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Bild (1/5): Lancia Flaminia Super Sport Zagato (1966) (© Bruno von Rotz, 2012)
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    Lancia Flaminia Super Sport Zagato - Poesie aus italienischer Eleganz und Sportlichkeit

    31. Mai 2012
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Balz Schreier 
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    Bruno von Rotz 
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    Die Zeit bleibt stehen, wenn dieses Auto vorbeizieht. Der Lancia Flaminia Super Sport Zagato ist einer der attraktivsten Sportwagen der Sechzigerjahre, funktionale Schönheit in Perfektion. Teuer und nur in homöopathischen Dosen gebaut, blieb er damals wie heute eine Rarität.

    Die Entstehung der Flaminia

    “Florida” hiessen die ersten Prototypen, die den Weg von Lancia in Richtung Flaminia ebneten. Pininfarina schuf in den Jahren 1955 und 1956 eine Reihe von zwei- und viertürigen Prototypen, die technisch auf der Aurelia B 55 fussten, optisch aber der Zeit weit voraus waren und über Jahre ganze Fahrzeuggenerationen (u.a. Austin A55/A99, Peugeot 404) beeinflussten.

    Fortschrittliche Technik

    Während sich die stilistischen Zügen immer mehr der Serienfertigung anpassten, wurde die Technik verfeinert. Eine neu entwickelte Vorderachskonstruktion mit Trapez-Querlenkern und Schraubenfedern wurde mit der bekannten De Dion Hinterachse der Aurelia kombiniert.
    Als Motor diente der weiterentwickelte V6-Triebsatz, an dem Lancia schon baute, als alle Welt die Zylinder noch in Reihe anordnete. Für die Flaminia schöpften die Techniker 100 PS aus 2’458 cm3. Die hängenden Ventile wurden von einer zentralen Nockenwelle über Stossstangen und Kipphebel betätigt, die Kurvelwelle war vierfach gelagert. Ein zentraler Solex-Vergaser versorgte die Brennräume mit Treibstoff.
    Der vorne liegende Motor lieferte seine Kraft über eine Kardanwelle an das hinten angeblockte vollsynchronisierte Getriebe, man nennt dies “Transaxle”-Bauweise.

    Wurden zu Anfang noch Trommelbremsen verbaut, zogen schon bald Scheibenbremsen (ab 1959 Normalausrüstung für die zweitürigen Varianten) ein.

    Die Pininfarina-Limousine und das Coupé

    DM 26’500 oder CHF 28’800 kostete die Flaminia-Limousine bei der Einführung im Jahr 1957, das war viel Geld und sorgte nicht für Verkaufsrekorde, denn damit lag man in der Schweiz auf Ebene Mercedes 220 S und in Deutschland sogar in Reichweite des 300 SL.

    Trotz der unbestreitbar guten Qualitäten blieben die Stückzahlen gering. Also ergänzte man die Baureihe und stellte der Limousine 1958 ein Coupé auf verkürztem Chassis, optisch in der Nähe der ursprünglichen Prototypen, zur Seite.

    Die Ableitung von leichtgewichtigen Coupés

    Der massive Rahmen der Flaminia erlaubte es auch anderen Karosseriebauern, Aufbauten zu liefern. Beim Flaminia GT wandte die Carrozzeria Touring ihre Superleggera-Bauweise an und schuf auf einem nochmals verkürzten Chassis ein hübsches zweisitziges Coupé, das dank besserer Aerodynamik dem Pininfarina deutlich davonlief.

    Auch Elio Zagato nutzte die Flaminia-Plattform und setzte darauf eine formschöne und windschlüpfrige Aluminium-Karosserie, die sportlichste Flaminia-Variante war geboren und sie hiess folgerichtig Flaminia Sport.

    Leichter und damit sportlicher

    Vorerst bezogen die sportlichen Derivate von Touring ihre besseren Fahrleistungen aus dem leichteren Karosseriegewicht, immerhin 160 kg leichter war die Touring-Version und die Zagato-Variante knabberte nochmals 80 kg ab. Damit waren konkurrenzfähige Beschleunigungswerte möglich, insbesondere als die Motorleistung durch Anheben der Verdichtung von rund 100 auf 119 PS anstieg.

    12,8 Sekunden benötigte ein Touring-Coupé im Jahr 1960 in der Messung von Auto Motor und Sport für den Sprint auf 100 km/h, 3,6 Sekunden weniger als das Pininfarina-Coupé. Der Testverbrauch lag übrigens bei 14 Litern pro 100 km.

    Allen Varianten eigen war die fortschrittliche Aufhängungskonstruktion. Kein geringerer als Enzo Ferrari erklärte, dass das Flaminia-Zagato-Coupé eines der Fahrzeuge mit dem besten Handling sei, wenn das kein Lob aus berufenen Munde ist!

    Immer stärker und schneller

    Im Gleichklang mit der Konkurrenz stieg die Leistung weiter. Rund 140 PS wurden dem Motor mittels Bestückung mit drei Weber-Fallstromvergasern 1962 - das Kürzel “3C” steht für drei Vergaser - entlockt, die Höchstgeschwindigkeit der Zagato-Version stieg damit auf über 200 km/h. Durch Aufbohren auf 2,8 Liter (genau 2’775 cm3) waren ab 1963/64 sogar bis 148 PS und rund 210 km/h möglich.

    Drei Design-Evolutionen Zagatos

    Allen Flaminia-Zagato-Versionen gemeinsam ist unebene Dach, das zwei “Beulen” zeigt, um Fahrer und Beifahrer mehr Platz und gleichzeitig eine rigidere Struktur zu bieten. Während die ersten “Sport” unter Plexiglashauben aerodynamisch zurückversetzte Scheinwerfer aufwiesen, verschwand dieses Design-Attribut bei der zweiten Serie, während die Fahrzeuge immer noch “Sport” hiessen. Die Lampen waren jetzt weiter vorne angeordnet und liessen die Front etwas plumper wirken.

    Dies wurde bei der dritten Serie, die “Super Sport” genannt wurde, korrigiert. Jetzt sassen die Scheinwerfer wieder zurückversetzt in Höhlen, was den Wagen gestreckter und eleganter erscheinen liess.

    Die Variante “Super Sport”

    Der Lancia Flaminia Super Sport Zagato wurde 187 Mal gebaut zwischen 1964 und 1967 und repräsentierte die höchste Ausbaustufe. DM 22’450 verlangte der deutsche Vertrieb für das formschöne Coupé im Jahr 1965, CHF 27’000 waren das in der Schweiz. Für dieses Geld konnte man auch einen Jaguar E-Type haben, der fahrleistungsmässig eine ganze Liga höher spielte, was die geringe Verbreitung des schönen Coupés erklärt. Aber auch die früheren Varianten blieben eine Randerscheinung, insgesamt baute Zagato nur 599 Flaminia-Coupés (205 Sport 2500, 174 Sport 3C 2500, 33 Sport 2800 und 187 Super Sport).

    Kein Luxus-Sportwagen

    Nein, ein Luxus-Gran-Turismo will der Flaminia Super Sport nicht sein, im Inneren überwiegt die nüchterne Natur eines richtigen Sportwagens. Drehzahlmesser und Tacho  dominieren das Cockpit, die Böden sind mit Gummimatten ausgelegt. Ledersitze waren Standard, allzu viel Seitenhalt kann man vom Gestühl allerdings nicht erwarten. Das Lenkrad ist entlang der Längsachse verstellbar, immerhin.

    Gestartet wird mit Zündschüssel - drehen und drücken. Sofort nimmt der V6 geräuschvoll aber nicht überlaut seine Arbeit auf. Das Getriebe lässt sich überraschend exakt schalten, das haben spätere Transaxle-Fahrzeugbauer nicht so überzeugend hingekriegt. Die Lenkung ist auch ohne Servo leichtgängig und das Fahrzeug folgt den Befehlen des Fahrers verzögerungsfrei. Dass die damaligen Fahrer über hohe Innengeräusche meckerten, ist heute schwer verständlich, denn das Lied, das der Motor singt, ist melodisch. Eher noch erscheinen da die Geräusche vom Antriebsstrang störend.

    Und wer im Innern des Wagens keinen Platz gefunden hat, kann die eleganten Kurven von aussen bewundern. Es soll auch schon Besitzer des Flaminia Super Sport gegeben haben, die zwischen Wohnzimmer und Garage ein Fenster einbauen liessen, um ständig Sichtkontakt zu haben.

    Jeder Zagato Super Sport ist etwas Besonderes und Einmaliges, denn die Autos wurden in kleiner Zahl von Hand gefertigt und so bestehen von Fahrzeug zu Fahrzeug teilweise beträchtliche Unterschiede. Das für diesen Artikel portraitierte Fahrzeug etwa ist eines von nur zwei oder drei Super-Sport-Modellen, bei denen für den Karosseriebau Stahlblech statt Aluminium verwendet wurde. Gemäss Lancia-Kreisen ist der pikante Hintergrund hierfür folgender: Der alte Zagato war, so ist es überliefert, ein besessener Spieler und regelmässig in den Casinos von Monte Carlo zu sehen. Als er wieder einmal alle verfügbaren Barmittel verspielt hatte und die Aluminium-Lieferanten wegen zu vieler offener Rechnungen nicht mehr liefern wollten, befahl er, bestellte Fahrzeuge aus vorhandenem Material - Stahlblech - zu bauen. Was den Vorteil hat, dass die sonst bei ähnlichen Fabrikaten drohende Kontaktkorrosion kein Thema ist, allerdings auf Kosten des Gewichts.

    Der hier gezeigte Lancia Flaminia Super Sport Zagato (Baujahr 1966) wurde uns von der Oldtimer Galerie Toffen für diesen Bericht zur Verfügung gestellt. Wir danken.

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