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Bild (1/1): Chrysler New Yorker (1966) - der Designer hiess Elwood Engel (© Daniel Reinhard, 2016)
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    Chrysler New Yorker - gleitender Luxusschlitten, nicht nur für TV-Serien

    26. Oktober 2016
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (71)
    Chrysler / FCA Group / Werk 
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    Was haben die Fernsehserien “The Man from U.N.C.L.E.”, “The Green Hornet”, “Mission Impossible” und “Batman” der Sechzigerjahre gemeinsam? Jawohl, sie wurden alle im neuen Jahrtausend für die grosse Leinwand verfilmt. Und bei all diesen Serien glitt irgendwann (oder des öfteren) ein Chrysler New Yorker jener Zeit über die Szene. Nicht in einer Hauptrolle, aber zu übersehen war der Chrysler trotzdem nicht, denn er verfügte über wahrhaft opulente Ausmasse.

    Chrysler New Yorker (1966) - wirkt aus jeder Perspektive elegant
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Mit 5,56 Metern Länge und 2,02 Metern Breite war er einer der Grössten auf hiesigen Strassen. Der Kofferraum alleine war so umfangreich, dass vier Personen locker darin Karten spielen konnten, für zwei bot er ausgestreckt ein mehr oder weniger gemütliches Schlafplätzchen.

    Chrysler New Yorker (1966) - da kann man zu zweit problemlos ein Lesestündchen einschalten
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Aber Grösse war nicht sein alleiniges Plus, die New-Yorker-Baureihe steckte auch voller Innovationen.

    Lange Tradition

    Bereits im Jahr 1938 erschien der erste New Yorker auf der Bildfläche, in voller Länge hiess er Chrysler New Yorker Special. Von da an löste sich Generation um Generation ab, 58 Jahre lang.

    Chrysler New Yorker (1955) - eindeutig ein Fünfzigerjahre-Design
    © Copyright / Fotograf: Chrysler / FCA Group / Werk

    1951 bekam die unter dem Imperial positionierte Oberklassenlimousine den neu entwickelten Hemi-V8-Motor, 1955 erhielt die Baureihe eine zukunftsgerichtete Linienführung durch Virgil Exner und zwei Jahre später die innovative “Torsion-Aire”-Aufhängung.

    Chrysler New Yorker Station Wagon (1959) - praktisch mit zusätzlichem Stauraum
    © Copyright / Fotograf: Chrysler / FCA Group / Werk

    1960 schliesslich wechselte Chrysler zur selbsttragenden Karosserie, noch bevor GM und Ford diese einführten. Auch der Einsatz eines Alternators anstelle der Lichtmaschine gelang Chrysler 1961 vor der Konkurrenz.

    Von Ford zu Chrysler

    Elwood Engel hiess der Designer, der dem 65-er New Yorker ein komplett frisches Design gab. Engel war ein erfahrener Mann, er lernte sein Handwerk bei General Motors unter Harley Earls Supervision, trat dann nach dem Krieg bei Ford ein und gestaltete unter anderem den 61-er Lincoln Continental.

    Nachdem Engel sich in seinen Karrieremöglichkeiten bei Ford eingeschränkt sah, wechselte er im Jahr 1961 zu Chrysler.

    Lincoln Continental (1961) - nur geringfügige Modifikationen für das Modell 1962
    © Zwischengas Archiv

    Beim New Yorker des Baujahres 1965 nahm Engel Anleihen an seinem eigenen Continental-Entwurf (1961), entwickelte das Design aber deutlich weiter.

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    Von allem etwas mehr

    Die siebte Generation des Chrysler New Yorker, gebaut in den Jahren 1964 bis 1968 (Baujahre 1965 bis 1968) geizte nicht mit inneren und äusseren Werten.

    Wie bereits die vorangegangene Generation waren die Wagen selbsttragend mit einem vorderen, auf Gummi gelagerten Hilfsrahmen konstruiert. Fünf Zentimeter länger war der Radstand gegenüber dem Vorgänger geworden, die Gesamtlänge wuchs um sieben Zentimeter und betrug nun über 5,5 Meter.

    Die Automobil Revue beschrieb die Designneuerungen im September 1964:
    “Von ihren Vorgängern unterscheiden sich die Neukonstruktionen, deren Radstand (ausgenommen Station Wagon) 3,15 Meter beträgt, insbesondere durch die vergrösserten Türöffnungen, den gesteigerten Kopf- sowie Beinraum. Die neue Karosserielinie kommt vor allem bei den Sedan mit ihren sechs Seitenfenstern zum Ausdruck, welche zur Vergrösserung der Innenabmessungen gewölbt wurden. Weitere Merkmale des neuen Jahrganges sind die strengere Dachlinie sowie der schlanker ausgebildete Mittelpfosten. Vermehrte Aufmerksamkeit wurde ebenfalls dem Korrosionsschutz geschenkt; es betrifft dies vor allem die Radkasten sowie die Türschwellen.
    Als grosse Neuheit, von der man sich viel verspricht, bringt Chrysler bei seinen Neuwagen eine in der Mitte des Armaturenbrettes angebrachte Schublade, die nicht nur den Aschenbecher und Zigarrenanzünder enthält, sondern ausserdem einen «Münzbehälter» für Parkuhren aufweist.”

    Auch unter dem Blech wartete der neue Chrysler-Jahrgang mit Neuerungen auf, so gelangten an der Vorderachse längere Federstäbe zum Einbau, die Räder wurden wie schon vorher von oberen Trapez-Dreieckslenkern und unteren Querlenkern geführt. Hinten tat eine Starrachse mit Halbelliptikfedern ihren Dienst. Standardmässig wurden die Wagen mit Trommelbremsen ausgerüstet. Die Wirksamkeit der Heizung war verbessert worden und ein grösserer Benzintank sollte für mehr Reichweite sorgen.

    Als Motor dienten Achtzylinder bewährter Bauart, im New Yorker hiess dies 6746 cm3 Hubraum und 345 SAE-PS bei 4600 Umdrehungen. Geschaltet wurde automatisch per Torqueflite Eight Wandlerautomatik mit drei Gängen.

    Rund 200 km pro Stunde lief die knapp über zwei Tonnen schwere Limousine, als Verbrauch ging man damals von etwa 18 bis 22 Litern pro 100 km aus.

    Wem 200 km/h nicht reichten, der hatte die Möglichkeit, noch einen Vierfachvergaser und 20 PS draufzulegen.

    36’900 Franken kostete der New Yorker als Limousine in der Schweiz, das war eine ganze Stange Geld. Im Vergleich dazu war der Mercedes-Benz 300 SE “nur” 30’900 Franken teuer, der gerne als Massstab herangezogene VW Käfer 1300 de Luxe war für 6750 Franken zu haben.

    Weiterentwicklung

    Ein Jahr später wurde der New Yorker wie auch seine Schwestermodelle Newport und 300 styilistisch überarbeitet, die einzelnen Modelle unterschieden sich nun stärker von einander. Änderungen am Kühlergrill, an den Heckleuchten und an den Verzierungen erlaubten die Unterscheidungen vom Vorjahresmodell.

    Chrysler New Yorker (1966) - über 350 SAE-PS wuchter der V8 auf die fünffach gelagerte Kurbelwelle
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Vor allem aber war der Motor erneut im Hubraum gewachsen, 7206 cm3 betrug nun das neue Gardemass. Damit waren 355 SAE-PS möglich, die der V8 mit hängenden Ventilen und zentraler Nockenwelle aus dem Arm, oder besser gesagt aus der fünffach gelagerten Kurbelwelle schüttelte.

    Scheibenbremsen gab es nun auf Wunsch gegen Aufpreis, in der Schweiz waren sie Serienausstattung. Gegen zusätzliches Geld gab es auch ein ausziehbares Lenkrad, ausziehbare Kopfstützen und getrennte Heizungseinstellungen für die Vorder- und Rücksitze.

    An den Fahrleistungen änderte sich wenig, der Verbrauch lag ein wenig höher.

    Chrysler New Yorker (1966) - viel Platz für die Familie
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Für das Baujahr 1967 wurde der V8 erneut verfeinert, er wies nun eine gesteigerte Laufruhe auf. Gearbeitet wurde auch an der passiven Sicherheit, energieabsorbierende Lenksäulen, Zweikreis-Bremssysteme und nachgiebige Innenspiegel mit Tag- und Nachtstellung waren Beispiele dafür. Dazu kamen Bauchgurten, Sicherheits-Innentürgriffe, widerstandsfähige Türschlösser und grössere, von innen verstellbare Aussenspiegel. Verzichtet wurde auf die kleinen Zusatzscheiben hinter den Türen.

    Im Jahr darauf wurden die Karosserieflächen deutlicher umgestaltet. Neben den üblichen Retouchen, insbesondere an Front und Heck, hoben sich die Baujahr-1968-Typen durch eine neugezeichnete Dachlinie ab. Antriebsseitig blieb alles beim alten, aber nun konnte man sich gegen zusätzliches Geld eine “Speed Control Unit” dazu bestellen, also einen Tempomaten.

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    Vorsprung durch Technik

    Auch im Chrysler New Yorker sorgten die Ingenieure immer wieder für Innovationen.

    Chrysler New Yorker (1966) - man beachte den Knopf zur Einstellung des Sentinel, das für das automatische Lichteinschalten zuständig war
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Zudem konnte man sich mit “Twilight Sentinel” die Scheinwerfer automatisch einschalten lassen. Scheibenbremsen sorgten für massiv verkürzte Bremswege.

    Nur vier Jahre

    Über 200’000 New Yorker der siebten Generation wurden in vier Jahren gebaut, vom 1966-er Hardtop-Sedan beispielsweise waren es 37’622 Exemplare.

    Chrysler New Yorker (1972) - noch immer ähnlich dem Design von 1965
    © Copyright / Fotograf: Chrysler / FCA Group / Werk

    Der Nachfolger des Baujahres 1969 unterschied sich zwar technisch kaum vom Vorgänger, optisch aber wurde ein neuer Weg eingeschlagen.
    Bis 1997 noch wurden Modelle mit der “Chrysler New Yorker” Bezeichnung gebaut, sie schrumpften über die Zeit und sie erhielten kleinere Motoren, die zudem die Vorderräder antrieben.

    Auf den Spuren von Kato und Napoleon Solo

    Wie fühlten sich wohl all die Statisten, die in den bereits zitierten Fernsehserien neben den Stars wie Kato (der Martial-Arts-Spezialist in “The Green Hornet” oder Napoleon Solo (“The Man from U.N.C.L.E.”) im New Yorker über die Szenerie fuhren? Sicherlich prächtig, denn ein sehr grosszügiger Innenraum und viele Komfortattribute machten schon damals das Fahren leicht. Und das Einparken in einem hiesigen Norm-Parkplatz gehörte nicht zu den Aufgaben damals.

    Chrysler New Yorker (1966) - Detektive fuhren Ford, Geschäftsleute Chrysler
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Wer sich heute in die viertürige Limousine setzt, wird von einem komfortablen und überaus geräumigen Interieur empfangen. Fingerspitzengefühl ist mehr gefragt als rohe Muskeln, denn die servo-unterstützte Lenkung dreht spielend leicht, die Scheibenbremsen reagieren auf minimalen Pedaldruck. Nur für das Hochkurbeln der Seitenscheiben sind überraschenderweise Drehbewegungen nötig.

    Dafür werden die Gänge automatisch gewechselt, der linke Arm kann somit problemlos aus dem Fenster baumeln, der rechte reicht für's Lenken.

    Chrysler New Yorker (1966) - Einzelsitze in der Hardtop-Limousine
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Die Rundumsicht ist prächtig und kaschiert die Gardemasse . Vom Motor hört man vergleichsweise wenig, für genügend Vortrieb sorgt er aber schon. Etwas ganz besonderes ist der Fahrkomfort, der die Besatzung weitgehend von der Unebenheit der Strassenoberfläche entkoppelt. Man schwebt sozusagen über den Asphalt, die vergleichsweise gefühllose Lenkung verstärkt diesen Eindruck.

    Chrysler New Yorker (1966) - so stellte man sich damals Luxus vor
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Die Umwelt reagiert überraschend positiv auf das 5,5-Meter-Schiff, aus damals sicherlich ab und zu spürbarer Missgunst ist inzwischen Bewunderung geworden. Diese ist auch verdient, wenn man sich die vielen herrlichen Details und die wahrlich kunstvoll gestalteten Flanken des eleganten Wagens ansieht.

    Wir danken der Oldtimer Galerie für die Gelegenheit zur Probefahrt. 

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    MIKE DREHER:
    01.11.2016
    Schöne Story über Chrysler. Eine meiner Gastfamilien in den USA 1970 hatte einen Imperial, das Spitzenmodell von Chrysler mit der eher unglücklichen Designidee, 2 freistehende Scheinwerfer links und rechts einzubauen.
    In einer AR ca 1975 hatte ich unter dem Titel "Chinas weiter Weg vom Veloland zum Autoland" geschrieben, es gebe im Stadtbild von Peking immer wieder Chrysler 1948, die nicht von ihrer Herrschaftlichkeit eingebüsst hätten.

    (Nachher gab's ja nur noch sowjetrussische Autos, bis zur getarnten Mercedes 220 (Ponton) Lizenz "Shanghai" ab den Sechzigerjahren. Der "Hongki" Rote Flagge, war die Repräsentationslimousine. Man brauchte immer 2, weil immer einer kaputt war, so sagten meine chinesischen Freunde in Panmunjom/Korea. Mein Foto des Hongki war während Jahren im AR-Ktalog-)
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