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Bild (1/1): Fiat 1500 Pilato (1965) - nur wenige Fiat 1500 wurden zu Leichenwagen umgebaut, normalerweise dienten Mercedes-Modelle und Amerikaner als Basis (© Daniel Reinhard, 2013)
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    Der Fiat 1500 für die letzte Reise

    11. Dezember 2013
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (45)
    Archiv Reinhard / Max Pichler 
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    Es war 07:34, als Don Corleone im Kugelhagel seiner Widersacher starb, knapp ausserhalb von Palermo. Bereits um 09:36 wurde er abgeholt und trat in einem Fiat 1500 seine letzte Reise an. Hätte er um sich schauen können, wären ihm die schön gearbeiteten Metalloberflächen aufgefallen, die kunstvollen Lampen und die grossen Fensterflächen. Den Fahrer hätte er wegen der fast undurchsichtigen Scheibe wohl kaum erkannt.

    Fiat 1500 Pilato (1965) - kaum langsamer als ein serienmässiger Fiat 1500
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Und er hätte sich sicher gefühlt im Fiat, denn der italienische Hersteller war 1961 der erste gewesen, der einen Personenwagen dieser Klasse mit vorderen Scheibenbremsen ausgerüstet hatte. Zudem hätten Don Corleone sicher auch die über 1,5 Millionen Testkilometer beruhigt, die 19 Prototypen im hohen Norden Skandinaviens und in den tropischen Regionen Südafrikas absolviert hatten.

    Fiat 1300 und 1500 (1961) - Testfahrt am kalten 'Polcircel'
    © Zwischengas Archiv

    Sorgfältig entwickelte Konstruktion

    Offiziell vorgestellt wurde der neue Fiat 1500, der sich vom gleichzeitig präsentierten “kleinen” Bruder 1300 nur durch den Motorhubraum unterschied, am 1. Mai 1961 anlässlich der Ausstellung “Italia 1961” in Turin. Begonnen hatten die Arbeiten am neuen Mittelklassemodell aber schon viel früher, nämlich Mitte der Fünfzigerjahre, als der neue Sechszylindermotor für die Modelle 1800 und 2100 sein Versuchsstadium verlassen hatte.

    Ziel der neuen Konstruktion waren bescheidene Abmessungen, günstige Anschaffungs- und Unterhaltskosten, sowie Komforteigenschaften und Fahrleistungen, die dem grösseren Modell 1800 nur unwesentlich nachstehen sollten.

    1957 lagen erste Entwürfe für den Wagenaufbau vor, kurz danach liefen bereits die ersten Prototypen im Testprogramm.

    Zeitgemässe Technik

    Unter der schlichten, selbsttragenden Karosserie, deren Form dem damaligen Trapez-Trend folgte und auch einige amerikanische Elemente aufwies, sass weit vorne ein Vierzylindermotor mit hängenden Ventilen und seitlicher Nockenwelle. Als 1,3-Liter leistete das Aggregat 72 SAE-PS, als 1,5-Liter 80 SAE-PS. Gekoppelt an ein vollsynchronisiertes Vierganggetriebe wurde die Kraft via Kardanwelle an die Hinterachse geleitet.

    Fiat 1500 (1964) - der Vierzylinder mit hängenden Ventilen und seitlicher Nockenwelle, von links gesehen
    © Zwischengas Archiv

    Die vorderen Aufhängungselemente wurden vom Fiat 1800 übernommen, was mit oberen Dreieckslenkern und einfachen Querlenkern unten in Kombination mit Schraubenfedern fortschrittlich war. Hinten führte eine einfache Starrachse die Räder. Gebremst wurde vorne mit Girling-Scheibenbremsen, hinten mit verrippten Trommelbremsen.

    Rund 920 kg betrug das Leergewicht und dank des “noblen” Radstands von 2,42 Metern gab es trotz nur 4,03 Metern Aussenlänge auf allen fünf Plätzen genug Freiraum, wenn man nicht viel grösser als der italienische Durchschnitt war. 

    Fiat 1500 (1964) - Grundaufbau und mechanische Aggregate
    © Zwischengas Archiv
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    Kontinuierliche Pflege

    Schon 1961 erschien eine Kombi-Version, die bei Fiat “Familiare” genannt wurde, obschon sie sich natürlich primär an die Handwerker richtete.

    Fiat 1800 (1961) - die Kombiversion bietet Platz für alles, auch beim kleineren 1300/1500 gab es eine Familiare-Version
    © Zwischengas Archiv

    1964 wurde das Modell 1300/1500 überarbeitet, erhielt einen um 8 cm verlängerten Radstand, drei PS zusätzlich und diverse kleine Verbesserungen. Von aussen erkannte man das neue Modell an einer waagrechten Leiste im Kühlergrill.

    Fiat 1500 (1965) - ein Testwagen in Italien
    © Archiv Automobil Revue

    Flottes Familienvehikel

    Während die erste Version in 16,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigte, nahm sich die modellgepflegte Variante 1964 sechs Zehntel weniger Zeit. Die Höchstgeschwindigkeit war von 146 auf 153 km/h gestiegen. So mass es zumindest die Automobil Revue.

    Auch die ADAC Motorwelt widmete dem neuen Modell bereits 1962 einen Testbericht und kam zu ähnlichen Ergebnissen. Gelobt wurde vor allem die Qualität: “Offensichtliche Solidität und tadellose Verarbeitung im Innenraum lassen vergessen, dass auch dieser Wagen ein Produkt der Massenfertigung ist. Alles wirkt sachlich gediegen, sauber und haltbar. ... Wäre der Preis nicht bekannt, müsste man ihn teuerer einschätzen, als er hierzulande ist.”

    Fiat 1500 (1965) - im harten Handling-Test
    © Zwischengas Archiv

    7’350 Mark kostete der 1500er in Deutschland, 8’975 Franken waren es in der Schweiz, womit man noch unter dem Ford Taunus 17M Sedan 1,5 Liter mit Dreigang-Getriebe oder etwas über dem Opel Rekord 1,7 Liter lag. Beim Fiat war aber eine reichhaltige Ausrüstung dabei, die Liegesitze, Heizung, eine elektrische Scheibenwaschanlage, Rückfahrlampe und viele Sicherheitsattribute (neben den Scheibenbremsen) beinhaltete.

    Es gab nur wenig zu kritisieren am der kompakten Limousine und dies änderte sich auch über die ganze Bauzeit bis 1966 nicht. Selbst im letzten Baujahr konnte der Wagen in Vergleichstest noch gegen neuere Konkurrenten bestehen.

    SC73

    Ablösung durch den Fiat 124

    Dass der Fiat 1300/1500 dann relativ früh, also nach nur fünf Baujahren bereits durch den Nachfolger Fiat 124 ersetzt wurde, lag sicher nicht an den mangelnden Talenten, sondern vermutlich daran, dass die Formgebung wohl Mitte der Sechzigerjahre nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprach. Über 600’000 Exemplare hatte man bis zur Ablösung gebaut.

    Eine Sonderkarosserie

    Die leicht altmodische Formgebung hatte 1965 die Passagiere im zum Leichenwagen umgebauten Fiat 1500 sicher nicht gestört. Tatsächlich waren vor dem ersten Einsatz umfassende Blech- und Glasarbeiten nötig gewesen.

    Fiat 1500 Pilato (1965) - es wurde soviel wie möglich serienmässig belassen
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Als Basis hatte die Firma Pilato einen Fiat 1500 Familiare genommen. Es soll sich dabei um den dritten Umbau insgesamt gehandelt haben.
    Genutzt wurde der Fiat in Palermo, wo er mit dem Nummernschild PA 696 unterwegs gewesen war.

    Irgendwann, lange nach seiner aktiven Zeit, gelangte der ungewöhnliche Fiat in die Schweiz und wurde schliesslich vom aktuellen Besitzer, der durch den Film «Harold and Maude» von Hal Ashby auf die Idee gekommen war, einen Leichenwagen zu besitzen, umfangreich restauriert.

    Im Fahrzeugausweis steht “Lieferwagen”, allerdings wurde der Besitzer darauf hingewiesen, dass der Wagen nicht mehr für Transportaufgaben verwendet werden solle.

    Am Lenkrad eines Leichenwagens

    Setzt man sich hinter das Steuer fällt zuerst einmal auf, dass sich der Wagen anfühlt wie jeder andere Fiat 1500. Die grosse Ausnahme gilt allerdings der Sitzposition. Um genügend Platz für das hintere Abteil zu schaffen, steht die Vordersitzlehne sehr steil und der Sitz ist auch nicht nach hinten verschiebbar. Aber vermutlich ziemte sich diese aufrechte Fahrerposition für den Verwendungszweck.

    Fiat 1500 Pilato (1965) - sehr aufrechte Sitzposition, durch Trennwand erzwungen
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Das Zündschloss sitzt links am Lenkrad, der Schalthebel rechts davon. Die Gänge werden entlang eines normalen H-Schemas geschaltet. Nichts ungewöhnliches also.

    Fiat 1500 Pilato (1965) - Zündung links, Lenkradschaltung rechts
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Hat man sich mit der gewöhnungsbedürftigen Sitzhaltung abgefunden, verläuft die Fahrt problemlos und unauffällig. Automatisch schlägt man ein gemässigtes Tempo ein, wer würde schon mit einem Leichenwagen die maximale Querbeschleunigung testen wollen.

    Nicht normal ist allerdings die Reaktion der anderen Verkehrsteilnehmer auf den Fiat. Nur selten erhält man als Fahrer eines schwarzen Fahrzeugs so schnell den Vortritt erteilt und die meisten anderen Autos halten unüblich viel Abstand zum Fiat-”Lieferwagen”.

    Und als Fahrer fühlt man sich natürlich verpflichtet, einen ernsten Gesichtsausdruck aufzulegen, ein Grinsen ziemt sich ganz sicher nicht.

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    Schön verarbeitet mit Sinn für das Detail

    Der gesamte Auf- und Innenausbau weicht beim Pilato-Fiat von der Serie ab. Sogar Steckverbindungen und Aufhängungen zum Anbringen festlicher Leuchten sind aussen vorhanden. Innen gibt es eine glänzende Blechausstattung, die mit Zapfenschliff verziert ist. Auf dem Dach findet sich ein glänzendes Kreuz. Die Innenbeleuchtung erzeugt die nötige Ambience. Für deren Schaltung befinden sich vorne im Cockpit zusätzliche Schalter. Der Fahrer ist natürlich durch eine Trennscheibe von seiner “Nutzlast” separiert.

    Fiat 1500 Pilato (1965) - der Hebel rechts dient zum Aktivieren des Kriechgangs
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Und dann gibt es noch eine weitere Besonderheit, die der Leichenwagen von anderen Fiat 1500 abhebt - den Kriechgang. Der Hebel sitzt rechts vom Gaspedal und er erlaubt die problemlos Fortbewegung in Schrittgeschwindigkeit

    Ob Don Corleone sich wohl am Tankverschluss im Fahrgastraum gestört hätte? Vermutlich  war das die kleinste seiner Sorgen, sofern er überhaupt noch welche hatte.

    Wir danken dem Besitzer und der Garage Romano für die Gelegenheit, diesen besonderen Fiat kennenzulernen. Der Wagen steht zum Verkauf durch, wer sich interessiert kann sich gerne bei Zwischengas melden.

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    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    Ru******:
    17.12.2013 (16:03)
    Danke für den Bericht des Fiat 1300/1500. Er war in Deutschland das meist importierte Auto seiner Zeit und in Süddt. weit verbreitet. In Nordt. hingegen weniger, aber die Norddeutschen fahren ja auch nicht sportlich..... Leider sind sehr viele Fehler im Text enthalten. Ich versuche gerne, wenigstens die wichtigsten Dinge zu nennen:

    Ende 1964 erschien der neue 1500 als "1500 C", mit neuem Gesicht durch geänderten Kühlergrill, geändertes Armaturenbrett und Lenkrad, neue, größere Rücklichter u.a. Details. Und er hatte mit 75PS nicht 3, sondern 8 PS mehr, der alte hatte nämlich 67PS, immer in DIN-Angaben. In der AMS war übrigens der Beschleunigungsunterschied 67:75PS größer, 15,8:14,5sec., so weit ich mich erinnere. Auch hat die Laufruhe z.B. durch neue Kurbelwellenlager (leider nur 3), neuem Vergaser mit anderem Luftfilter, etc., zugenommen.

    Der 1300 (60PS) ist jedoch dagegen immer der alte geblieben, formal und technisch.

    Dies betrifft auch den 1500 Familiare, der formal immer der alte blieb, obwohl gerade er die 8cm mehr Radstand, respective 10cm längere Karosserie, gut hätte gebrauchen können. Der Familiare hat aber immerhin technisch die Änderungen des 1500 C erhalten. Auch war er selbstverständlich nicht in erster Linie ein Handwerkerauto, sondern ein Familienkombi. Das war zu seiner Zeit sehr modern erdacht, deshalb wurde er formal nicht auf maximalen Platz, sondern mit schrägem Heck auf schick getrimmt. Auch war es ein Kombi, der fahrwerkstechnisch keinerlei Änderungen zur Limousine bekam und deshalb quasi genau so bequem und sportlich fuhr und auch kein höheres zulässiges Gesamtgewicht hatte. Das war bei fast allen anderen Kombimodellen der frühen 60er Jahre anders! Sie hatten immer eine viel härtere Auslegung, sei es durch 5 statt 3 Blattfedern (Opel und Ford) oder durch eine viel gröbere HA-Aufhängung und Differential (z.B. Volvo Amazon). Der Fiat war neben dem VW 1500/1600 Variant und dem technisch dem Fiat etwas ähnlich entwickelten Simca 1500/1501 Familiale einer der ganz wenigen Kombis, die keinen fahrtechnischen Nachteil zur Limousinen-Schwester hatten! Wenn ich hier ein Bild einstellen könnte, würde ich den Fiat 1500 Familiare Bj. 1965, den ich in meiner kleinen Sammlung habe, ablichten....

    Natürlich ist ein 1500 Leichenwagen eine besondere Angelegenheit, mit den Rücklichtern der Lancia Flavia Limousine übrigens, soweit ich es erkennen kann. Einen 1800/2100/2300-Leichwagen habe ich schon ein paar mal gesehen, die Basis ist natürlich allein schon durch die Fahrzeuggröße naheliegender als der 1500. So einen hatte ich auch noch nie gesehen, er ist sehr hübsch gelungen, finde ich.....

    Viele Grüße

    Runenverwalter
    ritschi:
    13.12.2013 (17:31)
    Fiat 1500 (1961) - die Kombiversion bietet Platz für alles - das ist kein Fiat 1500 familiale, das ist einer der Serie 1700 - 2300
    Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
    13.12.2013 (22:15)
    da haben Sie richtig gesehen, der abgebildete Kombi stammt aus der grösseren Baureihe. Wir haben das geändert. Merci für Ihre Aufmerksamkeit!
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