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Geo Metro - offener Klassiker der anderen Art

Erstellt am 27. Mai 2021
, Leselänge 4min
Text:
Simon Kwasny
Fotos:
Patrick Ernzen - Courtesy RM/Sotheby's 
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Anfang der Neunzigerjahre waren amerikanische Autos nicht gerade für gute Verarbeitungsqualität und Zuverlässigkeit bekannt. Bereits damals galten diese Kriterien eher als Verkaufsargumente für japanische Automobile. Mit der damals steigenden Nachfrage in den USA nach kleineren, günstigeren Autos setzte sich Chevrolet das Ziel, mit der Marke Geo eine “amerikanische” Option anzubieten.

Mit japanischer Unterstützung

Geo war eine Tochtermarke von Chevrolet, welche 1989 gegründet wurde. Sie war vor allem eine Marketing-Übung und hatte das Ziel, alle von Chevrolet in die USA importierten Modelle – namentlich Suzuki Tracker und Metro (Swift), Isuzu Spectrum und Toyota Prizm – unter einer Marke zu vereinen. Geboren war Geo! Das Symbol der Marke war ein geographisches Gitter, also ein Globus. Dies sollte die Verbindung nach Japan symbolisieren und zeigen, dass die Autos von Geo “Weltautos” waren. In der Mitte war noch ein kleines Chevrolet-Logo zu sehen, damit wurde die Verbindung zum amerikanischen Hersteller dokumentiert.

Geo Metro Convertible (1992) - Basierend auf dem Suzuki Swift
Copyright / Fotograf: Patrick Ernzen - Courtesy RM/Sotheby's

Die meisten Modelle von Geo wurden in gemeinsamen Fertigungsstätten von GM und der jeweiligen japanischen Marke in den USA zusammengebaut. Eine der wenigen Ausnahmen ist das porträtierte Metro Cabriolet. Der kleine Bonsai-Flitzer verliess zunächst die Suzuki-Werke in Japan in geschlossener Form. Dann begann seine Reise in die USA. Einmal dort angekommen, war der nächste Stopp die American Sunroof Company, ein Spezialist, welcher sich seit 1965 mit der Entwicklung und Herstellung von Verdecken für PKW beschäftigt. Dort wurde der Wagen dann von seinem Blechdach befreit und bekam ein manuell zu öffnendes Softtop.

Kompakte Einfachheit

Der Metro war charmant spartanisch und schnuckelig kompakt. Mit 3,71 Metern Länge, 1,59 Metern Breite und 1,32 Metern Höhe war er schmäler und flacher, aber kaum länger als der heutige VW-Mini Up!.

Die Vorderräder wurden von einem wassergekühlten Dreizylinder-Reihenmotor angetrieben, welcher vorne quer eingebaut war. Die Leistung lag bei (ehrlichen) 55 PS bei 5750 U/min, welche er aus 993 ccm Hubraum schöpfte. Das maximale Drehmoment wurde mit 76 Nm bei 3300 U/min angegeben.

Geo Metro Convertible (1992) - Der kleine Dreizylinder
Copyright / Fotograf: Patrick Ernzen - Courtesy RM/Sotheby's

Bei aller Sparsamkeit hatte man ihm immerhin ein Fünfganggetriebe spendiert. Verständlich, denn auf diese Weise hoffte man, dem schwach motorisierten Wagen die nötige Beschleunigungskraft mittels kürzeren unterne Gängen zurückzugeben. In der Theorie schien dies zu funktionieren …

In der Praxis sah es etwas anders aus. Auto motor und sport meinte im Testbericht aus dem Jahr 1991, dass das Getriebe etwas unexakt zu schalten und zu lang übersetzt sei. Für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h benötigte der offene Kleinwagen 15,8 Sekunden und mehr als 148 km/h Spitze schaffte er nicht. Dies reichte allerdings für amerikanische Highways problemlos aus.

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Sparsam und fair

Der Metro war mit seinem kleinen Motor und dem vergleichsweise bescheidenen Gewicht von nur 1040 kg ziemlich sparsam. Im Test von auto motor und sport 1991 verbrauchte er im Schnitt nur 7,1 Liter auf 100 Kilometern.

Sparsam war er aber nicht nur im Verbrauch, sondern auch in Sachen Ausstattung. Die Sitze waren so flach – man hätte meinen können, dass Seitenhalt ein Fremdwort bei Suzuki war. Immerhin wurden ein Drehzahlmesser und ein Vier-Lautsprecher-Radio verbaut. Gegen Aufpreis war auch noch eine Klimaanlage erhältlich, auch ein Casettenabspielgerät und ein Hardtop figurierten auf der Aufpreisliste.

Sonst bot der Innenraum nicht wirklich viel mehr, als zum Fahren unbedingt notwendig ist. Neunzigerjahre-“Bussitzmuster” und grauer Plastik dominieren. Aber eben, der Sinn des Metros war es, allen Leuten Cabriolet-Mobilität anzubieten.

Geo Metro Convertible (1992) - Einfaches Interieur
Copyright / Fotograf: Patrick Ernzen - Courtesy RM/Sotheby's

Der Geo Metro Convertible konnte so durchaus punkten. Der Dreizylinder spielte dem Fahrer einen kernigen Ton in die Ohren und auch das Handling konnte überzeugen. auto motor und sport beschrieb das Fahrverhalten des Metro 1991 folgendermassen: “Ausreichend leichtgängige Lenkung, guter Geradeauslauf, sicheres Kurvenverhalten und erfreulicher Komfort.”

Den Metro gab es hierzulande (natürlich nur über den Grauimport) ab DM 24’950.-. In den USA kostete das Cabriolet weniger als zehntausend USD und war damit das günstigste Cabriolet.

Im Jahr 1995 wurde der Geo Metro optisch und technisch aufgefrischt und an die erneuerte Modellpalette von Suzuki angepasst. Eine Cabriolet-Variante wurde auf Basis der erneuerten Version nicht mehr angeboten.

Plötzliches Interesse im Jahr 2008

Dass der Geo Metro auf der Basis des Suzuki Swift ein sparsames Auto war, ist bereits geklärt. Nach dem Börsencrash 2008 und dem darauffolgenden Anstieg der Benzinpreise, genoss ausgerechnet der Metro enorme Beliebtheit als Gebrauchtwagen.

Geo Metro Convertible (1992) - in knalligem Blau
Copyright / Fotograf: Patrick Ernzen - Courtesy RM/Sotheby's

So wurde in den US News im Jahr 2008 gesagt: “Während die Benzinpreise in die Höhe schiessen suchen Konsumenten zunehmend nach Wegen, um effizienter an ihren Arbeitsplatz zu kommen. Eine Thematisierung in den Medien sorgte für Interesse an einem ganz bestimmten Auto: dem Geo Metro.”

Die besagte Thematisierung in den Medien beruft sich auf die Ausgabe vom Juli 2009 des Magazins “Car and Driver”. Unter den auf Benzinverbrauch getesteten Fahrzeugen tummelte sich, neben einem Honda Insight und dem damaligen Toyota Prius, auch der Geo Metro, als dreitüriges Schrägheck. Das Auto von 1998 überraschte die Tester, denn es belegte am Ende den dritten Platz hinter dem Honda und dem Toyota und zog in Sachen Effizienz mit dem Prius gleich!

Ein Klassiker?

Cabriolets werden normalerweise besser gepflegt und geschont, entsprechend hatten die offenen Metros bessere Überlebenschancen als die geschlossenen Suzuki-Swift-Derivate von Geo. Trotzdem dürften viele Geo Metro auf dem Schrottplatz gelandet sein. Ein paar wenige haben aber überlebt und erfreuen sich heute eines gewissen Kult-Status in den USA.

Geo Metro Convertible (1992) - Japanische Hilfe gegen das schlechte Image der Amerikaner
Copyright / Fotograf: Patrick Ernzen - Courtesy RM/Sotheby's

Der abgebildete blaue Metro wurde am 13. Mai 2021 an der “ Handle With Fun” Auktion von RM/Sotheby’s versteigert. Das Fahrzeug war zwar das günstigste Lot der Veranstaltung, wechselte aber doch für immerhin USD 4400 den Besitzer.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von hg******
13.06.2021 (07:38)
Antworten
Hat das vorgestellte Modell ein Automatikgetriebe? Und ist mit dem Versteck das Verdeck gemeint?
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
13.06.2021 (08:14)
ja, das war ein Tippfehler, gemeint war das "Verdeck". Und ja, der fotografierte Wagen ist mit Automatik ausgestattet und damit wohl noch etwas weniger agil als die Fünfgangversion.
von hg******
14.06.2021 (15:23)
Antworten
Ich bin kein Fan vom Cabriolet, zu wenig Gelegenheit zum Ausfahren. Schön sieht es schon aus.
Mein erstes Fastcabrio war ein 2CV mit 15 PS. Wir sind in die Bretagne gefahren (2Tage Fahrt) und die Zeit hat keine Rolle gespielt. Heute nicht mehr vorstellbar. Bin Citroen treu geblieben und fahre seit 15 Jahren Berlingo.
von 00******
21.07.2021 (18:09)
Antworten
Warum bringt man hier die Linzenbau Variante, die es bei uns nie gab, anstatt das Original, welches bei uns zu kaufen gab.
Wir haben seit 2003 ein solches Suzuki Swift Cabriolet (Swiss Edition zum Auslauf der Serie) und wir lieben es noch immer.
Übrigens die Sitze sind massiv besser als sie aussehen. Sind damit schon 800 km in einem Tag gefahren ohne Rückenschmerzen.
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