Ford Techna 1968 - Bessere Ideen für die Zukunft!

Erstellt am 28. August 2012
, Leselänge 4min
Text:
Stefan Fritschi
Fotos:
Archiv 
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Der Ford Techna von 1968 war kein amerikanischer Traumwagen, sondern eine Technik-Studie, die es in sich hatte: mehr als fünfzig neue Ideen in den Bereichen Sicherheit, Elektronik, Antriebstechnik und Karosserie steckten im Ford Experimentalfahrzeug von 1968. Aufgrund der recht konservativen, aber hübschen Linienführung des Sechssitzers mag man es kaum glauben.

Harold C. MacDonald, Technikchef für Ford-Personen- und Lieferwagen, sah im Ford Techna eine Möglichkeit, Innovationen unter realistischen Bedingungen auszuprobieren und zu entscheiden, ob sie zukunftsfähig seien.

Asymmetrischer Antriebsstrang

Im Innenraum fielen ein wegklappbares Instrumentenpanel, extra hohe Rückenlehnen, 3-Punkt-Gurte, verschiebbare Pedale und versenkte Bedienelemente auf.

Eine Besonderheit war der asymmetrisch zwischen Fahrer und mittlerem Passagier platzierter Kardantunnel. Der Motor wurde ganz leicht schief zur Längsachse verschoben. Dadurch kommt die Antriebswelle für die Hinterräder 23 cm nach links zu liegen. Diese Lösung erforderte ein zusätzliches Gelenk hinter dem Getriebe, was sich später als kostspielig und unnötig kompliziert herausstellte. Oldsmobile hatte zwei Jahre zuvor im Toronado den Frontantrieb eingeführt - ebenfalls mit der Begründung, mehr Platz für die Passagiere zu schaffen. Diese Lösung hatte sich aber erst viel später und nur bei unteren Wagenkategorien durchgesetzt. Beim Techna sollten Platzprobleme angesichts einer Aussenlänge von 5,30 Metern und einem Radstand von über drei Metern allerdings nicht auftauchen.

Windschutzscheibe als tragendes Element

Die Windschutzscheibe wurde als „structural“, also als speziell verstärktes und in die Überrollstruktur integriertes Glas, bezeichnet. Dadurch konnte man auf die A-Säulen verzichten und verbesserte die Rundumsicht drastisch. Geklebte und fest in die Struktur integrierte Scheiben setzten sich später schnell durch.

Die Praxis zeigte aber, dass man auf A-Säulen aufgrund mangelnder Verwindungssteifigkeit nicht verzichten kann. Und selbst wenn: der Kunde möchte auch eine „optische Stabilität“ sehen, damit er sich sicher fühlt. 

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Türen mit Parallelgelenken

Der Zugang zum Passagierraum erfolgt über fast 1,80 Meter lange, an Parallelgelenken aufgehängte Türen. Diese garantierten einen problemlosen Zugang, selbst wenn der Zwischenraum zum nächsten Auto nur 50 cm betrug. Dies war ein typisches Showcar-Feature, dass bis heute immer wieder gezeigt wird und es selten bis nie in die Serie schafft. Die Schwierigkeit liegt meistens im hohen Gewicht solch grosser Türen. Wenn diese dann auch noch - wie beim Techna -  relativ weit entfernt vom Wagenkörper aufgehängt werden, ergeben sich enorme Kräfte auf die Aufhängungskonstruktion und die Karosseriestruktur. Man baut dann fast ein Auto um die Tür herum.

Die Pforten eines Viertürers erfüllen in aller Regel die Wünsche der Passagiere und kommen mit einfachen und günstigen Scharnieren aus. Und wo dies nicht genügt, hat sich die Schiebetür durchgesetzt.

Beim Ford Techna wurde das bewegliche Panel zwischen Tür und Karosserie ausserdem noch mit zahlreichen Drucktasten belegt. Der Einstieg wurde durch in ihren Dimensionen reduzierte Schweller zusätzlich erleichtert. Anstelle einer geschweissten Blechkonstruktion war dieser aus wabenförmigen, geklebten Elementen zusammengefügt.

Interessant war auch die spitz zulaufende Heckscheibe mit hoch liegenden, vertikalen Leuchteinheiten auf beiden Seiten, wie man sie Jahrzehnte später an Hecks von Kleinwagen sah.

Fortschritt für den Mechaniker

Der gesamte Vorderwagen des Techna war aus einem einzigen Blechteil geformt und liess sich zwecks einfacheren Zugangs zu den Aggregaten als Ganzes hochklappen. Aus struktur- und unfalltechnischen Gründen verzichtet man heute auf solche riesigen beweglichen Blechteile, und auch damals gab es das schon bei Jaguar E-Type oder Lamborghini Miura.

Kleinere Unterhaltsarbeiten wie Prüfung des Ölstands, Vergasereinstellung oder Ähnliches konnten über eine Serviceklappe in der Mitte der Haube erledigt werden. Selbst diese hat sich nicht wirklich durchgesetzt. Die meisten Informationen bekommt der Fahrer heute über Anzeigen oder Kontrolllämpchen, und andernfalls wäre die Motorhaube auch ganz schnell offen - oder man lässt die Finger lieber ganz davon und bringt den Wagen in die Werkstatt.

Der Techna verfügte zusätzlich zur Serviceklappe auch über ein On-Board-Diagnosesystem. Dieses wertvolle Feature brauchte noch einige Jahrzehnte, bis es sich zum Standard mauserte, weil die Elektronik noch nicht so weit war.
Der Vorderwagen mit seinen eleganten Klappscheinwerfern konnte dank einer Neukonstruktion der hoch aufbauenden Hardware wie zum Beispiel der Vergaseranlage wesentlich abgesenkt werden.

Für einmal alle modernen Technologien an Bord

Natürlich waren die modernsten greifbaren Technikfeatures wie Vierrad-Scheibenbremsen mit Bremskraftregler oder eine moderne Hinterachse mit Torsions- anstelle von Blattfedern an Bord.

Gerade in der amerikanischen Autoindustrie hat man die fähigen Ingenieure allzu oft im Bereich der innovativen Technik zurückgepfiffen, weil man lieber in Komfort- und Optik-Gimmiks investierte. Der Techna zeigt, dass es im Hinblick auf die kommenden 70er Jahre auch anders gegangen wäre …

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