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Ferrari 400i Automatic - automobiler Belcanto für vier Personen

Erstellt am 13. Juli 2018
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
36
Archiv 
21

Nicht alle Ferrari-Fahrer legen es darauf an, aufzufallen oder über Rennstrecken zu brettern. Wer seinen Ferrari im Alltag nutzen wollte, dem bot der Maestro ab 1972 eine 2+2-sitzige Variante mit schlicht-elegantem Karosseriekleid und hohem Nutzwert.

Ferrari 400i Automatic (1981) - typisch für die Zeit waren die Michelin-TRX-Reifen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die viersitzige 12-Zylinder-Ahnenreihe

Der 1972 vorgestellte Ferrari 365 GT 4 2+2 konnte bereits auf einen ansehnlichen Stammbau zurückschauen, dessen Anfang 1960 mit dem 250 GT/E 2+2 gemacht wurde.

Ferrari 250 GT 2+2 (1961) - Platz für 4
Archiv Automobil Revue

Ihm folgte der 330 GT 2+2 und schliesslich der 365 GT 2+2, wegen seiner schieren Grösse auch “Queen Mary” genannt.

Ferrari 365 GT 2+2 (1971) - eleganter Vierplätzer
Archiv Automobil Revue

1971 wurde der 365 GTC/4, der aber nur zwei Jahre gebaut wurde, präsentiert.

Ferrari 365 GTC 4 (1971) - 2+2 Coupé mit Pininfarina Design
Archiv Automobil Revue

Er war aber kein echter Ersatz, da er seiner Fastback-Karosserie eher knappe Platzverhältnisse bot.

Vorstellung in Paris

Im Herbst 1972 stand dann auf der Pariser Messe ein komplett neuer 2+2-Sitzer, der 365 GT 4 2+2. Überaus elegant und gleichzeitig dezent geformt bot er im Prinzip die Technik des Vorgängers verbunden mit einer deutlich geräumigeren Karosserie, die wiederum den Radstand des 365 GT 2+2 der Sechzigerjahre übertraf (2,7 anstatt 2,65 Meter), in der Länge aber etwas kürzer war (4,8 Meter anstatt 4,99 Meter). Im Innern war der “Neue” sogar noch etwas grösser als der Sechzigerjahr-Viersitzer, obschon er von aussen betrachtet deutlich kompakter aussah.

Ferrari 365 GT4 2+2 (1972) - Blick auf die Rückbank des 2+2-Plätzers
Archiv Automobil Revue

An diesem Raumwunder direkt beteiligt war Leonardo Fioravanti in Diensten von Pininfarina der die klar strukturierte Form des neuen Ferraris zeichnete. Gerade Linien, eine relativ stark geneigte Windschutzscheibe und ein klassischer Dachaufbau gehörten genauso zu seinen Charakteristiken wie die Trennlinie auf der Flanke.

Ferrari 365 GT 2+2 (1975) - aa lässt sich gut anlehnen
Archiv Automobil Revue

Einen echt zeitlosen Entwurf hatte Fioravanti hier geliefert, was man auch daraus ablesen kann, dass der Wagen 18 Jahre lang äusserlich fast unverändert gebaut wurde. Klappscheinwerfer vorne und je drei Schlussleuchten hinten gehörten zu weiteren Eigenheiten des Designs. Unter der Karosserie sorgte ein Gitterrohrrahmen für Stabilität, ganz im Sinne einer jahrzehntelangen Ferrari-Tradition.

Ferrari 365 GT4 2+2 (1972) - Pininfarina-Entwurf, die drei Rückleuchten waren typische Stilelemente der Zeit
Archiv Automobil Revue

Dem 4,4 Liter grossen Leichtmetall-V12-Motor wurden 340 PS zugeschrieben, geschaltet wurde (vorerst) manuell über ein Fünfganggetriebe

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Mit Automatik

Wiederum in Paris wurde im Herbst 1976 eine aufgewertete Variante des Viersitzers enthüllt. Der Hubraum war bei unveränderter Leistung auf 4,8 Liter angewachsen, für die Gemischaufbereitung waren weiterhin von sechs Weber-Doppelvergasern übernommen.

Als grosse Neuerung aber gab es erstmals einen Serien-Ferrari mit Wandlerautomatik (von GM) zu kaufen. Die Automatik verschlang zwar etwas Leistung, erhöhte aber den Fahrkomfort beträchtlich, was vor alle die Amerikaner, zunehmend aber auch die Europäer schätzten. Nicht umsonst verliessen über zwei Drittel der gebauten knapp über 500 Exemplare die Fabrik mit der Schalterleichterung.

Ferrari 400 (1977) - elegantes Pininfarina-Design
Archiv Automobil Revue

Äusserlich hatte der Ferrari zwei Schlussleuchten eingebüsst, präsentierte sich ansonsten aber mit Ausnahme eines diskreten Frontspoilers aber weitgehend unverändert. Innen wurde einiges verbessert, eine im Serienumfang eingeschlossene Stereoanlage montiert und gegen Wunsch eine zweite Klimaanlage installiert.

Die Auto Zeitung nahm sich 1978 einen Dreigang-400 GT vor und wuchtete das 1,91 Tonen schwere Coupé in 7,6 Sekunden von 0 bis 100 km/h. Als Höchstgeschwindigkeit wurden für den DM 94’450 teuren Wagen 242 km/h notiert.

Sparsam war der Viersitzer dabei nicht, rund 23 Liter Super pro 100 km waren selbst damals eine grosse Zahl. Dafür aber überzeugte das Fahrverhalten des vorne und hinten mit doppelten Trapez-Dreiecksquerlenkern ausgerüsteten Wagens, der unbeirrbar geradeaus fuhr und vorbildlich neutral um Kurven wetzte. “Ein Ferrari gehört nun mal zu jenen seltenen Automobilen mit serienmäßiger ‘Seele’”, notierte Auto-Zeitung-Tester Werner Müller und kommentierte, dass so etwas halt eben auch seinen Preis habe.

“I” wie Einspritzung

Um dem üppigen Durst Meister zu werden und den immer höheren Anforderungen an die Abgasqualität zu genügen, wurde der 4,8 Liter Motor 1979 mit einer Bosch-K-Jetronic Einspritzanlage ausgerüstet, die die Vergaserbatterie ersetzte. Wie damals üblich sank die Leistung damit zwar auf 310 PS bei 6400 Umdrehungen, diese wurden aber wohl auch ehrlicher gemessen Ende der Siebzigerjahre.

Äusserlich blieb weiterhin fast alles beim Alten, als Reifen wurden nun Michelin TRX montiert.

Ferrari 512 BBi (1983) - vollständiges Verkaufsprogramm bei Ferrari, alle Fahrzeuge - Mondial, 512 BBi, 400i - haben die CH-Abgashürden geschafft - am Genfer Automobilsalon von 1983
Archiv Automobil Revue

Natürlich gab es auch den Eingespritzten wieder mit Automatik und wiederum gingen rund zwei Drittel der Produktion auf das Konto der Wandlerversion.

Die Autotester bevorzugten aber die handgeschaltete Fünfgang-Variante, die auch deutlich heftiger beschleunigt. Jedenfalls reichten auch die 310 PS für eine Zeit von 6,8 Sekunden für den Sprint von 0 bis 100 km/h und erst bei 243,2 km/h war Schluss auf der Autostrada, wie Sport Auto 1982 mit einem 1,9 Tonnen schweren 400i bewies, der gegen den Porsche 928 S und den Maserati Kyalami zum Vergleich antreten musste. Mit einem Super-Verbrauch von 20,37 Liter im Durchschnitt genehmigte sich der Ferrari zwar etwas weniger als der Maserati (24,29 Liter), doch der Porsche 928 S war mit 17,59 Litern nochmals deutlich sparsamer.

Traumwagen für alle Tage

Auch Auto Motor und Sport liess den Ferrari 400i gegen einen Konkurrenten antreten. Als Vergleichsmassstab musste der Aston Martin Vantage herhalten und es zeigte sich, dass man es hier mit zwei höchst unterschiedlichen Charakteren zu tun hatte. So lautete denn auch die Schlussfolgerung: “Das Duell der edlen Sportwagen endet mit zwei Siegern. Der preisgünstigere Ferrari (Anmerkung Redaktion: DM 145’600 im Jahr 1982) überzeugt durch einen vortrefflichen Kompromiß zwischen Sportlichkeit, Komfort und Gebrauchswert. Er ist ein Traumwagen für alle Tage. Der Aston Martin Vantage fasziniert, weil er Kompromisse vermeidet. Er gibt sich vorranging sportlich und wendet sich damit an Fahrernaturen, die bereit sind, viel Geld (DM 209’380) für eine besonders dynamische und herzhafte Fortbewegung auszugeben. Als Alltagsauto ist er eigentlich zu herb und auch zu schade.”

Ferrari 365 GT4 2+2 (1972) - klassische Pininfarina-Eleganz beim vierplätzigen Ferrari
Archiv Automobil Revue

Anzumerken wäre noch, dass der Aston dem Ferrari sieben Zehntel beim Spurt von 0 bis 100 km/h abnahm und 24 km/h schneller lief, dabei aber auch 1,9 Liter mehr Benzin verbrauchte.

Auf 400 folgt 412

Die letzte Evolutionsstufe des Ferrari-400-Themas wurde am Genfer Autosalon 1985 gezündet, als der 412 den 400 ablöste.

Ferrari 412 (1985) - mit 4,9-Liter-V12-Motor und neu auch mit ABS - Genfer Automobilsalon 1985
Archiv Automobil Revue

Er bot nun auch ein ABS, verzichtete dafür aber darauf, die Art der Kraftübertragung im Typenschild zu führen. 1989 war Schluss, einen direkten Nachfolger gab es nicht. Bis dahin waren von allen Varianten rund 2200 Exemplare verkauft worden. Beerbt wurde der Viersitzer-Zwölfzylinder schliesslich 1992 mit dem 456.

Ein echter Granturismo

Auch der Besitzer des fotografierten 400i Automatic von 1981, Jürg Rothacher, ist dem Charme des eleganten Granturismo verfallen. Der Wandler schlucke zwar einiges an Leistung, über mangelnde Vorwärtsdynamik müsse man sich aber trotzdem nicht beklagen. Meist habe er das Seitenfenster einen Spalt weit geöffnet, denn so könne man das Konzert der zwölf Zylinder am besten vernehmen. Der zweite Gang der Automatik reiche praktisch von 30 bis über 160 km/h und wenn man einen Gangwechsel und Wandlertätigkeit durch manuelles Vorwählen verhindert, erhalte man die volle Wucht des unnachahmlichen Motorensounds zu hören.

Ferrari 400i Automatic (1981) - fühlt sich auch auf der Landstrasse zuhause
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

12 Zylinder, vier obenliegende und über Ketten angetriebene Nockenwellen, 24 Ventile und diverse Nebenaggregate erzeugen jede Menge mechanische Geräusche, die dann durch das Trompeten aus den Auspuffrohren zu einem Gesamtkunstwerk angereichert werden. Da könne man auf die Stereoanlage getrost verzichten, ergänzt Jürg Rothacher, der seinen Wagen nur bei schönem Wetter und nicht zu hohen Temperaturen aus der Garage fährt. “Die Klimaanlage ist nicht stark genug”, meint er zur Erklärung und verweist auch auf die grossen und teilweise stark geneigten Fensterflächen. Diese wiederum aber erlauben eine fast perfekte Rundumsicht, die man in einem immerhin 4,81 Meter langen und 1,8 Meter breiten Wagen sicherlich schätzt.

Ferrari 400i Automatic (1981) - Motorenbau aus Maranello
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Rund 18 bis 20 Liter Super fülle er pro 100 km in den rund 120 Liter grossen Tank, die Unterhaltskosten seien erträglich, aber nichts für ein schmales Budget.

Ferrari 400i Automatic (1981) - Holz und Leder, typisch für einen Luxus-Ferrari
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Im Vergleich zu anderen Zwölfzylinder-Ferrari-Sportwagen fällt die 400-er-Baureihe im Jahr 2018 übrigens mit günstigen Marktpreisen im hohen fünfstelligen EUR/CHF-Niveau aus der Reihe, wenn der Zustand 2 als Massstab genommen wird. Aus diesem Grund sehen ihn auch viele als Einsteiger-Ferrari. Aber was für ein Einstieg! Der 400i bietet schliesslich Pininfarina-Eleganz und Technik vom Feinsten.

Ferrari 400i Automatic (1981) - gehörte damals zu den Schnellen, lässt aber auch heute nichts anbrennen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Wir danken Jürg Rothacher, dem Besitzer des Ferrari 400i Automatic für seine Unterstützung bei diesem Bericht.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von mi******
15.07.2018 (18:26)
Antworten
die PS-Angaben von Ferrari waren idR 10-15% zu hoch gegriffen.
Antwort von tw******
08.07.2021 (16:38)
Das spielte keine "Rolex".
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