Ferrari 500 Superfast – superschneller Luxus-Granturismo für die Superreichen

Erstellt am 14. Juni 2020
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
4
Archiv Aldo Brovarone (Repro Daniel Reinhard) 
1
Bonhams 
28
Bruno von Rotz 
4
Archiv Reinhard / Max Pichler 
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Archiv 
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Im März 1964 stand in Genf eine Überraschung auf dem Pininfarina-Stand, der neue Ferrari 500 Superfast, ein Auto der Superlative.


Ferrari 500 Superfast (1964) - der teuerste Zweisitzer des Salons, mit Karosserie von Pininfarina - am Genfer Autosalon 1964
Copyright / Fotograf: Archiv Reinhard / Max Pichler

Rund doppelt so teuer als ein Ferrari 330 GT wurde der schnelle Superfast verkauft, also mussten Käufer knapp über 100’000 Franken auf den Tisch legen, wollten sie in den Genuss des 500 Superfast kommen. Damit wäre der Wagen das teuerste Auto in den Preislisten gewesen, doch meist wurde der Preis nur mündlich genannt. Das hinderte die Berühmten und Reichen der Welt, darunter Peter Sellers oder der Schah von Persien nicht daran, das Scheckbuch zu zücken.

Der Prototyp von Genf

Dass der Ferrari 500 Superfast seine Premiere auf dem Pininfarina-Stand in Genf feierte, war kein Zufall. Schliesslich kam das Design, aus dem Stift von Aldo Brovarone von dort und auch die Karosserien wurden dort von Hand gefertigt.


Ferrari 500 Superfast (1964) - meisterhaft geformtes Heck von Pininfarina - Genfer Automobilsalon 1964
Archiv Automobil Revue

Dass das neue Coupé nicht so einfach einzugliedern war, zeigten die Bemerkungen in der Automobil Revue:
“Nach wie vor werden in Europa einige Typen der Spitzenklasse gebaut, deren kleine Serie vor allem den Liebhaber anspricht. Man kann dabei über ihre Zugehörigkeit verschiedener Ansicht sein. So wäre es nicht falsch, den neuen Ferrari 500 Superfast den sportlichen Typen zuzurechnen. Wenn wir ihn hier zur Spitzen-Luxusklasse zählen, so deshalb, weil seine Ausgestaltung zeigt, dass trotz seines enormen Leistungsvermögens (nach Werk Spitze 280 km'h) der Akzent ganz eindeutig auf exklusivstem Luxus für zwei Personen liegt. Sowohl gewichts- wie auch ausstattungsmässig, vom noch nicht bekanntgegebenen Preis zu schweigen, zieht der höchstwertige Nachfolger des 400-Superamerica naturgemäss vor allem diejenigen in ihren Bann, denen die geringe Produktionszahl von durchschnittlich einem Exemplar im Monat einen zusätzlichen Trumpf bedeutet. Die von Pininfarina entworfene Form gefällt besonders in ihrer Heckansicht mit dem langgezogenen, am Ende aber doch noch abgeschnittenen Heck.”

Eleganz für zwei Personen

Mit 4,82 m Länge und 1,78 m Breite gehörte der 500 Superfast nicht zu den kompakten Autos, die Höhe betrug nur 1,28 m, was ingesamt eine sehr elegante Form ergab, zumal nur zwei Personen untergebracht werden mussten (zwei Notsitze konnten gegen Aufpreis bestellt werden).


Ferrari 500 Superfast Series II (1966) - Aldo Brovarone zeichnete das elegante Pininfarina-Coupé
Copyright / Fotograf: Bonhams

Während die Fornt den zukünftigen 330 GTC vorwegnahm, orientierte sich das Heck mehr am Vorgänger 400 Superamerica. Insgesamt ergab sich eine sehr eindrucksvolle Linienführung, die den leer 1480 kg schweren Sportwagen zum Showstar machten.

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Ein neues Triebwerk

Richtig neu war der Motor. Auto Motor und Sport beschrieb ihn anlässlich des Genfer Autosalons:
“Der Kurzhub-Zwölfzylinder-Motor (88 x 68 mm) gibt bei 8,8:1 Verdichtung und 6500 U/min schlichte 400 PS ab, 6 Weber-Doppelvergaser besorgen die notwendige Füllung der nur 415 cm3 großen Zylinder.”


Ferrari 500 Superfast Series II (1966) - sechs Fallstrom-Doppelvergaser sitzen unter dem Luftfilter
Copyright / Fotograf: Bonhams

4961,57 cm3 gross war der Hubraum, der damit (dividiert durch 10) die Basis für den Namen (500) war. Die Automobil Revue notierte: “Es handelt sich beim Motor um eine weitere Neukonstruktion, der zwar in Abmessungen und Leistung mit dem bis 1959 gebauten Fünfliter-Superamerica übereinstimmt, in seinen Einzelheiten aber die inzwischen gesammelten Erfahrungen im Bau störungsfreier und widerstandsfähiger Motoren höchster Leistung verkörpert. … Auch wenn das imposante höchste Drehmoment von 48,5 mkg erst bei 4750 U/min zur Verfügung steht, so sind doch keine Zweifel über die Elastizität des grossen Motors angebracht.

Die Zylinderköpfe waren abnehmbar, die Ventile verfügten über Schraubenfedern zur Ventilsteuerung. Wartungstechnisch wurden damit grosse Fortschritte gemacht.

Vier Gänge und ein zusätzlicher Schnellgang sorgten dafür, dass die Leistung zu den Reifen im Format 205-15 gelangte.

Bodenständige Chassis-Technik

Hatte man beim Motor kräftig investiert, nutzte man beim Chassis das, was schon vorhanden war. Damit waren der Rohrrahmen, vordere Einzelradaufhängungen mit Trapez-Dreieckquerlenkern und Schraubenfedern sowie eine hintere Starrachse mit Halbelliptikfedern, Längslenkern und Halbelliptikfedern gesetzt, genauso wie Scheibenbremsen rundum und eine ZF-Lenkung mit Schnecke und Rolle.

Mehr Granturismo als Rennwagen

Dass der Ferrari 500 Superfast nicht für die Rennstrecke sondern für die entspannte Reise gedacht war, dies zeigte sich nicht nur in seinen ausladenden Dimensionen, sondern auch im sorgfältig ausgeführten Interieur. Die Automobil Revue beschrieb dies so:
“Die Lederpolsterung, die feinen Moquette-Teppiche und die Schaumgummiauskleidung des Pavillons sind elegant ausgebildet. Die Instrumente am klaren, einfachen Armaturenbrett liegen noch etwas besser im Blickfeld des Piloten als beim 330 GT. Eine Konsole über dem Getriebe trägt die Bedienungshebel sowie ein Ablegefach.”


Ferrari 500 Superfast (1964) - mit dem "schnellsten Geschwindigkeitszähler" bis 300 km/h - Genfer Automobilsalon 1964
Archiv Automobil Revue

Eine Klimaanlage waren genauso erhältlich wie ein Becker-Radio. Die Scheiben wurden elektrisch versenkt (eine Kurbel lag für den Notfall im Handschuhfach).


Ferrari 500 Superfast Series II (1966) - viel Holz und Leder im Cockpit
Copyright / Fotograf: Bonhams

Trotz des hohen Preises erhielt der 500 Superfast keine eigene Gebrauchsanweisung, ein Zusatzblatt zu jener des 330 GT musste reichen.

Zwei Serien

Bereits die Serienexemplare unterschieden sich vom Prototyp in Genf. Den Buckel auf der Motorhaube verschwand ab dem zweiten Chassis genauso, wie die einteiligen Rückleuchten, die dreiteiligen wichen.


Ferrari 500 Superfast Series II (1966) - während der Prototyp noch gemeinsame Heckleuchten, wurden in der Serie drei Einzelleuchten verwendet
Copyright / Fotograf: Bonhams

Nach anderthalb Jahren und 25 gebauten Exemplaren, wovon eines “nur” mit dem 330-er-Motor ausgerüstet wurde und daher nicht als echter 500 Superfast galt, ging das Coupé in die zweite Serie. Man zog Modifikationen vom 330 GT nach, womit auch der Superfast nun ein vollsynchronisiertes Fünfganggetriebe und hängende Pedale erhielt.

Am 1. August 1966 wurde der letzte der 12 Serie-II-Exemplare ausgeliefert, mit ihm ging auch die Tradition der von Handgebauten Spezialkarosserien für Ferrari bei Pininfarina zu Ende.

Der fünftletzte 500 Superfast

Der in diesem Bericht porträtierte Ferrari 500 Superfast Serie II mit Chassisnummer 8459 wurde am 1. März 1966 als fünftletzter Wagen der Baureihe ausgeliefert. Erster Besitzer war der Börsenhändler Jack Durlacher, der später das private F1- Rennteam von Rob Walker unterstützte. Beim gekauften rechtsgelenkten Wagen handelte es sich übrigens nicht um den ersten 500 Superfast, den Durlacher erhielt, aber den ersten liess er zurückgehen, weil ihn die Lackierung qualitätsmässig nicht überzeugte.


Ferrari 500 Superfast Series II (1966) - ein schöner Rücken kann definitiv entzücken
Copyright / Fotograf: Bonhams

Wie zwei weitere 500 Superfast glänzt ‘8459’ noch immer in der Farbe “Blu Chiaro” und hatte nach Durlacher noch einige weitere Besitzer.


Ferrari 500 Superfast Series II (1966) - klar beschriftet auf dem Heck
Copyright / Fotograf: Bonhams

Dieser Ferrari 500 Superfast wurde von Bonhams Ende 2018 anlässlich der Versteigerung an der Bond Street angeboten, der Schätzwert betrug EUR 1,47 bis 1,58 Millionen, respektive CHF 1,66 bis 1,8 Millionen. Eine schlechte Wertanlage war dieser seltene Ferrari also sicherlich nicht.

Alle Ferrari 500 Superfast

Chassis Serie Lieferdatum Kommentar
5951 1 4.3.1964 Protoyp Genf 1964, später modifiziert (Rückleuchten, Motorhaube) an Auto Becker, am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2013 wieder in Originalkonfiguration gezeigt
5977 1 16.6.1964  
5979 1 8.7.1964  
5981 1 1.8.1964 Ausstellung Turin 1964
5983 1 9.12.1964 Ausstellung Brüssel 1965
5985 1 23.12.1964 Ausstellung Chicago 1965
5989 1 12.1.1965  
6033 1 26.1.1965  
6039 1 25.2.1965 Ausstellung Genf 1965
6041 1 16.3.1965 Ausstellung New York 1965
6043 1 31.3.1965  
6049 1 16.4.1965 Erstbesitzer Prinz S. Aga Khan
6267 1 6.8.1965 Prinz Bernhard (NL), sog. Superfast "Light" (330-er-Motor)
6303 1 23.4.1965  
6305 1 14.5.1965  
6307 1 29.05.1965  
6309 1 15.7.1965 Erstbesitzer G. Sachs
6345 1 1.1.1965 Ausstellung London 1965
6351 1 28.11.1965  
6605 1 8.6.1965 Schah von Persien
6615 1 21.9.1965  
6639 1 4.9.1965  
6661 1 8.6.1965  
6673 1 22.7.1965  
6679 1 30.9.1965 Erstbesitzer Peter Sellers
7817 2 11.11.1965  
7975 2 27.11.1965 Schah von Persien
8019 2 22.12.1965 Ausstellung Brüssel 1966
8083 2 10.12.1965  
8253 2 20.1.1966  
8273 2 31.1.1966  
8299 2 8.2.1966 Ausstellung New York 1966
8459 2 1.3.1966 Bonhams London Versteigerung 2018
8565 2 2.4.1966  
8739 2 30.4.1966  
8817 2 30.6.1966  
8897 2 1.8.1966  

 

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von klaustweddell
03.01.2021 (14:54)
Antworten
Habe Gunter Sachs 1965 mit seinem Superfast in Velden/Wörtersee vor dem Spielkasino fotografiert. Ein beeindruckendes Auto ....
von hd******
16.06.2020 (16:50)
Antworten
Die Leistungsangaben der italienischen Fahrzeuge wurden bis in 60er Jahre nach der CUNA-Norm gemessen und in den Prospekten so publiziert. CUNA bedeutet, dass die Motorleistung zwar mit Nebenaggregaten aber ohne Luftfilter und Auspuffanlage gemessen wurde. Daher sind die Angaben nach CUNA ca. 10% höher als nach der deutschen DIN Norm. Beispiel: mein Vater hat sich 1967 einen Ferrari 330GTC neu gekauft, der nach Werksangabe 300PS haben sollte. Im Kfz-Schein stand aber nur eine Leistung von 269PS nach der für die Zulassung in Deutschland erforderlichen DIN-Norm. Das sind ziemlich genau 10% weniger Leistung nach DIN. Demnach sind die 400PS des Ferrari 500 'nur' 360 PS oder eher noch weniger. Als ich meinem Vater über die geringere Leistung informierte (das hatte er noch nicht gesehen), liess er die Nachschalldämpfer der Auspuffanlage leer räumen, um wieder näher an die magischen 300PS zu kommen.
Noch größer ist der Leistungsunterschied zwischen SAE und DIN Norm. Bei SAE werden auch die Nebenaggregate nicht mit gemessen. So kommt eine Jaguar E-Type auf 265 SAE-PS, aber bei meinem E steht im Kfz-Schein 'nur' 210 PS nach DIN gemessen. Das sind 30% Leistungsunterschied zwischen SAE und DIN! Noch heute werden in vielen Publikationen bei den Leistungsangaben SAE, CUNA und DIN munter verglichen und vertauscht!
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