen Probefahrten von guten Piloten mitentwickelten Wagen sportlicher Art möglich ist. Das leichte Überwiegen der Hinterachsbelastung ergibt zusammen mit der hinteren Schwingachse eine Nuance des Übersteuerns, die vom starken Rücklauf der Lenkung beinahe auf- gehoben wird. Keine uns bekannte Lenkung arbeitet bei gleicher Präzision so stossfrei und deshalb auch im Verhältnis zum Wagengewicht so wenig ermüdend wie diejenige des 300 S. Die Dämpfung der Federung erreicht einen optimalen Mittelwert zwischen sportlicher Härte und Verdecken der Unvollkommenheiten der Strassenoberfläche. Eselsrücken werden sauber und rasch erledigt. Längste Fahrten verursachen auch bei empfindlichen Passagieren keinerlei Unbehagen.”

Verbesserungen zum Sc

Nach 560 war es 1955 Zeit für die verbesserte zweite Auflage. Auf der IAA in Frankfurt wurde im September die Baureihe W 188 II vorgestellt, 2000 DM teurer als der Vorgänger und mit dem Kürzel “Sc” gekennzeichnet. Für diesen nicht bescheidenen Obulus erhielten die Mercedes-Kàufer nun eine Einspritzung, wie sie aus dem 300 SL bekannt war. 175 PS waren nun möglich, eine Literleistung von deutlich über 50 PS pro Liter! Statt der bisherigen Schwingachse gab es nun eine Eingelenk-Pendelachse und fürs Auge zusätzlichen Chrom.

Trotzdem lief die Zeit und vor allem die Mode (Ponton!) dem 300 S davon, von der zweiten Auflage wurden bis 1958 gerade einmal 200 Exemplare verkauft, während es die erste Serie immerhin auf 560 Fahrzeuge gebracht hatte. Selten waren sie alle, das 300 S Cabriolet zum Beispiel wurde nur gerade 203 Mal gebaut.


Mercedes-Benz 300 S Cabriolet A (1954) - das Verdeck türmt sich hoch auf
Copyright / Fotograf: Bonhams

Ein typischer Lebenslauf

Das Cabriolet A mit Jahrgang 1954 wurde als Chassis 4500019 an einen Inhaber einer Gummiwarenfabrik - die Geschäfte gingen offensichtlich gut - in der Nähe Frankfurts ausgeliefert. Bis 1973 behielt der Unternehmer den eleganten Wagen, um ihn dann an einen Sammler abzugeben, der den 300 S weitere 30 Jahre hätschelte.

Ende der Achtzigerjahre liess man dem inzwischen fast vierzigjährigen Klassiker u.a. bei der Garage P. Siebenthal in Lausanne diverse Renovationsarbeiten angedeihen, um ihn für die nächsten Jahrzehnte vorzubereiten.


Mercedes-Benz 300 S Cabriolet A (1954) - viel edles Holz und Leder
Copyright / Fotograf: Bonhams

Über viele Jahre blieb der Wagen in der Schweiz, erklomm die steilsten Pässe und wurde auf vielen Ausfahrten genutzt, bis er 2006 an einen Sammler in England, der das Cabriolet nur noch sporadisch bewegte, verkauft wurde. Nie komplett restauriert verfügt der Wagen noch heute über viel Originalsubstanz und ist an Seltenheitswert nur von wenigen Nachkriegs-Mercedes-Fahrzeugen überhaupt zu übertreffen.

Die Versteigerungsfirma Bonhams wird den hier portraitierten Mercedes-Benz 300 S als Cabriolet A von 1954 am 28. März 2015 im Mercedes-Museum in Stuttgart als Lot 130 zum Kauf anbieten , Der Schätzwert wurde auf Euro 450’000 bis 550’000 festgesetzt, wie der Markt über den Wagen nachdenken wird, ist dann Ende März 2015 zu sehen.

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