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Bild (1/19): MG TC (1948) - herrlich geschwungene Kotflügel (© Daniel Reinhard, 1948)
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MG TC (1945-1949)
Roadster, 54 PS, 1250 cm3
Preisbereich HOCH: € 15'001 bis 75'000
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    MG TC - Love Story mit Happy End

    26. Mai 2011
    Text:
    Bruno von Rotz / Daniel Reinhard
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (16)
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    Am 10. Oktober 1945 kündigte die Presse-Abteilung der Nuffield Exports Ltd. freudig den neuen MG Midget TC an. Ein neues Auto zu präsentieren, so kurz nach dem Krieg, das hatte etwas, auch wenn die meisten Betrachter kaum in der Lage waren, die Unterschiede zum MG TB, der vor dem Krieg in 379 Exemplaren gebaut worden war, zu sehen. Schon während seiner Produktion sah er mit seiner langen gradlinigen Schnauze, den freistehenden Kotflügeln, den ausgeschnittenen Türen und dem kurzen steilen Heck aus wie ein klassischer englischer Roadster aus den Dreissigerjahren.

    MG TC (1948) - die Scheibe ist umklappbar
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Beste Nebenrolle in Film "Love Story"

    Die klassische Form und die Beliebtheit des kleinen Wagens in den Staaten mögen dazu geführt haben, dass die Filme-Macher von “Love Story” auf den knorrigen Briten zurückgriffen, als sie ein Auto für Ryan O’Neal alias Oliver Barrett IV suchten, mit dem dieser seine Geliebte Ali MacGraw alias Jennifer Cavilleri zu seinen reichen Eltern fahren konnte.

    MG TC - der kleine englische Sportwagen im grossen Liebesfilm "Love Story" von 1970
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Der kleine Sportwagen hatte einige Auftritte im Film, was seiner Popularität noch weiteren Auftrieb gegeben haben sollte.

    Bejubelte Premiere

    Mit einem Aufguss der Vorkriegs-Version TB hatten sich die Macher von MG nicht zufrieden gegeben. Nicht nur war die Karosserie zugunsten besserer Platzverhältnisse gewachsen, auch Fahrwerk (hydraulische Luvax-Girling-Dämpfer), Bremsanlage (hydraulische Lockheed-Bremsen auf alle vier Räder), Tank (60 Liter) und Elektrik (12 Volt) waren teils umfangreich verbessert worden. Alles unter dem Motto “Safety Fast”, was die Übersetzer zu “so sicher, wie schnell” verdeutschten.

    MG TC (1949) - der kleine MG am Genfer Salon 1949
    © Zwischengas Archiv
    Angebote von Zwischengas-Spezialisten
     

    Über Generationen verbessert

    Der MG TC konnte auf eine reiche Ahnengalerie zurückblicken, die nächsten Verwandten waren der TA und der TB, welche wiederum von den J-Typen abstammten. Mit der Integration von MG in die Morris Motors Ltd und mit dem Start der T-Serie hatte man von den aufwändigeren Motoren mit obenliegender Nockenwelle Abschied genommen und anstelle davon im “neuen” XPAG-Motor fortan die Ventile mittels Kipphebel und Stossstangen betätigt. Ein Rückschritt aus Sicht der MG-Fans, aber im Gegenzug konnten als Innovationen hydraulische Bremsen und ein mit Ausnahme des ersten Ganges vollsynchronisiertes Getriebe angepriesen werden.

    Der TC übernahm die guten Eigenschaften seiner Vorfahren, die im Übrigen bereits recht erfolgreich waren, so verkaufte sich der TA immerhin 3003 mal.

    Der Motor war beim TC 1’250 cm3 gross, was bei einer Verdichtung von 7.25:1 54,4 PS bei 5’200 U/Min ergab. Diese Leistung liess sich durch ein Werkstuning-Programm - man beachte die Tuning-Broschüre in der Sektion Originaldokumente - durch Erhöhen der Verdichtung, Einsatz eines Shorrock-Kompressors und grösserer Vergaser, sowie Verwendung von hohen Methanol-Anteile auf fast 100 PS steigern, womit man dann definitiv zu den Schnellsten gehörte, wenn einem die Kiste nicht auseinanderflog.

    Zu den Besonderheiten des MG TC gehörte die sehr direkt ausgelegte Lenkung mit nur 1,67 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag.

    Mit 820 kg Gewicht, 3,5 Meter Länge und 1,4 Meter Breite war der TC kompakt und dank seiner betörenden Offenheit natürlich gut zu überblicken.

    Begeisterte zeitgenössische Kommentare

    In rund 22 bis 23 Sekunden beschleunigte 1947 ein TC von 0 bis 100 km/h, bestätigt von Autocar und der schweizerischen Touringzeitung. Als Höchstgeschwindigkeit wurden rund 130 km/h ermittelt. Bei einem Verbrauch von 8 bis 10 Litern pro 100 km reichte eine Tankfüllung für 600 bis 700 km.

    Das Fahrwerk begeisterte die damals wenig verwöhnten Testfahrer: “Ob man nun ’70’ statt ’50’ oder ’90’ statt ’70’ fährt, wie man es sonst mit einem Durchschnittswagen unter gleichen Bedingungen tun würde, immer hält man den Midget mit gleicher Sicherheit in der Hand, nicht zuletzt, weil  man sich auf die vorzügliche Wirkung der Bremsen verlassen kann. Wie die Bedienung der Lenkung, so erfordert auch diejenige der Bremsen etwas mehr Kraftaufwand, als man es heute gewohnt ist”, schrieb die Touring-Zeitung im zeitgenössischen Fahrbericht.

    Die Härte des Fahrwerks fiel aber den Journalisten schon damals auf, dies wurde dem Wagen aber nicht zum Nachteil ausgelegt, weil sich damit ja auch gute Fahreigenschaften erreichen liessen.

    Die Liebe der Amerikaner zum knorrigen Briten

    Amerikanische Soldaten hatten in Europa während und nach den Kriegsjahren ihre Liebe zu englischen Roadstern entdeckt und viele nahmen ihr Gefährt denn auch mit über den Ozean. Es entstand ein Markt und immer mehr Nachfrage nach diesen kompakten und unterhaltsam zu fahrenden Engländern. Dass auch bekannte Filmschauspieler wie Clark Gable oder Rennfahrer Phil Hill einen TC fuhren, half dabei, die Nachfrage weiter anzustacheln, so dass schlussendlich rund 18% der Produktion in die Staaten ging und damit der Anstoss für einen lukrativen und hungrigen Sportwagenmarkt gegeben wurde. Und dies wiederum ermöglichte es Herstellern wie MG, bis zu 70% ihrer Produktion (Beispiel MG B) in die Staaten zu liefern.

    Vorkriegs-Feeling

    Heute betrachten wir  einen Oldtimer wie den MG TC natürlich etwas anders, als dies die Autojournalisten der Nachkriegsjahre taten. Eine Anlasserkurbel finden wir nostalgisch, das Anlass-Prozedere riecht nach den guten alten Zeiten.

    Also, Zündschlüssel ins Zündschloss, Zündung und Benzinpumpen aktivieren. Tack-tack-tackeditack macht es jetzt und signalisiert, dass Benzin zum Motor läuft. Sobald das Geräusch verstummt, wissen wir, dass wir jetzt starten können. Also den Choke und dann den Anlasserzughebel ziehen. Sobald der Motor läuft, Anlasserzughebel loslassen und mit dem Choke regulieren, dass der Motor weiterläuft. Und schon bald kann man losfahren. Die normale H-Schaltung, deren obere Gänge synchronisiert sind, macht kein Probleme, schätzt es aber, wenn wir ihr Schaltpausen und Zwischengas-Stösse gönnen.

    Am wohlsten fühlt sich der TC heute bei 60 bis 90 km/h und mit seinen knapp 54 PS ist er natürlich nicht mehr im modernen Sinne sportlich. Aber bereits 80 km/h fühlen sich richtig schnell an und mehr darf man ja z.B. in der Schweiz auf Landstrassen sowieso nicht fahren.

    Die sehr direkte Lenkung erfordert Angewöhnung und manchmal fühlen wir uns an Bord eines TCs ein wenig wie auf einem störrischen Pferd, eine kurze Unebenheit und schon scheint der Wagen abbiegen zu wollen. Etwas Feingefühl und Erfahrung helfen, damit umzugehen.

    Thermisch macht das Auto keine Probleme. Das Kühlwasser sollte natürlich häufig kontrolliert werden und bei einem Verkehrsstau finden auch schon mal ein paar Deziliter den Weg nach draussen. Dann einfach den Wagen abkühlen lassen während der Mittagsrast, etwas Wasser nachfüllen und schon kann die Fahrt weitergehen.

    MG TC (1946) - Chassis des MG TC
    © Archiv Automobil Revue

    Etwas Komfort und Nebenrisiken

    Beim TC kann einiges verstellt werden, um es dem Fahrer und Beifahrer bequem zu machen. Trotzdem ist und bleibt er ein kleines Auto, das von heutigen grossgewachsenen Mitteleuropäern Kompromisse bezüglich Sitzposition und Bewegungsfreiheit erfordert. Eine Heizung hatte der TC nie, Stossstangen hatten nur die 494 EXU (“special export”) Modelle.

    Aufpassen sollte man insbesondere bei kühler Witterung auf die Nieren, die tiefen nach hinten öffnenden Türen lassen die kalte Luft ungefiltert am Körper vorbeiströmen.

    Unkompliziert, aber nicht billig

    Ein gut gewarteter MG TC macht keine Sorgen. Besitzer loben seine Robustheit und schätzen die Langlebigkeit der Komponenten. Simplizität hilft. Der Unterhalt verschlingt damit keine grossen Beträge und dank der enormen Popularität ist die Ersatzteilsituation für den exakt 10’000 mal ausschliesslich als Rechtslenker gebauten MG TC komfortabel, die Preise für Teile erträglich.

    Anders verhält es sich mit den Preisen für Fahrzeuge in gutem Zustand, welche über die letzten Jahre kontinuierlich gestiegen sind. Konnte man 1960 noch für DM 3’000.- einen gebrauchten TC kaufen (so stand es in einer Auto Motor Sport Kolumne von 1960), müssen heute zumeist mindestens € 40’000 oder CHF 50’000 bis 60’000 angelegt werden für den knorrigen Roadster.

    Ein neuer Tag

    Der abgebildete gelbe MG TC mit Chassis 5355 von 1948 gehörte kurz der Schlagersängerin Piera Martell (2.7.1943). Martell konnte trotz ihres letzten Platzes im Eurovision Song Contest 1974 mit dem Lied "Mein Ruf nach dir" in der Folge eine gewisse Prominenz in der Schweiz erreichen, unter anderem durch ihre Auftritte am Fernsehen. Es folgten noch ein paar internationale Auftritte. 1976 beteiligte sie sich an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Contest und wurde mit dem Lied "Ein neuer Tag" aber nur Vorletzte.

    Der MG bekam seine ungewohnte jedoch für das Auto passende Farbe im Jahre 1967 vom damaligen Besitzer und Restaurator Anton Müller bevor er 1975 für Fr. 11`250.-  an Moritz Kessler, den Vater von Piera Martell weiterverkauft wurde. Es sollte das Geschenk zu ihrem 30. Geburtstag werden, aber ihre Freude hielt sich in Grenzen und so wurde kurz darauf das Auto an Josef Reinhard (bekannt als Katastrophen-Sepp) weiterverkauft.

    Dieser TC ist eines der 408 Fahrzeuge, die in die Schweiz ausgeliefert wurden und zu Preisen um CHF 9’200 bis 9’600 in den Verkauf gingen. Heute befindet er sich im besten Zustand und ist allzeit bereit für Veranstaltungen und Alltagsfahrten. Die Farbe Gelb ist bei diesem MG TC vermutlich einzigartig, denn zuerst wurde der Wagen nämlich nur in der Farbe Schwarz angekündigt, später kamen weitere Farben dazu. In einem  späteren Verkaufsprospekt (ca. 1947) tönt das so: “Blau, Renngrün, Carminrot mit den entsprechenden Polstern. Dann schwarz mit einem der obigen Polster, sowie beige mit rotem Polster. Die Räder sind silbern gespritzt.”

    Optionen gab es eigentlich keine, mit Ausnahme eines Radios unter dem Armaturenbrett und eines Gepäckträgers. Und natürlich der späteren Werkstuning-Angebote.

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