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Der edle Cadillac des gescheiterten englischen Königs

Erstellt am 14. November 2013
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Archiv Peter Ruch 
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Owner - Courtesy of RM Auctions 
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Owner - Courtesy RM Auctions 
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Ein Cadillac war immer ein besonderes Fahrzeug, 1941 aber baute General Motors dem ehemaligen König Englands, Eduard VIII, eine Einzelanfertigung, die als Meilenstein des Cadillac-Designs gilt.

Cadillac Custom Limousine "The Duchess" by General Motors (1941) - angeboten als Lot 123 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York
Copyright / Fotograf: Owner - Courtesy of RM Auctions

Ein König mit Ecken und Kanten

Als ältester Sohn des Königs Georg V war Edward, der im Jahr 1894 geboren wurde, der natürliche Thronfolger und wurde wie damals üblich vom Dienstpersonal erzogen, während König und Königin ihren Aufgaben nachgingen. Der selbstbewusste Eduard lebte das ausschweifende Leben eines Monarchen mit grossen Reisen und Grosswild-Safaris, hatte aber auch Interesse an sozialen Fragestellungen. Nach diversen Affären galt seine Liebe der zweifach geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson.

Bereits im Januar 1936 war Eduard als "Eduard VIII" nach dem Tod seines Vaters auf den Königsthron gestiegen.

Liebe, Abdankung und Luxus-Exil

Als Eduard seinen Entscheid bekannt gab, die Wallis Simpson zu heiraten, wurde er zur Abdankung gezwungen, denn eine geschiedene Frau als Königin war in England undenkbar. Ihm aber war sein Liebesglück wichtiger und so verzichtete er auf den Thron. Ihm folgte George VI, den wir heute vor allem aus dem Film “The King’s Speech” mit Colin Firth als König kennen.

Eduard aber lebte fortan im selbstbestimmten Exil, unter anderen min den Vereinigten Staaten. Besonders gerne weilte der nun “Duke of Windsor” genannte Aristokrat in seiner Suite im Waldorf an der Park Avenue in New York. Der Trendsetter, nach ihm wurde unter anderem der Windsor-Krawattenknoten benannt, benötigte natürlich auch ein entsprechend nobles Automobil. Dieses wurde ihm vom General-Motors-CEO Alfred P. Sloan übergeben.

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Der Über-Designer Harley Earl

Automobil Design wäre nicht, was es heute ist, ohne die Existenz von Harley Earl (1893-1969). Dieser hatte das Designhandwerk von der Pike auf gelernt, als er in der Firma seines Vaters Sonderkarosserien für Hollywood-Stars baute. Sein Talent fiel auch General Motors auf und Präsident Sloan liess Earl den 1927-er LaSalle zeichnen, der zum grossen Erfolg wurde. In der Folge etablierte General Motors die “Art and Color Section”, im Prinzip ein Designstudio. Dies war in Autobauerkreisen eine echte Innovation, denn bis dahin war die Form reinen Kosten- und Funktionalitätskriterien entsprungen.

Harley Earl beeinflusste die Gestaltung der General-Motors-Produkte insbesondere auch mit seinen Konzeptfahrzeugen, von denen der Buick Y-Job im Jahr 1939 das erste war.

Ein ganz besonderer Cadillac

Für den “Duke” und die “Duchess” war GM-Chef Sloan nur das beste gut genug, so liess er seine “Styling Section” unter Harley Earl ein Einzelstück für die englischen Aristokraten bauen. Kein Karosserieteil stimmte mit den übrigen Cadillac-Modellen von 1941 überein, das Design war individuell und prägte sogar den 1942-er-Cadillac-Jahrgang sichtbar.

Cadillac Custom Limousine "The Duchess" by General Motors (1941) - angeboten als Lot 123 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York - Foto aus der Zeit
Copyright / Fotograf: Owner - Courtesy RM Auctions

Auf der Karosserie und der Radnabe waren Windsor-Monogramme angebracht, Chrom war nur andeutungsweise sichtbar auf dem dunkeln Fahrzeug. Die Kühlerfigur war in Gold gehalten. Das Ergebnis wirkte extravagant und elegant gleichzeitig.

Cadillac Custom Limousine "The Duchess" by General Motors (1941) - angeboten als Lot 123 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York
Copyright / Fotograf: Owner - Courtesy of RM Auctions
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Technik und Ausstattung vom Feinsten

Bezüglich Technik wurde eingebaut, was General Motors bieten konnte in jener Zeit. Der Wagen verfügte über einen V8-Motor, der besonders fein lief, vordere Einzelradaufhängungen, eine vollautomatische Hydra-Matric-Getriebeautomatik, hydraulisch angesteuerte Bremsen und sogar Stabilisatoren, die den Wagen gerade hielten.

Cadillac Custom Limousine "The Duchess" by General Motors (1941) - angeboten als Lot 123 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York
Copyright / Fotograf: Owner - Courtesy RM Auctions

Im Innern sorgte aller erdenkliche Komfort für müheloses Reisen. Die Heizung arbeitete vollautomatisch, die Fenster konnten ohne Muskelkraft gesenkt und gehoben werden. Ein (Mittelwellen-) Radio gab es hinten und vorne, denn man ging davon aus, dass Eduard auch gerne einmal selber fahren würde. Selbst die Antennen konnten mit Vakuum-Unterstützung ausgefahren werden.

So viel Extravaganz hatte ihren Preis. Rund USD 14’000 soll der Duke of Windsor für den besonderen Cadillac bezahlt haben, also über dreimal soviel wie das teuerste Serienmodell, das als Fleetwood Series 75 Formal Sedan im Jahr 1941 USD 4045 kostete. Aber Geld spielte wohl bei Eduard nicht wirklich eine Rolle.

Verschollen und wiedergefunden

Elf Jahre hielt der Duke dem Cadillac seine Treue, dann tauschte er ihn 1952 gegen einen neuen Cadillac Series 75 und einen Buick Stationswagen ein. 19’246 Meilen hatte der blaublütige Engländer zurückgelegt und selbst beim Verkauf sollen Qualität undFinish des Wagens überzeugt haben und doppelt so gut gewesen sein wie bei den damaligen Neuwagen.

Zwei weitere Besitzer folgten, gesichtet wurde das rare Einzelstück aber über viele Jahre kaum mehr und es galt gar als verschollen. Doch 2009 tauchte der Wagen wieder auf und wurde dann ohne Rücksicht auf die Kosten restauriert.

Sechsstellig

Auf USD 500’000 bis 800’000 wurde der 41er Cadillac - zusammen mit Originalfotos und -unterlagen - geschätzt, als er an der Versteigerung von RM Auctions / Sotheby's in New York am 21. November 2013 unter den Hammer kam, und dies gerade einmal 1,7 Meilen Fussmarsch vom Waldorf Astoria entfernt, in welchem der Wagen 72 Jahre früher jeweils eingestellt war.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von al******
15.11.2016 (12:38)
Antworten
Als alter (in Jahren) und langjähriger Cadillac-Fahrer habe ich den gut recherchierten und interessanten Bericht von Herrn von Rotz mit grossem Interesse und Freude gelesen, eine echte "Trouvaille" ohne wenn und aber. Herzlichen Dank.
Albert Augustin
4460 Gelterkinden
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