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Eleganter und fortschrittlicher - das Volkswagen-Coupé der Gebrüder Beutler

Erstellt am 9. September 2016
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
44
Archiv Daniel Kammermann 
10
Uli Sonntag 
3
Archiv Swiss Car Register 
3
Bruno von Rotz 
1
Archiv 
15

Als Fritz und Ernst Beutler ihren Sportwagen auf VW-Käfer-Basis im März 1954 in Genf präsentierten, gab es noch keinen VW Karmann-Ghia.

VW Beutler Coupé (1958) - dieses Foto wurde an exakt der Stelle am Thunersee aufgenommen, an denen auch viele Beutler-Werksfotos vor 60 Jahren entstanden
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die elegante Kreation, die als Coupé und Cabriolet auf dem Beutler-Stand glänzte, wies ein modernes Ponton-Kleid auf und kaum jemand hätte vermutet, dass sich unter der hübschen Aluminiumkarosserie ein biederer VW mit 1,2-Liter-Motor und 31 PS verbarg. Die Leute wären sicherlich Schlange gestanden, hätte der kleine Wagen nicht mehr als ein Porsche gekostet.

Karosseriebauer aus Leidenschaft

Die Gebrüder Beutler waren keine Newcomer, als sie ihren VW-Sportwagen präsentierten. Immerhin arbeiteten sie bereits in den Dreissigerjahren am Isotta Fraschini Tipo 8A F mit Fahrgestellbaujahr 1924 mit, der 2015 in Pebble Beach am Concours d’Elégance den “Best of Show” Preis gewann. Tatsächlich machte Ernst Beutler seine Lehre als Autospengler bei Hans Ramseier in der Carrosserie Worblaufen, wo eben jener Isotta Fraschini ein neues Kleid erhielt, um dann 1933 in Genf und Cannes gezeigt zu werden.

Beutler (1959) - Produktion - die letzten Kontrollen werden durch Fritz Beutler selber ausgeführt
Archiv Automobil Revue

Ernst Beutler arbeite danach auch bei Eckert und Tüscher & Co, bevor er von 1936 bis 1942 ein zweites Mal in Worblaufen anheuerte, bevor er sich bei Hermann Graber für einen Stundenlohn von 2.50 verdingte. Doch die Arbeit beim patriarchischen Graber passte dem kreativen Geist nicht und so beschloss er, 1946 zusammen mit seinem Bruder Fritz Beutler einen eigenen Karosseriebetrieb zu gründen, was in den Nachkriegsjahren sicherlich ein erhebliches Risiko war. Ab 1947 hausten sie an der Gwattstrasse 40-42 in Thun.

Gwattstrasse 40-42 - hier war die Werkstatt der Gebrüder Beutler - aufgenommen im Jahr 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Schon bald machten die Gebrüder Beutler mit aufsehenerregenden Kreationen auf sich aufmerksam und kamen schliesslich an den Auftrag, sechs der ersten zehn Porsche 356 zu karossieren. Dies waren allesamt Cabriolets und heute ist einer dieser Wagen der älteste noch existierende Porsche.

Beutler (1959) - Produktion - im Hintergrund ein VW/Porsche Coupé, im Vordergrund ein Mercedes-Benz
Archiv Automobil Revue

Ab 1949 hatten die Beutlers stets einen Stand am Genfer Autosalon und zeigten dort Spezialkarosserie auf Basis von Healey, Bristol, Bentley, Lancia und anderen Marken.

Zwei Generationen von Käfer-Sportwagen

Der Beutler-Volkswagen, der sich in der Linienführung an frühere Beutler-Kreationen wie den Jowett Jupiter von 1951 anlehnte, wies eine moderne Ponton-Karosserie mit angedeuteten hinteren Kotflügeln und wenig Zierrat auf. Gegenüber dem Käfer waren die Überhänge vorne und hinten deutlich angewachsen, weshalb der Wagen statt 4,07 Metern nun deren 4,35 in der Länge mass. Auch in der Breite legte das Coupé mit 1,59 Metern fünf Zentimeter zu. Als Leergewicht wurden trotz Alukarosserie ca. 750 kg notiert, ein Aufschlag von 40 kg gegenüber dem Käfer. Trotzdem gab sich der Wagen sportlicher, denn der Schwerpunkt lag tiefer und die Karosserie setzte dem Wind weniger Widerstand entgegen.

VW Beutler Coupé (1954) - elegante Coupé-Konstruktion - Genfer Automobilsalon 1954
Archiv Automobil Revue

14’950 Franken kostete der VW von Beutler, viel Geld für einen Volkswagen, der als Käfer De Luxe damals mit 6490 Franken in der Preisliste stand. Das Cabriolet erhielt man aus Wolfsburg für 8650 Franken, ein Porsche 356 kostete mit 1300-er-Motor 14’600 Franken. Da brauchte es schon einen exklusiven Geschmack und eine dicke Brieftasche, um bei der Garage Moser, die sich in Thun um den Einkauf der Volkswagen-Technik und den Vertrieb des Beutler-VWs kümmerte, einen Wagen zu bestellen.

Immerhin erhielt man für das viele Geld eine handwerklich schön verarbeitete moderne Karosserie mit grossem Kofferraum, eine deutlich umfangreichere Instrumentierung als beim Käfer, Blinker (anstatt Winker) und eine Heizung sowie eine abklappbare Rückbank.

Die Sitze waren eine Eigenentwicklung von Beutler und genau wie die Seitenteile der Türen mit echtem Leder überzogen. Das Auto verfügte bereits über eine Lichthupe, was zu dieser Zeit eine absolute Seltenheit war. Zur Verbesserung der Ergonomie hatten die Beutlers den Schalthebel gekürzt.

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Auch mit Porsche-Power

Wer noch mehr anlegen wollte, konnte auch noch einen Porsche-Motor mit passender Bremsanlage, ein Radio oder eine Lenkradschaltung spezifizieren, was den Kaufpreis dann sogar auf über 20’000 Franken anwachsen liess, fast den damaligen Gegenwert eines Mercedes-Benz 220 Cabriolets mit Sechszylindermotor. Beutler hatte die Erlaubnis, aus dem VW einen Porsche zu machen, indem er den 356-Motor, das Getriebe vom VW-Bus und die Bremsen von Porsche einbaute sowie an der Vorderachse Stabilsatoren montierte. Dass dieser Umbau teuer war, versteht sich von selbst. Immerhin kostete eine Zweifarbenlackierung keinen Aufpreis.

VW Beutler (1957) - die zweite Variante mit gestrecker Linienführung
Archiv Automobil Revue

Nach einigen gebauten Exemplaren modifizierten die Gebrüder Beutler die Linienführung des VW Coupés (es entstanden insgesamt nur drei Cabriolets) auf das Jahr 1957 hin. Die Scheiben vorne und hinten waren nun stärker gewölbt und geneigt, die Flanken geglättet und dafür mit Zierleisten versehen. Insgesamt wirkte die zweite Version luftiger und moderner, verkaufte sich aber trotzdem nicht viel besser, so dass man von einer Gesamtproduktion von weniger als einem Dutzend Exemplare ausgehen kann. Autohistoriker Stefan Braun geht allerdings von Von den insgesamt 28 gebauten Beutler Coupés aus, von denen sechs Exemplare mit Porschemotoren ausgestattet.

Jeder anders

Natürlich hatte der Besteller erheblichen Einfluss auf die Ausgestaltung seines Beutler-VWs. Farben, Ausstattung und Materialien konnten beeinflusst werden, so dass kein Wagen gleich wie der andere war. Im Januar 1958 bestellte die VW-Garage Herzig aus Vevey (vermutlich für eine Kundin) ein Beutler Coupé, die Karosserie mit Kommissionsnummer 1156 wurde mit 11’400 Franken verrechnet und wohl in rund drei Monaten nach Bestelleingang geliefert. Als Farbe wurde ein helles Metallic-Braun gewählt, das Dach schwarz gemalt, das Interieur in beigem Farbton ausgestattet.

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Verschleierte Geschichte

Ob der Wagen sofort zugelassen wurde, konnte bisher noch nicht eruiert werden. Jedenfalls tauchte das Coupé anfangs der Neunzigerjahre wieder beim Händler Christian Grohe auf, der den Wagen für 12’500 Franken in restaurationsbedürftigem Zustand anbot. Zu diesem Zeitpunkt wies das Coupé eine gelbe Lackierung und ein Käfer-Chassis auf, das gemäss Fahrgestellnummer aus dem Jahr 1960 stammt.

VW Beutler Coupé (1958) - Vor der Restaurierung im Jahr 1995
Copyright / Fotograf: Archiv Daniel Kammermann

Jürg Hänni, damals bereits im Besitz eines Simca Aronde mit Beutler-Karosserie und eines einmaligen Healey-Beutler-Coupés, kaufte sich den Beutler-VW mit dem Ziel, ihn komplett zu restaurieren. Einige Jahre später entschied er sich aber, den Wagen an Daniel Kammermann abzutreten, der dem eleganten Viersitzer während elf Jahren zu neuem Glanz verhalf.

Aufwändige Restaurierung

Obschon der Wagen keine Ruine war, als ihn Kammermann übernahm, zeigte es sich schnell, dass umfangreiche Karosseriearbeiten nötig waren.

VW Beutler Coupé (1958) - Karosseriearbeiten im Rahmen der Restaurierung um das Jahr 2014 herum
Copyright / Fotograf: Archiv Daniel Kammermann

Vor allem beim Übergang von Stahl auf Aluminium hatte starke Korrosion eingesetzt, so dass vieles ersetzt und ergänzt werden musste. Für die Trennung von Karosserie und Rahmen musste der Aufbau aufwändig mit einem Hilfsrahmen stabilisiert werden, damit die Karosserie nicht knickte. Gottseidank konnte Kammermann auf die Fachkenntnisse von Fredy Pfister in der Latterbacher Karosseriewerkstatt von Eugen Marschall, der noch bei Beutler die Lehre gemacht hatte und daher die Kunst der Aluminiumblech-Verarbeitung beherrscht und an Pfister weitergeben konnte, zurückgreifen.

VW Beutler Coupé (1958) - überaus elegantes Coupé der zweiten "Serie"
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Bei der Lackierung griff Kammermann auf das ursprüngliche Hellbaun zurück, das Dach aber liess er dunkelbraun statt schwarz malen, um den Kontrast etwas abzudämpfen. Im Innern verlegte Sattler Marcel Reusser aus Spiez eine zweifarbige Innenausstattung, die dem edlen Charakter des Wagens gerecht wird. Den Motorraum und im Kofferraum, der 1958 mit Teppichen ausgelegt war, verschönerte der Sattler mit gesteppten Matten à la Ferrari.

Eine Sache der Ehre

Rund elf Jahre dauerte die Komplett-Restaurierung des Beutler-Coupés. Etliche Teile wie etwa die vordere Stossstange mussten komplett neu angefertigt werden. Das Käfer-Chassis und die Volkswagen-Technik wurden revidiert und so steht der Wagen heute eigentlich wie neu dar.

VW Beutler Coupé (1958) - schönes Interieur, grosse Fenster
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Es war sicherlich nicht der Gedanke an eine hohe Rendite, die Kammermann zu diesem Kraftakt trieb, sondern die Freude am einheimischen Schaffen und an der Erhaltung eines äusserst seltenen Automobils, das nur unweit seines Wohnorts Spiez in Thun entstanden war. Schliesslich sind bis heute viele Beutler-Fahrzeuge in die USA abgewandert, da sich dort eine beachtliche Fan-Gemeinde befindet. Daniel Kammermann aber wollte dem Wagen eine Zukunft in der Schweiz sichern.

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Fast wie ein Käfer

Obschon das Beutler Coupé optisch kaum etwas mit dem Käfer gemeinsam hat, ist er in seiner Seele trotzdem ein Volkswagen geblieben. Er tönt wie ein VW und lässt sich auch fahren wie ein VW, einem Karmann-Ghia, der ja eigentlich nach ähnlichen Ideen entstand, nicht unähnlich. Der hellbraune Wagen wirkt sympathisch, was bei den Fotoaufnahmen am Thunersee deutlich wurde, als sich viele Passanten nach der Herkunft des Autos erkundigten. Dass das Coupé nur wenige Meter von der Seepromenade entstanden war, wusste allerdings kaum mehr jemand.

VW Beutler Coupé (1958) - der VW-Motor im Heck - ganz so nobel war der Motorraum ursprünglich nicht ausstaffiert
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Wir danken Daniel Kammermann für die Geduld bei den Fotoaufnahmen und die Bereitschaft, den frisch restaurierten Beutler VW zu zeigen. Jürg Hänni, der bei den Fotoaufnahmen ebenfalls vor Ort war, verstarb leider kurz danach. Als Bewahrer und Retter des schönen Coupés gilt ihm unser ganz besonderer Dank. Unterstützt wurde dieser Beitrag durch das Swiss Car Register , das sich mit Schweizer Karosserien, Automarken und Montage Suisse beschäftigt.

Dieser Bericht erschien in leicht modifizierter Form im Magazin SwissClassics Revue 55-3/2016.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ou******
13.09.2016 (07:21)
Antworten
I am very glad you pay attention to Coach Builders using the VW Bug as base for their creations. Please continue in your next editions this trend - show the Hebmuller, Dannehauer-Stauss, Denzel, Rometsch, Enzmann 506, Zelensis, and more. Please contact Porsche Centrum Gelderland, in Heteren, Netherlands, and ask for Mark, his collection is the best in Europe, if not the whole world. Greetings Erik in Loss Angeles and owner of the most beautiful ENZMANN 506 in the US.
von pr******
09.09.2016 (18:24)
Antworten
Danke für den tolle Beitrag. Ich bin ca. 50m von der Karrosseriewerkstatt der Gebr. Beutler aufgewachsen. Zwar nicht zur im Bericht erwähnten Epoche, es standen aber trotzdem immer einige interessante Wagen vor dem Haus. Ich kann mich noch gut an den Käfer PickUp erinnern, der von den Beutlers als Geschäftswagen gebraucht wurde. An der Stelle am Thunersee, an welchem das Bild entstanden ist, haben wir als Kinder viel gespielt. Das weckt Erinnerungen...
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