Luft und Leistung machen Lust - Aston Martin DB 4 Vantage Convertible

Erstellt am 16. Januar 2013
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Courtesy of Bonhams 
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Bruno von Rotz 
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Archiv 
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Als Aston Martin ihren neuen Sportwagen, den DB 4 an der London Motor Show im Jahr 1958 präsentierten, vergassen die Besuchern beinahe das Atmen, so unbeschreiblich schön und elegant sah der neue Wurf des englischen Herstellers aus. Ein internationales Spitzenprodukt war hier entstanden.

Ein Bruch mit Traditionen

Der DB 4 wurde von Felice Bianchi Anderloni (Carrozzeria Touring) gezeichnet, das (massive) Chassis konzipierte Harold Beach, der Motor war ein Werk von Tadek Marek.

Der DB 4 war ein Bruch mit Traditionen. Das Design stammte aus Italien, die Karosserie wurde in der aufwändigen “Superleggera”-Bauweise hergestellt. Als Motor wurde ein aufwändiger Aluminium-Reihen-Sechszylinder-Motor mit 3’670 cm3 eingesetzt, ausgerüstet mit zwei obenliegenden Nockenwellen. 240 PS leistete die “Normal”-Version. Leistungshungrige konnten aber 1961 die (Special Series) SS-Version des Motors, auch Vantage genannt, bestellen und erhielten drei statt zwei SU-Vergaser und 266 PS.

Bemerkenswert und einer der Besten

Die amerikanische Zeitschrift “Road & Track” fasste zusammen, was auch in anderen Testberichten zu lesen war: “Der DB 4 ist eine Freude für das Auge, wunderschön gefertigt, komfortabel und hat alle Leistung, die jemand erwarten würde”. R&T benötigte 8,4 Sekunden für den Sprint von 0 bis 96 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 148 Meilen pro Stunde (238 km/h) notiert.

Nicht ganz problemlos erwiesen sich allerdings die ersten Fahrzeuge in der Hand der Kunden. Zu geringe Toleranzen und stärkere als erwartete Ausdehnung der Materialien des Antriebstranges kosteten wohl einige Besitzer Nerven und auch Geld. Doch Aston Martin lernte schnell und verbesserte sich Punkt um Punkt. Die Karosseriebauqualität war schon früh auf hohem Niveau, was heutige Restaurierer mit Ehrfurcht anerkennen.

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Vom Coupé zum Cabriolet

Nachdem die ersten drei Jahre nur Coupés gebaut worden waren, stelllte Aston Martin 1961 die offene Variante vor, ebenso elegant und stilsicher gezeichnet wie das Coupé und für viele Anhänger der Marke eines der schönsten Autos aller Zeiten.

Der Umbau vom Coupé zum Cabriolet wurde bei Aston Martin intern durch Harold Beach  und George Moseley durchgeführt. Obschon sie die Verwindungssteifigkeit des Chassis durch zusätzliche Verstrebungen (+23 kg) um 30% steigerten, geriet die offene Version etwas weniger steif als das Coupé. Dafür waren die Platzverhältnisse vorne vor allem nach oben besser und auch hinten wurde durch das Dach nur wenig “verschenkt”. Um das Dach unterzubringen musste der Benzintank aufgeteilt werden und verlor dabei 13 Liter Fassungsvermögen.

Die ersten Convertibles wurde im Oktober 1961 gebaut. Sie kosteten £ 250 mehr als das weiterhin für $ 4’449 erhältliche Coupé. Im Jahr 1962 kostete der Convertible in der Schweiz CHF 46’300 (Saloon 43’700), was ungefähr auf dem Niveau des Ferrari 250 GT Spider California (CHF 46’000) lag. Der Maserati 3500 GT Spider aber war mit CHF 42’800 günstiger, genauso wie das Lancia Flaminia GT Cabriolet für CHF 29’800, notabene auch bei Touring gefertigt. Und einen nur unwesentlich langsameren Jaguar E-Type Roadster gab es bereits für CHF 26’300. Es war als schon damals teuer, einen besonderen Geschmack zu haben.

Selten und noch seltener

Von den ersten 30, die man posthum der 4. Serie zuschlug, erhielten 11 die Vantage-Maschine. Weitere 40 offene DB 4 wurden im Rahmen der Serie 5 mit um einige Zentimeter gestreckter Karosserie gebaut, davon erhielten 21 den Vantage-Motor, einer erhielt denselben Motor, der auch im DB 4 GT verbaut war, nur zwei wiesen die neue Vantage-Front mit den verschalten Scheinwerfern auf. Insgesamt wurden also 70 Convertibles gebaut, wenig im Vergleich zur Gesamtproduktion von gut 1’210 DB 4 (inkl. GT und Zagato).

Als Extra gab es ein zwar nicht gerade wunderschönes, aber praktisches Stahlblech-Hardtop, das die Gestaltung des Softtops mimte, aber eine sehr grosse Heckscheibe aufwies.

Ein Leben lang in der Schweiz

Am 30. März 1963 wurde der Aston Martin Convertible mit Chassis-Nummer DB4C/1099/L ausgeliefert. Das “L” stand und steht dabei für die linksgelenkte Version. Den Schlüssel übergab Hubert Patthey, der Aston-Martin-Vertriebspartner für die Westschweiz, vermutlich eigenhändig an den Käufer Leo Gentinetta.

“Platinum” war die bestellte Farbe, die vermutlich Lotti, die Gemahlin des Käufers ausgesucht hatte, das Interieur war in Rot gehalten (Conolly VM.3171).

Gentinetta liess sich eine “Special Series”-Maschine einige Fränkli extra kosten, er orderte auch einen besonderen Auspuff, den Overdrive, einen Ölkühler, verchromte Speichenräder und sogar ein schwarz lackiertes Hersteller-Hardtop. Denn offensichtlich sollte der Wagen für längere Fahrstrecken gerüstet sein.

Schon drei Monate nach Übernahme hatte der im seit 1931 autofreien Zermatt lebende Gentinetta fast 12’000 km zurückgelegt. Ein Jahr später wurde der 10’000-Meilen-Service beim km-Stand 27’852 durchgeführt. Nochmals ein Jahr später wurde der Wagen aufgerüstet. Elektrische Fensterheber wurden eingebaut, Marchal-Zusatzscheinwerfer und Sicherheitsgurten montiert und auch am Motor wurde einiges gearbeitet.
Und so ging es wohl weiter und bis heute blieb der Wagen beim ersten Besitzer, wurde nie restauriert und wohl in den letzten Jahren auch kaum noch gefahren.

Eine fast einmalige Gelegenheit

Jetzt aber kommt der Aston Martin DB 4 Convertible am 7. Februar 2013 unter den Hammer, wird von Bonhams im Grand Palais in Paris versteigert. Als Schätzpreis werden Euro 350’000 bis 450’000 (CHF 427’000 bis 549’000) angegeben. Mit seinem Vantage-Motor ist der DB 4 Convertible seltener als der legendäre DB 4 GT, ob die potentiellen Bieter dies honorieren werden, wird man am 7. Februar wissen.

Weitere Informationen

  • Road & Track Heft April 1962, ab Seite 26: Test Aston Martin DB 4

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