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Bild (1/3): Citroën Méhari 4x4 (1980) - für Strand, Wüste und schweres Gelände (© Balz Schreier, 2015)
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    Citroën Méhari 4x4 - ein Renndromedar für Sonnenanbeter

    5. Juni 2015
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (1)
    Balz Schreier 
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    Lawrence von Arabien, von Peter O’Toole gespielt im Film des Jahres 1962, musste für die Wüstendurchquerungen mit einem Kamel vorliebnehmen, denn den Citroën Méhari 4x4 gab es damals und noch weniger um das Jahr 1920 herum noch nicht. Mit dem Méhari wäre er aber deutlich besser bedient gewesen, denn jener kam ohne Wasser aus, bot vier Sitzplätze und sogar ein Regenverdeck, krabbelte dabei an Steigungen bis 70% hoch und beschleunigte notfalls auf 100 km/h. Doch blättern wir zurück ...

    Citroën Méhari 4x4 (1980) - behelfsmässige Türen
    © Copyright / Fotograf: Balz Schreier

    Als Freizeitfahrzeug lanciert

    Mitte der Sechzigerjahre kamen VW Buggys auf, zur selben Zeit lancierte man in England den Mini Moke. Da wollte auch Citroën nicht zurückstehen und brachte den Méhari auf den Markt, ein leichtgewichtiges und geländetaugliches Fahrzeug mit offener Kunststoff-Karosserie.

    Konzipiert wurde der Wagen von Graf Roland de la Poype, einem französichen Kampfflieger-Piloten aus dem zweiten Wektrieg, und dessen Firma SEAP.

    Citroüen Méhari (1969) - auch zum Heuen kann das Kunststoff-Gefährt eingesetzt werden
    © Zwischengas Archiv

    Präsentiert wurde der neue Citroën als Dyane 6 Méhari in Deauville und die Automobil Revue berichtete damals über die ungewöhnliche Präsentation:

    “Bei den in der letzten Woche von Citroën in Deanville präsentierten Neuheiten hat die französische Marke erstmals ein traditionelles Tabu durchbrochen: die sonst in äusserst seriösem Rahmen gehaltenen Premieren wurden diesmal durch einen ganzen Schwärm mini- und maxibekleideter Mädchen aufgelockert. Ständig waren der Ami 6 mit stärkerem Motor, der Ami 6 Méhari und der Ami 6 Break Service von diesen hübschen «Acces- soires», die aber nicht serienmässig geliefert werden, belagert.
    Der Dyane 6 Méhari (Renndromedar) ist ein echtes Allroundfahrzeug für praktisch jedes
einigermassen fahrbare Gelände und für jeden nur erdenklichen Zweck.
    Das originelle Modell besitzt eine mit Metallstreben verspannte Kunststoffkarosserie. Sie ruht auf dem serienmässigen Unterbau des Dyane 6; Motor, Getriebe und Aufhängung sind gleich wie bei diesem. Ein interessantes Detail, bei einer Beule in der elastischen Aussenhaut müssen nur die Metallstreben wieder gerichtet werden, damit der Kunststoff seine ursprüngliche Form wieder erhält. Der Méhari ist auch mit einem Winteraufbau erhältlich, dieser hat Türen aus Plastikmaterial und versenkbare Scheiben.”

    Citroen Méhari (1968) - als Hippie-Mobil, passend zu den End-Sechzigern
    © Zwischengas Archiv

    Plastik, aber gefärbt

    Als Karosserie nutzte der Méhari, das Wort steht für die schnellen Dromedare der Tuaregs, GFK, der auch gleich in der passenden Farbe, während der ganzen Bauzeit standen acht Farbtöne -  Rouge Hopi, Vert Tibesti, Vert Montana, Orange Kirghiz, Beige Kalahari, Beige Hoggar, Jaune Atacama, Blanc et bleu (Azur) - zur Auswahl, eingefärbt war.

    Die Alternative zum VW-Buggy - Citroën Méhari auf Basis des 2 CVs - Auto e Moto d'Epoca 2014
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz
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    Bewährte Mechanik

    Unter der Plastikkarosse tat die bewährte Technik des 2CV ihren Dienst, allerdings profitierte der Méhari von Anfang an vom neuen 602 cm3 grossen Zweizylinder mit Luftkühlung.

    Die rund 29 PS fielen bei 5750 Umdrehungen an und sie reichten für rund 100 km/h Spitze. Und als einer der wenigen Geländewagen jener Zeit verfügte der Méhari über vier einzeln aufgehängte Räder!

    Auch zum Heuen, Jagen und ....

    Schon bei der Präsentation machte Citroën klar, dass es sich beim Méhari um ein Vielzweckfahrzeuge handle. Attraktive Mädels nämlich führten das vorderradangetriebenen Geländefahrzeug nämlich als Golf-, Jagd und Heuwagen sowie als Strandmobil und landwirtschaftliches Nutzfahrzeug. Diese Sujets wurden auch in den frühen Pressebilder gekonnt umgesetzt.

    Citroen Méhari (1968) - auf Tierjagd - mit Kamera und Gewehr
    © Zwischengas Archiv

    Trotz teilweise schwieriger Umstände liess sich der neue Wagen gut verkaufen, jeweils rund 11’000 bis 14’000 Exemplare wurden jedes Jahr bis 1974 abgesetzt, dann ging der Verkauf zurück, obschon man 1978 die Frontpartie modifizierte. Im Jahr 1987 gab man schliessich die Produktion auf, allerdings sorgten Zulieferfirmen dafür, dass man auch nachher auf eigene Faust Méharis auf 2CV-Fahrgestellen aufbauen konnte.

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    Ein erneuter Allradversuch

    Eine besondere Variante des Méhari stellte Citroën 1979 vor. Dabei handelte es sich um eine Version mit zuschaltbarem Hinterradantrieb, Sperrdifferential und Reduktionsgetriebe. Diese Variante war eigentlich für die Armee entwickelt worden, da man sich einen Rüstungsauftrag erhofft hatte. Ab Oktober 1979 konnte man die 4x4-Variante als Privatier kaufen und erhielt für einen deutlichen Mehrpreis auch ein umfangreich umgebautes Fahrzeug. Hinzugekommen war ein Kardantunnel, eine angetriebene und sperrbare Hinterachse sowie zwei Scheibenbremsen für die hinteren Räder.

    Citroën Méhari 4x4 (1980) - auch innen fast ausschliesslich Plastik
    © Copyright / Fotograf: Balz Schreier

    Innen waren sportliche Rundinstrumente für die Orientierung des Fahrers zuständig. Vordere Einzelsitze und eine Sitzbank hinten standen den vier Insassen zur Verfügung.

    Ein Verkaufserfolg wurde die geländegängige Variante allerdings nicht, genauso wenig wie die Ente namens 2 CV Sahara mit zwei Motoren. Nach 1213 Exemplaren war bereits 1983 Schluss.

    Gesuchte Rarität

    Heute sind die raren 4x4-Versionen gesucht und wechseln an Versteigerungen für hohe Summen den Besitzer. Dabei ist der Mehrwert der Allradausrüstung für die meisten Sammler wohl nur von zweitrangigem Interesse, denn auf der Strasse reichen zwei angetriebene Räder völlig.

    Für geduldige Abenteurer und Sonnenanbeter

    Im Zeitalter von Festdach-Cabriolets mit automatisch versenkbarem Dach mutet der Méhari mehr als nur nostalgisch an. Vor dem Offenfahrvergnügen müssen nämlich immerhin sechs Dachteile demontiert und im Wagen versorgt werden. Dabei wird eine Kombination von Klettverschlüssen, Drehverschlüsseln, Druckknöpfen und Riemchen gelöst und die Aussenhaut abgezogen. Übrig bleibt dann nur ein ebenfalls demontierbares Gestänge und eine (zumindest bei den frühen Modellen des Méhari umlegbare Frontscheibe. Rund fünf Minuten dauert die ganze Prozedur, wenn man nicht übermässig geschickt ist. Dann aber ist grenzenlose Offenheit angesagt, mehr Frischluft kriegt man kaum in einem anderen Auto.

    Citroën Méhari 4x4 (1980) - sehr luftig ist man im offenen Wagen untergebracht
    © Copyright / Fotograf: Balz Schreier

    Und nun gelangt auch das charakteristische Motorengeräusch des luftgekühlten Zweizylinder-Boxers ungefiltert zu den Insassen, für 2CV-Anhänger reine Musik.

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    Viel Spass, viel Aufmerksamkeit

    Beim Fahren zeigt der Méhari, dass auch 29 PS viel Spass bereiten können. Man ist immer im Zentrum, denn der Wagen wirkt einfach sympathisch.

    Die Sitzposition ist aufrecht, die Gänge werden wie bei der Ente mit dem gebogenen Schalthebel, der aus dem Armaturenbrett herausragt, eingelegt.

    Citroën Méhari 4x4 (1980) - mit dem grauen Hebel wird geschaltet, links kann der Allrad zugeschaltet werden, rechts die Reduktionsuntersetzung verlangt werden
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Wer sich ins Gelände wagt, dem stehen drei zusätzliche Hebel zur Verfügung. Mit einem wird der Hinterradantrieb zugeschaltet, mit dem zweiten können drei besondere kurze Gänge zugeschaltet werden und mit dem dritten lässt sich die Hinterachse sperren. Auf diese Weise konditioniert, überwindet der Méhari 4x4 erstaunlich steile Hügel und dank Unterbodenschutz gehen auch wildere Ausritte nicht als Versicherungsschaden zu Ende.

    Auf normaler Strasse unterscheidet sich der Méhari wenig von einer Ente, weder vom Temperament noch vom Fahrgefühl. Nur viel offener ist er halt und macht bei schönem Wetter auch entsprechend viel Freude.

    Wer weiss, wie die Geschichte von Lawrence von Arabien geendet hätte, wenn er gegen Ende des Films statt auf dem Motorrad im Méhari 4x4 unterwegs gewesen wäre ...

    Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit zur Probefahrt im Citroën Méhari 4x4 von 1980. . 

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