Bertones Aston Martin DB2-4 Kreationen für den verrückten Arnolt

Erstellt am 24. Juni 2016
, Leselänge 8min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Daniel Reinhard / Archiv 
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Darin Schnabel - Courtesy RM Sotheby's 
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Michael Furman (RM Auctions) 
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Mike Maez - Courtesy Gooding & Company 
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Bruno von Rotz 
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Simon Clay - Courtesy Bonhams 
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Archiv Aston Martin Heritage 
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Courtesy Bonhams 
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Archiv 
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Man nannte ihn “Wacky” Arnolt und ein wenig verrückt war der Amerikaner vielleicht schon, als er die englische Technik Aston Martins mit den italienischen Karosseriekreationen Nuccio Bertones kombinierte. Es entstanden besondere und heute gesuchte Automobile.


Aston Martin DB 2/4 Bertone Deluxe Competition Spider (1954) - Scaglione-Design, im Auftrag von Arnolt bei Bertone gebaut, Chassis LML 505, angeboten durch Gooding in Pebble Beach 2016
Copyright / Fotograf: Mike Maez - Courtesy Gooding & Company

Unternehmergeist

Stanley Harold Arnolt war ein Unternehmer und ein erfolgreicher dazu. Er machte ein Vermögen mit Bootsmotoren. Schon früh begann er sich für englische Sportwagen zu interessieren. Und weil sie ihm gefielen, begann er sie zu importieren und zu verkaufen. Die Marken der BMC, u.a. MG,  gehörten genauso zu seinem Portfolio, genauso wie Bristol, Rolls-Royce oder Aston Martin. “Wacky”, wie ihn seine Freunde nennen durften, hatte ein gutes Gefühl dafür, was sich verkaufen liess und er kannte auch seine Kundschaft, die mit Geld gesegnet war, gut. So begann er schon bald eigene Wege zu suchen.

Sinn für schöne und besondere Autos

Arnolt erkannte, dass die rustikalen britischen Roadster nicht das richtige für seine verwöhnte Kundschaft waren und begann mit Nuccio Bertone zusammenzuarbeiten, der zwar mit Talent und Ideen gesegnet war, aber unter chronischem Geldmangel litt. So entstanden elegante Sportwagen auf MG-Fahrgestellen und später Sportwagen mit Bristol-Technik. Arnolt hatte aber auch ein Auge auf die Chassis der britischen Sportwagen-Firma Aston Martin geworfen.

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Der Aston Martin DB 2/4 als Basis

Aston Martin gehörte zu den erfolgreichen Sportwagenhersteller des britischen Königreichs. David Brown hatte die Firma 1947 übernommen, in der Folge mit Lagonda zusammengeführt und mit dem DB 2 1949 einen Sportwagen vorgestellt, der sowohl auf der Rennstrecke als auch auf der Strasse überzeugen konnte.

Im Bug leistete eine 2580 cm3 grosse Sechszylindermaschine, konstruiert von W. O. Bentley und Willie Watson, 105 PS. Mit zwei obenliegenden Nockenwellen war dies ein sehr fortschrittlicher Reihen-Sechszylindermotor mit Potential für mehr Hubraum und Leistung.


Aston Martin DB 2-4 (1954) - als viersitzige Variante
Copyright / Fotograf: Archiv Aston Martin Heritage

Man musste bei Aston Martin aber erkennen, dass die Kunden gerne mehr Platz und zwei Sitze im Fond gehabt hätten. Das Ergebnis war der DB 2/4, im Prinzip eine verlängerte Variante mit zwei kleinen Sitzen im Fond und einer überaus praktischen Heckklappe. Dieses Merkmal, zusammen mit den umklappbaren Hintersitzen, machte den Aston Martin DB 2/4 zu einem Vorreiter und wohl zum ersten praktischen Sportwagen überhaupt.

Mit 4,3 Meter Länge und 1,65 Meter Breite war der 2+2-Sitzer immer noch genügend kompakt, vor allem aber konnte das Stahlrohrchassis, das auch ohne Aufbau stabil war, separat gekauft werden und bot damit die Basis für Spezialkarosserien, die vom inzwischen 125 PS starken Sechszylinder profitieren konnten. Zwölf derartige Chassis wurden verkauft, der Rest der Produktion von insgesamt 577 Fahrgestellen wurde im Werk karossiert.

Acht Autos

Bereits im Sommer 1953, als bei Bertone gerade die Serienfertigung des MG-Coupés und Cabriolets für Arnolt anliefen, starteten auch die ersten Arbeiten mit Aston-Martin-Fahrgestellen:

“Ing. Nuccio Bertone, der heute die Geschicke dieser Firma leitet, traf mit Aston-Martin und Bristol Abmachungen zur Übernahme von Fahrgestellen, auf die ebenfalls für Arnolt zunächst einige Prototypen und dann eine kleine Serie von Karosserien gebaut werden sollen”, so stand es im Juni 1953 in der Automobil Revue.

Zu jener Zeit sprach man aber hauptsächlich über das Alfa-Bertone BAT 5 Coupé, das Scaglione entworfen hatte und das mit seinen Stabilisierungsflossen am Heck wie eine Kreuzung aus Auto und Tier aussah.

Auch das BAT 5 Coupé entstand für Arnolt, wie die Automobil Revue sechs Monate später zu berichten wusste:
“Das am Turiner Salon 1953 ausgestellte Alfa-Romeo- «BAT-5»-Coupé, das für die amerikanische Firma Arnolt gebaut und von dieser verkauft wurde, entstanden nun für denselben Auftraggeber originelle Spider in Luxus- und Rennsportausführung und dem Bristol 404 und dem Aston-Martin DB 2/4. Das Gerippe dieser Karosserien besteht aus U-Profilen und nicht aus geschlossenen Kastenprofilen, wie sie sonst häufig verwendet werden.”

Es entstanden (vermutlich) insgesamt acht Autos, die ersten sechs in kurzer Abfolge, zwei weitere später.

Chassis Ausführung Karosseriebauer Designer Kommentar Baujahr
LML 502 Competition Spider Bertone Scaglione heute USA (?) 1953
LML 503 Competition Spider Bertone Scaglione verschwunden, es ist nicht sicher, dass der Aufbau ein Comp. Spider war 1953
LML 504 Drophead Coupé Bertone Michelotti ursprünglich blau (?), heute rot, 2015 durch RM verkauft 1954
LML 505 Deluxe Competition Spider Bertone Scaglione angeboten durch Gooding in Pebble Beach 2016 1954
LML 506 Drophead Coupé Bertone Michelotti ex-Edith Field/Innes Ireland, verkauft durch Bonhams am Goodwood FoS 2011 1954
LML 507 Competition Spider Bertone Scaglione angeboten durch RM in Villa d'Este 2011 (?), heute Schweizer Besitzer 1954
LML 762 Drophead Coupé Bertone Scaglione genannt "Indiana", der letztgebaute Bertone-DB2/4, einst im Besitz von Nick Mason (?), heute CH (?) 1954/55
LML 765 Berlinetta/Coupé Bertone Scaglione das einzige Coupé, entstand vermutlich vor 762, in verschiedenen Farbgebungen ausgestellt 1954/55

 

Vier Formen, zwei Designer

Keiner der acht Wagen war wie der andere, aber es gab natürlich Gemeinsamkeiten. So gab es drei Grundkonzeptionen. Da war der Competition Spider, karossiert um die Fahrgestelle 502, 502 (?), 505 und 507. Für die Linienführung zeichnete Franco Scaglione verantwortlich und es war ihm ein grossartiger Wurf gelungen, der in den Arnolt Bristol Sportwagen weiterlebt und noch etwas mehr Verbreitung erhielt.


Aston Martin DB 2/4 Bertone Deluxe Competition Spider (1954) - im Auftrag von Arnolt gebaut, Chassis LML 505, angeboten durch Gooding in Pebble Beach 2016
Copyright / Fotograf: Mike Maez - Courtesy Gooding & Company

Nur einer der drei oder vier Competition Spiders aber wurde als Strassenfahrzeug mit zusätzlichen Chromzierrat und Luxus geplant, dies war Chassis LML 505. 1954 stand der Wagen auf der New York Auto Show und sollte dort unter anderem den Aston-Martin-Besitzer David Brown beeindrucken. Als Strassenfahrzeug war er mit einer hohen Windschutzscheibe ausgerüstet. Dass die Bertone-Karosserie Brown gefiel, steht ausser Zweifel, doch ein grösserer Deal mit Arnolt kam nicht zustande, wohl weil den Engländern dem Amerikaner nicht so recht über den Weg trauten.


Aston Martin DB 2/4 Bertone (1953) - Arosa ClassicCar Bergrennen 2015
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die übrigen Competition Spiders waren eher für den Einsatz auf der Rennstrecke gedacht, entbehrten unnötigen Luxus und zeigten sich minimalistisch. Ein Beispiel dafür ist Fahrgestell 507, das 2011 an der Villa Erba Versteigerung von RM für EUR 672’000 den Besitzer wechselte und seither unter anderem am Arosa Classic Car Bergrennen 2015 und am Concours d’Elégance Chantilly im Jahr zuvor zu sehen war.

Ganz anders als die Scaglione-Spider kamen die beiden frühen Michelotti-Varianten daher, die ebenfalls bei Bertone karossiert wurden. Sie waren als Granturismo-Fahrzeuge ausgelegt und nicht für den Rennsport gedacht. 


Aston Martin DB 2/4 Bertone (1953) - hier handelt es sich vermutlich um Chassis LML 504, die Linienführung stammt von Giovanni Michelotti
Archiv Automobil Revue

Die Fahrgestelle 504 und 506 erhielten gradlinige, relativ sachliche Karosserien. Die beiden Cabriolets erinnern in ihrer Form an andere Kreationen des italienischen Vielzeichners Giovanni Michelotti, etwa Ferrari-Sportwagen aus jener Zeit. Die Markenidentität von Aston Martin wurde aber mit dem typischen Kühlergrill und auch den Verzierungen auf der Flanke transportiert.

Wagen 504 ging an Charles Ward, den Präsidenten einer Firma namens Brown & Bigelow, die sich vor allem mit dem Druck von Kalendern (50 Millionen pro Jahr) einen Namen gemacht hatte. Das Auto war das Geschenk der 60 Verkaufsleiter an ihren Chef und so stand es dann auch auf einer Plakette unter der Motorhaube: “This motor car was especially designed and created for Charles A. Ward by S.H. Arnolt, Chicago and Carrozzeria Bertone, Torino, Italy.”

Um den Chef zu ehren, liessen die Schenkenden an einigen Stellen des Wagens Wards Monogramm anbringen, u.a. auf dem Lenkrad.

Das rote (und ursprünglich blaue?) Cabriolet wurde im Rahmen der RM / Sotheby's Versteigerung der Andrews Collection am 2. Mai 2015 für  USD 1,32 Millionen verkauft.


Aston Martin DB 2/4 Bertone Convertible (1954) - Design Giovanni Michelotti, Fahrgestell LML 504, angeboten von RM/Sotheby's im Jahr 2015
Copyright / Fotograf: Darin Schnabel - Courtesy RM Sotheby's

Das Michelotti-Cabriolet mit der Chassis-Nummer 506 wies im Gegensatz zu 504 keine Zusatzscheinwerfer im Kühlergrill auf. Ansonsten glichen sich die beiden Fahrzeuge fast wie ein Ei dem anderen. Erste Besitzerin des Wagens war Mrs Edith C Field, eine vermögende Autoliebhaberin. Sie zeigte den Wagen am Concours d’Elégance von Pebble Beach im Jahr 1955 und gewann den dritten Preis in ihrer Klasse.


Aston Martin DB 2/4 Bertone (1954) - mit der Karosserielinie von Michelotti, Fahrgestellnummer 506
Copyright / Fotograf: Simon Clay - Courtesy Bonhams

Mitte der Achtzigerjahre war Innes Ireland, ein bekannter Rennfahrer, Besitzer des Wagens, behielt ihn aber nicht lange. Weitere Besitzerwechsel folgten, bis im neuen Jahrtausend das Cabriolet eine komplette Restaurierung zurück in den Neuzustand versetzte. Im Jahr 2011 versteigerte Bonhams den blauen Wagen an der Goodwood Festival of Speed Versteigerung und erzielte einen Verkaufspreis von £ 606’500.


Aston Martin DB 2/4 Bertone (1954) - ein Michelotti-Cabriolet, vermutlich Chassis LML 506
Archiv Automobil Revue

Einige Zeit später entstand auf dem Fahrgestell LML 762 wiederum ein Cabriolet für den Strasseneinsatz, das sich designmässig eher an die Michelotti-Kreationen anlehnte, aber von Scaglione gezeichnet worden sein soll. Ungewöhnlich wirkte die relativ gradlinige Linienführung zusammen mit der gebogenen Frontscheibe. 762 wurde Arnolts Privatauto und unter dem Namen “Indiana” bekannt. 2009 wurde der Wagen mit Zürcher Kennzeichen am Concorso d’Eleganza Villa d’Este gezeigt.


Aston Martin DB 2/4 Bertone (1956) - das Coupé mit Chassis LML 765, ausgestellt in Turin im Herbst 1958
Archiv Automobil Revue

Das einzige Coupé mit Fahrgestell LML 765 wurde, zu jenem Zeitpunkt hell lackiert, im Spätherbst 1957 in Turin gezeigt und stand dann ein Jahr später in dunkler Farbgebung erneut auf dem Bertone-Stand in Turin. Das Besondere an diesem Wagen war die Gestaltung der Heckscheibe, die sehr grosszügig dimensioniert war. Als Designer wird wiederum Scaglione genannt. 2007 machte dieser Wagen, nun knallrot lackiert, in sehr gutem Zustand in Pebble Beach seine Aufwartung.

David Brown und Aston Martin sollen über die Initiative des amerikanischen Vertriebspartners Arnolt nicht so glücklich gewesen sein und spätestens dann, als jener auch noch ein eigenes Logo für die Autos kreierte, stand der Haussegen schief und Arnolt erhielt keine weiteren Fahrgestelle mehr.

Gesucht und begehrt

Sie sind rar und haben einiges an optischen Reizen zu bieten. Als Investition haben sie sich (bisher) hervorragend bewährt, was die genannten Preise deutlich belegen.


Aston Martin DB 2/4 Bertone Deluxe Competition Spider (1954) - Interieur von Chassis LML 505
Copyright / Fotograf: Mike Maez - Courtesy Gooding & Company

Wer sich für einen dieser Bertone-Astons interessiert, erhält an der Gooding & Company Versteigerung in Pebble Beach am 20./21. August 2016 die Gelegenheit, zuzuschlagen. Die Zeiten aber, in denen man mit sechsstelligen Einsätzen zu einem der raren Competition Spiders kam, sind längst vorbei, Gooding schätzt USD 3 bis 4 Millionen für den Deluxe Competition Spider mit Chassis-Nummer LML 505.

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