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Bild (1/3): Jaguar E Type Coupé (1965) - die Form überzeugt noch heute (© Balz Schreier, 2013)
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    Jaguar E-Type 4.2 1965 - der ideale Dienstwagen - nicht nur für FBI-Agenten

    7. Mai 2013
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Balz Schreier 
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    Jerry Cotton, der seit den Sechzigerjahren (wenn auch nur aus Büchern und Filmen) weit herum bekannte FBI-Agent, nutzte ihn als Dienstwagen, den roten Jaguar E Type. Unauffällig blieb er damit zwar nicht, aber er war den Gangstern immer eine Wagenlänge voraus, wenn es darauf ankam.

    Jaguar E Type Coupé (1965) - unkonventionelle Öffnungen
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Übertrifft die hohen Erwartungen

    Dass sich der amerikanische Polizei-Agent für den E-Type (in den USA wurde der Wagen XK-E genannt) entschied, hatte handfeste Gründe. Denn der schnelle Engländer stellte 1961, als er präsentiert wurde, die neue Massgrösse im Sportwagenbau dar. 265 SAE-PS, Einzelradaufhängungen und Scheibenbremsen rundum sowie eine hinreissend aussehende selbstragende Karosserie, die den vollgetankten Jaguar auf nur 1’290 kg bei einer idealen Gewichtsverteilung von 48:52 (vorne:hinten) brachte, das waren Eigenschaften die mehr als nur zeitgemäss waren.

    Road & Track kündigte den Wagen gross an und erhielt schliesslich im Sommer 1961 den ersten Testwagen. “Kein neuer Wagen erzeugte je grössere Aufregung in der Redaktion als der neue Jaguar XK-E”, so begann der Testbericht. Und mit “dieser Wagen erfüllt und übertrifft alle unsere grossen Erwartungen” wurde gleich im ersten Abschnitt gesagt, dass Jerry Cotton eine gute Wahl getroffen hatte.

    Allerdings machte Road & Track auch klar, dass die einheimische Konkurrenz, sprich die Corvette mit Einspritzung, noch besser beschleunige. Und man kritisierte die knappen Platzverhältnisse für grossgewachsene Fahrer sowie die suboptimale Anordnung der Pedalerie, aber das waren kleine Minuspunkte in einer ansonsten überschwänglich positiven Beurteilung.

    Auch für Pfeifenraucher

    Den Testergebnissen von Road & Track stimmte auch Fritz B. Busch in seinem vielleicht bekanntesten Artikel in der Zeitschrift Auto Motor und Sport im Rahmen der Serie “Für Männer, die Pfeife rauchen” bei. Er titelte “Whisky pur oder die Flunder” und wählte eine “geschrubbte Flunder” (also ein Testwagen, der bereits 30’000 Testkilometer hinter sich hatte) als Probefahrwagen.

    Er notierte einen halben Liter Ölverbrauch pro Nacht (im Stand!) und beschrieb ausführlich die umständliche Prozedur, die zum Öffnen der überlangen Motorhaube nötig war. Auf den Ausruf eines Jungen, dass dieses Auto eine Bombe sei, antwortete Busch, dass man die Teppiche sogar mit der Bürste absaugen könne, denn so stand es im Handbuch.

    “Der E beginnt die Strasse aufzufressen, und er es erweist sich als segensreich, dass ich meine Wohnung mit Bedacht gewählt habe; am Ende des ersten Ganges hört nämlich auch der Ort auf, ich gehe in den zweiten, der sich ein wenig sträubt und nehme die ersten Kurven mit neunzig, um dann in den dritten zu gehen, der bis hundertachzig gut sein soll; nach sieben Kilometern bin ich bereits auf der Autobahn und endlich im vierten; er revanchiert sich schlagartig mit 160 bei 4200”, schildert Busch seine ersten Fahrkilometer. Und er war begeistert. Sogar die Lollo (Gina Lollobrigida) im Bikini hätte er für den E-Type links liegengelassen. Und er fand kaum ein Wort der Kritik. “Das war schon ein Auto!”, waren seine Schlussworte.

    Die früh erkannten Probleme wurden von Jaguar - Streiks in der Karosseriewerkstatt verschafften die dafür nötige Zeit - schnell ausgeräumt. Der flache Unterboden (“flat floor”) wurde abgesenkt, so dass die Pedale bequemer zu erreichen waren, die Querträger der Karosseriestruktur wurden modifiziert, so dass die Sitze weiter zurückgeschoben werden konnten, dem Motor wurden neue Kolbenringe zugestanden, um den Ölverbrauch zu reduzieren und mit einer neuen Leichtmetall-Ölwanne wurde Undichtigkeiten minimiert. Eine längere Übersetzung schliesslich senkte die Drehzahl.

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    Nahe am Rennwagen und trotzdem ein Reisefahrzeug

    In der verbesserten Form prüfte die Zeitschrift Auto Motor und Sport dann im Frühling 1962 den E-Type als Coupé und erreichte damit eine Höchstgeschwindigkeit von 256,3 km/h. Von 0 bis 100 km/h beschleunigte der 27’000 DM oder 27’500 Franken (das Cabriolet war übrigens 1000 DM oder 1’200 Franken günstiger) teure Testwagen in 7,2 Sekunden. Dies waren Werte, die in den Sechzigerjahren kaum ein Konkurrent erreichte, auch nicht, wenn der Widersacher fast doppelt so teuer war wie zum Beispiel die Autos aus der Gegend von Modena.

    Aber auch die frühen Rennerfolge von nur marginal modifizierten Serienfahrzeugen (es gab ein eigene Anleitung für mögliche Massnahmen zur Steigerung der Renntauglichkeit) bewiesen die Qualität des Sportwagens aus Coventry. Nur die Ferrari 250 GTO konnten sich vom E-Type absetzen und das waren eigentlich Rennwagen mit Strassenzulassung und nicht wie der Jaguar ein Strassen-GT mit Rennstreckenpotential.

    Paul Frère schloss seinen Test mit folgenden Worten ab: “In seiner Konzeption und in seinen Fahrleistungen ist der Jaguar E wahrscheinlich der brillanteste serienmässig hergestellte “Strassen”-GT unserer Zeit.” Allerdings monierte er wie viele andere auch das schlecht schaltbare Getriebe, die noch nicht optimalen Bremsen und Schwächen in der Karosserieverarbeitung.

    Trotzdem konnte sich Jerry Cotton auch in einem frühen E-Type sicher und wohl fühlen, denn selbst in der Fahrkomfort-Wertung schnitt der Jaguar-Zweisitzer hervorragend ab. Von Limousinenkomfort und laufruhigem Motorlauf schrieben die zahlreichen Testfahrer.

    Szenen aus dem Film "Der Tod im roten Jaguar", gedreht nach Jerry-Cotton-Bücher-Vorlagen im Jahr 1968
    © Zwischengas Archiv

    Stetig verbessert

    Jaguar E Type Coupé (1965) - der längs eingebaute Reihen-Sechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Ein grosser Verbesserungsschritt wurde 1964 eingeleitet, als der Hubraum des Motors bei gleicher Leistung auf 4,2 Liter stieg und das Getriebe nachhaltig verbessert wurde. An diesem Wagen war nun kaum mehr etwas auszusetzen, so befand zumindest die Automobil Revue, die im Jahr 1966 ein 2+2-Exemplar (erhältlich ab 1966, mit um 23 cm verlängertem Radstand und 100 kg Zusatzgewicht) probefuhr.

    “Das Fahrverhalten des Jaguar E- Type flösst schon nach kurzer Angewöhnungszeit Vertrauen ein. Der Wagen verhält sich streng neutral, und es fällt eher schwer, das Fahrzeugheck in Kurven zum Rutschen zu bringen. Der 4235-cm3-Doppelnockenwellenmotor verfügt über eine Elastizität, die man fast unsportlich nennen könnte. In engen Kurven schnell in den ersten Gang herunterschalten zu wollen, bringt kaum einen Zeitgewinn”, schrieben die AR-Tester und auch über das Getriebe wurde nicht mehr gemeckert.

    1968 schliesslich wurde mit der zweiten Serie E-Type ein Schritt in Richtung noch mehr Komfort und Anpassungen an die amerikanischen Konsumenten gemacht. Insgesamt 38’412 E-Types Series 1 mit 3,8- und 4,2-Liter-Motoren waren hergestellt worden.

    SC69-2

    Die Fahrt im roten Jaguar

    Jaguar E Type Coupé (1965) - obschon das Coupé aerodynamischer wirkt, waren die Cabriolets oft schneller
    © Copyright / Fotograf: Balz Schreier

    Einer dieser E-Types der ersten Serie mit 4,2-Liter-Motor und Coupé-Karosserie steht geduckt für eine Ausfahrt vor der Türe. Man versteht die Begeisterung für das Design, das Elemente des Rennwagens D-Type übernahm und mit der fast endlos langen Schnauze beeindruckte. Als Serie-1-Exemplar verfügt der rote Wagen noch über die verdeckten Frontscheinwerfer und die hohen Heckstossstangen, die leider bei der Modellpflege zur Serie 2 weichen mussten.

    Wir steigen über die hohen Schweller ins Innere des weitgehend originalen E-Types und sind über die guten Platzverhältnisse und die auf Anhieb passende Sitzposition erstaunt. Die klassischen Rundarmaturen im Sichtfeld, die hübschen Kippschalter auf der Mittelkonsole im direkten Zugriff schalten wir per Schlüssel die Zündung ein und drücken auf den Starterknopf. Wesentlich leiser als erwartet macht sich der langhubige Reihensechszylinder ans Werk und er wird auch bei erhöhter Drehzahl nicht laut, lästig schon gar nicht.

    Jaguar E Type Coupé (1965) - gut zu beladen, aber nicht unendlich gross
    © Copyright / Fotograf: Balz Schreier

    Viel zivilisierter als mancher seiner Konkurrenten von damals setzt sich der die Katze in Bewegung, die Gänge schalten sich exakt, wenn man sich für saubere Gangwechsel Zeit lässt. Jerry Cotton war mit diesem Wagen sicher gut bedient, denn der Komfort überzeugt sowohl bei langsamer wie auch bei schneller Fahrt. Im Kofferraum über der sich zur Seite öffnenden Hecktüre lassen sich gleich ein ganzes Waffenarsenal unterbringen und mit den drei Scheibenwischerchen sollen sich auch Regenfahrten über 150 km/h ohne Schweissperlen zurücklegen lassen.

    Jaguar E Type Coupé (1965) - kleine Scheibenwischer, dafür drei davon
    © Copyright / Fotograf: Balz Schreier

    Wir können es aus heutiger Perspektive nicht verstehen, warum Jerry Cotton und Phil Decker in späteren Büchern (und Filmen) mit Nachfolgern des Serie 1 E-Types vorlieb nehmen mussten, denn ihnen fehlt die fast perfekte Mischung aus Renn-Feeling und Granturismo-Alltagstauglichkeit.

    Der für diesen Artikel portraitierte Jaguar E-Type von 1965 wird am 8. Juni 2013 bei der Dolder-Versteigerung der Oldtimergalerie Toffen unter den Hammer kommen.

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