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Bild (1/24): Jaguar XJ 12 L Serie II (1973) - damit fährt man gerne vor (© Balz Schreier, 2014)
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    Jaguar XJ 12 L - wenn es etwas mehr (Luxus) sein darf

    15. April 2014
    Text:
    Werner Bartholai
    Fotos:
    Bruno von Rotz 
    (20)
    Balz Schreier 
    (10)
    Archiv 
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    Er kostet heute nicht viel mehr als die Batterie eines Elektro-Smarts, und man müsste schon einen mindestens fünf Jahre alten VW Golf kaufen, um den Jaguar XJ 12 L aus den Siebzigerjahren preislich zu unterbieten. Dabei offeriert die Katze aus England einen samtig laufenden Zwölfzylinder, üppig Platz und jede Menge Stil.

    Jaguar XJ 12 L Serie II (1973) - der Jaguar auf dem Markenemblem weist auf den Hersteller hin
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Das letzte Design William Lyons

    Rund vier Jahre Zeit nahmen sich die Jaguar-Ingenieure, um den Nachfolger von gleich zwei Baureihen, nämlich 240/340 und 420G, zu entwickeln. Das Pflichtenheft verlangte nach einer geräumigen, aber vor allem komfortablen Oberklassen-Limousine und mit 4,8 Metern Länge und fast 1,8 Metern Breite bei mindestens 1,6 Tonnen bot der als XJ 6 im Herbst 1968 präsentierte Wagen den erwarteten Luxus und Stil.

    Jaguar XJ 12 (1973) - Serie 1 mit tiefliegenden Stosstangen
    © Zwischengas Archiv

    Technisch vertraute man auf Bewährtes und Zeitgemässes. Der 4,2-Liter-Reihen-Sechszylindermotor stammte von den Vorgängern und leistete rund 186 PS, die Kraftübertragung erfolgte per Handschaltgetriebe oder Borg-Warner-Automatik, die Räder waren rundum einzeln aufgehängt und natürlich mit Scheibenbremsen ausgerüstet.

    Gesteigerter Luxus dank 12 Zylindern

    1972 dann war der von vielen erwartete Zwölfzylinder auch im XJ erhältlich, der damit zum XJ 12 oder Daimler Double Six mutierte. 253 DIN-PS betrug die Leistung des 5,3-Liters, der mit vier Horizontalvergasern des Typs Zenith 175 DD 2 SE mit viel Benzin versorgt wurde. 25,6 Liter Superbenzin pro 100 km ermittelten die Tester der Automobil Revue und bei 200 km/h genehmigte sich die Reiselimousine gar 36,3 Liter pro 100 km. Da erschien einem dann der 109 Liter grosse Benzintank gar nicht mehr so üppig.

    Jaguar XJ-13 (1966) - im Geheimen gebauter Jaguar-Mittelmotor-Prototyp, für Le Mans gedacht, hier 1975 vor der Jaguar Fabrik zu sehen
    © Zwischengas Archiv

    Im Gegenzug erhielt man Sportwagen-Temperament, der Spurt auf 100 km/h wurde trotz Wandler-Automatikgetriebe in acht Sekunden absolviert und als Spitze konnten echte 227,5 km/h gemessen werden. Dabei überzeugte der Motor, der bereits Mitte der Sechzigerjahre im Mittelmotor-Prototyp XJ-13 erprobt worden war, mit enormer Laufruhe. “Im Bummeltempo und auch im Leerlauf ist man anfänglich versucht, die kurzes Antippen des Gaspedals über den Tourenzähler herauszufinden, ob der Motor auch dreht, denn hören kann man ihn dabie nicht. Er reagiert auf geringste Gaspedaländerungen und dreht nathlos bis über den auf 6’500 U/min rot gekennzeichneten Drehzahlbereich”, notierten die AR-Testfahrer in ihre Aufzeichnungen.

    Jaguar XJ 12 (1973) - die V12-Variante
    © Zwischengas Archiv

    Die frühen Siebzigerjahre waren allerdings wegen der Erdölkrise nicht das beste Umfeld für einen trinkfesten Zwölfzylinder, so dass von der Serie 1 nur gerade etwa 5% mit dem V12-Motor verkauft wurden, obwohl der Aufschlag gegenüber der kleineren Variante mit 4’702.31 Pfund gegenüber 4’154.15 Pfund (jeweils für die Lang-Version) moderat ausfiel.

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    Modernisierte Serie II

    Jaguar XJ 4.2 (1979) - auch noch zehn Jahren noch ein Muster an Eleganz
    © Zwischengas Archiv

    Fünf Jahre nach der Erstpräsentation stellten die Jaguar-Verkäufer an der IAA in Frankfurt die modellgepflegte XJ-Serie vor. Die Stossfänger waren nach oben geklettert, um den amerikanischen Normen zu genügen. Gleichzeitig hatte man das Armaturenbrett-Layout angepasst und dem Wagen eine modernere Belüftungs-/Klimaanlage verpasst.

    Weiterhin waren die Sechs- und Zwölfzylindermotoren erhältlich, der viertürigen Variante wurde eine zusätzliches zweitüriges Coupé gegenübergestellt, das rund 10% teurer war und auch im Rennsport eingesetzt wurde.

    Dem Zwölfzylinder war in der Serie 2 eine deutliche Absatzsteigerung vergönnt, was nicht zuletzt der Einspritzanlage zu verdanken war, die neben einer Leistungssteigerung auch eine gewisse Zähmung des Durstes bewirkte. Von 97’227 XJ-Modellen der zweiten Serie waren 14’226 mit Zwölfzylindermotoren ausgerüstet.

    Italienische Designhilfe

    Jaguar XJ 12 PF (1973) - elegante und schlichte Linienführung
    © Zwischengas Archiv

    Pininfarina hatte bereits 1973 mit dem Jaguar XJ 12 PF seine eigene Interpretation einer eleganten Jaguar-Limousine geliefert, allerdings sah dieses Modell eher nach Pininfarina als nach Jaguar aus. Nichtsdestotrotz wandte man sich an die italienischen Designer, als es um eine weitere Auffrischung der XJ-Baureihe ging.

    Jaguar XJ 12 5.3 Series III (1979) - nun mit gummibesetzten Stossfängern, neuen Heckleuchten und geändertem Dachbereich
    © Zwischengas Archiv

    Pininfarina hielt sich zurück, passte  nur Stossfänger, Heckleuchten und den Dachbereich an, so dass kaum etwas von der klassischen Linie verloren gegangen war, als die Serie III 1979 zum ersten Mal gezeigt wurde.

    SC73

    Effizienz aus der Schweiz

    Im Jahr 1981 wurde der Zwölfzylinder, der nunmehr zu den raren Gattungen gehörte, denn in den Achtzigerjahren bauten nur noch gerade Ferrari und Lamborghini derart aufwändige Motoren, nochmals überarbeitet. Mithilfe des Schweizer Ingenieurs Michael May erhielt der Motor einen neuen Zylinderkopf und leistete nun 295 DIN-PS und durfte sich dank deutlichen Verbrauchsvorteilen “H.E.” für “High Efficiency” nennen.

    Mit vielen weiteren Verbesserungen und Verfeinerungen wurde der Jaguar, respektive sein Schwestermodell Daimler Double Six bis ins Jahr 1992 weitergebaut, über 300’000 XJ waren es in der Endabrechnung.

    Elegante Erscheinung

    Jaguar XJ 12 L Serie II (1973) - der verlängerte Radstand der Langversion kommt vollständig den Fondpassagieren zu Gute
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Die Form des Jaguar XJ 12 überzeugt auch heute, über 45 Jahre nach der ersten Vorstellung, mit Eleganz ohne aufdringlich zu erscheinen. Speziell die Modelle der Serie II wirken vergleichsweise modern und zeitgemäss.

    Im Innern wird man von Leder und Holz begrüsst, schätzt die Club-Atmosphäre und die Bewegungsfreiheit. Gerade die Lang-Version bietet auch hinten viel Platz, trotzdem setzt man sich lieber auf den Fahrersitz und umfasst das dünne Lenkrad mit leichter Hand.

    Jaguar XJ 12 L Serie II (1973) - das Telefon verstömt echtes Seventies-Feeling
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Der Motor startet sofort auf Schlüsseldreh und summt mit sanftem Bariton im Leerlauf. Kaum ist die Automatik auf Vortrieb geschaltet, setzt sich die Limousine in Bewegung.

    Ohne jegliche Anstrengung lässt sich der Wagen lenken und führen. Ein kurzes Antippen des Gaspedals bewirkt ein sofortiges Beschleunigen und man versteht, dass die Testfahrer damals von sportwagenmässigem Temperament sprachen. Immerhin beschleunigt die Katze doppelt so schnell auf 100 km/h wie ein damaliger Opel oder Ford.

    Kein Kostverächter

    Natürlich fährt man heutzutage einen solchen Wagen nicht mehr so verbrauchsintensiv wie vor 40 Jahren, trotzdem werden die Benzinkosten zu einem deutlich sichtbaren Ausgabenposten. Aber auch in der Wartung fordern die zwölf Kerzen, 24 Ventile und 9,1 Liter Ölinhalt ihren Tribut.

    Wer sich einen Jaguar XJ 12 zulegt, sollte ein gut gefülltes Sparschwein für Wartung und Unterhalt bereithalten. Gepflegt und behütet aber ermöglicht die Zwölfzylinder-Jaguar-Limousine aber eine stilvolle und komfortable Fortbewegung,wie sie sonst nur wenige andere Fahrzeuge bieten können.

    Die für diesen Bericht portraitierte Jaguar XJ 12 L Limousine mit Baujahr 1973 wird am 26. April 2014 von der Oldtimer Galerie in Toffen versteigert .

    SC73

    Weitere Informationen

    Oldtimer Markt Heft 1/1992, ab Seite 8: Jaguar XJ

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    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    aw******:
    27.06.2017 (10:32)
    Vor fast 20 Jahren habe ich einen XJ12 Serie 2 gekauft und ich habe es nie bereut. Heute fahre ich den V12 mit Autogas. Die Unterhaltskosten sind dadurch sehr überschaubar.
    Au******:
    31.03.2015 (08:57)
    ... Ein Freund von mir kaufte sich einen neuen XJ 12 - "ich konnte dieser elegante Linie einfach nicht wiederstehen" - Der Jag ist heute noch in der selben Familie zuhause - und auch bei mir steht ein Daimler Sovereig 4.2 Serie III - Faszination pur !
    Felix
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