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Bild (1/4): Lancia Flamina Pininfarina Coupé 3B (1963) - von staatsmännischer Eleganz (© Daniel Reinhard, 2016)
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    Lancia Flaminia 2500 3B Coupé Pininfarina - eleganter Gentlemen-Express

    25. März 2016
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (54)
    FCA - Fiat Chrysler Group / Lancia 
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    Guido Anselmi, im Film “Otto e Mezzo” von Federico Fellini durch Marcello Mastroianni dargestellt, ist ein arrivierter Regissseur und fährt einen Lancia Flaminia als Pininfarina-Coupé. Das elegante Coupé passt wie massgeschneidert zum distinguierten, aber nicht mehr ganz jungen Beau Mastroianni. Und genau wie der Film und der Schauspieler ging auch das Coupé fast vergessen und wirkt heute seltsam fremd. Doch schauen wir zuerst einmal zurück.

    Lancia Flamina Pininfarina Coupé 3B (1963) - wie einst Mastroianni auf dem Weg nach Cinecitta
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Premiere in Turin

    Erstmals gezeigt worden war das Flaminia Coupé von Pininfarina auf dem Autosalon von Turin im Spätherbst des Jahres 1958, an dem auch die Varianten von Touring und Zagato ihre Aufwartung machten.

    Lancia Flaminia Coupé Pininfarina (1959) - Präsentation vor dem Werk von Pininfarina
    © Zwischengas Archiv

    Die Automobil Revue kommentierte damals: “Am meisten Aufsehen werden aber die als Coupé von Pinin Farina und als Gran Turismo von Touring und Zagato eingekleideten Flaminia machen, die auf kürzerem Radstand karossiert sind. Alle drei Wagen besitzen anstelle des normalen Motors von 112 SAE-PS eine leicht frisierte Maschine mit 119 DIN-PS bzw. 131 SAE-PS. Der V6-Motor von Lancia lässt sich mit seinen schräg hängenden Ventilen und den halbkugeligen Brennräumen ausgezeichnet poussieren.
    Das vierplätzige Coupe von Pinin Farina besitzt einen Radstand von 275 cm (der normale Flaminia-Radstand misst 287 cm). Die vollständig aus Stahlblech gestaltete Coupékarosserie ist geräumig; der Wagen wiegt 1390 kg; seine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h macht ihn zum schnellen und luxuriösen Reisewagen für bis zu vier Personen. “

    Vom Florida zum Flaminia Coupé

    Beim Design hatten die Leute von Pininfarina nicht weit suchen müssen. Bereits Mitte der Fünfzigerjahre hatte Battista Pininfarina die Prototypen Florida I und II entworfen, die damals noch auf der Technik der Aurelia aufgebaut gewesen waren.

    Lancia Aurelia Florida Pinfin Farina (1955) - an einem Concours International d'Elégance Autombile
    © Archiv Automobil Revue

    Für die Flaminia Berlina, vorgestellt auf dem Genfer Autosalon 1958, und das Flaminia Coupé wurden viele Elemente des Designs übernommen, allerdings erhielt das Coupé im Gegensatz zum Prototyp Florida II einen B-Säule.

    Lancia Florida (1958) - ein weiterer Prototyp, als Coupé Florida II betitelt
    © Zwischengas Archiv

    Berlina und Coupé gleichen sich stark, Unterschiede zeigen sich vor ab der Fahrzeugmitte. Das Design von Limousine und Coupé beeinflussten etliche andere Automobile, z.B. Peugeot 404 oder Austin A60, für viele Jahre.

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    Innovative Technik

    Einen V6-Motor gab es Ende der Fünfzigerjahre nur bei Lancia, 2,5 Liter gross war er und mit einem Solex-Doppelfallstromvergaser leistete er in den Coupés 119 PS bei 5100 Umdrehungen.

    Lancia Flaminia (1967) - Technik-Paket - links Differential-Getriebeeinheit (Transaxle), rechts Vorderradaufhängung
    © Zwischengas Archiv

    Das Vierganggetriebe war beim Differential an der Hinterachse angebracht, die hinteren Scheibenbremsen wurden innen an der (vereinfachten) De Dion Achse montiert, während die vorderen aussen an Trapez-Dreieckslenkern sassen.

    Lancia Flaminia (1956) - Salon Turin 1956 - die massive Chassis-Konstruktion
    © Archiv Automobil Revue

    Die Karosserie war halb-selbsttragend, ein stabiler Rahmen aus Kantenprofilen und Blechpressteilen sorgte für Stabilität und liess auch den Bau von alternativen Karosserien zu.

    Beim Coupé bestand die Karosserie aus Stahlblech, was das doch erhebliche Gewicht von 1500 kg erklärte, während die aus Leichtmetall gefertigten Sportcoupés von Touring und Zagato mindestens 150 kg leichter gerieten.

    Eindrückliches Coupé

    Immerhin 4,68 Meter mass das Pininfarina-Coupé in der Länge, die Breite überschritt mit 1,74 Metern ebenfalls das Übliche, und so gab sich der Wagen denn auch als “reeller Viersitzer”, wie Reinhard Seiffert nach seinem Test für die Zeitschrift “Auto Motor und Sport” zu berichten wusste. “Vollends mit der Lederausstattung, die die Kleinigkeit von 1150 Mark kostet, vermag diese Karosserie alle Sehnsüchte zu befriedigen, die noch Karosserien aus der soliden alten Handwerkszeit kennen; es wackelt nichts, es klappert nichts, ohne dass deswegen etwas zu schwer oder zu ungeschlacht ausgefallen wäre”, schrieb Seiffert in seinem Artikel im Jahr 1960.

    Lancia Flamina Pininfarina Coupé 3B (1963) - bereits mit gepolstertem Armaturenbrett
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Vollends angetan war er vom Fahrverhalten sowie den Bremsen und auch dem Motor zollte er Respekt, obschon die Fahrleistungen - 0 bis 100 km/h in 16.4 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 168 km/h - sicherlich noch Luft nach oben war, schliesslich schnitten die leichteren Touring-Versionen hier deutlich besser ab.

    Den Verbrauch (13,8 Liter im Durchschnitt) befand man damals für mehr als in Ordnung. Nur der Preis sprengte die üblichen Grenzen, denn Lancia verlangte in Deutschland 26’850 Mark für das edle Coupé, in der Schweiz waren es 28’600 Franken, dafür erhielt man rund fünf VW Käfer oder annähernd drei Karmann-Ghia-Coupés. Kein Wunder hielt sich die Verbreitung in Grenzen, zumal die deutlich sportlicheren Touring- und Zagato-Varianten nicht viel mehr kosteten.

    Leistungssteigerung

    Auf den Wunsch nach mehr Leistung reagierte Lancia im Jahr 1962 mit dem Einbau von drei Solex-Doppelvergasern, woraus das Coupé den Namenszusatz “3B” erhielt. Noch mehr Kraft bot dann die Hubraumvergrösserung auf 2,8 Liter im Herbst 1963, die dem Pininfarina-Coupé nun 140 PS eintrug. Damit verbesserten sich auch die Fahrleistungen deutlich, sprintete der nun 1554 kg schwere Wagen doch in 12,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und eilte mit 181 km/h über die deutsche Autobahn. Und dabei war er auch noch günstiger geworden, denn 1965 kostete das Coupé nur noch DM 21’550 oder CHF 26’800, womit man wieder einigermassen bei den Leuten war.

    Lancia Flamina Pininfarina Coupé 3B (1963) - der V6-2,5-Liter leistet 128 PS
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    “Der erstklassige Motor, die Exklusivität der Karosserie und die Fahrwerksqualitäten sichern dem Flaminia Copué einen guten Platz unter den viersitzigen sportlichen Autos zwischen 15’000 und 25’000 Mark; es wird immer nur eine kleine Gemeinde sein, die sich für ihn interessiert, und der einzelne Besitzer legt wohl auch gar nicht viel Wert darauf, sich in grosser Gesellschaft zu befinden. Er wird sich für diese Individualität auch mit Nachteilen wie der schwergängigen Schaltung und der ein wenig simplen Karosserieführung anfreunden …”, schrieb Reinhard Seiffert in seinen Schlussbetrachtungen nach dem Test der 2,8-Liter-Variante für AMS.

    Rarität

    Und der deutsche Journalist traf mit seinen Betrachtungen den Nagel auf den Kopf, denn vom Pininfarina Coupé entstanden bis 1970 gerade einmal 5226 Exemplare, wovon 950 auf das Konto der 2,5-Liter 3B Variante und 1085 2,8-Liter-3B-Versionen waren. Damit war das Coupé aber immer noch die meistproduzierte Flaminia-Bauform.

    Lancia Flamina Pininfarina Coupé 3B (1963) - klassisches Dreivolumen-Coupé
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Am Lenkrad

    Setzt man sich heute an das Steuer eines Lancia Flaminia Coupés, dann muss man sich zunächst einmal an die Eigenheiten des Wagens gewöhnen. Das Zündschloss ist links vom Lenkrad angebracht, die Handbremse als Krückstock links unter dem Armaturenbrett montiert. Der Schalthebel sitzt so weit hinten, dass im Sitz extra einen Aussparung dafür gemacht werden musste.

    Lancia Flamina Pininfarina Coupé 3B (1963) - grosse Instrumente, Kunststofflenkrad
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Mehr oder weniger blendsicher unter einem kleinen Dach untergebracht informieren den Fahrer zwei grosse Rundinstrumente über alles nötige, während sich die Füsse nach den stehenden Pedalen vortasten. Einmal gestartet überzeugt der V6-Motor mit einem wohltönenden Bariton. Allzu hohe Drehzahlen sind nicht nötig, denn bereits bei mittleren Umdrehungszahlen liefert der Motor im 2,5-Liter 3B 18.7 mkg Drehmoment.

    Der Fahrkomfort ist um einiges besser als das, was manches moderne Luxuscoupé bietet, die Grenzen des Fahrwerks will heute kaum mehr jemand mit dem 1,5-Tonnen-Coupé erkunden. Er ist ein begabter Gleiter und man versteht, dass gerade ein Regisseur wie Guido Anselmi mit dem Lancia gut bedient war. Gerne verkehrt man mit konstanten Geschwindigkeiten, denn das Schalten ist wegen der Schwergängigkeit und Position des Hebels keine uneingeschränkte Freude.

    Einmal vor der Oper (nur so als Beispiel) angekommen, entschädigt das grosse Coupé beim Einparken mit perfekt einsehbaren Karosserieecken, allerdings müssen die Räder ohne Servohilfe eingeschlagen werden, was aber mit weniger Kraft vonstattengeht als befürchtet.

    Lancia Flamina Pininfarina Coupé 3B (1963) - schöner wohnen
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Als technisch ausgereift und zuverlässig wurde das Lancia Flaminia Coupé Mitte der Sechzigerjahre beschrieben, keine schlechten Voraussetzungen für ein glückliches langes Leben als Klassiker. Und auch Mastroianni mochte die Flaminia, er selber besass ein von Touring karossiertes Exemplar.

    Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit, den schwarzen Lancia kennenlernen zu können.

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    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    MIKE DREHER:
    31.05.2017 (23:52)
    Lancia benannte die Autos nach alten Römerstrassen. Noch heute steht am Eingang zum Appenin: S.S. 2 Via Aurelia. Auch die Via Flavia, Via Flaminia etc. sind auf historischen Atlanten eingezeichnet. Ich hatte nach der HSG mein erstes "richtiges" Auto: FIAT 2300 Coupé mit 30,000 km aus dem Eigentum einer Schaffhauser Industriellengattin, die es mir (ohne Marktkenntnis ;) gemäss Buchhaltung abgeschrieben für CHF 4,500 überlassen hatte. Bei 90,000 km war der Motor durch, trotz regelmässiger Services! 1972 folgte das Flaminia Touring Coupé 3C 2,8 Liter. Ein extrem zuverlässiger Renner! Bis 1974 galt ja noch FFFFB! (Freie Fahrt für freie Bürger). Ich hatte ihn dann 1975 einem Arzt verkauft, der etwa CHF 50,000 darin verrestaurierte und ihn kurz danach mit einem Riesenabschreiber wieder weggab.
    Ru******:
    30.03.2016 (10:01)
    Den für alle Zeiten unvergessenen Mastroianni als eben solchen nicht zu bezeichnen, da gehört schon eine große Portion Mut dazu! Eine große Verdi-Oper ist heute ca. 150 Jahre alt, ist sie deswegen vergessen? Im Gegenteil.... Einen solch seltsam-falschen Aufmacher für die Geschichte des schönen Lancia Flaminia-Coupés hat doch niemand verdient. Kulturwissen und z.B. eine Flaminia zu besitzen, das gehört zusammen! Ich selbst besitze einen ihrer wenigen Konkurrenten, das auch i. Vgl. mit der stärksten Flaminia-Version trotzdem schnellere und für mich noch schönere FIAT 2300 S Coupé, dessen Technik ist obendrein zuverlässig!

    Im übrigen wäre ein Hinweis darauf, daß Mastroianni privat ebenfalls eine Flaminia besaß, und zwar eine offene mit Touring-Karosserie, durchaus obligat gewesen.

    Trotz dieser meiner Kritik an der Einleitung sage ich danke für den Artikel, denn so viel wird über die Flaminia nun auch wieder nicht veröffentlicht. Ein FIAT 2300 S Coupé oder ein Flaminia Coupé anstatt eines Allerwelts-Porsche 911 "T"? Aber ja doch!
    Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
    30.03.2016 (10:07)
    Wie immer ist alles eine Frage der Perspektive. Marcello Mastroianni mag für Filmfans ein Begriff sein, heutigen Generationen, zu denen aber der Schreibende selber nicht gehört, sagt der Name wenig. Den Hinweis, dass er selber eine Flaminia fuhr, haben wir aber gerne eingebaut.
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