Der einmalige Bugatti 49 mit Beutler-Karosserie

Erstellt im Jahr 2012
, Leselänge 3min
Text:
Simon Baumann (Vectura)
Fotos:
Archiv Daniel Reinhard 
2
Bruno von Rotz 
8
Matthias Pfannmüller (Vectura) 
5
Archiv Vectura 
2
Oldtimer Galerie Toffen 
1
Balz Schreier 
1
Archiv 
2

«Gebr. Beutler & Co Carrosserie Thun» steht auf den Flanken der langen Motorhaube. Die kleine Plakette sorgt in Fachkreisen für Entzücken, denn  Beutler zählte einst zu den mehrbesseren Blechvirtuosen der Schweiz. 1943 von den Brüdern Ernst und Fritz gegründet, eiferte man dem Vorbild der Carrosserie Graber nach, die schon seit 1927 und auch im Kanton Bern existierte.


Bugatti Type 49 Cabriolet Beutler (1931) - mit dem Beutler-Schriftzug
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Karosserie mit Qualitätsleidenschaft

Die Beutlers kleideten nun ebenfalls einzelne Fahrgestelle oder auch Kleinserien mit zeitlos eleganten Aufbauten ein. Deren handwerkliche Qualität war über jeden Zweifel erhaben, doch mit Aufkommen selbsttragender Automobile ging die Ära der Blechkünstler in den Sechzigerjahren unausweichlich ihrem Ende entgegen: Trotz zunehmender Verlagerung auf Reparaturen und Lackierungen ging es auch bei Beutler bergab – immerhin hielt man noch bis Herbst 1987 durch.

Die Summe aller dieser Tatsachen macht die Autos aus Thun um ein Vielfaches teurer als identische Baureihen mit Serienkarosse.

Eines von 470 Exemplaren

Ein Bugatti 49 mit Jahrgang 1931 ist natürlich auch mit Werksaufbau eine Rarität. Das stattliche Fahrzeug mit 3,2-L-Achtzylinder-Reihenmotor,  Doppelzündung und 24 Ventilen (insgesamt enstanden 470 Exemplare dieses Typs) wurde einst vom Werk an Baron von Bonstetten in Gwatt bei Thun ausgeliefert.


Bugatti Type 49 (1936) - fotografiert in den Siebzigerjahren (Baujahr geschätzt)
Archiv Automobil Revue

Der erfreute sich nur zwei Jahre an dem Wagen, bevor er ihn weiter veräusserte. Auch der zweite Eigner, ein Geschäftsmann und hochrangiger Militär, lebte in Thun, und so blieb der Bugatti die folgenden zwölf Jahre vor Ort.

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Neue Kleider machen Leute (oder Autos)

Nach 1945 waren neue Autos knapp, auch in der Schweiz. Vorkriegsmodelle wurden entsprechend länger genutzt und auf Vordermann gebracht. Als beliebte Methode galt seinerzeit das neue «Einkleiden», und weil es sich beim Typ 49 nicht um irgendein Auto handelte, kam es schliesslich zu den Gebrüdern Beutler, die damals frisch im Geschäft und einfach auch in der Nähe waren.

Bei «BE 38020», so das Kennzeichen des Fahrzeugs, soll es sich um ihren 14. Auftrag gehandelt haben, und sie taten alles, um den offenbar anspruchsvollen Kunden zufriedenzustellen:


Bugatti 49 (1931) - Beutler-Karosserie, entstanden nach dem zweiten Weltkrieg, auf Bugatti-Fahrgestell
Copyright / Fotograf: Oldtimer Galerie Toffen

Die Original-Karosserie, dem Vernehmen nach bereits ein Cabriolet, wich einem gestreckt-schicken Körper aus Aluminium. Halb integrierte Kotflügel und glatte Flächen an Flanken oder dem Heck bezogen sich auf die damals hochmoderne Pontonform, während Beutler die Scintilla-Hauptscheinwerfer in bester 40er-Jahre-Manier frei stehend gestaltete.

Es blieb derweil beim typischen Bugatti-Kühler und die Gesamterscheinung des so entstandenen Zwitterwesens ist nicht ohne Reiz: Von hinten betrachtet übt sich das Auto in vornehmer Zurückhaltung, während seine Frontpartie in den Rückspiegeln anderer Verkehrsteilnehmer noch heute mächtig Eindruck schindet.

Komfort statt Sport

Mit seinen 85 PS und 1470 Kilo Leergewicht ist der Beutler-49 in Bezug auf Beschleunigung und Top Speed heute höchstens Mittelmass, um es mal höflich auszudrücken. In den späten 40ern dagegen sorgten 120 Sachen Spitze noch für gehörigen Respekt, doch wurde der Wagen kaum je so schnell bewegt.

Komfort stand im Vordergrund, was auch durch die damalige Nachrüstung eines Cotal-Vorwahlgetriebes mit vier Gängen unterstrichen wird. Fotos jener Tage zeigen das Cabriolet bei Lustfahrten auf Alpenpässen, doch das muss nach 1951 gewesen sein: In jenem Jahr hatte der Bugatti erneut den Besitzer gewechselt – im Tausch gegen einen neuen Chrysler Imperial.

Mehrfacher Besitzerwechsel

Der dritte Eigner war also Garagist und lebte ebenfalls in Thun, behielt die bereits 20 Lenze zählende Occasion aber nicht lange. Zwei Halter später entstanden dann die erwähnten Passbilder – der Bugatti hatte nach einer durchzechten Nacht erneut den Besitzer gewechselt.


Bugatti 49 Beutler (1931) - genussvolle Ausfahrt (aufgenommen um 1953)
Copyright / Fotograf: Archiv Vectura

Jetzt gehörte er dem Wirt des Gasthof Krone in Rubigen. Dessen Neffe war Mech in der benachbarten Kronen-Garage und trug Sorge für das Auto. Drei Jahre nach dem Tod des Wirtes verkaufte dessen Witwe den Wagen 1955 an einen orientalischen Diplomaten, der mit ihm schon auf dem Weg nach Zürich in Hindelbank verunfallte, wie sich tags darauf in der Zeitung lesen liess.

Gründlich restauriert

Im gleichen Jahr verschlug es den lädierten Beutler-Bugatti in die Vereinigten Staaten – zuerst nach Florida und dann nach Michigan, wo er die kommenden Dekaden in verschiedenen Händen verbringen sollte. Von 2006 bis 2009 erfuhr das Fahrzeug eine gründliche Restaurierung und kehrte 2010 wieder nach Europa zurück.


Bugatti 49 Beutler (1931) - modernisiertes Interieur
Copyright / Fotograf: Matthias Pfannmüller (Vectura)

An einer Versteigerung wurde der Wagen im Mai 2010 für 425’000 Franken plus Aufgeld an einen Thuner Bugatti-Liebhaber verkauft. Damit kehrte der 49er-Beutler zu seinen Ursprüngen zurück und erhielt wieder Auslauf auf bekannten Berg- und Talrouten.


Bugatti Type 49 Cabriolet Beutler (1931) - versteigert als Lot 68 an der Dolder Classics Car Auction der Oldtimergalerie Toffen am 8. Juni 2013
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

2013 wurde der Wagen an der Dolder-Classics-Auktion der Oldtimer Galerie Toffen erneut versteigert, erst bei 570’000 Franken fiel dieses Mal der Hammer und ein weiterer Besitzer konnte sich in die bereits ansehnliche Liste eintragen lassen. Ob es dabei bleibt, werden die Historiker in einigen Jahren dokumentieren dürfen.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von jo******
21.10.2014 (15:50)
Antworten
Es scheint mir, dass die jeweiligen neueren Eigner diesen Graber Bugatti weniger als interessantes Auto schätzen, sondern lediglich als gewinnbringendes Objekt. Schade dafür.
von ha******
16.10.2016 (20:56)
Antworten
Ich kann mich aus meiner Jugend in Thun an dieses Auto erinnern. Vor dem Umbau gehörte der Wagen dem Mineralwasserfabrikanten Fritz Wüthrich,
(Mineralwasserquelle Weissenburg) und er liess den Wagen neu, bei Beutler karossieren.

Haensu
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