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Cunningham C-3 - amerikanischer Hot Rod in italienischen Designerkleidern

Erstellt am 12. Januar 2014
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
RM Auction Ned Jackson 
6
Mathieu Heurtault - Courtesy Gooding & Company 
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Courtesy RM Auctions 
5
Dunlop 
1
Archiv 
13

Als der Cunningham C-3 1952 auf dem Autosalon in Paris präsentiert wurde, war er der einzige amerikanische Sportwagen überhaupt und durchaus ein Konkurrent für die europäische Sportwagenelite. Dank seiner Schönheit, die er Giovanni Michelotti zu verdanken hatte, schaffte er es sogar in das Museum of Modern Art.

Cunningham C-3 Coupé (1952) - als Lot 021 angeboten an der Gooding & Company Versteigerung von Scottsdale am 17./18. Januar 2014
Copyright / Fotograf: Mathieu Heurtault - Courtesy Gooding & Company

Geschwindigkeit als Credo

Briggs Swift Cunningham war ein amerikanischer Sportsmann und Unternehmer, der Benzin im Blut und die Geschwindigkeit im Kopf hatte. Er stammte aus einer reichen Familie und konnte es sich leisten, seinen Leidenschaften mit eigens entwickelten Produkten zu frönen. Neben Segeljachten wurde er hauptsächlich mit seinen Automobilen, die seinen Namen trugen, berühmt. Aber er erntete auch als Fahrer Lorbeeren und er setzte auch ungewöhnliche Fahrzeuge im Langstreckenrennsport ein, zum Beispiel den Cadillac “Le Monstre”.

Aus der Not geboren

Briggs Leidenschaft waren Langstreckenrennen und er versuchte wiederholt, den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans zu erringen. Einige Male lag der erste Platz in Reichweite, doch der komplette Erfolg gelang nie.

Wegen veränderter Rahmenbedingungen sah sich Cunningham für die Teilnahme an den 24 Stunden von Le Mans anfangs der Fünfzigerjahre gezwungen, eine Serie von 25 Fahrzeugen zu produzieren. Der Geschäftsmann Cunningham hoffte zudem, durch den Verkauf von Sportwagen, die für den Strassen- und den Renneinsatz taugten, die teuren Renneinsätze querfinanzieren zu können.

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Konzipiert durch Briggs Cunningham

Der neue Sportwagen für Strasse und Rennen sollte C-3 heissen. Den ersten Prototyp konstruierte Cunningham mit seinen Ingenieuren in den eigenen Räumen in West Palm Beach.

Cunningham C-3 West Palm Beach Coupé (1952) - angeboten an der RM Auktion von Monterey vom 19. und 20. August 2011
Copyright / Fotograf: RM Auction Ned Jackson

Als Basis nutzte man den C-2-Rennwagen, übernahm den wie eine Leiter aufgebauten Rahmen und die aufwändige De-Dion-Aufhängung. Als Motor setzte man auf einen Chrysler-V8.

Bei der Nachkalkulation zeigte sich, dass ein derart gebauter Sportwagen rund USD 15’000 kosten würde, ohne dass der Hersteller eine Marge hätte. Dies wurde also zu teuer empfunden und man suchte neue Wege.

Man kontaktierte die Carrozzeria Vignale, die in der Lage war, deutlich günstigere Karosserien zu liefern, womit der Basispreis gegen USD 9’000 sinken sollte.

Design von Giovanni Michelotti

Virgil Exner, ein Freund Cunninghams, skizzierte bereist 1951 ein mögliches C-3-Coupé, das dem Chrysler d’Elegance von 1953 relativ ähnlich sah. Warum Cunningham dieses Design nicht favorisierte, ist unklar.

Cunningham C3 (1952) - der Entwurf von Michelotti
Archiv Automobil Revue

Jedenfalls erhielt Giovanni Michelotti 1952 den Auftrag, das Design des Coupés (und später auch des Cabriolets) zu gestalten. Heraus kam ein eleganter Fliesshecksportwagen mit eindeutig europäischer Linienführung und eleganter Zweifarbensilhouette. Von vorne glich der Wagen den Ferrari-Entwürfen Michelottis, die Seitenansicht wirkte aber individuell. Insgesamt darf die Form aber sicher als eine der schönsten der frühen Fünfzigerjahre überhaupt gesehen werden.

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Technik von Chrysler

Auch die Technik wurde vereinfacht und möglichst seriennah gehalten. Statt der De-Dion-Hinterachse setzte man für die Serienfertigung auf die Chrysler-Starrachse mit Längslenkern, Schraubenfedern und Panhardstab. An der Vorderachse wurden die Räder an Einzelradaufhängungen mit Trapez-Dreieckquerlenkern und Schraubenfedern geführt. Als Bremsen nutzte man hydraulisch angesteuerte Mercury-Trommeln.

Cunningham (1953) - der Motor stammt von Chrysler und hat acht Zylinder in V-Form
Archiv Automobil Revue

Der Motor war ein 5,4 Liter grosser Chrysler CID “Fire Power” Hemi V8 mit Cunninghams eigener Konstruktion zur Anbringung von vier Zenith-Vergasern. Die Leistung betrug damit rund 220 PS bei 4’400 U/Min.

Geschaltet wurde via Automatik oder manuell mit einem synchronisierten Dreigang-Getriebe. Tatsächlich wandelten sich die Spezifikation immer wieder über die Bauzeit.

Gebaut bei Vignale

Rund zwei Monate dauerte der Bau eines Autos bei Vignale, während die Amerikaner in der Lage waren, ein Chassis pro Woche zu fabrizieren. Der fertige Wagen wog rund 1270 kg, mass 4,34 Meter in der Länge und 1,78 in der Breite. Die ausführliche Bezeichnung lautete “Cunningham C3 Continental Sports Coupé”.

Das Interieur war luxuriös ausgestaltet und in hoher Qualität gefertigt.

Cunningham C 3 Continental Coupé Vignale (1952) - Blick in das Interieur
Archiv Automobil Revue

Rund 190 km/h gestand man dem Sportwagen zu, als Reiseverbrauch wurden 15 bis 17 Liter pro 100 km geschätzt. Die Beschleunigung auf 60 MPH (96 km/h) soll der Wagen in weniger als sieben Sekunden geschafft haben.

Der Verkaufsprospekt wies deutlich auf die Vereinigung amerikanischer Technik mit italienischer Kunst hin und tatsächlich schaffte es das Coupé 1953 dann auch im Rahmen der Sonderausstellung “Ten Automobiles” in das Museum of Modern Art (MoMa).

Begeistert empfangen

Der elegante Sportwagen wurde unter anderem auf dem Pariser Salon (1952) und am Genfer Autosalon (1953) gezeigt und stiess auf positives Echo.

Cunningham C-3 (1952) - am Pariser Autosalon im Herbst 1952
Archiv Automobil Revue

So schrieb die Automobil Revue in der Ausgabe 31/1952:
“Unter diesem italienisch aussehenden Sportcoupé, einer neuen Schöpfung der Turiner Firma Vignale nach einem Entwurf von Giovanni Michelotti, verbirgt sich ein Fahrgestell der einzigen amerikanischen Sportwagenmarke Cunningham, die bekanntlich frisierte Chrysler-V8-Motoren verwendet. Typisch für diese Wagen ist das verhältnismässig flach liegende Lenkrad ...”

Im April 1953 stand in der ADAC Motorwelt in den “Genfer Notizen”:
“Nur 10’000 Dollar kostet in Amerika dieser neue Cunningham. Von Vignale karossiert, basiert das Fahrwerk auf einem fünfeinhalb Liter großen V-Achtzylinder- Motor mit 223 PS und 190 km/st Spitze.”

10’000 Dollar waren damals aber eine mächtige Stange Geld, ein Austin-Healey etwa kostete knapp einen Viertel dieser Summe in den Staaten. Im Vergleich zu den damals produzierten Ferrari-Sportwagen lag der Cunningham C-3 aber gut im Rennen und auch Fahrleistungen und Strassenlage waren konkurrenzfähig.

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Selten und teuer

Es wurde von respektablen Produktionszahlen geträumt. Noch im Februar 1953 schrieb die Automobil Revue im Rahmen ihres “Turiner Karosseriebriefs”: 
“Bei Vignale hat sich die Zusammenarbeit mit Cunningham eingespielt. Zurzeit werden über 80 der im letzten Herbst in Paris gezeigten Coupé-Karosserien im Gange. Ein Cabriolet für diesen Wagen ist in Vorbereitung und ist vielleicht schon in Genf zu sehen.”
Dies war aber offensichtlich stark übertrieben, denn tatsächlich wurden gerade einmal 19 Coupés (andere Quellen nennen 20) und vier (oder fünf, respektive neun?) Cabriolets gebaut. Jedenfalls sollen 24 C-3 heute noch existieren, was eine beeindruckende Überlebensrate ist.

Cunningham C-3 Coupé (1952) - als Lot 021 angeboten an der Gooding & Company Versteigerung von Scottsdale am 17./18. Januar 2014
Copyright / Fotograf: Mathieu Heurtault - Courtesy Gooding & Company

Das abgebildete blau-weisse C-3 Coupé mit Jahrgang 1952 und Chassisnummer 5210 wird an der Scottsdale-Versteigerung von Gooding & Company als Lot 21 zum Schätzpreis von USD 450’000 bis 550’000 angeboten.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von hr******
12.01.2016 (21:10)
Antworten
Das waren die Zeiten,wann die Ingenieuren mit Designern zusammen Autos gebaut haben, damit Auto nicht nur ein Mittel sondern auch ein Genuss für das Auge ist und ein Stück der Kultur vertretten kann.
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