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Bild (1/3): Porsche 930 Turbo "Flachbau" (1982) - nur 54 Mal wurde die flache Schnauze ohne Klappscheinwerfer verbaut (© Bonhams, 2015)
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    Flach muss er sein - Porsche 930 Turbo mit Rennwagen-Optik

    Erstellt am 21. Januar 2015
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
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    Archiv Porsche AG 
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    Bonhams 
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    1973 präsentierte Porsche erstmals den “Turbo”, sprich einen 911 mit Abgasturbolader. Ab 1974 konnte man ihn für DM 65’800 oder CHF 78’650 kaufen. Damit wurde der für sein fulminantes Beschleunigungsvermögen bekannte Sportwagen zum teuersten Porsche seiner Zeit, doch einige Käufer legten gerne noch mehr Geld an.

    Porsche 930 Turbo "Flachbau" (1982) - in der Optik in die Nähe des 935 gerückt
    © Copyright / Fotograf: Bonhams

    Als Basis für den Sport entwickelt

    Eigentlich war der 930 Turbo , wie er nun hiess, nicht primär für die Strasse entwickelt worden, sondern als Basis für die Homologation von Rennwagen in der damaligen Gruppe 4 und 5.

    Porsche 911 Turbo (1975) - von der Seite betrachtet
    © Archiv Automobil Revue

    Dafür mussten mindestens 400 Serienfahrzeuge produziert werden. Die Sportgesetze liessen dann aber insbesondere in der Gruppe 5 viel Freiheit und so wurde für den Porsche 935 der Hubraum optimiert, die Leistung gesteigert und die Optik den Gesetzen der Aerodynamik, mit dem Ziel den Luftwiderstand zu verringern und den Abtrieb zu vergrössern, angepasst. Zudem wurde die Karosserie für die Aufnahme von über 14 Zoll breiten Rädern verbreitert.

    Die erste Version sah optisch trotzdem der Serienvariante noch einigermassen ähnlich, tatsächlich wurden auch diverse Blechteile übernommen und auch die Technik wich weniger vom Strassenauto ab, als man das heute vielleicht denken würde.

    Porsche 935 Martini (1976)
    © Archiv Automobil Revue

    Schon bald allerdings merkte man, dass es auf der Vorderachse nicht genug Abtrieb gab und so liess Entwicklungsleiter Norbert Singer eine flache Front mit tief angeordneten Scheinwerfern konstruieren.

    Porsche 935 K2 - Teilnehmer im Rennen um den DRM Klassik Pokal - Hockenheim Historics 2014
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Damit unterschieden sich die Porsche 935 nun deutlich vom seriennäheren 934, zumal auch das Heck stetig weiterentwickelt wurde.

    Sehr erfolgreich

    Im Rennsport wurde der Porsche 935 zum Wagen, den es zu schlagen gab. Die rund 600 PS starken Werksautos siegten ab 1976 fast nach Belieben. Stetige Weiterentwicklung sorgte dafür, dass dies bis in die Achtzigerjahre so blieb.

    Kremer Porsche 935 K3 (1980) - am Start beim Revival Deutsche Rennsportmeisterschaft anlässlich des AvD Oldtimer Grand Prix 2012
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Ab 1977 standen Versionen des 935 auch den Kundenteams zur Verfügung und diese sorgten für noch mehr Triumphe und Erfolgen in den unterschiedlichsten Rennserien.

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    Rennsportfeeling für die Strasse

    Die Erfolge des Porsche 935 beflügelten auch den Verkauf der Strassenvariante 930 Turbo. Die benötigten 500 Stück waren schon bald verkauft und 1977 rüstete man den Motor auf 3,3 Liter Hubraum und 300 PS auf, gab ihm eine verbesserte Bremsanlage und einen modifizierten Heckspoiler.  Ohne weitere grundlegende Veränderungen wurde der 930 Turbo dann bis 1989 produziert - ein echter Dauerbrenner.

    Porsche 911 Turbo 3.3 (1988) - Durchsichtszeichnung
    © Copyright / Fotograf: Archiv Porsche AG

    Wem der Turbo optisch zu brav und zu weit vom Rennwagen 935 entfernt war, dem bot Porsche ab 1981 Werksumbauten an, die vor allem die Front betrafen.

    Teure Verwandlung

    Günstig war es allerdings nicht, den “normalen” 930 Turbo optisch aufzurüsten. Der Umbau der Front auf die flache Schnauze (SOW 010) kostete rund 38’000 DM, darin war allerdings auch der Einbau auf Klappscheinwerfer enthalten - nur frühe Versionen verzichteten auf diese und begnügten sich mit im Frontspoiler integrierten Leuchteinheiten.

    Für weitere 3000 DM konnte man sich zudem zusätzliche seitliche Schweller (SOW 011) montieren lassen und für weitere rund 8000 DM Lufteinlassschächte in den hinteren Kotflügeln (SOW 012) integrieren lassen. Auch die Option einer Radhausentlüftung für die Vorderräder (SOW 013) gab es, knapp über 2000 DM teuer.

    Porsche 930 Turbo "Flachbau" (1982) - zusätzliche Einlässe vor den Hinterrädern
    © Copyright / Fotograf: Bonhams

    Die Veränderungen an der Karosserie wurden im Werk von der Reparaturabteilung (Abteilung VR), die damals für das Sonderwunschprogramm zuständig war, vorgenommen. Ab 1986 gab es die Optionen auch offiziell in der Preisliste (M505/M506) und zusammen mit der Werksleistungssteigerung (SOW 020) auf 330 PS konnte man sich somit einen Porsche Turbo bestellen, der mit rund 200’000 DM mehr als das Doppelte des Listenpreises kostete.

    Porsche 930 Turbo Flachbau (1987) - die Erbauer und ihr Werk
    © Copyright / Fotograf: Archiv Porsche AG

    Weil die Modifikationen populär waren und reiche Leute rund um die Welt bereit waren, viel Geld dafür in die Hand zu nehmen, mischte schon bald auch die Tuningszene beim “Flachmachen” mit.

    Porsche 911 Turbo - die beliebte flache Front, zu sehen beim Gemballa - am Genfer Automobilsalon 1984
    © Archiv Automobil Revue

    Und es gab auch noch nach dem Ableben des 930 Turbo Flachbauten, denn auch der 964 bot die passende Basis dafür.

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    Es ging noch extremer

    Wem ein “offizieller” Flachbau-Turbo noch nicht exklusiv genug war, der setzte sich mit den Leuten vom “Sonderwunschprogramm” (ab 1986 Porsche Exklusive) in Verbindung und gelangte dann vielleicht an Rolf Sprenger, der auch ausgefallenste Wünsche in die Realität umsetzen konnte.

    Porsche 911 Turbo 3.3 Flachbau (1985) - Sonderkonstruktion für Mansour Ojjeh (TAG)
    © Copyright / Fotograf: Archiv Porsche AG

    So bestellte Mitte der Achtzigerjahre TAG-Chef Mansour Ojjeh einen 911 Turbo, der so nahe wie möglich am 935 war, ohne auf Komfort verzichten zu müssen. Es entstand ein Einzelstück, das es in sich hatte. Die Umsetzung der Anforderungen gestaltete sich allerdings komplexer als ursprünglich gedacht, denn der Weg vom 935 zurück auf die Strasse erwies sich als nicht machbar. So nahm Sprenger dann einen Strassen-930, den Motor aus dem 934 und Karosserieteilen aus dem Sonderwunschprogramm sowie vom Rennwagen 935.

    Das Ergebnis glich äusserlich nicht zuletzt wegen des brachialen Hecks mit Reifen der Dimension 335/55 VR 15 tatsächlich dem Werksrennwagen, im Interieur aber sorgte teuer bezahlter Luxus mit Connolly-Leder, sieben- bis neunfach verleimtes Holzfurnier, ein Hifi-Turm von Clarion, Teppiche aus Wollvelours für den gewünschten Komfort.

    Porsche 911 Turbo 3.3 Flachbau (1985) - Sonderkonstruktion für Mansour Ojjeh (TAG)
    © Copyright / Fotograf: Archiv Porsche AG

    Um leistungsmässig nicht hinter der Optik anstehen zu müssen, sorgten 409 PS für standesgemässes Vorwärtskommen. Die Zeitschrift Auto Motor und Sport erwähnte damals eine Höchstgeschwindigkeit von 292 km/h und eine Zeit von 4,9 Sekunden für den Spurt von 0 auf 100 km/h, respektive 16,2 Sekunden, bis 200 km/h aus dem Stand erreicht waren. Eindrückliche Werte, die allerdings wenig später auch der 959 für wohl kaum mehr Geld locker egalisierte. Aber von dem gab es ja dann auch fast 300 Stück gab und das wäre dem Herr Ojjeh dann wohl nicht exklusiv genug gewesen.

    Einer von 54

    944 Flachversionen sollen von Porsche zwischen 1981 und 1989 verkauft worden sein, das Gros davon zierte den 930 als Coupé. Nur insgesamt 54 (frühe) Flachversionen verzichteten auf die Klappscheinwerfer.

    Einer davon war ein grand-prix-weisser Turbo mit Fahrgestellnummer WPOZZZ93ZCS000689 aus dem Jahr 1982. Er wurde vom Werk komplett (Optionen SOW 010, 011, 012) umgebaut und war auch sonst gut ausgerüstet, u.a. mit grösserer Batterie, Sperrdifferential, Becken-Gurten auf den Rücksitzen, Sportsitzen, Alarmanlage, Klimaanlage, beheizter Frontscheibe sowie Schiebedach. Um die 200’000 DM dürfte der erstmals am 27. Mai 1982 für den Strassenverkehr in Deutschland eingelöste Sportwagen gekostet haben.

    Porsche 930 Turbo "Flachbau" (1982) - serienmässiger Ausbau mit Leder als Option
    © Copyright / Fotograf: Bonhams

    Der erste Eigner blieb ihm bis ins Jahr 2000 treu und verkaufte ihn dann, inzwischen nach Österreich umgezogen, dem heutigen Besitzer, der den Wagen jetzt bei Kilometerstand 125’000 unrestauriert und original durch Bonhams in Paris am 5. Februar 2015 versteigern lässt. Als Schätzpreis werden Euro 140’000 bis 180’000 genannt.

    Weitere Informationen

    • Auto Motor und Sport Heft 1/1986, ab Seite 8: Stranger than Paradise - der auffälligste und schnellste Porsche Turbo

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