DB GT Le Mans - rares französisches Granturismo-Cabriolet

Erstellt am 10. Oktober 2014
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Artcurial 
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Archiv 
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Porsche-Fahrleistungen und ein fast überirdisches Handling versprach der DB Le Mans, den die kleine Autoschmiede von Charles Deutsch und René Bonnet 1959 auf dem Pariser Autosalon vorstellten.

Trotz interessanter Anlagen und beeindruckendem Fahrverhatlen blieb der offene Frontantriebs-Sportwagen eine Rarität.


DB GT Le Mans (1961) - die Nebellampen waren ein zeitgenössisches Zubehör
Copyright / Fotograf: Artcurial

Autos seit 1938

Bereits im Jahr 1938 gründeten der französische Rennfahrer René Bonnet und der ausgebildete Aerodynamiker Charles Deutsch die Firma Deutsch-Bonnet, die ab 1947 nur noch D.B. (DB) genannt wurde. Ihr Metier waren leichtgewichtige und windschlüpfige Rennsportwagen, aber bereits 1950 präsentierten die beiden Geschäftspartner in Paris ein Strassen-Cabriolet, das auf der Technik des Panhards basierte. Während man anfänglich noch mit Stahlblech-Karosserien experimentierte, wurde schon bald Kunststoff (GFK) für die Fertigung der Aufbauten gewählt.

Ein Luxus-Sportwagen für Amerika

1959 zeigte DB am Pariser Autosalon den DB Le Mans. Er war grösser und luxuriöser als seine Vorgänger und es handelte sich um ein Cabriolet, mit dem man den amerikanischen Markt ins Visier nehmen wollte.


DB GT Le Mans (1961) - hübsches Cabriolet von Deutsch-Bonnet am Genfer Auto Salon 1961
Archiv Automobil Revue

Weiterhin wurde die Panhard-Technik als Basis verwendet, was trotz nur zweier Zylinder und 848 cm3 immerhin 60 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von rund 160 km/h bedeutete. Die vorderen Räder waren angetrieben.

Im Jahr 1960 charakterisierte die Automobil Revue im Bericht aus Paris den Wagen folgendermassen: “Das Cabriolet Le Mans, welches geräumiger ist als der Rennsportwagen, und das sich durch eine reichere Ausstattung auszeichnet, ist nun mit einem Aufsetzdach lieferbar. Der 850-cm'-Motor und die übrigen mechanischen Aggregate stammen von Panhard*.

Im Einklang mit Panhard wuchs der Hubraum und die Leistung. 1961 stand bereits eine stärkere Version auf dem Genfer Autosalon und die Automobil Revue schrieb:

“Andere umlagerten die beiden DB des Typs Le Mans, von denen einer mit einem Hardtop versehen war und die wie die Coach auf Wunsch auch mit dem stärkeren 954-cm3-Motor ausgerüstet werden.”

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Kunststoff-Cabriolet

Die Form des DB Cabriolet GT Le Mans war eindeutig sportlich gehalten, insgesamt war der Wagen mit einem Radstand von 2,4 Metern und einer Gesamtlänge von 395 cm kompakt und mit unter 600 kg auch recht leicht. Dies war sowohl der leichtgewichtigen Panhard-Chassis-Konstruktion zu verdanken, aber auch der wenig Zusatzgewicht bedeutenden Kunststoff-Karosserie.


DB GT Le Mans (1961) - Stossstangen waren ein Kennzeichen der "Luxe"-Ausführung
Copyright / Fotograf: Artcurial

Nicht billig, aber speziell

13’800 Franken kostete 1961 ein DB Le Mans, dies war deutlich günstiger als ein ähnlich schneller Porsche 356, aber der günstigste Morgan kostete zu jener Zeit nochmals deutlich weniger und für das gleiche Geld gab es auch einen Alfa Romeo Giulietta Spider.

Vom Fahrer forderten die DB-Fahrzeuge einiges ab. So war gemäss damaligen Versuchsfahrten die Handbremse nur mit Mühe zu finden und der Blinkerschaltung war zur Überraschung manches Novizen auf dem Boden montiert. Auch bei der Schaltung galt es aufzupassen, denn die Gänge 1 und 2 lagen rechts, während 3 und 4 auf der linken Ebene eingelegt wurden.


DB GT Le Mans (1961) - das Holzlenkrad stammt aus der Zeit
Copyright / Fotograf: Artcurial

Unvergleichliches Fahrverhalten

Die Automobil Revue konnte 1961 einen Kurztest des DB-Cabriolets durchführen. Leider war der Wagen nicht eingefahren, weshalb eine Beurteilung der Fahrleistungen nicht möglich war. Begeistert zeigten sich die AR-Redakteure aber vom Handling:

“Unwahrscheinlich ist die Strassenlage dieses Frontantrieblers. Vor Haarnadelkurven, die mit 80 bis 90 km/h angefangen werden, genügt es, das Gas kurz wegzunehmen und hierauf mit jeder beliebigen Kraft am Lenkrad zu ziehen. Wenn je der Aus- druck vom «Kleben in den Kurven» am Platz war, dann hier.”

Überschaubare Stückzahlen

232 Cabriolets des Typs Le Mans baute DB zwischen 1959 und 1962. dann trennten sich Deutsch und Bonnet, weil man sich bezüglich der technischen Ausrichtung nicht mehr einig war. Während Deutsch mit Panhard-Ingredienzen weiterfahren wollte, präferierte René Bonnet die vierzylindrigen Renault-Motoren.

Das Modell “Le Mans” wurde 1963 und 1964 unter der Marke “René Bonnet” mit dem 1,1 Liter grossen Vierzylinder aus dem Renault Gordini angeboten. Der Wagen war gewachsen und auch schwerer geworden. 790 kg Leergewicht standen nun 75 PS gegenüber. Als Höchstgeschwindigkeit wurden 165 km/h angegeben. 59 Exemplare wurden davon hergestellt.

Für weniger eilige Naturen verkaufte René Bonnet zudem das Modell “Missile”, das mit dem Dauphine-Motor mit 845 cm3 und 55 PS auskommen musste. Trotz der weitgehenden Ähnlichkeit handelte es sich beim Missile allerdings um ein komplett anderes Fahrzeug, das auf der Plattform des Renault R4 stand.

Einer von 232

Viele DB Le Mans haben nicht überlebt, denn ihre Chassis hielten Umwelteinflüssen oftmals nicht sehr gut stand. Ein Exemplar aus dem Jahr 1961 mit Fahrgestellnummer 5095 wird am 2. November 2014 von Artcurial in Paris versteigert .

Es handelt sich dabei um eine “Luxe”-Ausführung, ausgeliefert in einer weissen Lackierung und mit rotem Vinyl-Interieur sowie einem Hardtop. Trotz bisher fünf Besitzerwechseln scheint sich der Wagen weitgehend im Originalzustand zu befinden, benötigt jetzt aber trotz umfangreichen Wartungsaktivitäten einige Zuwendung.

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