Ferrari 330 GTC Zagato - offen und mit Kanten

Erstellt am 4. Mai 2019
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
RM/Sotheby's 
28
Peter Seabrook - Courtesy RM/Sotheby's 
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Zagato 
1
www.kampfoto.nl - Courtesy RM/Sotheby's 
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Archiv 
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Er passte irgendwie nicht so ganz in die Zeit, der Ferrari 330 GTC Zagato. Vielleicht lag es daran, dass sein Fahrgestell bereits sieben Jahre alt war, als die Zagato-Spezialkarosserie am Genfer Autosalon 1974 gezeigt wurde. Vielleicht lag es aber auch an der unorthodoxen Linienführung.


Ferrari 330 GTC Zagato (1967/1974) - die Linienführung geht auf den 3Z Spider zurück
Copyright / Fotograf: RM/Sotheby's

Der Lückenfüller

Mit dem Fahrgestell des Ferrari 330 GTC erhielten die Karosseriebauer bei Zagato eine starke Basis. Eingeführt worden war das von Pininfarina gezeichnete Coupé 330 GTC zum Genfer Autosalon 1966. Der GTC schob sich sozusagen in die Lücke zwischen dem zweisitzigen Hochleistungscoupé 275 GTB und dem viersitzigen 330 GT. Damit ersetzte er auch den 250 GT Lusso, dessen Produktion bereits 1964 geendet hatte.


Ferrari 330 GTC (1966) - die zweiplätzige Alternative zum 330 GT 2+2
Archiv Automobil Revue

Der Radstand betrug 240 cm wie beim 275 GTB, der Motor aber wies 3967 cm3 Hubraum auf und leistete PS bei 6600 U/min. Im Gegensatz zum 330 GT waren beim GTC die hinteren Räder nicht durch eine Starrachse, sondern durch Dreieckquerlenkern einzeln geführt. Geschaltet wurde über ein Fünfgangetriebe. Das luxuriös ausgelegte Coupé (mit elektrischen Fensterhebern) wog gute 1300 kg und war damit nicht unwesentlich leichter als der vierplätzige 330 GT.

Hervorragender Granturismo

Paul Frère erhielt bereits im Premierenjahr die Gelegenheit, den Ferrari 330 GTC zu fahren und er zeigte sich begeistert. Der Motor wirkte leiser als bei den Vorgängern, das Fahrverhalten war neutraler und sportlicher ausgelegt.


Ferrari 330 GTC (1966) - optisch mit dem 330 GT 2+2 vergleichbar, aber gestreckter
Archiv Automobil Revue

Selbst im dichten Stadtverkehr fühlte sich der Testfahrer nicht unwohl mit dem immerhin 4,4 Meter langen und 1,675 Meter breiten Coupé. Allerdings befand er dann doch, dass es unwirtschaftlich sei, mit einem Ferrari langsam zu fahren.

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Die besondere Geschichte von Chassis 10559

Das Fahrgestell 10659 wurde bei Pininfarina karossiert, silberfarbig lackiert und mit einem schwarzen Interieur ausgestattet. Ausgeliefert wurde der Wagen an Luigi Chinetti Motors.


Ferrari 330 GTC Zagato (1967/1974) - Fahrzeug wie angeliefert mit Frontschaden
Copyright / Fotograf: Peter Seabrook - Courtesy RM/Sotheby's

Nach mehreren Besitzerwechseln kam das Coupé mit einem leichten Frontschaden zu Chinetti zurück und dieser entschloss sich, dem Wagen bei der Carrozzeria Zagato eine neue Karosserie zu geben.

Zagatos Zweitling

Es war dies nicht das erste Mal, dass Chinetti mit Zagato zusammenarbeitete. Bereits 1971 hatten die Italiener für die Amerikaner einen älteren Ferrari umkarossiert. Dabei hatte es sich um einen Ferrari 250 GT SWB California Spider mit Chassis 2491 GT gehandelt, der bei Zagato zum Ferrari 3Z Spider verwandelt wurde und dann auf dem Turiner Autosalon präsentiert wurde.


Ferrari 3Z Spider (1971) - von Zagato, gezeigt am Turiner Autosalon 1971
Archiv Automobil Revue

Der Ferrari 3Z Spider wurde von Giuseppe Mittino, Designchef bei Zagato seit 1970, gezeichnet, und wies geometrische Konturen auf. Besonderheiten waren die Abdeckungen der Frontscheinwerfer und die Gestaltung/Positionierung der Rückleuchten.


Ferrari 330 GTC Zagato (1974) - im Vergleich zum Ferrari 3Z Spider von 1971
Copyright / Fotograf: Zagato

Für die Kreation von 1974 entschied man sich für einen Targa-Aufbau und verzichtete auch auf die Lamellen vor den Frontscheinwerfern, blieb ansonsten aber relativ nahe am 3Z-Entwurf. Weil man das Dach entfernen und im Kofferraum verstauen konnte, wurde der Wagen 330 GTC “Convertibile” genannt.


Ferrari 330 GTC Zagato (1967/1974) - Planzeichnungen
Copyright / Fotograf: Peter Seabrook - Courtesy RM/Sotheby's

Seine erste öffentliche Aufwartung machte der Targa am Genfer Autosalon 1974, dort fiel er allerdings neben den vielen Konzeptfahrzeugen kaum auf und wurde weder von der Automobil Revue noch von anderen Motorzeitschriften explizit erwähnt.

Am Bau beteiligt waren neben Zagato auch die Karosseriefirmen Carlo Marazzi und M. Gastone Crepaldi S.a.S.. Während das Interieur weitgehend dem Spender-330 GTC entsprach und damit 1974 vergleichsweise konservativ wirkte, zeichnete sich das Äussere durch geometrische Linien und scharfe Kanten aus, wie sie Zagato in diesen Tagen auch bei anderen Entwürfen verewigte.


Ferrari 330 GTC Zagato (1967) - aufgenommen im Jahr 2009
Copyright / Fotograf: www.kampfoto.nl - Courtesy RM/Sotheby's

Nach dem Umbau ging der Wagen zurück zu Chinetti und wurde exakt von jenem Besitzer wieder gekauft, der den Wagen bereits vorher besass.

Von Pebble Beach bis Villa d’Este

Im Jahr 1996 wurde der Ferrari 330 GTC Zagato in Pebble Beach gezeigt, 2003 in Het Loo und 2004 am Concorso d’Eleganza Villa d’Este. 2009 wurde das Coupé zum letzten Mal öffentlich verkauft, nämlich von RM an der London-Versteigerung im Oktober für £ 101’750 (EUR 118’700, CHF 179’771, USD 176’555). Angesichts davon, dass der Wagen bereits 1991 für USD 295’000 in den USA angeboten wurde, erschien diese Bewertung moderat.


Ferrari 330 GTC Zagato (1967/1974) - gedrungene Silhouette des Targa-Coupés
Copyright / Fotograf: RM/Sotheby's

Jetzt, zehn Jahre später, kommt der Zagato-330 GTC erneut auf den Markt. RM/Sotheby’s will ihn an der Versteigerung im Park der Villa Erba am 25. Mai 2019 verkaufen und man kann sicher sein, dass EUR 120’000 nicht ausreichen werden, um sich das Einzelstück zu ersteigern.
An der selben Versteigerung werden übrigens auch Planzeichungen zum Umbau und eine Fotoaufnahme des angelieferten 330 GTC als Memorabile verkauft, sicherlich einen sinnvolle Ergänzung zum Fahrzeug.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von Cavallino rampante
21.05.2019 (12:35)
Antworten
"...und war damit nicht unwesentlich leichter als der viertürige 330 GT" - ein 330 GT mit vier Türen? ;-)
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
21.05.2019 (12:57)
vierplätzig hätte das heissen müssen. Einen viertürigen Ferrari 330 gab's natürlich nicht .... Danke für den Hinweis! Wir haben das sofort korrigiert.
von an******
07.05.2019 (09:35)
Antworten
Zagato, immer zwischen Genie und Wahnsinn. Hier doch eher das Zweite.
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