Dodge D8 Langenthal Cabriolet – offener Tourenwagen für jedes Wetter

Erstellt am 2. Oktober 2020
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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FCA Group 
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Archiv 
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Im Jahr 1914 wurden alleine in den USA über hundert Automarken gegründet, nur eine davon überlebte: Dodge.

Vom Fahrrad zum Automobil

John Francis und Horace Elgin wurden 1864 und 1868 als Brüder mit dem Namen Dodge geboren. Sie wuchsen in Niles (im US-Bundesstaat Michigan) auf und lernten von Kind auf, Sachen zu reparieren und zu verbessern. Ihr Vater, der Motoren für die Schifffahrt baute, brachte ihnen bei, wie diese funktionierten. Die beiden Brüder waren unzertrennlich, taten fast alles zusammen.


Die beiden Dodge Brüder, John links und Horace rechts
Copyright / Fotograf: FCA Group

Ende des 19. Jahrhunderts begannen sie Fahrräder zu bauen, eröffneten ihr eigenes Unternehmen und sattelten schon bald auf das Automobil um. Im Jahr 1903 etablierten sie die Fabrikation von Ford Automobilen, sie erhielten dafür 10 Prozent der Aktien der neuen Ford Motor Company. Doch das Produzieren «fremder» Autos befriedigte die Brüder Dodge nicht, so entschieden sie, Autos unter eigenem Namen zu bauen.

Von Anfang an erfolgreich

1914 gilt als Gründungsjahr von Dodge und bereits das erste Auto, das John und Horace Dodge vorstellten, wurde zum Erfolg. Tatsächlich wurden ihnen über 22’000 Händlerverträge zugestellt, noch bevor die Öffentlichkeit genau wusste, wie der neue Wagen aussehen würde. Der Wagen aber hielt, was der Name Dodge von Anfang an versprach. Ab dem 14. November 1914 konnte man den Vierzylinder-Doge für USD 785 kaufen. Im Jahr 1919 produzierte Dodge 104’000 Fahrzeuge, bis dahin waren es insgesamt bereits 400’000 Fahrzeuge gewesen, was Dodge in die Top-4 der USA brachte.


Eine Werbung von Dodge Brothers Motor Car
Copyright / Fotograf: FCA Group

Doch im Jahr 1920 verstarben beide Brüder grippebedingt, der eine im Januar, der andere im Dezember.

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Stetige Verbesserungen

Doch der Erfolg der Marke Dodge erwies sich als nachhaltig. Stetige Verbesserungen an der Konstruktion und dessen Ausgestaltung und der Fokus auf Zuverlässigkeit liessen die Marke weiter wachsen. 1922 wurden bereits 600 Autos pro Tag hergestellt. 1924 waren es bereits 1000 Fahrzeuge pro Tag, gebaut von 20’000 Leuten. 1925 verliess der millionste Dodge die Fabrik. Im selben Jahr verkauften die Dodge-Witwen ihre Anteile an ein New Yorker Banken-Konsortium. Vier Jahre später übernahm die Chrysler Corporation für USD 170 Millionen die Marke. Im gleichen Jahr brachte Dodge den ersten Sechszylinder heraus. Und es wurde weiterentwickelt und getüftelt.


Dodges am Ende der Fertigung im Werk in Windsor
Copyright / Fotograf: FCA Group

Technologisch an der Spitze

Im Jahr 1930 setzte die Produktion des neuen Achtzylindermotors ein, Kunden konnten ab Werk ein Radio bestellen. Der günstigste Dodge stand mit USD 835 in der Preisliste. Viel Energie wurde in die Steigerung des Komforts gelegt, so wurden Motoren weich aufgehängt, die Kupplung konnte automatisch betätigt werden und die Getriebe wurden laufruhiger.

Für das Jahr 1934 wurde Einzelradaufhängung für die vorderen Räder eingeführt, der komplett neu konzipierte Dodge galt als modernstes Auto Amerikas. Auf den Achtzylinder verzichtete man.


Dodge hatte die erste eigene Teststrecke der Welt
Copyright / Fotograf: FCA Group

Auch mit dem Fabrikausstoss, der während der Jahre auf unter 100’000 gesunken war, ging es wieder aufwärts. Im Jahr 1935 wurde der dreimillionste Dodge gebaut, insgesamt verliessen in jenem Jahr fast 160’000 Autos die Fabriken.
Im Jahr 1938 warb Dodge mit dem Slogan «It’s here to save you money» und verwies damit auf den sparsamen Umgang mit Benzin, Öl und Reifen, sowie auf die günstigen Unterhaltskosten. In jenem Jahr wurden zum letzten Mal Dodge-Brüder-Embleme auf die Autos geschraubt.
Auch nach dem zweiten Weltkrieg zeigte sich Dodge erfolgreich, die Marke hat bis heute als Teil der Chrysler Corporation, aufgegangen in der FCA Group, überlebt.

Der Dodge D8 des Baujahres 1938

Wie seine Vorgänger besass auch der Dodge D8 einen Sechszylinder-Reihenmotor mit nun 3569 cm3, der 87 PS bei 3600 Umdrehungen leistete. Es gab den Wagen mit zwei Radständen, nämlich mit 2,92 oder 3,35 Meter und ab Werk konnten die unterschiedlichsten Aufbauten bestellt werden, darunter Limousinen, Business Coupés, Cabriolets und Kombis. Man konnte aber auch das Chassis ohne Aufbau bestellen. Es wog rund 1040 kg, während der fertige Wagen bei etwas über 1400 kg lag. Als Katalogpreis nannte man für ein komplettes Fahrzeug damals CHF 10’200, als Höchstgeschwindigkeit 136 km/h.


Dodge 4-Door (1938) - Runde Heckkante
Copyright / Fotograf: FCA Group

Drei Vorwärtsgänge und auf Wunsch eine automatisierte Kupplung waren verfügbar. Der Modelljahrgang 1938 wartete mit einer unter dem Armaturenbrett angebrachten Handbremse mit Pistolengriff und einem neuartig gestaltetem Armaturenbrett auf. Natürlich hatte man auch aussen einige Anpassungen, z.B. am Kühlergrill, vorgenommen.

Fritz Grogg und seine Carrosserie Langenthal A.G.

Im Jahr 1938 schaltete die Carrosserie Langenthal ein Inserat in der Illustrierten Automobilrevue: «Geräuschlosigkeit, Eleganz, Solidität sind die Hauptmerkamale des Kellner-Cabriolets.»

Schon seit einiger Zeit hatten die in Langenthal gebauten Aufbauten einen guten Ruf, waren sie doch wintertauglich und handwerklich gut verarbeitet.


Dodge D8 Langenthal (1938) - Die Plakette der Carosserie Langenthal
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Fritz Grogg hatte die Basis für einen der grössten Carrosseriebetriebe der Schweiz bereits im 19. Jahrhundert gelegt, als er nach seinen Lehr- und Wanderjahren 1888 eine Wagnerei in Langenthal gründete. Groggs Sohn, der denselben Vornamen wie sein Vater trug, trat nach seiner kaufmännischen Lehre ebenfalls in den Betrieb ein. Die beiden erkannten das Potential der aufkommenden Automobilisierung früh und begannen bereits 1921 mit der Herstellung von Carrosserien auf Fahrgestellen unterschiedlicher Hersteller. 1929 zog man an die Hauptstrasse 1 und baute ein grosszügiges Fabrikationsgebäude.

Wintertaugliche Cabriolets nach Lizenz Alexis Kellner wurden zum Aushängeschild der Langenthal Carrosserie. Die Chassis stammten von Ford, Plymouth, Hupmobile, Chevrolet oder Buick, aber auch von Cadillac oder Chrysler und Dodge. Neue Modelle wurden jeweils am Genfer Autosalon stolz präsentiert. Während die Groggs, inzwischen waren auch der Bruder Ernst und Schwager Robert Sommer-Grogg, mit reichhaltiger Erfahrung durch seine Gesellentätigkeiten in Paris gesegnet, Teilhaber geworden, den Vorbau der amerikanischen Autos meist im Serienzustand beliessen, stammten die Carrosseriebleche und deren Linienführung ab A-Säule aus eigener Hand. Über die Carrosserie spannte sich ein meist ausladendes Verdeck mit aussenliegenden Sturmstangen.

Das dunkelbraun-gelbe Cabriolet

Genau so, wie oben beschrieben, entstand wohl im Jahr 1938 auch das fotografierte fünfsitzige Cabriolet mit Chassisnummer 30.069.235, dessen Farbgebung im Fahrzeugausweis mit «dunkelbraun/gelb» beschrieben ist. Wir hätten wohl eher von Dunkelrot/Elfenbeinweiss gesprochen, aber wer weiss, welche Farben der Wagen im Laufe seiner 80 Lebensjahre schon trug.


Dodge D8 Langenthal (1938) - Amerikanischer "Widder" trifft auf Schweizer Kühe
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Kurz nach seiner Inbetriebsetzung vor dem Krieg wurde das stattliche Cabriolet vermutlich für den Einsatz als Militärfahrzeug requiriert, worauf die Nummer «11236 - A» innen an der Motorhaube hinweist. Wie bei anderen Langenthal-Cabriolets waren sicherlich auch bei diesem Wagen Lizenzzahlungen an Alexis Kellner fällig, die Nummern 661 und 291 weisen auf zwei Patente jener Firma hin.

Der um fünf Meter lange Wagen hat die Zeit gut überstanden und er lässt sich deutlich einfacher fahren, als man aufgrund seines Alters erwarten könnte. Das Dreiganggetriebe schaltet sich leicht, den ersten Gang braucht man primär zum Anfahren. Kupplung und Bremse tun ihre erwartete Aufgabe, die Lenkung verlangt zwar beim Rangieren gut trainierte Muskeln, einmal in Schwung gebracht kann das Cabriolet, das trotz vorderen Einzelradaufhängungen immer noch gerne seinen eigenen Weg auf der Strasse sucht, leichthändig in Fahrtrichtung gehalten werden.


Dodge D8 Langenthal (1938) - Elegantes Interieur mit viel Holz
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Platzverhältnisse sind gut, die Ausrüstung praxisorientiert. Nach vorne sieht man gut, nach hinten wird die Sicht durch das grosse Verdeck eingeschränkt. Über 130 km/h möchte man zwar heutzutage nicht mehr unbedingt fahren, aber bei Landstrassen-Tempo 80 km/h fühlt sich das elegante Auto durchaus wohl.

Die Alexis-Kellner-Lizenzen

Während andere Schweizer Carrossiers in Eigenentwicklungen investierten, um gleichzeitig schlanke, aber auch stabile Cabriolet-Verdecke einbauen zu können, wählten die Groggs die Lizenzvereinbarung mit Alexis Kellner. Die Geschichte dieses Unternehmens reicht bis 1910 zurück, als Generalkonsul Alexis Kellner seinen Betrieb in Berlin eröffnete. Seine Carrosserien waren fortschrittlich und fanden grosse Beachtung. Kellner verteidigte seine Errungenschaften vehement, so gab es einen Streit mit dem Carrosseriehersteller Drauz in Heilbronn.

Exakt jene Firma übernahm dann 1930 die Namens- und Patentrechte von Alexis Kellner, nachdem dessen Firma in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und schliesslich konkurs gegangen war. Unter den Patenten war jenes, mit dem ein längs über das Dach verlaufender Lederriemen verhinderte, dass sich das Stoffdach bei schneller Fahrt zu stark aufwölbte.


Dodge D8 Langenthal (1938) - Eine sanfte Briese weht einem durch die Haare. Viel mehr geht nicht. Der Dodge mag es eher gemütlich
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Carrosseriefertigung von Drauz selber wurde 1965 übrigens von NSU übernommen, während sich der Rest des Unternehmens fortan auf Werkzeug- und Anlagenbau konzentrierte und über die Zeit in der heutigen ThyssenKrupp System Engineering aufging.

Wir danken der Oldtimer Galerie in Toffen für die Gelegenheit, den schönen Dodge D8 von 1938 mit Langenthal-Carrosserie fotografieren zu dürfen. Der Wagen wird in der Auktion vom 17. Oktober 2020 versteigert.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ba******
07.10.2020 (21:44)
Antworten

von ba******
07.10.2020 (09:37)
Antworten
Bitte noch den Namen korrigieren:
Grogg statt Glogg.
Danke
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
07.10.2020 (09:40)
unbedingt! Danke für den Hinweis! Da waren wir ja komplett auf der falschen Schiene!
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