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Maserati Indy - der erfolgreichste und geräumigste Sportwagen seiner Generation

Erstellt am 10. Oktober 2012
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Balz Schreier 
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Bruno von Rotz 
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Archiv 
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Maserati Indy (1970) - war nichts für Leute mit Budget-Problemen
Maserati Indy (1970) - bereit für die grosse Ausfahrt
Maserati Indy (1970) - flach und lang - ein gutes Rezept für sportliche Eleganz
Maserati Indy (1970) - mit imponierenden versenkbaren Doppelscheinwerfern_Balz Schreier
Maserati Indy (1970) - luxoriöser GT-Sportwagen
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Markenemblem MaseratiEr hatte alles, um damals die sportwagenbegeisterte Jugend, die ihre Nase an seinen Seitenscheiben plattdrückte, zu beeindrucken: Eine elegante Form mit Fastback-Heck, ein edles, lederbeschlagenes, lichtdurchflutetes Interieur, einen Tachometer mit “300 km/h” am rechten Anschlag und ein grollendes V8-Auspuffgeräusch, wenn er gestartet wurde. Er überzeugte kaum weniger als der parallel gebaute Ghibli und trotzdem steht er heute wert- und ansehenmässig weitgehend im Schatten des kürzeren Bruders.

Zwischen Mexico und Ghibli

Ende der Fünfzigerjahre hatte Maserati seinen ersten luxuriösen Gran-Turismo-Sportwagen präsentiert, den 3500 GT mit Reihensechszylinder. Diesem folgte 1963 der Mistral, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger allerdings nur noch zwei Sitze hatte. Entsprechend positionierte man 1966 den Mexico mit V8-Motor wieder stärker in die GT-Ecke und hatte damit wieder einen viersitzen Sportwagen im Programm. 1963 hatte Maserati aber auch eine viertürige Limousine, den Quattroporte, eingeführt. Und 1967 noch einen weiteren Sportwagen, den Ghibli.

Als dann 1968 Alfredo Vignale in Turin einen weiteren Maserati mit V8-Motor zeigte, mag sich mancher gefragt haben, wo denn die Nische im Programm des Sportwagenherstellers aus Modena sei, in die der viersitzige Wagen passe. Gleichzeitig wurde Citroën Mehrheitseigentümer bei Maserati und begann auf die Modellpolitik Einfluss zu nehmen. Nichtsdestotrotz wurde im März 1969 auf dem Genfer Salon die Serienversion des jetzt “Indy” genannten Coupés vorgestellt. Der Name sollte an die Siege Maseratis beim 500-Meilen-Rennen von Indianapolis in den Jahre 1939/1940 erinnern. “Schnell, modern, sicher und comfortabel”, schrieben die Maserati-Markteing-Leute in den Verkaufsprospekt.

Zurückgebunden in der Leistung?

Vignale hatte ganze Arbeit geleistet. Das neue Coupé, das technisch auf dem Ghibli basierte, aber erstmals selbsttragend konzipiert worden war, sah atemberaubend aus, wirkte eigenständig und überzeugte durch seine fliessenden Linien. Um den Abstand zum höher positionierten Ghibli zu waren, gestand man dem Indy nur den kleinsten 4,2-Liter-V8-Motor mit nominell 260 PS (231 DIN-PS) zu. Erst später konnte man den Indy auch mit 4,7 und 4,9 Litern Hubraum haben, ab 1973 wurde ein überarbeitetes Getriebe und eine Bremsanlage von Citroën eingebaut. 

Am Schluss ersetzte der viersitzige Wagen fast alle seine Geschwister, denn Mexico, Ghibli und Quattroporte mussten vor dem Indy das Zeitliche segnen, umso besser traf es sich, dass Maserati mit dem Vignale-Coupé fast alle Ansprüche mit einem einzigen Auto erfüllen konnte.

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Grösser als (damalige) Mittelklasselimousinen

Heute wirkt ein Indy fast schon kompakt. Mit einer Länge von 4,74 Metern, einer Breite von 1,76 Metern und einem Gewicht von 1,6 Tonnen unterbietet er die meisten modernen Luxussportwagen deutlich.

Doch Ende der Sechzigerjahre mass ein Opel Rekord gerade einmal 4,55 Meter in der Länge und auch in der Breite unterbot er mit 1,75 Metern den Maserati. Wirklich eindrücklich war der Unterschied beim Gewicht, 1’025 bis 1’240 kg waren schon fast Fliegengewichtsklasse im Vergleich zum schweren Maserati.

Platz für vier Personen und Gepäck

Aus der Grösse schöpfte der Maserati Platzverhältnisse im Innern, die noch heute manchem Sportwagen gut anstehen würden. Vier Personen konnten kommod untergebracht werden und auch für das Gepäck gab es genug Platz (236 Liter), wenn man sich nicht scheute, Aussenstehenden vollen Einblick auf die Koffer zu gewähren.

Im Innern ging es italienisch modisch und edel zu. Bequeme Sitze, viel Leder, etwas Holz und sogar ein längs und in der Höhe verstellbares Lenkrad machten das Reisen angenehm, gegen Aufpreis gab es ein Radio und ein Automatik-Getriebe.

Selbst das Entern des Rücksitze artete nicht in eine übermässige Kraxelei aus, solange es genug Platz für das Öffnen der langen Türen Platz gab. Und in einem Shopping Center mit engen Parkbuchten ging der Maserati-Fahrer damals vermutlich nicht einkaufen.

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Schneller als die meisten

Eher als zum Einkaufen setzte der stolze Indy-Besitzer den Wagen auf langen Strecken ein, wo die Höchstgeschwindigkeit von fast 250 km/h und die gute Elastizität des Motors eher zum Tragen kam. Für regelmässige Pausen auf langen Fahrten sorgte der mit rund 20 Litern pro 100 km recht beträchtliche Durst des V8-Motors, auch wenn rund 100 Liter Benzin in zwei 50-Liter-Tanks zur Verfügung standen.

In 8,2 Sekunden beschleunigte der Indy in der schwächsten Ausführung von 0 bis 100 km/h, Ferrari 365 GT 2+2 Und Iso Rivolta IR 350 konnten dies zwar etwas schneller, unterlagen dafür bei der Höchstgeschwindigkeit trotz höherer Leistung - ein deutliches Indiz für die aerodynamisch vorteilhafte Linienführung.

Fahrsicher und weitgehend zuverlässig

Trotz der damals kritisierten hinteren Starrachse - vorne waren eher zeitgemässe Einzelradaufhängungen an Querlenkern verbaut - überzeugte das Fahrverhalten mit guten Tugenden. Der Wagen lief problemlos geradeaus, in Kurven verhielt sich der Maserati mustergültig, leicht übersteuernd aber kontrollierbar. Auch die Bremsen - Scheiben rundum - konnten den Wagen aus jeder Geschwindigkeit verzögern. Einzig der Komfort überzeugte damals Reinhard Siffert von Auto Motor und Sport nicht ganz. Vor allem bei langsamer Fahrt und unebener Fahrbahn waren deutliche Stösse spürbar, die Federwege reichten nicht mehr aus.

Parkieren statt Bodybuilding

Ein zu hartes Fahrwerk und fehlender Komfort kreidet man heute - im Zeitalter von superbreiten Niederquerschnittreifen - dem Maserati Indy kaum mehr an. Im Gegenteil, er fährt sich sehr angenehm. Überhaupt gibt es sich pflegeleicht. Er startet auf Anhieb, nimmt sofort Gas an, lässt sich ohne grossen Kraftaufwand schalten und bewegen. Schön so! Nur die Lenkung ohne Servo - die Lenkhilfe gab es nur gegen Aufpreis - erfordert den ganzen Mann im niederen Geschwindigkeitsbereich. Und der Wendekreis erscheint recht riesig, so dass Parkmanöver schnell zur schweisstreibenden Angelegenheit werden.

Doch sobald man wieder in Fahrt ist, sind die Anstrengungen vergessen und die Freude über die Aussicht aus der grosszügig verglasten Kabine und dem sportlichen Summen des Achtzylindermotors, der schon ab tiefen Drehzahlen mit sonoren sportlichen Klängen überzeugt, obsiegen. 

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Ein Schnäppchen?

50’000 bis 60’000 Franken oder 44’000 bis 48’000 Euro werden von Marktbeobachter Classic Data (im Herbst 2012) je nach Motorisierung - je stärker, umso teuerer - als Gegenwert eines sehr gut erhaltenen Maserati Indy genannt. Dies ist gerade einmal die Hälfte dessen, was ein Ghibli mit gleicher Motorisierung in ähnlichem Zustand kostet. Dabei ist der Indy praktischer, mit 1’104 zwischen 1969 und 1975 produzierten Fahrzeugen insgesamt seltener und kaum weniger hübsch.

Ein Schnäppchen also? Vielleicht. Aber auf jeden Fall ein faires Angebot, das aus Fahrersicht ähnlich viel Spass macht und den Vorteil bietet, selbst mit kleiner Familie in den Urlaub fahren zu können. Die Unterhalts- und Restaurierungskosten allerdings unterscheiden sich höchstens marginal zwischen den parallel gebauten Maserati-Modellen. Grössere Arbeiten, die durchaus einmal vorkommen können, schmerzen daher beim günstigeren Indy noch mehr als beim teureren Ghibli.

Der für diesen Artikel portraitierte Maserati Indy mit Jahrgang 1970 wird am 1. Dezember 2012 von der Oldtimer Galerie in Toffen versteigert.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Bild Maserati Indy (1970) - luxoriöser GT-Sportwagen
Bild Maserati Indy (1970) - Vignale schuf einen gleichzeitig dynamisch wirkenden und eleganten Sportwagen
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Bild Maserati Indy (1970) - der grosse Innenraum machte eine umfangreichere Verglasung nötig
Bild Maserati Indy (1970) - auch heute noch angenehm zu fahren
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Bild Maserati Indy (1970) - grosszügige Verglasung der Kabine
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