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Bild (1/7): Lincoln Cosmopolitan Town Sedan (1949) - der Kühler hat viel von seinem früheren Glanz verloren (© Daniel Reinhard, 2011)
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    Lincoln Cosmopolitan - eine Schönheitskönigin erwacht aus dem Tiefschlaf

    Erstellt am 19. April 2012
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
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    Vor 60 Jahren waren Concours d’Elegance “en vogue”, ähnlich wie es heute in der Gegenwart wieder der Fall ist. Nur, dass man damals nicht ein altes Auto, sondern seinen Neuwagen, vorzugsweise ein Fahrzeug mit individueller Spezialkarosserie, oder seltene und luxuriöse Serienautomobile zum Eleganz-Wettstreit brachte.

    Carl Bucherer tat 1949 in Luzern genau dies, er meldete seinen Lincoln Cosmopolitan Town Sedan in der Kategorie “Privatwagen - Serienwagen in Originalfabrikausführung, Klasse 2 - Geschlossene Wagen” an und ging als Sieger hervor! Die fünfte Schönheitskonkurrenz  von Luzern war immerhin so wichtig, dass ihr die angesehene Zeitschrift Automobil Revue fast eine ganze Seite an Berichterstattung widmete. Ein Glücksfall, wie wir später sehen werden.

    Ein neuer Anfang mit dem Cosmopolitan

    Bucherers Lincoln wurde in dieser Form nur ein Jahr lang produziert. Er war Teil der neuen Lincoln Baureihe, die Ford-Vizepräsident Benson Ford am 21. April 1948 stolz präsentierte. “Wir glauben, dass der Lincoln Cosmopolitan ein neues Konzept in der luxuriösen Motorisierung darstellt”, meinte Herr Ford bei der Präsentation. Ford und Lincoln waren im Druck, gegen die stetig stärker werdende Konkurrenz etwas zu tun.

    Vier Modellvarianten

    Gleich vier Cosmopolitan-Varianten wurden gemeinsam mit vier weiteren (kleineren) Lincoln-Modellen der Öffentlichkeit vorgestellt: Das Club Coupé mit zwei Türen, der Sport Sedan, der Convertible und der Town Sedan. Letzterer zeigte eine eigenständige Fliessheckkarosserie und blieb nur für ein Jahr im Programm. Alle Cosmopolitan-Modelle wiesen ansonsten eine ähnliche Ponton-Form mit integrierten Kotflügeln, sowie eine einteilige Frontscheibe auf.

    Geliefert wurde der Wagen in vielen exotisch tönenden Farben, wie Alberta Blue, Royal Bronze Marcoon Metallic, Dakota Grey, Lima Tan Metallic, Lido Green Metallic, Huntington Gray, Teal Blue, Calabash Yellow, Pirate Red, Calcutta Green, Tampico Red Metallic und noch etwa zehn mehr. 

    Selbst für heutige Begriffe waren die neuen Fahrzeuge riesig, 5,6 Meter lang, über 2.01 Meter breit und immerhin 1,58 Meter hoch. Kein Wunder erreichten die massiv gebauten Autos mit vollständig geschweisstem Chassis ein Leergewicht von über zwei Tonnen (2’070 kg).

    Mit einfacher, aber wirkungsvoller V8-Power

    Angetrieben wurden die Luxusfahrzeuge durch einen seitengesteuerten V8-Motor mit  Flüssigkeitsvibrationsdämpfer, 5’522 cm3 Hubraum und 152 PS bei 3’600 U/Min. Dies reichte für ungefähr 150 km/h Spitze, womit man schneller als die meisten war. Vielleicht fuhr darum auch Jim Roper,  der erste Sieger in der NASCAR (National Association For Stock Car Auto Racing), am 19. Juni 1949 in Charlotte (North Carolina) einen Lincoln Cosmopolitan und gewann so die Prämie von 2’000 Dollar vor 23’000 Zuschauern. 

    Als Kraftübertragung diente entweder die Hydra-Matic mit vier automatisch zu wechselnden Gängen oder ein Dreigang-Handschaltgetriebe (plus serienmässigem Schnellgang/Overdrive beim Cosmopolitan).

    Rund 20 bis 25 Liter Benzin nippte der Motor pro 100 km aus dem 81,4 Liter fassenden Treibstofftank.

    Vorne waren die Räder einzeln aufgehängt, hinten tat eine Starrachse mit Blattfedern Dienst. Servogesteuerte Trommelbremsen waren für die negative Beschleunigung zuständig. 

    Luxus pur

    Die Insassen in der nicht selbsttragenden Karosserie wurden von viel Luxus verwöhnt. So konnten die Scheiben auf Knopfdruck hydraulisch gesenkt und angehoben, die Sitze mit Hydraulikunterstützung verstellt werden. Frischluft und Heizung konnte am Armaturenbrett geregelt werden, das eingebaute Radio sorgte für musikalische Unterhaltung.

    Sechs Personen konnten im Lincoln bequem sitzen und wenn sie genug davon hatten, verliessen sie den Wagen durch gegeneinander öffnende Türen (beim Town Sedan und beim Sport Sedan).

    Nicht billig und selten

    3’238 amerikanische Dollar waren für den Cosmopolitan Town Sedan zu berappen, in der Schweiz stand er mit 26’760 Franken auf der Preisliste, das war zwar nur etwa halb so viel, wie man für einen Bentley zahlen musste, aber bedeutend teurer als zum Beispiel  ein Porsche 356 oder eine (kleinere) Mercedes-Limousine. Gegenüber der amerikanischen Konkurrenz von Cadillac befand man sich aber auf Augenhöhe.

    Den Geschmack der Massen traf speziell der Lincoln Cosmopolitan Town Sedan nur bedingt, es wurden genau 7’302 Exemplare im einzigen Produktionsjahr hergestellt. Damit stellte er rund 12% der Cosmopolitan-Gesamtproduktion von 1949 bis 1951, bevor die Modellreihe ein deutliches Facelift über sich ergehen lassen musste und dann in einer zweiten Welle noch bis 1954 hergestellt wurde.

    Immerhin wurde der Lincoln Cosmopolitan aber in einer ganzen Reihe von Filmen wie “The Milkman” oder “Everybody does it”, an die sich heute allerdings kaum mehr jemand erinnert, verewigt.

    Am Genfer Automobilsalon 1949

    Die neuen Cosmopolitan-Modelle wurden im Jahr 1949 auch in Genf gezeigt. Ob Carl Bucherer das Auto da zum ersten Mal sah, ist nicht überliefert. Jedenfalls kaufte er einen dieser Wagen und erhielt ihn noch rechtzeitig, um damit am Concours d’Elegance von Luzern in seiner Klasse zu siegen. Als Bestätigung erhielt er eine Plakette, die er im Innern des Fahrzeugs montierte.

    Er fuhr den Wagen dann noch eine Weile und verkaufte ihn dann weiter. Zwischen 1952 und 1977 hiess der Besitzer Franz Greter. Das stattliche Fahrzeug wurde als Kundenlimousine für das luxuriöse Hotel Fronalp eingesetzt. Rund 36’000 km kamen so ungefähr zusammen, dann verstarb Greter und das Auto wurde an einen Karrossier in Seewen SZ verkauft. Dieser wollte daraus, so wie er sagte, einen „verrückten Umbau“ fertigen. Die Zeit verstrich aber schneller als geplant und so blieb es bis zum Weiterverkauf Ende der Neunzigerjahre bei dieser Idee.

    Schlafende Schönheit?

    Viermal wechselte der der Wagen bis heute noch den Besitzer, Restaurierungsprojekte wurden gestartet und abgebrochen. Kaum einer der Besitzer wusste wohl um die Einzigartigkeit des Concours-Siegers. Erst Marco Knecht, der den Wagen vor kurzem erstehen konnte, stiess via Zwischengas auf den Artikel mit der Schönheitskonkurrenz von Luzern in einer Nummer der Zeitschrift Automobil Revue aus dem Jahr 1949 und begann eine umfangreiche Recherche. 

    Heute zeigt sich der Wagen im unveränderten Originalzustand mit massiver Patina. Die nicht immer sachgerechte Lagerung hat deutliche Spuren hinterlassen, einige Anbauteile fehlen oder sind defekt. Der Motor erlitt irgendwann einen massiven Schaden, die Hydraulik wurde zur unergründlichen Baustelle, die Inneneinrichtung vergammelte oder löste sich auf.

    Die Komplexität und die pure Grösse des Fahrzeugs machen eine originalgetreue Wiederherstellung zu einem enorm aufwändigen Unterfangen, das wohl auch finanzielle Mittel weit jenseits des Marktwertes verschlingen würde.

    Das Betrachten der vielen interessanten Details, das Analysieren der teilweise recht komplexen Technik und das Zurückversetzen in die Vergangenheit machen aber heute schon viel Freude. Und die Siegesplakette von der Schönheitskonkurrenz ist immer noch da, wo sie Carl Bucherer damals angebracht hatte.

    Stückzahlen Lincoln Cosmpolitan von 1949 bis 1951

    Baujahr Sport Sedan Town Sedan Club Coupé Convertible Total
    1949 18906 7302 7685 1230 35123
    1950 8332   1824 536 10692
    1951 12229   2727 857 15813
    Total 39467 7302 12236 2623 61628
    Anteil 0.64 0.12 0.2 0.04 1

    Nach der Überarbeitung im Jahr 1952 wurde der Cosmopolitan noch bis 1954 weitergebaut und dann durch den “Custom” ersetzt.

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