Lamborghini LM002 – exklusiver kann ein Geländewagen kaum sein

Erstellt am 1. Oktober 2019
, Leselänge 5min
Text:
Daniel Koch
Fotos:
Ahmed Qadri - Courtesy RM/Sotheby's 
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Bruno von Rotz 
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Im Januar 1988 schrieb die Zeitschrift “Sport Auto” mit einem ironischen Unterton “Der LM wendet sich in erster Linie an Regierungen, die eine Wüste zu verteidigen haben” und nannte ihn eine “Off-Road-Skulptur”. Im Magazin “Car and Driver” wurde er 1987 als “Rambo Lambo” betitelt. Die Rede ist natürlich vom Lamborghini LM002, dem ersten Geländewagen von Lamborghini.

Militärfahrzeug

Ursprünglich sollte Lamborghini zusammen mit dem US-Unternehmen Mobility Technology International einen geländetauglichen Nachfolger des Jeeps für die US Army bauen. Es entstanden zwei Heckmotor-Prototypen mit dem Namen “Cheetah”, welche von Chrysler V8 Motoren mit knapp 6 Liter Hubraum angetrieben wurden und lediglich etwa 180 PS leisteten.

Nachdem das US-Militär kein Interesse mehr am Projekt hatte, lag das Projekt vorerst auf Eis. Erst als 1980 der französische Industrielle Patrick Mimran Lamborghini übernahm, wurde aus dem ursprünglichen Konzept ein luxuriöser Wüsten-Offroader für reiche Scheichs.


Lamborghini LM002 (1990) - Viel Bodenfreiheit garantieren hohe Gelände-Tauglichkeit
Copyright / Fotograf: Ahmed Qadri - Courtesy RM/Sotheby's

Tiefe Stückzahlen über die gesamte Bauzeit

1986 zeigte Lamborghini den "LM-002/5000" auf dem Genfer Autosalon. Die Automobil Revue schrieb anlässlich der Präsentation: "Der wuchtige, auf riesigen Ballonreifen daherkommende LM-002 bietet unter dem schützenden Dach des kubischen Karosserieaufbaus auf bequemen Schalensitzen vier Personen Platz, und auf den beiden Längsbänken in der offenen Wanne über der Hinterachse können weitere vier Personen «mitreiten». Wobei es für diese ein wahrer Teufelsritt werden dürfte, wenn man dem LM mit dem 5167 cm3 grossen und 450 PS starken Zwölfzylindermotor die Sporen gibt; denn laut Werk benötigt der leer immerhin 2700 kg schwere Bolide für den Sprint von 0 auf 100 km/h nur gerade 8,5 ...".


Lamborghini LM (1986) - 450 PS, V12, 0 bis 100 km/h in 8,5 Sekunden, 120% Steigleistung - Genfer Autosalon 1986
Archiv Automobil Revue

Zwischen 1986 und 1993 wurden lediglich knapp über 300 Stück gebaut. Lange galt er bei Liebhabern der Marke als schwarzes Schaf der Firmengeschichte, weil er so gar nicht in die Reihe der exklusiven Sportwagen passte. Heute ist er in Sammlerkreisen aber zu einem beliebten Klassiker gereift.


Lamborghini LM002 (1990) - Das Reserverad wird zusammen mit der Heckklappe herunter geklappt um den Zugang zur Ladefläche oder zur Gepäckbox freizugeben
Copyright / Fotograf: Ahmed Qadri - Courtesy RM/Sotheby's
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Kein Supersportler, aber schnell genug

Im Geländewagen spielte der V12 zwar nicht die Symphonie, mit der er die Zuhörer des Countach begeisterte. Trotz des hohen Leergewichtes und der Aerodynamik eines Backsteins stürmte er aber in rund acht Sekunden von null auf hundert Stundenkilometer. Als Höchstgeschwindigkeit gab Lamborghini 201 km/h an. Ausser dem Motor hatte der LM002 übrigens wenig mit seinem flachen Bruder Countach gemein.


Lamborghini LM002 (1990) - Kräftiger Auftritt
Copyright / Fotograf: Ahmed Qadri - Courtesy RM/Sotheby's

Für die Verzögerung hatte der LM002 hinten nur Trommelbremsen an Bord, immerhin gönnte man ihm vorne belüftete Scheibenbremsen. Eine Vollbremsung dürfte bei hohen Geschwindigkeiten eine eher unangenehme Angelegenheit gewesen sein.

Geländetauglich

Der Allradantrieb war mit einem echten Reduktionsgetriebe ausgestattet, Sperren konnten an den Radnaben von Hand mit einem mitgelieferten Schlüssel aktiviert werden. Dem LM002 wurde eine ausgezeichnete Geländetauglichkeit attestiert.


Lamborghini LM002 (1990) - Manuell sperrbare Radnaben und 8 Radmuttern
Copyright / Fotograf: Ahmed Qadri - Courtesy RM/Sotheby's

Nicht zimperlich

Den Eindruck, dass nicht nur das Fahrwerk sondern das ganze Fahrzeug für den harten Einsatz taugte, untermauerte Lamborghini mit der Aussage, der LM002 würde einen freien Fall aus fünf Meter Höhe unbeschadet überstehen, sofern er auf seinen Rädern landen würde. Die Ingenieure bedienten sich dabei insgesamt acht Dreiecks-Querlenkern, Schraubfedern und  hydraulischer Dämpfer mit Niveau-Regulierung. Damit gaben sie dem LM002 alles mit, damit er auf der Strasse wie auch im Gelände über ausreichend Reserven verfügte.

Überraschend kompakt

Im Vergleich zu heutigen Geländewagen ist der LM002 nicht einmal besonders gross: Mit 4.90 Meter Länge ist er rund 21 cm kürzer als ein aktueller Lamborghini Urus und in der Breite misst er mit 2.00 Meter exakt 1.7 cm weniger als der neue Geländewagen (Neudeutsch: SUV) von Lamborghini. Zur Erinnerung, zwischen diesen beiden Fahrzeugen liegen mehr als 30 Jahre…


Lamborghini LM002 (1990) - Ein Design wie aus einem Block gemeisselt
Copyright / Fotograf: Ahmed Qadri - Courtesy RM/Sotheby's

Bester Freund des Tankstellenpächters

Wer nicht selber eine Öl-Raffinerie, eine Bohrinsel oder eine Tankstellen-Kette besass, der musste mit der dicken Brieftasche zum Tanken fahren: Das Werk spricht von 32 Litern Durchschnittsverbrauch auf hundert Kilometer, mancher Besitzer berichtet aber von 50 und mehr.


Lamborghini LM002 (1990) - Der V12 Motor braucht viel Platz
Copyright / Fotograf: Ahmed Qadri - Courtesy RM/Sotheby's

Lamborghini bot Tanks mit Fassungsvermögen von 180, 290 oder 400 Liter an, mit dem grössten Tank würde man für eine Füllung heute also etwa EUR 650 oder CHF 680.- bezahlen.

Nicht perfekt

Dem LM002 wurden stets ausreichend gute Manieren beschieden, wenn man die Trinksitten nicht beachtete. Dank Servolenkung war er gut zu manövrieren und über zu wenig Leistung klagte auch niemand.


Lamborghini LM002 (1990) - Nardi-Lenkrad, viel Leder und Holz
Copyright / Fotograf: Ahmed Qadri - Courtesy RM/Sotheby's

Allerdings wurde die Enge der vier Einzelsitze ebenso bemängelt wie die schwergängige Kupplung und die ungenaue Führung der Gangschaltung.


Lamborghini LM002 (1990) - In der Mitte die Bedienknöpfe für die Seilwinde
Copyright / Fotograf: Ahmed Qadri - Courtesy RM/Sotheby's

Die Zeitschrift “Auto Exklusiv” war vom Interieur aber durchaus angetan und schrieb 1989: “Beim Öffnen der LM-Fahrertüre wird man zunächst wohl am ehesten an einen besonders fein ausgerüsteten Range Rover erinnert, zudem man ebenfalls hinaufsteigen statt sich hinunterbücken muss. Feines beiges Leder und braunes Edelholz laden zu gepflegtem Verweil hinter dem Lenkrad. Dieses stammt im Falle des Lambo von Nardi und ist von fast rennsportlich kleinem Durchmesser. Auch die reiche Auswahl kreisrunder Anzeigeinstrumente gibt sich eher Lamborghini- als Geländewagen mässig.”


Lamborghini LM002 (1990) - Werbung für den Bericht in der Zeitschrift "sport auto" 1/1988
Copyright / Fotograf: Archiv Zwischengas

LM002-Besitzer werden?

RM/Sotheby’s versteigert diesen Lamborghini an der Auktion in Olympia/London am 24. Oktober 2019 . Ein Schätzpreis wird nicht genannt. Im Dezember 2017 wurde ein ähnliches Modell für CHF 462’330 oder EUR 396’950 versteigert, was damals ein Rekordpreis für diesen Fahrzeugtyp war. Im Oktober 2013 fand an einer Auktion ein LM002 für vergleichsweise tiefe CHF 122’353 oder Euro 98’672 einen neuen Besitzer. Der damalige Neupreis war CHF 214'000 oder DM 230'000, das entsprach damals etwa dem Preis von zwei Lamborgini Jalpa mit dem 8 Zylinder Motor, vier Range Rover oder 15 Ford Fiesta 1.4l.

Weitere Informationen

 

 

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ox******
22.10.2019 (09:33)
Antworten
2,7 Tonnen Kampfgewicht schrecken uns ja heute kaum noch, wo bereits mittelgroße Familien-SUVs die 2Tonnen-Grenze knacken. Umso erstaunlicher immer wieder, was da heute neben aerodynamischen Fortschritten an effizienter Technik verbaut wird, um den Verbrauch deutlich unter 20 Liter zu halten.

Danke für die interessanten Kommentare zur Ergänzung des recht kurzen Artikels :-)
von ms******
17.10.2019 (14:57)
Antworten
So richtig zufrieden bin ich nicht mit dem Bericht über den LM 002: Bei einem Geländefahrzeug wäre eigentlich interessant zu erfahren, um welches Vierradantriebs-System es sich handelt und wer dieses seinerzeit geliefert hat (Lamborghini als Sportwagenhersteller wohl kaum). Die als "Sperren" bezeichneten Spezialschrauben an den Naben dürften wohl eher Freilaufnaben sein, mit welchen man die vorderen Räder vom Antrieb entkoppeln konnte (zur Verbrauchsreduktion). Dies lässt darauf schliessen, dass es sich nicht um einen permanenten, sondern um einen zuschaltbaren Vierradantrieb handelte. Im Bericht wird wenigstens erwähnt, dass das Fahrzeug ein Reduktionsgetriebe hatte, welches wohl mit einem der beiden länglichen Hebel seitwärts der Mittelkonsole bedient wurde. Der zweite Hebel diente wahrscheinlich der Umschaltung von Zwei- auf Vierradantrieb, eventuell war damit auch eine Stellung für eine oder mehrere Sperren vorgesehen.
Antwort vom Zwischengas Team (Daniel Koch)
18.10.2019 (11:52)
Besten Dank für Ihr Feedback und die Ergänzung.
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