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Die Restauration eines Citroën AC4 Lieferwagens

Erstellt am 16. Dezember 2011
, Leselänge 7min
Text:
Benjamin Streit
Fotos:
Benjamin Streit 
16

Die zwischen 1929 und 1932 produzierten Citroën-Modelle AC4 und C6 sind inzwischen sehr rar geworden, umso schöner ist es, wenn gleich zwei dieser seltenen Fahrzeuge restauriert werden konnten.

Der Citroën AC4 - zuerst mit vier Zylindern

Citroen präsentierte 1929 eine neue Personenwagenbaureihe. Die neuen Wagen bekamen die Typenbezeichnung AC4. Grundsätzlich basierten sie auf dem Vorgängermodell B14G, jedoch machten zahlreiche Modifikationen, sie zu einem modernen Automobil. Der Motor zum Beispiel erhielt erstmals eine Wasserpumpe und eine Batteriezündung. Neue Fertigungsmethoden steigerten die Zuverlässigkeit. Der Hubraum des seitengesteuerten Vierzylinders lag anfangs bei 1628ccm und einer Leistung von 30 PS bei einer Nenndrehzahl von 3’000 U/min. Das Fahrwerk wurde ebenfalls überarbeitet um die Torsionssteifigkeit zu erhöhen und den Komfort zu steigern. Das Karosseriedesign wurde an die damalige Zeit angepasst und in vielen verschiedenen Karosserieformen und Lackierungen wiedergegeben. 

Kurz danach auch eine Sechszylinderverison

Kurze Zeit nach dem Erscheinen der vierzylindrigen Wagen, wurde eine Sechszylinderversion präsentiert. Somit hatte Citroen den Schritt in den erlauchten Kreis der Sechszylinder-Hersteller vollbracht. Der Motor war im Grunde ein um zwei Einheiten erweiterter Vierzylinder, somit blieben die Grundmasse und Bauteile wie Bohrung und Hub, Ventile, Kolben etc. dieselben. Daraus ergab sich ein Hubraum mit 2442ccm aus welchem eine Leistung von 42 PS bei 3000 U/min Nenndrehzahl geschöpft wurde. Die vierzylindrigen AC4 und die sechszylindrigen C6 erfuhren während ihrer Produktionszeit von 1929 bis 1932 fast monatlich Änderungen. Diese reichten zum Beispiel von stärkeren Anlassern, vergrösserter Bohrung über eine Erhöhung von vier auf fünf Radschrauben, eine komplett neu entwickelte Lenkmechanik über diverse optische Details wie verchromte oder lackierte Teile und diverse Accessoires. Eine grosse Neuerung war sicherlich die Motorlagerung auf Silentblöcken, welche das berühmte Citroënzeichen mit dem „Schwan“ entstehen liess. Mit einer Stückzahl von rund einer Viertelmillion, waren die C4 und C6 erfolgreiche Automobile.  

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Zuerst die Limousine - Teile werden benötigt

Im Jahr 2004 begannen mein Vater und ich, eine Citroen AC4-Limousine zu restaurieren. Diese Restauration neigte sich dem Ende. Das Fahrzeug befand sich im Nachbardorf bei einem Kollegen, welcher das Interieur ersetzte. Als mein Vater eines Abends den Fortschritt der Sattlerarbeit begutachtete, betrat ein älterer Herr die kleine Sattler-Werkstatt. Der Herr war der Vermieter der Werkstatt und wusste, dass mein Vater der Besitzer dieses Citroens war. Er sagte zu meinem Vater „ich habe auch noch so etwas rumstehen, möchten Sie es sich einmal ansehen?“ Mein Vater ging mit dem Herrn über den Werkstatthof und neben ein paar Altreifen erkannte er halbzugedeckt, die Silhouette eines alten Autos. 

Nachdem das Auto abgedeckt war, erkannte mein Vater schnell, dass es sich auch um ein Citroen C4 handelte, jedoch nicht um eine Limousine oder ein Cabriolet, sondern um einen Lieferwagen. Mein Vater benötigte dringend noch ein paar wenige Teile für die fast fertige Limousine. Warum also den Lieferwagen nicht als Teilespender kaufen? Somit wurde am selben Abend der eher einer Ruine gleichende Lieferwagen für wenig Geld gekauft. Zwei Tage später traf der Lieferwagen in der heimischen Werkstatt ein. Mein Vater und ich konnten es nicht lassen, und wollten einmal sehen, ob der Motor noch anspringt. Nach einem kurzen Motorcheck, sowie ein paar Vorbereitungsmassnahmen wie, Stromversorgung, Kühlmittel und improvisierter Treibstoffversorgung, mittels 1,5 Liter PET-Flasche konnte es losgehen. Der Motor drehte und drehte, gab ein paar Töne von sich und lief zu unserer Freude. 

Der Citroen C4 welcher sich als modifizierte Version F herausstellte, musste dann jedoch wieder zur Seite gestellt werden und verbrachte zwei Jahre in einer Scheune. 

Vom Organspender zum Oldtimer

Die Limousine war längst fertig restauriert und bei meinem Vater und mir machte sich Langeweile breit. Es musste also ein neues Projekt her. Wir beschlossen den Citroen C4F  wiederzubeleben! 

Ursprünglich als Organspender zum ausschlachten gedacht, erschien er uns dafür zu schade. Erstens hatten wir nur wenig von ihm gebraucht oder brauchen können… Zweitens wurde uns bewusst, dass es kaum Vorkriegslieferwagen gibt. So begannen wir im Herbst 2009 mit der Restauration. Zuerst wurde das “Häuschen” vom Chassis demontiert, anschliessend wurde der Antriebsstrang, sowie die Achsen vom Chassis demontiert. Somit konnte das Chassis entrostet, stellenweise repariert und anschliessend neu gestrichen werden. Bei den Achsen wurden natürlich die Bremsen erneuert, d.h. neue Bremsbeläge wurden verbaut sowie die Trommeln neu ausgedreht. Alle Lagerungen, Büchsen und Gelenke haben wir ersetzt. Das Lenkgetriebe mussten wir ebenfalls überholen. 

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Überholung von Motor und Getriebe

Das unsynchronisierte Dreiganggetriebe wurde neu gelagert, gereinigt und abgedichtet. Ebenfalls wurde die Kupplung revidiert. Den 4-Zylinder-Reihenmotor  zerlegten wir komplett. Dabei wurden neue Kolbenringe verbaut, sowie die Kolbenringnuten neu ausgedreht, da diese verschliessen waren. Die Ventilsitze des seitengesteuerten Motors hatte ich neu gefräst. Die Ventile hatte mein Vater neu geschliffen und anschliessend habe ich sie “eingeläppt”. Alle diese Massnahmen sollten dem Motor später zu optimaler Leistung verhelfen. Der Motor wurde selbstverständlich auch komplett neu abgedichtet sowie die Zündanlage und das Kühlsystem überholt. Als einzige Arbeit mussten wir dabei die Revision des Kühlers auswärts geben, diese wurde im Elsass von einem Spezialisten durchgeführt. Schliesslich konnte das Chassis wieder zusammengebaut werden. Motor, Getriebe, Kühler und die Achse konnten montiert werden. Ein erster Probelauf auf dem Garagenvorplatz mit aufgebockter Hinterachse stand auf dem Programm. Wiederum diente die 1,5 PET-Flasche als Treibstofftank. Der Motor sprang wie erwartet an, nach einer kurzen Warmlaufphase wurden sorgfältig alle Gänge durchgeschaltet, alles funktionierte einwandfrei. 

Zusammenbau

Nun konnte also mit dem Zusammenbau begonnen werden. Zuerst nahmen wir uns das Häuschen vor. Es musste einiges geschweisst und gerichtet werden. Auch Neuanfertigungen waren unumgänglich. Die Rückwand, welche aus Holz bestand war verfault, hier fertigte mein Taufpate, welcher eine Schreinerei besitzt, exakt nach der Zeichnung meines Vaters, eine neue Rückwand an. Diverse Blechteile welche nicht mehr vorhanden, oder nicht mehr zu gebrauchen waren, mussten ebenfalls neu angefertigt werden. Teile des Interieurs wurden wiederum vom Kollegen im Nachbardorf gefertigt. Schliesslich mussten noch die Haube, Kotflügel, Trittbretter und Kleinteile gerichtet, geschweisst und angepasst werden. Alle Lackierarbeiten wurden von uns selbst durchgeführt. Als grosses Fragezeichen entpuppte sich der Aufbau. Beim Kauf waren nämlich nur zusätzliche Träger dabei, was soll der C4F also hinter der Kabine bekommen? Diese Frage nahm uns ein älterer Gesangskamerad aus dem örtlichen Jodelclub ab. Der Mann erzählte uns von seinem Grossvater, welcher früher auch einen solchen Lieferwagen besass. Dieser wurde jedoch verschrottet. Die Brücke wurde aber demontiert, da sie in einem guten Zustand war und eigentlich zu einem Anhänger umgebaut werden sollte, was jedoch nie geschah. Ein paar Tage darauf begutachteten wir die Brücke, welche in einer trockenen Garage gelagert war. Es kam wie es kommen musste, für einen Freundschaftspreis wechselte die Brücke den Besitzer. Die Brücke wurde an das Chassis  angepasst, erhielt einen neuen Boden und wurde neu lackiert. Anschliessend wurde sie auf das Chassis montiert. Recherche-Arbeiten in Fachliteratur gaben Aufschluss über die französische Bezeichnung unseres Lieferwagens: Plateau Ridellé

Wieder auf der Strasse

Zwischenzeitlich wurde auch eine intensive Vergaserabstimmung für besten Motorlauf durchgeführt, sowie eine Bremsanlageabstimmung auf dem Bremsprüfstand in meinem Lehrbetrieb. Dies war nötig, weil der C4F über Seilzug betätigte Bremsen besitzt. Der Citroen C4F konnte für die Motorfahrzeugkontrolle  angemeldet werden. Nach erfolgreicher Prüfung sowie geregelten Formalitäten erhielt unser Lieferwagen im April 2011 die Strassenzulassung samt Veteraneneintrag. Seit diesem Tag sind wir schon etliche Kilometer gefahren, hatten grossen Spass mit dem Oldtimer und bekamen viele Komplimente. Nun darf unser C4F in den wohlverdienten Winterschlaf, so dass er im nächsten Frühling seine zweite Oldtimersaison unter die Räder nehmen kann. 

 

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von th******
01.09.2019 (19:20)
Antworten
Hallo Benjamin, toller Artikel der mich sehr motiviert. Ich restauriere meinen AC4IX Bj 1931 und habe einen ziemlich defekten Krümmer (großes Loch drin am Zyl. 1). Hast du vielleicht einen Tipp wo ich ein Ersatzteil bekommen kann?
Beste Grüße Thomas.
von he******
06.08.2017 (20:54)
Antworten
Bin auch glücklicher Besitzer einen 1 2019 erworbenen Citroen AC4 1929er
Habe ihn schon fast Fertig
Gruß Walter Hammerer
whammerer@gmx.de
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