Ferrari 330 GT Shooting Brake - praktischer, aber auch schöner?

Erstellt am 14. November 2018
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Erik Fuller - Courtesy RM/Sotheby's 
19
Bonhams 
5
Courtesy Bonhams 
1
Archiv 
4

Das Zeitalter von Sonderkarosserien ging in der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre schon lange dem Ende entgegen, nur noch wenige begüterte Kunden waren bereit, sich von Spezialisten individuelle Aufbauten/Umbauten erstellen zu lassen und auch die selbsttragenden Karosserien hatten der Zunft arg zugesetzt. Während sich Pininfarina und Bertone in die Serienfertigung stürzten, schlossen andere Karosseriebauer schlichtwegs ihre Pforten oder mutierten zu reinen Design- und Prototypenbau-Unternehmen.


Ferrari 330 GT Shooting Brake (1965) - grosszügig verglastes Heck
Copyright / Fotograf: Erik Fuller - Courtesy RM/Sotheby's

Trotzdem entstanden nachwievor individuelle Fahrzeuge, für die oftmals bestehende Komplettfahrzeuge als Basis genommen wurden. Eines dieser Einzelstücke war der Ferrari 330 GT Shooting Brake aus dem Jahr 1967/1968. Wie der Name sagt, bot hier der Ferrari 330 GT 2+2 die technische Basis.

Ein schneller Sportwagen

Vorgestellt wurde der Ferrari 330 GT im Jahr 1964, gebaut wurde er in zwei Serien bis 1967. Ingesamt wurden über 1000 dieser 2+2-Sportwagen gebaut, etwas weniger als die Hälfte stammte aus der zweiten Serie, die ab Mitte 1965 das Werk verliess.


Ferrari 330 GT 2+2 (1964) - das grosse Coupé in Genf im Jahr 1964
Archiv Automobil Revue

Mit seinem 300 PS, generiert bei 6600 Umdrehungen des vier Liter grossen V12-Motor, war der Granturismo zu seiner Zeit ein schnelles Auto. Sieben Sekunden reichten, um Tempo 100 km/h aus dem Stand zu erreichen, auf der Autostrada war erst bei über 240 km/h Schluss.
Billig war dieser Sportwagen natürlich nicht, DM 54’250 kostete er 1967 in Deutschland, CHF 54’000 in der Schweiz.


Ferrari 330 GT 2+2 (1967) - im Jahr 1965 musste das Gesicht mit den Doppelscheinwerfern einer klassischen Gestaltung weichen
Archiv Automobil Revue

Dass man ein derartig wertvolles Fahrzeug nach nur zwei Jahren komplett neu karossieren würde, lag eigentlich nicht wirklich auf der Hand.

Hollywood-Design

Es ergab sich aber, dass ein im Jahr 1965 verkaufter Ferrari 330 GT 2+2 (Chassis 07963), ein früher Wagen der zweiten Serie ohne Doppelscheinwerfer, zurück zum Importeur Luigi Chinetti gelangte und dort von dessen Sohn als idealen Startpunkt für einen ganz besonderen Sportwagen-Kombi auserkoren wurde. Zusammen mit dem Illustrator Bob Peak zeichnete er einen dynamisch wirkenden Sportwagen. Bob Peak wurde vor allem durch seine Filmposter, u.a. für West Side Story, My Fair Lady, aber auch Start Trek, Superman oder Excalibur bekannt.

Die Entwurfszeichnungen wurden zusammen mit dem Ferrari 330 GT 2+2 nach Italien verschifft.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Mercedes-Benz 320n Spezialroadster (1937)
Mercedes-Benz 600 (1967)
Mercedes-Benz 300 SL (1961)
Porsche Carrera GT (2006)
+49 8036 7006
Rosenheim, Deutschland

Italienische Handarbeit

Die Carozzeria Vignale erhielt den Auftrag, den Sportkombi aufzubauen. Alfredo und seine Blechklopfer machten sich an die Arbeit und am Ende des Tages soll kaum ein originales Blechteil überlebt haben.

Nur gerade ein Teil der Türen und die Windschutzscheibe konnten wiederverwendet werden. Auch die rote Aussenfarbe behielt der Wagen nicht, gespritzt wurde er schokadenbraun.

Gezeigt am 50. Turiner Autosalon

Der fertiggestellte Kombi stand schliesslich im Oktober 1968 anlässlich des 50. Turiner Autosalon auf dem Stand von Vignale.
Dort fiel er zwar auf, gefielt aber nicht unbedingt.


Ferrari 330 GT Shooting Brake (1965) - am Turiner Autosalon im Jahr 1968 - gemäss damaligen Augenzeugenberichten in Scholadebraun lackiert
Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

Die Automobil Revue notierte:
“Ferrari 330 zum Kombiwagen degradiert — Äusserst spärlich sind die Salonbesucher, die mit Wohlgefallen diesen schokoladefarbig lackierten viersitzigen Station Wagon von Vignale auf dem Chassis des Ferrari 330 bewundern. Der breitausladende hintere Dachträger will nicht zum zierlichen Wagenheck passen.”

Auto Motor und Sport notierte süffisant:
“Ein Stationwagen auf Ferrari 330 Chassis; man kann sich die Fahreigenschaften vorstellen, wenn der Heckraum entsprechend beladen ist!”

Spektakulär

Die Formensprache des Shooting Brakes entsprach sicherlich nicht dem allgemeinen Zeitgeschmack und lag weit von dem weg, was Tom Tjaarda beim originalen 330 GT vorgelegt hatte. Besonders die Front mit dem viereckigen Kühlergrill und von Lamellen verschleierten Scheinwerfern wirkte ungewohnt. Der Überrollbügel war ungewöhnlich kräftig ausgefallen, das Heck dann komplett in Glas gehalten.


Ferrari 330 GT Shooting Brake (1965) - viereckiger Kühlergrill
Copyright / Fotograf: Erik Fuller - Courtesy RM/Sotheby's

Irgendwie passte das alles nicht so ganz zusammen, aber es ergaben sich damit sicherlich mehr Komfort für die Passagiere und vor allem deutlich mehr Gepäckraum, auch wenn umklappbare Rücksitze beim Umbau nicht möglich waren.


Ferrari 330 GT Shooting Brake (1965) - auch die Heckleuchten sind durch Lamellen geschützt
Copyright / Fotograf: Erik Fuller - Courtesy RM/Sotheby's

Zu welchem Zeitpunkt der originale Motor 7963 durch den Austauschmotor 9269 ersetzt worden war, ist nicht ganz klar, doch wird vermutet, dass dies beim Umbau geschah.

Zunächst für den Eigengebrauch

Die nächsten Jahre blieb der Shooting Brake im Besitz von Chinetti Junior, dann, um 1974 wurde er nach Philadelphia und später New York weiterverkauft.

Im Jahr 1990 wurde der Wagen von Jean-Claude Paturau aus Paris erworben, der den Wagen restaurieren liess. Vermutlich erhielt er zu diesem Zeitpunkt eine Lackierung in Grün-Metallic.


Ferrari 330 GT Shooting Brake (1965) - so sah der Wagen im Jahr 2008 aus
Copyright / Fotograf: Bonhams

Paturau zeigte das Einzelstück u.a. am Bagatelle-Concours und am Concorso d’Eleganza Villa d’Este.

2011 kaufte Jason Cheetham, besser bekannt als Jay Kay von Jamiroquai, den eigenwilligen Kombi. Er präsentierte den Wagen 2012 am Salon Privé und 2015 am Cartier Style et Luxe Concours anlässlich des Goodwood Festival of Speed. Wenig später trennte er sich wieder vom Ferrari.
Im Jahr 2017 wurde der Wagen erneut umlackiert, dieses Mal wurde ein metallisierter Bronzeton gewählt.

Jetzt soll der einmalige Ferrari-Kombi einmal mehr einen neuen Besitzer finden. Nachdem in der Vergangenheit bereits Bonhams und Gooding & Co Gelegenheit hatten, den Wagen zu vermitteln, ist nun die Reihe an RM/Sotheby’s, die den Ferrari am 8. Dezember 2018 anlässlich der Peterson Automotive Museum Auction in Los Angeles unter den Hammer bringt.


Ferrari 330 GT Shooting Brake (1965) - der Sportkombi nach amerikanischem Design
Copyright / Fotograf: Erik Fuller - Courtesy RM/Sotheby's

Die Erwartungen an den vermutlich letzten von Vignale karossierter Ferrari mit einem sicherlich spektakulären Aufbau werden hoch sein. Bonhams hatte den Wagen 2008 auf USD 500’000 bis 600’000 eingeschätzt, Gooding & Co erwartete im Sommer 2017 USD 700’000 bis 900’000. RM/Sotheby’s hat den Schätzpreis zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht bekannt gegeben. Aber der Ferrari soll ohne Mindestpreis angeboten werden!

Weitere Informationen

 

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von za******
20.11.2018 (22:37)
Antworten
Zur Reihe, mehr oder weniger gefälliger (überwiegend letzteres), Ferrari-"Kombis" gesellen sich noch (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
1951: 212 Export Giardinetta (Fontana, #0086E)
1961: 250 GT SWB Breadvan (Drogo, #2819GT), ein Rennsportwagen mit Kultstatus
1975: 365 GTB/4 Daytona Shooting Break (Panther, #15275), ein Daytona im Leichenwagendesign
1976: 365 GTC/4 Station Wagon (Felber-Michelotti, #16017), auf gleichem Chassis entstand auch das "Felber Beach Car"
1995: 456 GT Venice Station Wagon (Pininfarina, #103190), aus der Venice-Serie gab es auch ein 456 GT-Cabriolet (#104023)
von gl******
20.11.2018 (18:41)
Antworten
Habe ich bis dato nicht gekannt, diese Karre, hab' aber auch nicht wirklich was verpasst.

Selten so eine automobile Scheusslichkeit gesehen, sorry, my 2 cents.
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Markenseiten

Aus dem Zeitschriftenarchiv

Aktuelle Fahrzeug-Inserate

Aktuelle Marktpreise (Auswahl)

Coupé, 300 PS, 3967 cm3
Cabriolet, 260 PS, 3285 cm3
Coupé, 300 PS, 3967 cm3
Cabriolet, 300 PS, 3967 cm3
Coupé, 220 PS, 2953 cm3
Coupé, 220 PS, 2953 cm3
Coupé, 240 PS, 2953 cm3
Coupé, 320 PS, 4390 cm3
Coupé, 340 PS, 4823 cm3

Spezialisten (Auswahl)

Spezialist

Altendorf/SZ, Schweiz

055 451 01 01

Spezialisiert auf Maserati, Ferrari

Spezialist

Wollerau, Schweiz

0445103555

Spezialisiert auf Mercedes Benz, Jaguar, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 722 00 00

Spezialisiert auf Lancia, Alfa Romeo, ...

Spezialist

Aarberg, Schweiz

0041 79 733 17 28

Spezialisiert auf Mercedes-Benz, Mercedes, ...

Spezialist

Oberriet SG, Schweiz

017/755 24 76

Spezialisiert auf Jaguar, Daimler, ...

Spezialist

Zürich, Schweiz

044 250 52 92

Spezialisiert auf Rolls-Royce, Bentley, ...

Spezialist

Schoten, Belgien

+32 475 42 27 90

Spezialisiert auf Lola, De Tomaso, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 722 00 00

Spezialisiert auf Lancia, Alfa Romeo, ...

Spezialist

Toffen, Schweiz

+41 31 819 48 41

Spezialisiert auf Ferrari, Maserati, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 566 13 70

Spezialisiert auf Ferrari, Maserati, ...

Spezialist

Heilbronn, Deutschland

+49 7066 94 11 00

Spezialisiert auf Lancia, Ferrari, ...

Spezialist

Muhen, Schweiz

+41793328191

Spezialisiert auf AC, Adler, ...

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...